Dienstag, 21. März 2017

Trump und das FBI

Der FBI Chef James Comey wird wohl nicht mehr lange das FBI leiten, so wie er Donald Trump gestern blamiert hat. Mutig von ihm, aber wird Trump über dieses Thema stolpern? Es könnte sein.

Es geht ja um zwei Vorgänge:

  1. Wurde Trumps Wahlkampfteam im Auftrag Obamas abgehört? Das FBI sagt, anders als Trump, nein.
  2. Hatte Trumps Wahlkampfteam Kontakte zu russischen Geheimdiensten? Das FBI hat Anhaltspunkte und ermittelt.
Ich frage mich, ob beides zusammenhängt und warum keiner das schreibt. 
Aus der Sicht des US-Präsidenten könnte das Abhören von Leuten wie dem zurück getretenen Sicherheitsberater Michael Flynn nämlich als Abhören seines Wahlkampfteams interpretiert werden. 

Zitat Tagesschau.de: "Wochen vor dem Amtsantritt Donald Trumps, telefonierte Michael Flynn, der designierte nationale Sicherheitsberater des künftigen Präsidenten mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak in Washington. Ein brisanter Inhalt des Gesprächs: die gerade von Präsident Obama verhängten Sanktionen gegen Russland. Offiziell hatte Flynn behauptet, die Sanktionen seien kein Thema gewesen. Aber Geheimdienste hatten mitgehört."

Das Vertrackte für Trump ist jedoch, dass seine Abhörbehauptung nur dann funktioniert, wenn sein Wahlkampfteam tatsächlich mit Putins Leuten gemeinsame Sache gemacht hat. Dann wäre die Abhöraktion des FBI als Spionageabwehr gerechtfertigt, und der Vorwurf des illegalen Abhörens vom Tisch. Entscheidend ist also, was das FBI an Kontakten und deren Sinn beweisen kann. Das könnte Trump tatsächlich den Kopf kosten. Warten wir mal ab.

Waltraud Dust hat was gefragt...

... während einer Pressekonferenz mit Angela Merkel und Donald Trump.

Viel wurde schon dazu geschrieben. Die dpa-Journalistin stellte drei Fragen - ich zitiere hier den Berliner Tagesspiegel
"Von Merkel wollte sie wissen, für wie gefährlich die Kanzlerin die Abschottungspolitik des US-Präsidenten halte und an Trump stellte sie zunächst die Frage, ob die Schwächung von Europa durch "America first" nicht auch eine Gefahr für die USA sei, bevor sie das ganz schwere Geschütz auffuhr: "Warum machte Ihnen eigentlich Pressevielfalt so große Angst, dass sie so oft von ,Fake News' sprechen und dann selbst Dinge behaupten, die dann nicht belegt werden können wie die Äußerung, Obama habe sie abhören lassen?"

So weit so gut. 
Aber dass daraus ein solcher Hype wird, finde ich ein bisschen lächerlich. Ich nehme an, das war selbst Waltraud Dunz unangenehm. Aber vielleicht hat es am Ende doch was Gutes?

Der Chefredakteur von dpa, mein früherer Berliner-Morgenpost-Kollege Sven Gösmann, ich verstehe ihn ja, feierte seine Kollegin voller Stolz den ganzen Tag auf Facebook (obwohl sie zur Rheinischen Post wechselt). Der Online-Stern interviewt die "gefeierte Journalistin". Die "Heute Show" präsentierte die Frage als "Highlight des Tages". Amerikanische Medien loben die Fragestellerin. Der Spiegel twittert: "DPA-Kollegin @WaltrautDunz hat bei den US-Journalisten im Weißen Haus bleibenden Eindruck hinterlassen."

Meine Güte, wieso gehört Mut dazu, solche Fragen an Angela Merkel und Donald Trump zu stellen? Dass Trump die Fragen nicht wirklich beantwortet hat - naja, außer dass er kein Isolationist sei - wird ganz unwichtig, Hauptsache, eine tolle, mutige Frage gestellt.

Frau Dunz hat ihren Job gemacht. Sie hat nicht gefragt, um die Kollegen zu beeindrucken, sondern weil sie etwas wissen wollte. Sie selbst sagt dazu: "Wir stellen eigentlich keine Fragen, nur um zu provozieren. Wir wollen natürlich etwas erfahren."

Erfahren hat sie allerdings nichts, außer dem, was wir wussten. Dass Trump eben so ist wie er ist. Ein unhöflicher, ignoranter Lügenbold, der selbst Fake News produziert und den Medien Fake News vorwirft. Mal sehen, was das FBI und die bösen Medien noch so alles rausfinden.

Frau Dunz wird wahrscheinlich keine Fragen mehr an Trump stellen dürfen. Aber vielleicht tun sich für Sie durch den Auftritt viele neue Quellen auf, die Informationen zu dem liefern, was Frau Dunz erfahren will.  Dann hätte sich das Ganze gelohnt.
Allerdings hat sie ja nur Merkels Kanzleramtsmaschine für einen Ausflug nach Washington genutzt, und ihr neuer Arbeitgeber, die Rheinische Post wird sich wahrscheinlich einen Korrespondentenposten für sie in Washington nicht leisten können. Schade eigentlich. Sie sollte ab jetzt jeden Tag eine Frage an Trump twittern.






Donnerstag, 2. März 2017

Die ZEIT klärt auf: Faktencheck Martin Schulz

Heute erst las ich in der ZEIT vom 23.Februar  einen erhellenden Beitrag von Kolja Rudzo. Must read!
Der ZEIT-Autor ging der Frage nach, ob die Behauptung des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz stimmt, wonach es seit den Hartz IV Reformen immer mehr "prekäre" Arbeitsverhältnisse in Deutschland gebe. Darunter verstehe man befristete Arbeitsverträge, Minijobs, Leiharbeit und Solo-Selbstständige ohne Angestellte.
Die Fakten: Seit 2006 entstanden rund 1,5 Millionen unbefristete, sozialversicherungspflichtige, also "normale" Arbeitsplätze. Rechnet man Teilzeit über 20 Wochenstunden dazu, sind es sogar 2,7 Millionen. Schöner Nebeneffekt: Die Kassen der Sozialversicherungen sind randvoll.

Befristete Arbeitsverhältnisse gingen dagegen um 200.000 auf 2,5 Millionen zurück, Minijobs um 80.000 auf 4,8 Millionen und Solo-Selbtständige um 120.000 auf zwei Millionen. Lediglich die Zahl der Leiharbeiter stieg um 370.000 auf eine Million. Immerhin sind Leiharbeiter auch Vollzeitbeschäftigte.

Macht es da wirklich Sinn, die Agenda 2010 zurückzudrehen?

Die ZEIT zählt noch weitere Punkte auf, wie gesagt: Hier lesen und informieren, Herr Schulz!

Montag, 27. Februar 2017

Wahljahr 2017: Schicksalsjahr für Europa?

2017 wird ein schicksalhaftes Jahr für Deutschland und Europa. Mit Trump hatte es angefangen. Großbritannien startet den Brexit im März. In Frankreich klopft Marine LePen an die Tore des Elysee-Palastes. Im April und vor allem in der Stichwahl im Mai entscheidet sich, ob die europafeindliche Rechtspopulistin LePen unser Nachbarland künftig regieren wird. Schon im März will Geert Wilders in den Niederlanden mitmischen, noch einer von derselben ausländerfeindlichen Sorte. In Italien wird wohl im Frühjahr neu gewählt. In Deutschland gibt es mehrere Landtagswahlen: Saarland (26.März), Schleswig-Holstein (7.Mai) und NRW (14.Mai). Am 24. September folgt schließlich die Bundestagswahl. Schulz gegen Merkel. Und das ganze Jahr über Trump, Trump, Trump.
Was kann bei all dem herauskommen? Ich wage einmal Prognosen.

Die größte Unsicherheit geht von Frankreich aus, dem zentralen Pfeiler Europas. Wahrscheinlich wird Marine LePen als stärkste Kraft aus der ersten Wahl hervorgehen. Aber sie wird die Stichwahl verlieren, zumindest diesmal. In den Niederlanden wird keine Partei mit Wilders koalieren, also auch dort kein "Machtwechsel". Die Briten bleiben auch nach dem Brexit Europäer und wichtigster NATO-Partner. Es wird harte Verhandlungen über die Austrittskosten geben, aber am Ende wird ein Kompromiss alles in geordnete Bahnen lenken.
Die Wirtschaft kann sich auch mit bilateralen Regelungen anfreunden. und im Grund genommen besteht die Chance, dass Europa in der Krise wieder näher zusammenrückt. Es besteht allerdings hoher Reformbedarf, der jetzt angegangen werden muss.

Bei den Landtagswahlen wird die SPD vom Schulz-Hype profitieren, davon muss man ausgehen. Ob diese Ergebnisse den Kanzlerkandidaten dann auch zur Kanzlerschaft führen, ist für mich aber völlig offen. Das Komische ist ja, dass Schulz gegen eine Bundesregierung antritt, in der seine eigene Partei mitregiert und für alles mitverantwortlich ist, was Schulz ändern will. Es wäre fatal, wenn ein rot-rot-grünes Bündnis die Agenda 2010 weiter zurückdreht, Steuern erhöht und den Staatsanteil noch weiter ausbaut.
Selbst wenn Schulz das Bundestagsergebnis für die SPD erheblich verbessern sollte, wird es hoffentlich nicht für ein rot-rot-grünes Bündnis reichen. Vielleicht ginge es dann mit der FDP als vierten im Bunde, aber das dürfte Christian Lindner nicht mitmachen. Wahrscheinlich kommt es also erneut zu einer großen Koalition, wenn es nicht zu irgendeinem fatalen Großereignis wie einem Finanzcrash kommt, so dass sich alle hinter der Kanzlerin versammeln.
Und Trump? Die Wirtschaft wird erst einmal ihr Fähnchen nach seinem Wind ausrichten, und vielleicht sogar von seinen angekündigten Maßnahmen profitieren.
Aber Trump ist und bleibt der durch seine Präsidentenmacht gefährlichste und unberechenbarste Politiker der westlichen Welt. Er wird sich keinen Deut ändern, zu lange sind seine Sprüche und sein Verhalten konsistent.
Ich hoffe, dass sich in den USA eine Gegenbewegung mobilisieren lässt, die ihn aus dem Amt jagt. Vielleicht noch nicht in diesem Jahr, aber im Laufe seiner Amtszeit. Seine Anti-Medienkampagne wird genug fähige Journalisten motivieren, jeden seiner Schritte, seine Geschäfte, seine Steuererklärung, seine Vergangenheit auseinanderzunehmen, bis sein wahres Fake-News-Gesicht offen liegt.  Und das wären dann die besten Nachrichten des Jahres 2017.
Das Schicksalsjahr 2017 könnte dann sogar ein gutes Jahr werden.




Dienstag, 21. Februar 2017

Gesundheit - das kranke System

Heute war ich bei meinem Orthopäden mit Kniebeschwerden, die er super mit einigen Spritzen behandelt hat. Ich erzählte ihm von einem Freund, der seit einer Arthroskopie am Knie sehr starke Schmerzen hat - stärker als vorher.  Mein Orthopäde arbeitet konservativ und kommentierte meine Geschichte so: Für eine Arthroskopie erhält ein Arzt rund 1000 Euro. Behandelt er das Knie drei Monate konservativ erhält er 28 Euro pro Behandlung. Kein Wunder also, dass Orthopäden sehr schnell zur Arthroskopie greifen.
Das hört man überall. Wer in eine Klinik muss, erhält immer das volle Programm, denn die Maschinen müssen ja ausgelastet werden. Wer längere Arthrose im Knie oder in der Hüfte hat, dem wird recht schnell zu einem künstlichen Gelenk geraten. Zigtausenden Patienten wird ein künstliches Kniegelenk ohne wirkliche Notwendigkeit aufgeschwatzt, weil davon inzwischen eine ganze Industrie lebt. Die Orthopäden - mit Ausnahmen - sind die Schlimmsten. Mir haben sie eine - wie sich später herausstellte - völlig überflüssige Meniskusoperation gegen meine Knieprobleme verordnet. Ich werde mir vor meinem 80igsten Lebensjahr jedenfalls kein künstliches Gelenk einbauen. Mit Bewegung und gelegentlichen Spritzen geht es auch ohne.
Aber Scherz beiseite, das muss ja alles bezahlt werden. Das Aushandeln der Preise zwischen Kassen und Arztverbänden scheint nicht zu funktionieren. Es benachteiligt die engagierten, patientenorientierten Ärzte gegenüber den gewinnmaximierenden, apparateorientierten Doktores. Unser Gesundheitssystem ist krank. Wer kann es heilen?
Ich jedenfalls bin froh, dass ich nach neun Jahren endlich den richtigen Arzt gefunden habe.


Montag, 20. Februar 2017

Mehr Rüstung oder mehr Nachdenken?

Ich gehöre nicht zu denen, die Verteidigungsanstrengungen für überflüssig halten. Aber als ich heute im Handelsblatt eine Tabelle sah, die die Rüstungsausgaben aller Natostaaten den Rüstungsausgaben Chinas und Russlands gegenüberstellte, habe ich mich doch gefragt, was hier eigentlich abgeht.
(Ich gehe mal davon aus, dass die im Handelsblatt angegebenen Quellen Nato und Sipri einigermaßen stimmige Schätzungen geliefert haben, nachprüfen kann ich das natürlich nicht).
Nach diesen Schätzungen gaben die USA allein im vergangenen Jahr 664,1 Milliarden US Dollar aus. China 214,8 und Russland 66,4. Großbritannien zahlt jährlich 60,4, Frankreich 43,6 und Deutschland 40,7 Milliarden. Alle Nato Staaten zusammen - die Zahl nannte übrigens gestern Sarah Wagenknecht bei Anne Will - kommen auf schätzungsweise 900 Mrd. US-Dollar. In einem Jahr!

Kriege sind ohne Rüstung nicht möglich, aber könnte es sein, dass es mit weniger Rüstung auch weniger Kriege gäbe? Warum müssen wir jetzt die Rüstungsausgaben erhöhen? Was wird damit erreicht, außer eine 2-Prozent-Regel einzuhalten? Wo Kriege stattfinden, hat die Abschreckung versagt. Deutschland kann sich mit Europa über eine lange Friedensperiode freuen, weil das Nato-Bündnis seit seiner Gründung eine glaubwürdige Abschreckung geliefert hat, die immer noch wirkt. Aber wie lange noch? Russland testet permanent aus, wie stark das Nato-Bündnis ist. Die Taliban in Afghanistan hat der massive Militäreinsatz nicht vertreiben können, im Gegenteil, sie weiten ihren Einfluss ständig aus. Allein der Afghanistan Einsatz hat bis 2014 mindestens 8,9 Mrd. Euro gekostet.

"Wir produzieren Sicherheit" hieß einst ein Werbeslogan der Bundeswehr. Gilt das noch, wenn wir in Mali Sicherheit produzieren? In Afghanistan hat die Sicherheitsproduktion versagt. In Syrien ebenfalls. In der Ukraine hält sie noch einigermaßen. Aber was kommt langfristig? In den letzten Jahren konnte man immer wieder lesen, wie allein im deutschen Rüstungsbereich Geld verschwendet wird. Letztes Beispiel: Der Transporter A 400, der immer noch nicht fliegt. Skurilles eingeschlossen: Ich lese, dass der Bundesrechnungshof den Kauf einer Strickleiter für die Fregatte "Emden" rügt. Sie wurde in der eigenen Tischlerei für 7000 Euro hergestellt, auf dem Markt hätte sie 300 Euro gekostet. Man könnte darüber lachen, wenn es nicht zum Weinen wäre.

Wer liefert und finanziert eigentlich den Kriegsparteien die Waffen, die Bomben, die Raketen? Woher bezieht der IS seine Waffen? Wer liefert den Taliban Waffen und Sprengstoff? Wer verdient daran? Wer rüstet die Polizei von Leuten wie Rodrigo Duterte aus, dem philippinischen Präsidenten, der Drogendealer mit Killern verfolgt? Wir müssen mehr Fragen stellen. Mehr Nachdenken statt mehr Rüstung.

Ich erinnere mich an Donovans Lied from "Universal Soldier" (Donovan live):

He's five feet two and he's six feet four
He fights with missiles and with spears
He's all of 31 and he's only 17
He's been a soldier for a thousand years
He's a Catholic, a Hindu, an athiest, a Jain,
a Buddhist and a Baptist and a Jew
and he knows he shouldn't kill
and he knows he always will
kill you for me my friend and me for you
And he's fighting for Canada,
he's fighting for France,
he's fighting for the USA,
and he's fighting for the Russians
and he's fighting for Japan,
and he thinks we'll put an end to war this way
And he's fighting for Democracy
and fighting for the Reds
He says it's for the peace of all
He's the one who must decide
who's to live and who's to die
and he never sees the writing on the walls
But without him how would Hitler have
condemned him at Dachau
Without him Caesar would have stood alone
He's the one who gives his body
as a weapon to a war
and without him all this killing can't go on
He's the universal soldier and he
really is to blame
His orders come from far away no more
They come from him, and you, and me
and brothers can't you see
this is not the way we put an end to war.


Montag, 13. Februar 2017

Brauchen wir Populismus?


Diese Kolumne habe ich auf Bilanz.de veröffentlicht:

In letzter Zeit wird in manchen Medien der Populismus schön geredet. Man muss sich mit dem Begriff näher beschäftigen, denn eigentlich kommt er freundlich daher. Jakob Augstein schreibt in seiner Lobeshymne für Martin Schulz: „So wie Donald Trump mit einer ungewöhnlichen Strategie Wähler gewann, wird es Martin Schulz tun: mit einer handlungsorientierten, bildhaften Sprache.” Als ob es nur um die bildhafte Sprache (und das Bekenntnis zur Klasse der Abgehängten) ginge!

Zum Begriff: Populus ist das Volk. Ein Wort wie „populär” hat ja denn auch einen guten Klang. Aber alles, was „istisch” ist, kommt negativ rüber: Rassistisch, islamistisch, populistisch.

In Wikipedia lesen wir unter anderem dazu: „Der Politikwissenschaftler Cas Mudde definiert Populismus als eine Ideologie, die davon ausgeht, dass die Gesellschaft in zwei homogene, antagonistische Gruppen getrennt ist, das ‚reine Volk‘ und die ‚korrupte Elite‘, und die geltend macht, dass Politik ein Ausdruck der volonté générale oder des allgemeinen Volkswillens sein soll”.

Darum geht es tatsächlich: „Ihr da oben – wir da unten”. Populisten tun so, also ob sie „die da unten” anführen und mit ihnen gegen „die da oben zu Felde ziehen”. Aber wie will man eine Partei anführen, ohne zur Elite zur gehören? Gerade bei Donald Trump wirkt der Populismus völlig absurd. Sein Club der Milliardäre, ist eine Versammlung erfolgreicher Eliten.

Eliten werden von Populisten unter Generalverdacht gestellt. Es wird ihnen nicht abgenommen, dass sie im Interesse des Volkes handeln. Anlass dazu hat es natürlich in den letzten Jahren reichlich gegeben.

Die angeblich(!) wachsende Schere zwischen arm und reich, das Fehlverhalten von Investmentbankern, die hohen Gehälter von Vorständen, Millionenabfindungen nach kurzer Arbeitszeit, die Vertuschung des Abgasskandals von VW, der Berliner Flughafen, und nun ein plötzlicher Flüchtlingsstrom – das alles ist Munition für Populismus.

Politiker, die eine bildhafte Sprache pflegen, kommen bei unzufriedenen Wählern gut an. Wir erinnern uns an Franz-Josef Strauss, der ein Meister darin war. Wer Angela Merkel reden hört, hat immer das Gefühl, dass sie in ihren weichen Formulierungen wie ein Pudding ist, den man an die Wand nagelt. Dafür war früher auch Hans-Dietrich Genscher berüchtigt. Schäuble ist auch so ein „Weichspüler”, der erst in letzter Zeit öfter Klartext redet.

Wenn nun ein Kanzlerkandidat Martin Schulz mit populärer und bildhafter Sprache antritt, was hat Angela Merkel dagegen zu setzen?

Angela Merkel ist das krasse Gegenteil eines Populisten. Sie ist bedächtig, denkt in Kompromissen, scheut sich aber nicht, Autokraten wie Putin, Erdogan und Trump kritisch zu reflektieren, sie redet den Leuten nicht nach dem Mund. Aber sie ist auch kein Haudrauf, und die Bilanz ihrer Amtszeit kann sich zumindest wirtschaftlich sehen lassen. Sie hat in der Finanzkrise die Sparer beruhigt und sie hat eine bislang funktionierende Lösung für die Flüchtlingskrise gefunden.

Deshalb hat sie weltweit hohes Ansehen und nach wie vor recht hohe Beliebtheitswerte in der Bevölkerung, die Ergebnis ihrer Amtszeit sind. Martin Schulz reitet derzeit auf einer Beliebtheitsweille aufgrund von Erwartungen in seiner Partei, die vor allem aus der Erleichterung über den Verzicht von Sigmar Gabriel herrühren.

Eigentlich weiß kein Bürger wirklich, was er in Brüssel gemacht hat. Seine Amtszeit in Brüssel dürfte eher gegen ihn sprechen, beispielsweise die Unterstützung Jean-Claude-Junckers bei der Unterdrückung eines Luxemburger Steuerskandals – da sind einige Fragen offen.

Absolvierte Amtszeit und populistische Erwartungen, das sind zwei verschiedene „Assetklassen”, die im Wahlkampf gegeneinander antreten.

Martin Schulz kann nur mit Populismus gewinnen, indem er die Erwartungen immer weiter hochschraubt, mehr Gerechtigkeit verspricht und den „Abgehängten” eine Heimat in der SPD verspricht. Wenn es ihm gelänge, auf diese Weise AfD-Wähler in die SPD zu locken, hätte das ja auch was Gutes.

Es wird ihm aber nicht gelingen, denn in der zentralen Frage der Flüchtlingspolitik ist die SPD unpopulistisch, und das ist gut so. Deutschland braucht keinen Populismus, und ohne Eliten funktioniert weder die Wirtschaft noch die Politik.

Sonntag, 5. Februar 2017

Brunowsky´s Business Monitor: Warum Martin Schulz als Tiger startet und als Tepp...

Brunowsky´s Business Monitor: Warum Martin Schulz als Tiger startet und als Tepp...: Sigmar Gabriel muss das schon ziemlich getroffen haben, diese Euphorie mit der Martin Schulz in der SPD gefeiert wird. Wenn der hessische SP...

Warum Martin Schulz als Tiger startet und als Teppichvorleger landen wird

Sigmar Gabriel muss das schon ziemlich getroffen haben, diese Euphorie mit der Martin Schulz in der SPD gefeiert wird. Wenn der hessische SPD Vorsitzende Schäfer-Gümbel sogar von "Erlösung" spricht... Nun reist Schulz durchs Land und lässt sich in jedem Landesverband und Ortsverein feiern. Der Umfrageschub für die SPD auf nun 30 Prozent ist die Welle, auf der er jetzt - unterstützt von vielen Medien - surfen kann. Er will Emotionen wecken und dafür sorgen, dass es in diesem Land gerechter zu geht. Im September möchte er dann das Land als Kanzler regieren. Wird ihm das gelingen?
Die Umfragen sind Vorschusslorbeeren, mehr nicht. Sie motivieren vor allem die SPD-Basis für den bevorstehenden Wahlkampf. Die Botschaft ist: "Wir können es schaffen" - und das ist durchaus neu, nach jahrelangen Tiefstständen.
Inhaltlich ist Martin Schulz noch längst nicht ausreichend durchgecheckt. Schulz setzt auf das Thema "Gerechtigkeit", doch das kann zum Boomerang werden. Der jetzige Zustand des Landes, wenn man ihn denn kritisieren will, ist im Wesentlichen das Ergebnis einer Politik, an der die SPD seit der Kanzlerschaft Schröders maßgeblich oder allein mitgewirkt hat. Was soll sich ändern, wird die Frage sein: Wird es das persönliche Gerechtigkeitsgefühl wirklich ändern, wenn Superreiche stärker besteuert werden? Macht die Erhöhung des Mindestlohns um ein oder zwei Euro die Arbeitswelt gerechter?

Schulz will das Bauchgefühl der Arbeiter ansprechen. Und wie war seine Arbeit in Europa? Schulz hat unter anderem für die Haftungsunion gekämpft, in der Deutschland für die Schulden anderer einstehen muss. Er ist seit über 20 Jahre lang Teil der europäischen Bürokratie mit unglaublichen Privilegien. 
Zitat aus der "Welt": "Die Mandatsträger in Straßburg und Brüssel fliegen Business Class, bekommen Anwesenheitsgeld und nach fünf Jahren mehr Rente als ein Durchschnittsarbeitnehmer." Oder lesen Sie hier einmal, was EU-Parlamentarier verdienen: "Laut EU-Selbstauskunft verdienen allein 37 sogenannte Top-Beamte ca. 24.000 Euro monatlich (also mehr als die deutsche Bundeskanzlerin) und am 22 November 2012 berichtete der Spiegel von 214 „hochrangigen“ EU-Vertretern, die mit 178.000 Pfund (220.000 Euro) mehr als der britische Premier David Cameron erhalten. 
2014 schrieb Focus: Martin Schulz ist der Spitzenverdiener. Zusätzlich zum Grundgehalt sammelt der Präsident jeden Monat rund 18.000 Euro an steuerfreien Zuschlägen an, rechnet ein Verwaltungswissenschaftler vor. Plus zwei Dienstwagen und zwei Fahrer.

So privilegiert kann man sicherlich für mehr Gerechtigkeit sorgen, oder? So wie Trump als Milliardär vermeintlich die Arbeiterklasse angesprochen hat, kämpft Schulz jetzt für alle, die weniger verdienen als er über die Jahre verdient hat und noch verdienen wird, denn das Geld hat er eicher gut angelegt und die künftigen Pensionen sind extrem üppig.
Gute Sache, bin echt mal gespannt. Der Kater wird kommen, schließlich gibt es auch noch Wettebewerber in den anderen Parteien, die ihn abklopfen werden. Kann sein, dass der Kanzlerkandidat seinen mutigen Sprung als Tiger ganz profan beenden wird, als Teppichvorleger Angela Merkels.

Freitag, 3. Februar 2017

Trump: It´s NOT the economy, stupid

Gestern abend ging es in Maybrit Illners Talkshow um Trump, insbesondere um Wirtschaftspolitik. Illner war krank, Matthias Fornoff sprang ein.

Es war eine ziemlich langweilige Diskussion, weil alles, was dort diskutiert wurde, schon öffentlich ist und weil es vorwiegend um Wirtschaftsfragen ging. Der Präsident der deutsch-amerikanischen Handelskammer und frühere Ford-Deutschland- Chef Werner Mattes konnte nur Inhaltsleeres beitragen, was ich schon daran erkenne, dass ich mir nichts von dem merken konnte, was er gesagt hat. Peter Altmaier blieb diplomatisch und Jürgen Trittin haute ein bisschen drauf. Die Jungjournalistin Mareike Nieberding hatte den Kern des Problems besser erfasst als die ganze Runde: Es geht nicht um ökonomische Ratschläge. sondern darum, die Demokratie zu retten. Erfrischend war Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblatts: Sein Hinweis, dass wir endlich mal glauben sollten, dass Trump es ernst meint, und dass die Wirtschaft und unser Land sich darauf einstellen müssen, war richtig. Aber da mache ich mir die wenigsten Sorgen. Die Wirtschaft wird sich schon zu wehren wissen, Globalisierung bedeutet flexible Anpassung, auch wenn Trump die Zölle erhöht.

Ich halte die Diskussion über Trumps neuen Protektionismus zwar für notwendig, aber nicht für den Kern des Problems. Die gesellschaftlichen Schockwellen, die derzeit durch Amerika gehen, mögen eine Folge der Wirtschaftsentwicklung sein, aber sie haben längst eine Eigendynamik entwickelt, die das Land zutiefst spaltet.

Bill Clinton hatte seinen Wahlkampf gegen George Bush mit dem Slogan gewonnen: "It´s the economy, stupid". In ihrem Buch "It's the middle class, stupid" beschrieben die früheren Wahlkampfhelfer Clintons, James Carville und Stan Greenberg, 2012 den Mittelstand als die entscheidende Zielgruppe. "Der Wahlkampf sollte sich nicht um das Haushaltsdefizit oder Außenpolitik drehen, sondern rein um die Mittelschicht", sagte Greenberg damals laut "Spiegel Online". Das war ziemlich prophetisch. Trump hat das erkannt, seine Zielgruppe ist die amerikanische Mittelschicht. Laut Guardian verdient die Mehrheit seiner Wähler mehr als 50.000 Dollar im Jahr. Wer weniger verdient, wählte mehrheitlich Hillary Clinton. Zur Mittelschicht werden laut einer Studie alle Haushalte gerechnet, deren Jahreseinkommen zwischen 42.000 bis 125.000 Dollar liegt. 2014 lag der Anteil der so definierten Mittelschicht in den USA laut FAZ bei 49,9%.

Dass die Mittelschicht Trump gewählt hat, liegt meines Erachtens nicht an den wirtschaftlichen Wahlversprechungen Trumps. So schlecht geht es der Mittelschicht in den USA nicht, auch wenn sie seit Jahren schrumpft.
Es geht vielmehr um die Anfälligkeit eines Teils der Mittelschicht für rechten Populismus. In Deutschland würden wir es Hauswartsmentalität nennen: Solche Leute gibt es in jedem Land. Sie sind misstrauisch gegen alle Minderheiten, pflegen einen versteckten Rassismus, achten darauf, dass sich alle an Normen halten, haben ihr Gewehr im Schrank und beobachten den Nachbarn. So etwas gibt es auch in Deutschland.
Trumps Wahlerfolg hat viel weniger mit Wirtschaft oder "Abgehängten" zu tun, als es den Anschein hat. Es handelt sich um ein Revival des Spießertums, das sich wieder breitmacht, auch hierzulande, so eine Art Umkehr der 68er-Spätfolgen. Als Spießer darf man endlich mal wieder sagen. was man denkt.
In den sechziger Jahren protestierten Demonstranten mit den Schlagworten: "Unter den Talaren, der Muff von tausend Jahren". Heute zeigt sich, dass der Muff immer noch im Bürgertum steckt, und wie! Darüber müsste intensiver diskutiert werden.
It´s not the economy, stupid. It´s the bill of rights.

Mittwoch, 1. Februar 2017

BrunoMedia GmbH wird 15 Jahre alt, ein Rückblick

Zufällig hat mich heute Facebook daran erinnert, dass meine Firma schon 15 Jahre alt wird. Wow, bin selbst erstaunt.
Im Februar 2002 wurde die BrunoMedia GmbH ins Kölner Handelsregister eingetragen. Zum Jahresende 2001 hatte ich die Chefredaktion von CAPITAL mit einer stattlichen Abfindung verlassen. Matthias Prinz war damals mein nicht ganz billiger Anwalt, der mich aber prima unterstützt hat.
Mit Rolf Wickmann, der damals als G+J-Zeitschriftenvorstand die unangenehme Aufgabe hatte, mich nach zehn Jahren tatsächlich erfolgreicher Arbeit bei CAPITAL zu feuern, duze ich mich heute, wir sind gute Freunde. Mit vielen ehemaligen Capital-Kollegen stehe ich noch in Kontakt. Ich war ehrlich gesagt froh, dass ich die mit dem Börsencrash verbundenen drastischen Kosteneinsparungen und damit verbundenen menschlichen Schweinereien nicht mehr umsetzen musste. Bekanntlich ging es mit Capital danach rapide abwärts, bis hin zur Schließung der ganzen Redaktion in Köln.

Bei Gründung der Firma hatte ich noch die Absicht, gemeinsam mit Holger Wiemann, dem ebenfalls geschassten früheren Gruner+Jahr Geschäftsführer in UK, ein reines Corporate Publishing Unternehmen aufzusetzen. Holger ging dann seine eigenen Wege und ich begann zu akquirieren. Die Abfindung ermöglichte mir die Selbstständigkeit, denn es dauerte lange, bis die ersten Aufträge reinkamen.
Jürgen Kindervater, damaliger Kommunikationschef der Deutschen Telekom verhalf mir zu einem ersten Beratungsauftrag in der Telekom-Werbeagentur (damals Spieß. Ermisch, später Citigate). Nach einem halben Jahr konnte ich die ersten Kundenmagazine akquirieren. Dann kam ein Großauftrag herein: Der Bauer-Verlag bot mir an, sein Magazin "Geldidee" im Outsourcing zu übernehmen. Mit großartiger Unterstützung diverser Kollegen, insbesondere Stephan Scoppetta und Stefan Terliesner- zwei ehemaligen Capital-Kollegen und Berndt Schramka, dem früheren stv. Leiter der Henri-Nannen-Journalistenschule und nicht zuletzt dem Art Director Stefan Glückert schafften wir teilweise in Nachtschichten, dieses vierzehntägliche Magazin über eineinhalb Jahre mit 15 Leuten zu stemmen. Sanieren konnten wir es, retten aber nicht, da trotz über 60prozentiger Kostensenkung das Anzeigengeschäft nicht ausreichte. Die Geldidee wurde dann mit "Wertpapier" fusioniert, doch auch das endete mit einer Redaktionsschließung.
Ich lernte dann beim Skifahren David Holyoak kennen, einen überaus sportlichen Engländer, der für ein Tauchbuchprojekt einen deutschen Partner suchte. Ich sagte sofort zu, gründete einen Buchverlag und realisierte das bestverkaufte Tauchbuch "Tauchen weltweit". Mit Lidl konnte ich dann eine Sonderausgabe verabreden, die sich in einer Woche 25.000 mal verkaufte. So kamen mit Lidl weiter Bücher zustande: Angelbücher, Tauch- und Angel DVDs (erfolgreich in Frankreich) und mehr. Wenn ein Tauchbuch funktioniert, so dachte ich, sollte ein Fußballbuch zur WM 2006 erst recht funktionieren. Ich kaufte die Lizenz von David und Lidl bestellte 90.000 wunderbar ausgestattete Bücher - die ganze Fußballgeschichte, 2000 Bilder etc. für 9.80 € Ladenpreis! - fürs Inland und weitere 50.000 für Irland und England. Übersetzt, in der Slowakei gedruckt und termingerecht produziert.
Vier Wochen vor der WM hatte die deutsche Mannschaft und Klinsi allerdings eine unglaublich schlechte Presse und die Lidl Sonderaktion Fußball wurde ein großer Flop. Lidl verkaufte in Deutschland gerade mal 15.000 Stück, der Rest kam in Orangenkisten zurück.  Ein Desaster. Statt 100.000 € Gewinn machte ich 400.000 € Verlust und ging fast pleite. Zum Glück stieg meine Schwester Kira Kubenz als Gesellschafterin ein und rettete die Firma. Aus der Patsche half mir dann ein weiteres Buchprojekt: Ein Computerbuch für Senioren. Autoren: Mein Vater (damals 84) und sein Enkel(damals 17), mein Neffe Maximilian Kubenz. Das Buch hieß "Opa das kannst du auch, mein Enkel erklärt mir den Computer". Es wurde ein Bestseller. Zusammen mit Folgeausgaben verkauften wir über 200.000 Stück im Buchhandel. Mein Vater war zu Gast bei Maischberger, im SWR-Nachtcafe und in anderen Sendungen. Doch es zeigte sich, dass einzelne Bucherfolge zwar möglich sind, aber die Risiken denn doch zu groß sind, wenn man sich nicht wesentlich breiter aufstellt. Ich schaltete dann um auf Buchproduktionen für Kunden und konzentrierte mich immer stärker auf Kommunikation. Mit Christoph Caesar gründete ich die BrunoMedia Communication GmbH, die dann mit weiteren Partnern wie Melanie Contoli recht erfolgreich startete. Bis 2012 hatten wir zwei Etagen in einem Haus gemietet, in dem Caesars Großvater noch Kaffee, Zigaretten und Schokolade produziert hatte. Die Großraumbüros hatten viel Charme.
Doch dann zog es mich aus privaten Gründen immer stärker nach Mainz. Ich spezialisierte mich immer stärker auf Finanz-PR, und da machte es Sinn, sich im Rhein-Main-Gebiet niederzulassen. So trennten wir uns in Köln freundschaftlich, die ehemaligen Partner firmierten um in Siccma-Media und ich baute den neuen Standort Mainz auf. Die große Zahl renommierter Kunden, die ich heute mit einem kleinen Team betreue, spricht auch in beruflicher Hinsicht für die Richtigkeit dieser Entscheidung. In Mainz fühle ich mich wohl und die vielen Kontakte zu kompetenten Wirtschaftsjournalisten bringen mir ständig Inspirationen.
Ich müsste hier viele weitere Namen nennen, aber ich will meine Leser nicht überfordern. Dank an alle!







Sonntag, 29. Januar 2017

Trump und die Neurechten

Heute habe ich mir mal in der WELT Leserkommentare zum Thema Trump angesehen. Es ist unglaublich, wie viele deutsche Trump Fans sich hier anonym und tumb tummeln und dafür auch noch viele Likes bekommen. Es gibt tatsächlich Leute, die sich einen deutschen Trump wünschen. ich kann es kaum glauben, siehe hier (vorher anmelden).
Wie prophetisch war das verfilmte Buch "Er ist wieder da"! Als ich diesen Film gesehen habe, musste ich kurz vor Schluss abschalten. Ich konnte es nicht ertragen. Was witzig anfing, ein auferstandener Führer in Wehrmachtsuniform, steigerte sich zu realer Unzumutbarkeit: Der Führer, entdeckt von einem Fernsehreporter, tritt auf Veranstaltungen auf und redet wie damals. Die Zuschauer reagieren etwa so: "Er ist zwar ein Spinner, aber was er sagt, ist nicht falsch". Genauso reagieren viele Leute auf Trump. Sie kennen seine Lügen, aber was er sagt, finden sie "nicht falsch". So entsteht eine braune Soße, die langsam aus den Löchern fließt.
Interessant, dazu noch einmal Botho Strauss zu lesen. Der "anschwellende Bocksgesang", ein SPIEGEL-Essay von 1993, scheint mir einer der intellektuellen "Vorfühler" dessen, was man heute in "Tichy´s Einblick" liest: Der neurechte Kampf gegen die Kulturdominanz der Linken und Liberalen. Man sagt wieder, was man denkt, was die linksintellektuelle Mehrheit einen angeblich nicht sagen ließ. Es wäre schön, wenn daraus ein demokratischer Diskurs werden könnte, doch das wird nicht passieren. Denn die neurechten Strömungen halten Vernunft nicht aus. Wer sich öffentlich dagegen stellt, erntet eine Flut von Beschimpfungen. Fremdenfeindlichkeit, Aggressivität in der Sprache und Intoleranz sind Markenzeichen der Neurechten. Das macht die Sache so gefährlich.

Wer´s noch nicht gemerkt hat: Donald Trump ist ein notorischer Lügner, dem man nicht trauen kann. Mit ihm endet das Zeitalter der Aufklärung. Vernunft wird abgeschaltet. Schlimm, dass er mit Dekreten soviel Unheil anrichten kann. Hoffentlich bieten ihm weitere Gerichte Einhalt. Der Mann ist ein Psychopath. Er cancelt mit wenigen Federstrichen den Klimaschutz,  Er droht befreundeten Ländern mit Importzöllen, Er greift Honeckers Maueridee auf, er schafft Obamas Krankenversicherung wieder ab. Das Einreiseverbot ist die dümmste Maßnahme gegen den Terrorismus, die man sich ausdenken kann. Längst überprüfte friedliche Muslime und eine ganze Religion werden unter Generalverdacht gestellt. Tausende Mitarbeiter amerikanischer Unternehmen wie Google werden vor den Kopf gestoßen. Das wird Folgen haben. Die Demonstrationen werden zunehmen, hoffentlich. Und zwar weltweit. Es ist gut, dass sich Angela Merkel heute klar gegen den Einreisestopp geäußert hat.

Freitag, 20. Januar 2017

Die Zukunft der Wirtschaftspresse

Ich mache mir Sorgen um die Wirtschaftspresse. Die Auflagen sinken insgesamt weiter, das Anzeigengeschäft reicht weder zum Leben noch zum Sterben.
Warum ist gerade die Wirtschaftspresse dermaßen eingebrochen?
Am meisten interessieren mich natürlich die Magazine, bei denen ich gearbeitet habe.
Capital verkaufte zu seinen besten Zeiten 330.000 Hefte, davon 130.000 im Einzelverkauf. Heute verkauft das Magazin im Einzelverkauf weniger als 5.000 Hefte, die Abos sollen nur noch bei 40.000 liegen. Auch die Wirtschaftswoche hat nach meinen Informationen nur noch 60.000 Abos, früher waren es mal über 110.000.
In ihrer Not melden alle Magazine Mond-Auflagen, die weit entfernt sind von den echten Verkäufen, also ohne Lesezirkel, Fliegerhefte und sonstige Sonderverkäufe.
Die gemeldeten Brutto-Umsätze der Anzeigenabteilungen verschleiern die hohen Rabatte, die gegeben werden müssen. Am Ende erzielt kaum ein Verlag ausreichende Renditen in seinem Kerngeschäft. So versucht man dann die Marken auf andere Weise zu monetarisieren. Das Handelsblatt verdient inzwischen mit Veranstaltungen mehr als mit Anzeigen. Rund 20 Millionen Euro soll der Umsatz mit Events inzwischen betragen. Andere verleihen Preise und suchen ihr Heil im Verkauf von Best-Logos. Nebengeschäfte dominieren das eigentlich Produkt: journalistische Inhalte.
Digitalisierung als Ausweg? Die digitalen Ausgaben arbeiten mit unterschiedlichem Erfolg. Sie können kaum die Printeinbrüche kompensieren. Selbst das reichweitenstärkste Portal, handelsblatt.com (6 Mio. Visits im Dezember 2016) erreicht nicht die Zahlen von Onvista (11.2 Mio.) oder Finanzen.net (28 Mio. ), wenn man laut Statista den wirtschaftsrelevanten Teil ("Anzahl der Visits ausgewählter Webseiten der Themenkategorien Wirtschaft, Finanzen, Job, Karriere") nimmt (die Gesamtzahl der Visits von Handelsblatt.com lag bei 17 Millionen).
Die Zahlen der einstigen Institutionen Capital und Wirtschaftswoche kann man erst recht vernachlässigen.
Die Stroer-Gruppe ist inzwischen mit über 29% Markanteil größter mobiler Werbevermarkter in Deutschland. Ihre Plattformen, darunter T-Online, bieten Reichweite in einem Sammelsurium von Portalen ohne echten Journalismus. Die ehemaligen Plakatkleber dominieren damit ein Werbesystem, das zwar Content braucht, aber keine "guten Geschichten".

Tatsächlich ist es die Relevanz, an der sich die Wirtschaftspresse die Zähne ausbeißt. Ein Magazin namens "Landlust"  muss sich nicht die Frage zu stellen, ob man es braucht. Ein Wirtschaftsmedium muss man brauchen.
Nur: News im Wirtschaftsbereich bekommt man meist umsonst. Nutzwert wird von Portalen wie "Check24" abgedeckt. Börsentipps gibt es in unendlichen Mengen im Internet.

Ist also Qualitätsjournalismus in der Wirtschaft nicht mehr gefragt?
Nach meinen Erfahrungen lesen Manager und Unternehmer nach wie vor jeden Tag, was in der Welt passiert. Doch die neue Generation liest anders, sie scrollt sich morgens auf dem Smartphone durch die Nachrichten, liest am Vorabend die Epaper-Ausgaben und auf dem Flughafen die kostenlosen Zeitungen aller Couleur. Die Kostenlos-Kultur ist gerade in der Wirtschaft weit verbreitet, sie wird verstärkt durch nachrückende junge Generationen. Die Wirtschaft liebt die Kostenlos-Kultur. Selbst reiche Unternehmer freuen sich, wenn sie eine Flasche Bordeaux zum Schnäppchenpreis ergattern. Top-Manager lassen sich den Parkschein abstempeln, wenn sie ein paar Euro sparen können. Und wenn sie bei BILD die kostenpflichtige Bild-Plus Version abonnieren sollen, um das Trump-Interview lesen zu können, schalten sie eben um auf die kostenlose Times-Version.
Ein Dilemma für alle Verlage.
Doch Informationen sind für jedes Unternehmen nach wie vor lebenswichtig. Manager, die sich nicht informieren, sind ungebildet und machen Fehler.
Schon vor zwanzig Jahren, als Capital und Manager Magazin in Spitzenzeiten 500 Seiten Umfang hatten, hieß es: Wer soll das alles lesen? Trotzdem meldeten die Magazine hohe Auflagen und irrsinnige Werbeumsätze. "Wer soll das alles lesen" gilt heute mehr denn je. Das Internet überschwemmt die Menschheit mit Informationen und Desinformationen, die totale Fragmentierung der Informationswelt ist Realität geworden. Sie ist der Feind klassischer Medien.

Reichweite ist für die Werbung heute wichtiger als Qualität. Junge Marketing-Manager reden nur noch von Content, nicht mehr von Inhalten. Content-Fabriken verderben die Preise des klassischen Journalismus. Inhalte werden fürs Google-Ranking präpariert, nicht für die Leser.
Die Medienbranche ist dem härtesten Wettbewerb ausgesetzt, den man sich überhaupt nur vorstellen kann. Einen Ausweg gibt es nicht. Selbst die starken Marken leiden unter langsamer Auszehrung.

Was also tun?
Nachrichten sind inzwischen ein homogenes Gut. Sie sind überall kostenlos erhältlich, warum soll irgendjemand dafür bezahlen? Zahlende Leser gewinnt man nicht durch Nachrichtenjournalismus, sondern durch den Blickwinkel der eigenen Marke.
Zu den nach wie vor erfolgreichen Medien gehört die ZEIT. Sie hatte früher mit Gräfin Dönhoff, später mit Helmut Schmidt renommierte Herausgeber und mit Giovanni di Lorenzo den besten Chefredakteur in Deutschland. Die ZEIT ist ein Autorenmedium, ohne Hektik, ohne Schaum vor dem Mund, gründlich und umfassend. Meinungsstark, aber nicht bevormundend. Von ihr kann man viel lernen.

Mein Rat an Wirtschaftsmedien, die auch in Zukunft erfolgreich sein wollen:

  1. Autorität und Relevanz schaffen: Voraussetzung dafür sind namhafte Herausgeber, brillante Kolumnisten, überzeugende Analysen. 
  2. Meinung und Kommentierung durch erfahrene Journalisten stärken. Kindergesichter sind dafür (noch) nicht geeignet.
  3. Leuchtturmgeschichten in jeder Ausgabe schaffen. Journalisten auch mal mehrere Wochen Zeit für Recherchen geben. 
Wenn diese drei Bedingungen erfüllt sind, können und müssen alle Register der Digitalisierung gezogen werden. Nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich. Facebook kann zum Instrument der Kundenbindung werden, denn es führt gleiche Interessen zusammen. Facebook könnte die gemeinsamen Interessen aller FAZ-Leser herausfinden. Das kann man als Filterblase kritisieren, für Verlage kann es aber ein höchst nützliches Instrument werden, zumal die Entwicklung ja nicht stehen bleibt. Leser zu binden, ist schließlich die wichtigste Herausforderung jedes Mediums.

Das alles kostet allerdings Geld. Wer als Verleger erfolgreich sein will, muss investieren, und zwar in journalistische Qualität, nicht in Content.


Montag, 16. Januar 2017

Trump in BILD und Times - was ist die Botschaft an uns?

Mit dem Trump-Interview ist Kai Diekmann kurz vor seinem Ausscheiden bei Springer ein echter Scoop gelungen, das muss man ihm lassen. Gleiches gilt auch für Michael Gove von der ehrwürdigen britischen Times. Dort liest man übrigens - anders als bei BILD - das Original-Interview kostenlos, wenn man sich registriert.
Nun feiert sich BILD erwartungsgemäß über die Maßen: "BILD-Interview bewegt die Welt."
CNN durfte Trump nicht fragen, BILD und Times durften. Eine selektive Auswahl, die sicherlich andere Medien vor Neid erblassen lässt.
Aber was sagen uns die Inhalte?

Nun, ich habe mir die ausführliche englische Komplettfassung in der Times durchgelesen.
Interessant zunächst das dazu veröffentlichte Bild mit einem überladenen Schreibtisch, wie man ihn eher bei Redakteuren vermutet. Trump mag Ordnung, sagt er. Aber sein Schreibtisch sieht nicht danach aus.
Vielleicht war das Absicht. Es soll vielleicht den Berg von Arbeit vermitteln, der auf den künftigen Präsidenten Amerikas wartet. Vielleicht sieht seine Politik so aus. Das wäre die üblere Variante.

Dann das Interview. Immer die gleiche Masche: Alles was Trump kritisiert, ist eigentlich "great". Merkel ist great, sie hat nur den einen "katastrophalen Fehler" gemacht, illegale Flüchtlinge ungeprüft ins Land zu lassen. die Nato ist great, nur sollte sie von allen 22 Mitgliedsländern und nicht von fünf finanziert werden. Germany is great, aber sein Handel mit Amerika ist unfair. Mexiko ist great, aber wenn BMW dort Autos für den Export nach USA baut, soll es 35 Prozent Einfuhrzoll bezahlen. Alle sind great, nur Amerika noch nicht, das soll ja erst kommen.
Das hat irgendwie System. Die besten Deals macht man, wenn der Dealpartner - ob Freund ob Feind - verunsichert ist. Trump sieht sich als Kartenspieler, der seine Karten nicht aufdeckt, auch um zu bluffen.
Nato obsolet, Importzölle für deutsche Autos, Iran-Abkommen als "worst deal ever", "katastrophale Flüchtlingspolitik" - alles Schlagworte, die es in die Headlines der Medien schafften. Und dann ist Merkel a "great, great leader". Die Nato keineswegs obsolet, nur falsch finanziert. Der Brexit ist great und er ist stolz darauf, ihn vorausgesagt zu haben, aber den Namen der neuen Premierministerin hat er nicht parat. Den von Juncker schon gar nicht.

Mit diesem Interview hat Trump sich nicht offenbart, sondern nach seinem Wahlkampf eine erste Einschüchterungsrunde aufgemacht. Das allgemeine Erschrecken ist groß. So wird dann alles, was nicht durchgesetzt werden kann, Erleichterung auslösen. Gut für die Börse.

Je konkreter seine Ankündigungen sind, desto mehr Widerstand wird sich regen. In den USA, aber auch weltweit, vor allem in China und in Europa. Trump wird den Gegenwind bald zu spüren bekommen. Auch aus den eigenen Reihen.

Was bleibt als beste Botschaft dieses Interviews? Eindeutig die Bekämpfung des IS. Die bisherige Nahost-Politik der USA war ein einziges Desaster, da hat Trump völlig Recht. Hier wird es ohne Kooperation mit Russland und den Europäern nicht gehen.
Wie er es besser machen will, wird man sehen. Die Zeit der Ankündigung von Aktionen ist für ihn beendet. Ein Kartenspieler legt eben seine Karten nicht offen.

Samstag, 24. Dezember 2016

Frohe Weihnachten

All meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich Frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr!
Ein syrischer Flüchtling aus einer meiner Facebook-Gruppen postete heute folgendes:
"Aus einem Land heißt Syrien, das sich seit langen nach Frieden sehnt, sind wir gekommen.
Tief in unseren Herzen tragen wir für euch große Dankbarkeit verbunden mit dem Wunsch nach Frieden.
Möge eure Familien, Freunde und eures Land in Frieden weiterleben"
🎄Frohe Weihnachten 🎄.
Das gebe ich gerne weiter.

Ihr
Ralf-Dieter Brunowsky

Dienstag, 20. Dezember 2016

Wir haben eine Sicherheitskrise

Der Terroranschlag in Berlin ist ein Signal an uns alle: Wir müssen unsere Demokratie wehrhaft machen. Sicherheit ist jetzt die wichtigste politische Aufgabe in unserem Land.

Weil mit den Flüchtlingen auch mancher Verbrecher ins Land kommt, fühlt sich unsere Bevölkerung nicht mehr sicher. Mit Statistik kann man diesem Gefühl nicht begegnen. Es ist egal, ob der Prozentsatz von Ausländern in der Kriminalitätsstatistik höher ist oder nicht. Es geht darum, Recht durchzusetzen. Nur so bekommen wir wieder ein Gefühl der Sicherheit.

Warum war die Empörung über den mutmaßlichen bulgarischen U-Bahntreter extrem groß? Die barbarische Brutalität des Täters war schockierend, die späte Veröffentlichung des Tatvideos durch die Behörden empörte aber fast ebenso.

Obwohl das Video – für jedermann sichtbar – den feigen Tritt in den Rücken einer Frau zeigt, gab es erst einmal wochenlange Ermittlungen. Begründung: Erst wenn diese nicht zum Erfolg führten, wende man sich an die Öffentlichkeit, so die Berliner Polizei, die dann noch nicht einmal das kurz zu sehende Gesicht des Opfers verpixelte.

Solche Mängel kennzeichnen die derzeitige Sicherheitslage. Am Frankfurter Hauptbahnhof werden offen Drogen gehandelt und die Stadt bastelt hilflos an Konzepten, statt rigoros dagegen vorzugehen. Straftäter werden gefasst und dann gleich wieder freigelassen. Der Staat erscheint machtlos gegen organisierte Kriminalität – von Drogendealern bis hin zu Schleusern.

Der bereits verurteilte mutmassliche Freiburger Mörder wurde in Griechenland amnestiert, hierzulande hatte man keine Daten über ihn. Tausende von Polizeistellen wurden abgebaut. Ein erheblicher Teil der Polizei schützt jedes Wochenende Fußballstadien, aber in den Städten zeigt die Polizei wenig Präsenz.

Videoüberwachung wird von Datenschützern verhindert, obwohl sie an allen öffentlichen Plätzen notwendig wäre.

Bei einer Umfrage im Auftrag des MDR fragte Infas 2014, also weit vor der „Flüchtlingskrise“ nach den „besonderen Stärken“ der DDR und der Bundesrepublik. Die DDR punktete am meisten mit „Schutz vor Kriminalität” (66 Prozent).

So ist das eben: Einer Diktatur stimmen viele zu, wenn sie ihnen Sicherheit verspricht. Das ist manchen wichtiger als Menschenrechte und Freiheitsberaubung. Aber warum sollte Sicherheit nicht auch von einer Demokratie bereitgestellt werden können?

Die innere Sicherheit ist das zentrale Element aller Populisten. Wir dürfen diesen nicht das Feld überlassen. Im anstehenden Bundestagswahlkampf kann man den bürgerlichen Parteien nur raten, die Verbesserung der inneren (und übrigens auch äußeren) Sicherheit zum wichtigsten Thema zu machen.
Aufrüstung – auch im IT-Bereich

Die Flüchtlingskrise ist nicht die Ursache der allgemeinen Verunsicherung, sie hat sie aber verstärkt. Im August 2016 veröffentlichte die FAZ eine Allensbachumfrage und schrieb dazu: „Die wachsende Terrorangst trifft auf ein gesellschaftliches Klima, das bereits seit Jahren von Verunsicherung geprägt ist. 2011 fürchteten lediglich 29 Prozent der Bürger, sie könnten Opfer eines Verbrechens werden; 2014 galt dies bereits für 45 Prozent, aktuell für 64 Prozent.”

Wir lesen täglich in den Medien, wo die Sicherheit versagt. Deutschland muss massiv aufrüsten. Steuereinnahmen haben wir dafür genug. Mehr Personal für die Sicherheitskräfte, bessere Ausrüstung — vor allem im IT-Bereich.

Wir brauchen mehr Kontrollen im Straßenverkehr, um Illegale aufzuspüren. Wir brauchen eine konsequente Abschiebung abgelehnter Asylbewerber. Aber wir brauchen keinen Ausländerhass. Wer kriminell ist, muss strafrechtlich verfolgt werden, egal wo er herkommt. Es darf kein Vollzugsdefizit geben.

Schließlich: Gegen die zunehmende äußere Bedrohung durch Hackerangriffe aus Russland und anderen Ländern müssen Mittel gefunden werden. Die Experten wissen, was dafür notwendig ist.

Auch die Ausrüstung der Bundeswehr muss wieder voll funktionsfähig und modernisiert werden. Der jahrelange Schrumpfkurs demotiviert unsere Soldaten, die dann noch weltweit in Einsätzen unterwegs sein müssen.

„Wir produzieren Sicherheit” lautete einst der Slogan der Bundeswehr. Das wäre heute ein echtes Wahlprogramm.

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Reaktionen auf meinen Kommentar zur Meinungsfreiheit und "Kein Geld für rechts"

Mit Erlaubnis des Chefredakteurs von "Bilanz" ,Klaus Boldt, veröffentliche ich hier die Kommentare zu meiner Kolumne auf bilanz.de. Die z.T. aggressiven Reaktionen bestätigen mich in meinen Sorgen.

  • Die Kampagne des Chefstrategen Gerald Hensel der Argentur Scholz & Friends ist zu verurteilen. Es ist ein Zeichen der Zivilisation den (Meinungs)Gegner mit Argumenten zu besiegen und nicht wie in düsteren Vorzeiten zu vernichten. Der Boykottaufruf ist nichts anderes.
      • Avatar
        Ein Boykottaufruf ist nicht "gesetzlich verboten", im Gegenteil, er ist von der Meinungsfreiheit geschützt, siehe Lüth-Urteil des BVerfG (https://de.wikipedia.org/wiki/...
        Den Boykott verbieten zu wollen wäre dagegen "faschistisch", also im Sinne von undemokratisch und verfassungswidrig.
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            Es handelt sich nicht um einen Boykottaufruf. Bitte genau lesen. Und bitte nicht anonym schreiben.
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                Wenn ich Werbetreibende dazu aufrufe, irgendwo nicht mehr zu werben, dann ist das natürlich ein Aufruf zum Werbeboykott. 
                Ich kann nicht verstehen, wie man die Chuzpe haben kann, das irgendwie umdeuten zu wollen.
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                    Selbstverständlich handelt es sich um einen Boykottaufruf. Es ist Ihr gutes Recht, das nicht zu verstehen, aber Sie sollten anderen Leuten nicht unterstellen, dass sie einen Text nicht genau gelesen haben.
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                        Natürlich handelt es sich um einen Boykottaufruf von Hensel. Gerade der Beitrag vom 23.11. bringt Klarheit. Ich weiss Sie haben einfach nicht die geistige Reife und Möglichkeiten, so ein Thema richtig einzuordnen. Machen sie sich mal die Gedanken inwiefern dies mit dem Verlust von Regierungsaufträgen an Jung und Matt zusammenhängen könnte. Der 88 auf einem Kinderkarussel, Dürfen die Hamburger nun nicht mehr mit HH Kennzeichen durch die Gegend fahren, Aber keine Sorge die Bilanz Bannerplätze sind ausgebucht, und die Wirtschaftwoche hat ein Abo mehr,
                          • Avatar
                            Stimmt. Es ist kein Boykottaufruf. Der wäre ja auch gesetzlich verboten. Nur wenn man Unternehmen, -die unteranderem auch von ihrem guten Ruf leben- kontaktiert und sie insinuierend darauf hinweist, ob sie es denn richtig fänden bei rechtspopulistischen Internetseiten zu werben, dann baut man unweigerlich sozialen Druck nach dem Motto: "Wenn du bei bösen Menschen wirbst, gehörst DU MIT zu den bösen Menschen, dann bist DU für uns ein böses, ein ins soziale Abseits gestelltes Unternehmen, weil du die bösen Rechtspopulisten mit deinem Werbegeld unterstützt" auf. Dieser moralischen Nötigung, -man könnte fast schon sagen "Erpressung"- kann weder ein Handwerksunternehmen noch ein Weltkonzern widerstehen. Man cancelt die Werbeaufträge. Aber nicht aus echter eigener Überzeugung heraus, weil man in der Firmenleitung des Betriebs den Beschluss gefasst hat: "Wir als Unternehmen XYZ, wir wollen aufgrund unser eigenen Überzeugungen und unser Wertemaßstäbe heraus explizit mit solchen politischen Stömungen nichts zu tun haben und werben bsw. bei "Breitbart" nicht mehr!", sondern, weil man sich von der Umwelt aus Gründen eines befürchteten Ansehensverlustes dazu gezwungen sieht. Sowas hat mit der im Grundgesetz verbrieften freien Willensäußerung dann überhaupt nichts mehr zu tun und ist defakto undemokratisch.
                            Wer mit Gewaltmaßnahmen, wie moralischer Nötigung, bzw. moralischer Erpressung arbeitet, lieber Herr Brunowsky, der zeigt eigentlich nur, dass er es bitter nötig hat und es nicht schafft, Menschen ohne Gewalt von seinen Argumenten zu überzeugen. Das ist dann ein Armutszeugnis. Ein Zeugnis der eigenen Schwäche und Unterlegenheit. Die Aktion von Herrn Hensel und seiner Agentur S&F ist insofern ein jämmerliches Armutszeugnis. Mehr muss man dazu nicht sagen.
                            MfG,
                            Martin Wessner
                              • Avatar
                                Werter Hr.Brunowski, wie soll man Ihren Text lesen, wenn er passwortgeschützt ist.
                                Eigentlich ist rechts und links durch den Bundestag gegeben. Lange Zeit war es so: CDU, CSU und FDP stehen rechts, SPD, Grüne und Linke stehen links. Das heutige Problem ist, dass Fr. Merkel die CDU nach links geführt hat und die überwiegend linksgrünen Medien das als fortschrittlich und modern bejubeln. Fr. Merkel versucht jetzt klammheimlich den Rückzug, sagt es aber nicht offen.
                                Es muss Medien geben, die das beschreiben. Es muss Medien geben, die den Standpunkt der CDU zur Jahrtausendwende haben und die den Weg Fr. Merkels nicht als fortschrittlich, sondern als Sackgasse für die CDU sehen. Was ist das für eine Demokratie, wenn nur noch CSU und FDP rechts vertreten. Genau durch diese Situation kam im letzten Jahr die AfD wie Phoenix aus der Asche.
                              • Avatar
                                Sehr geehrter Herr Brunowsky,
                                offensichtlich haben Sie in keinster Weise verstanden, um was es Henryk Broder in seinem - sehr treffenden - Vergleich mit den "feschen SA-Leuten" überhaupt geht. Statt dessen sind Sie lieber "sprachlos".
                                Offensichtlich fehlt ihren - wie auch den meisten Rot/Grünen Kollegen der schreibenden Zunft - die Fähigkeit, die Analogien und Erfahrungen der Vergangenheit auf die sich nunmehr zum dritten Mal wiederholenden Tendenzen zu erkennen. Vielleicht sollten Sie mal Ihre Brille abnehmen und Ihre Augen öffnen.
                                So wie ich Sie einschätze, würden Sie sich auch in die Reihe der Denunzianten einreihen, die (wie aktuell passiert) den Besitzer eines Kinder-Karussels an den Pranger stellen und auf auf die Vernichtung seiner Existenz bestehen (Antrag von "Die Linke"), weil auf einer Kirmes bei einem Karussellwagen das Kennzeichen "HH 88" zu sehen war und dies nach nunmehr 25 Jahren einem roten Blockwart aufgefallen ist.
                                Ihr gesamter Kommentar ist nichts weiter als ein einziges Sammelsurium an verstaubten Stereotypen, Denk- und Sprechverboten.
                                Mit freundlichen Grüßen 
                                  • Avatar
                                    Wie ist denn Ihr richtiger Name und Ihre Funktion? Dann können wir diskutieren. Mit Anonymen tue ich mich schwer. Ich verberge mich auch nicht hinter einem Pseudonym.
                                      • Avatar
                                        Leider leben wir (bereits zum dritten Mal) wieder in einem Land, wo man nicht mehr so einfach und frei seine Meinung sagen darf. Schon ein "Like" bei Facebook kann einem Politiker schon wieder den Job kosten. Oder die Unterstützung der AfD den Job. Von den Drohungen (und der tatsächlichen) Gewalt der linken und vom Staat tolerierten Schlägertrupps der sog. Antifa. Gaststätten und Hotels werden massiv unter Druck gesetzt, um ja unter keinen Umständen Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Alles Dinge, die Sie vielleicht nicht sehen, oder nicht sehen wollen.
                                        Ich hätte kein Problem mit meinem Namen zu schreiben, weil ich wegen dieser semi-DDR-Zustände das Land verlassen habe und endlich wieder glücklich bin, aber ich habe Verwandte und viele Freunde in der BRD. Und, wie sie es vielleicht schon ahnen, möchte ich Niemanden gefährden.
                                        Traurige, aber leider wieder ganz reale Zustände.
                                        Bleiben Sie in ihrer bunten Traumwelt. Wir können uns gerne in 2-3 Jahren unterhalten, wem von uns beiden es besser geht.
                                          • Avatar
                                            Lächerliche Schutzbehauptung würde ich mal sagen. Sind es doch gerade die Rechten, die durch anonymes Drohen und Mobben unangenehm auffallen. Zeigt ja nun auch der Fall des gerade zurück getretenen SPD Vorsitzenden in Bocholt, dessen Familie von den Rechten übelst bedroht wurde und dieser sich aus Angst zum Rückzug gezwungen sah. Aber gleichzeitig heulen eben genau diese Leute aus ihrer Anonymität heraus über eine angeblich nicht existierende Meinungsfreiheit. Die Täter stilisieren sich zu Opfern.
                                      • Avatar
                                        "Hensels Initiative ist kein Boykottaufruf". 
                                        WAS DENN SONST?
                                          • Avatar
                                            Hier wird wieder an der Sache vorbeigeredet. Es geht darum bspw., ob ein Islamkritiker (Broder von Achgut) jemanden, der den Islam verharmlost (Lamya Kadoor), unterstellen kann, sie/er wäre Antisemit. Für die behauptete Verharmlosung gibt es fachliche Gründe.
                                            Der Broder-Zitat oben (bzgl. SA-Leute) ist aus dem Kontext genommen worden und war natürlich ironisch gemeint und zwar eindeutig so, dass natürlich den SA-Leuten nicht einfach mal hätte geglaubt werden können, dass sie einfach nur eine persönliche Wahl beim Shopping treffen, wenn sie ihre Diskriminierung der Juden so begründet hätten, wie jetzt andere die Empfehlung, nicht bei bestimmten Webseiten zu werben, es tun. Scheinheilig ist es von den Boykotteueren zu behaupten, eine Empfehlung wäre kein Boykott, wenn nun tatsächlich viele spürbar der "Empfehlung" folgen.
                                            Denn wer nicht seine Werbung den Seiten entzieht, dem droht die Brandmarkung als rechtsradikal. Eine Schandtat für demokratisch denkende Menschen.
                                            Hier wird tatsächlich mit moralischem Druck gegen unliebsame Meinungen eine de facto Zensur ausgeübt. Und wenn der Broder auch mal im Ton sich vergreift (Kadoor wäre "genuin dumm"), ändert es nichts an der Blindheit vieler Menschen gegenüber einem religiösen System, das alles andere als verfassungskonform ist - wohlbemerkt als System.
                                              • Avatar
                                                Ich bin auch tolerant. Ich bin auch für Flüchtlingshilfe, aber nicht in der derzeit praktizierten Form. Ich bin nicht mehr für A. Merkel, weil diese mit ihrer Regierung bei nahezu jedem bedeutendem Thema völlig versagt. Beispiele: EU-Politik, Euro-Politik, Energiewende (ich bin grundsätzlich pro erneuerbarer Energien, doch die Energiewende wird zu einem teuren Debakel), Asylpolitik und weitere. Ich bin auch gegen ehem. Stasispitzel (Kahane) in staatlich finanzierten Stiftungen, die jetzt unter der Maxime Kampf gegen Nazis alle unliebsamen Meinungen anprangern dürfen. Und ich bin gegen scheinheilige Weltverbesserer, die für sich die einzige Wahrheit beanspruchen und es für nötig erachten, eine "nach rechts rückende" bürgerliche Mitte zu belehren, was diese gefälligst zu denken und zu wählen habe.
                                                  • Avatar
                                                    Auch Sie könnten mal damit anfangen zu definieren, was "Rechts" überhaupt bedeutet. Dann müssten Sie erläutern und belegen, warum Achgut.com_objektiv_ dem rechten Spektrum zugerechnet werden muss. Ausserdem müssten Sie reflektieren, was es in D bedeutet als "Rechts" diffamiert zu werden. Dann dürften Sie sich damit beschäftigen, ob es legitim ist, die wirtschaftliche Existenz von Anderen zu zerstören, welche lediglich anderer politischer Meinung - im Rahmen der freiheitlich demokratischen Grundordnung - sind. Sie sehen sich selbst als "liberal-konservativen Bürger". Nach Lesen Ihres Artikel kann man mit Sicherheit sagen, dass Sie nicht wissen, was liberal bedeutet.
                                                      • Avatar
                                                        1.) Wie heißen Sie denn mit vollem Namen? 
                                                        2.) Warum Anonym? 
                                                        3.) Rechts ist für mich die Verbindung von Intoleranz und Nationalismus
                                                        4.) Ich bin übrigens Mitglied der FDP
                                                          • Avatar
                                                            1.) Wie heißen Sie denn mit vollem Namen?
                                                            Was tut dies zur Sache?
                                                            2.) Warum Anonym? 
                                                            Ronald ist nicht anonym.
                                                            3.) Rechts ist für mich die Verbindung von Intoleranz und Nationalismus
                                                            Aha. Nur, was hat das mit der Achse des Guten zu tun?
                                                            4.) Ich bin übrigens Mitglied der FDP
                                                            Danke für den Hinweis, welche mich immer mehr bestärkt, dass auch die FDP nicht mehr wählbar ist, da ihre Mitglieder nicht einmal mehr ein liberales Grundverständnis besitzen.
                                                              • Avatar
                                                                "Rechts" war ursprünglich mal eine CDU, werter Herr Brunowsky ... sollten auch Sie zu der Mehrheit gehören, die sich noch nicht einmal die Mühe geben, ein politisches Spektrum exakt zu benennen, wäre dies bedauerlich (zum "warm werden" erlaube ich mir, https://www.bpb.de/nachschlage... zu empfehlen)
                                                                Wenn "Rechts" für Sie die Verbindung von Intoleranz und Nationalismus ist, wäre die CDU bemitleidenswerter als sie es eh schon ist
                                                                Was die FDP betrifft, so erlaube ich mir, Ihnen u.U. zu empfehlen, diese Mitgliedschaft zu überdenken. Ein wirklicher "Liberaler" verhält sich anders ...
                                                                Pardon, aber diese Haltung - wie die Ihrerseits eingenommene - hat mich u.a. bewogen, seinerzeit aus der FDP auszutreten, die heute erst recht nicht mehr das ist, was sie in der Vergangenheit einmal war ...
                                                                  • Avatar
                                                                    "Rechts ist für mich die Verbindung von Intoleranz und Nationalismus"
                                                                    Aha. Na dann war Ihre obige Frage "Bin ich jetzt links?" wie gemeint? Aber zu Ihrer Orientierung: Ja, Sie sind links. Und nicht liberal, damit passen Sie ja auch perfekt in Lindners Partei (Sein Verhalten Herrn Schäffler gegenüber spricht Bände).
                                                                    Um der Frage vorzubeugen: ja, ich schreibe tatsächlich anonym, get over it.
                                                                      • Avatar
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                                                                        Zu 3.) Entschuldigung, aber Sie betreiben hier Sprachklitterung. "Rechts"
                                                                        hat mit Intoleranz und Nationalismus genauso wenig was zu tun, wie 
                                                                        man "Links" aus der Hüfte heraus mit der Planwirtschaft oder der Diktatur
                                                                        des Proletariats zusammenbatschen kann. "Rechtsextrem", bzw. 
                                                                        "Rechtsradikal" sind hier die Begriffe, die besser zum Nationalismus und 
                                                                        der Intoleranz passen, wobei übrigens AUCH Linke intolerant und 
                                                                        nationalistisch sein können(Siehe Syriza/Griechenland)
                                                                        MfG,
                                                                        Martin Wessner
                                                                      • Avatar
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                                                                        "Ich bin gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhass." Den Satz unterschreibe ich ebenfalls gerne. Trotzdem bin ich gegen den Euro und Europa in der aktuellen Ausprägung. Bin ich nun rechts (populistisch)?
                                                                        Anyway. Die Grenzen des Anstands wurden in der Tat überschritten, die mediale Inszenierung wurde bewusst aufheizend angelegt. Andererseits: Kann man heute überhaupt noch anders durchdringen?
                                                                        Was mich aber massiv stört, ist dieser absolute Anspruch des Herrn H. ("Wir haben beschlossen ..."), die moralische Überhöhung, die keinen anderen Standpunkt zulässt als den eigenen.
                                                                          • Avatar
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                                                                              • Avatar
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                                                                                Um der Frage vorzubeugen: ja, ich schreibe tatsächlich anonym, get over it.
                                                                                  • Avatar
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                                                                                    "Kein Geld für Rechts" ist natürlich ein Boykottaufruf, er hatte ja auch die entsprechenden Folgen. Mir ist nicht bekannt, das irgendjemand den Zusammenhang bestreitet. Genauso getroffen hat es auch TichysEinblick.de, ganz gewiss kein radikaler Blog und in der Wortwahl zurückhaltend.
                                                                                    Broder ist polarisierend, kein Mann der leisen Töne. Das waren auch nicht Wehner, Strauß, Schmidt, Schumacher oder Adenauer, kräftige Bilder gehören seit dem Altertum zur politischen Rede und Folklore. Wir legen heutzutage leider alles sehr auf die Goldwaage. Natürlich gehört dazu, dass sich jemand auch mal im Ton vergreift - So what???
                                                                                    Was nicht akzeptabel ist, das ist Einschüchterung und der Versuch, die wirtschaftliche Existenz des anderen aufgrund dessen politischer Meinungsäußerung zu zerstören. Das gilt (natürlich) für alle, ob rechts, links, vorne, hinten, oben oder unten. Es geht nicht nur um Meinungen, sondern auch um Menschen.
                                                                                    Und ich meine, dass Hensel aufgrund seiner Macht eine besondere Verantwortung hätte, genau wie Journalisten in den "Leitmedien" oder der ör Rundfunk. Und für mein Empfinden ist er dem nicht gerecht geworden. Ich hoffe, dass er nicht die Büchse der Pandorra geöffnet hat und derartiges Denunziantentum salonfähig wird.
                                                                                      • Avatar
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                                                                                        • Avatar
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                                                                                          Fragen Sie einen Türken, auch wenn er schon länger hier lebt und deutscher Staatsbürger ist, warum ihm seine Wurzeln trotzdem wichtig sind. Fragen Sie "meinen" Dönermann, warum es ihm wichtig ist, dass er Kurde und nicht Türke ist. Oder einen Polen, warum er Pole ist usw. – Fragen Sie, wen Sie wollen, den meisten Menschen außerhalb Deutschlands ist es nicht egal, wer sie sind, woher sie stammen, wer und was ihre Eltern und Großeltern sind bzw. waren, schon gar nicht wird ihnen egal sein, wenn sich andere über ihre Wurzeln mit unterschwelliger Herablassung äußern.
                                                                                          Warum haben so viele eigentlich für ein Problem damit, Deutscher zu sein? Ist es die Geschichte 33-45, mit der sie nichts zu tun haben möchten? Aus der man sich quasi herausstehlen will, indem man sich als "Europäer" oder gar "Weltbürger" bezeichnet? Das kann man gern auch alles sein, aber so zu tun, als habe man mit dem Ort, an dem man (und die Generationen davor) lebt, und dessen Geschichte und sonstigen Eigenheiten nichts mehr zu tun, das hat kein Format, das hat keine Größe.
                                                                                          Man kann zu diesem Land auch stehen, trotzdem es wie gesagt Schlimmes hervorgebracht hat. Merkwürdigerweise haben es oftmals gerade diejenigen, die mit Deutschland nichts am Hut haben, mit der deutschen Herkunft anderer auf einmal ganz besonders wichtig, wenn sie die Nazikeule ziehen. Da wird man als "Kartoffel" sofort wieder eingedeutscht, da wird man ja geradezu – im wahrsten Sinne des Wortes – zum Reichsbürger ernannt.
                                                                                          Das ist alles so bigott.
                                                                                            • Avatar
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                                                                                              Populismus ist in Demokratien nicht verboten. Also gibt es auch keinen Anlass diese politischen Strömungen außer mit besseren Argumenten zu bekämpfen. Und für echte Rechtsextreme und Linksextreme ist dann der staatliche Verfassungsschutz und die Polizei zuständig und nicht die deutsche Werbewirtschaft, die sich peinlicherweise anmaßt, als privater Meinungswächter -für die "richtige" Meinung natürlich- agieren zu müssen.
                                                                                              Und bitte noch eins, Herr Brunowsky: "Unbestreitbare Rechtstendenzen" sind für einen echten Demokraten in der gleichen Art und Weise hinzunehmen wie unbestreitbare Linkstendenzen. Es sei denn natürlich, dass Rechts ist für Sie etwas ist, was nicht sein darf. In einem Land, das indes nur noch Links zulässt, ist das demokratische Prinzip allerdings so wenig vorhanden, wie das marktwirtschaftliche Prinzip in einem Land voller Monopole. Der Unterschied und die Auswahl ist es nämlich, was die Demokratie und die Marktwirtschaft ausmacht.
                                                                                              Mit dem Bundeskanzler Gerhard Schröder und seiner Nachfolgerin Angela Merkel habe ich die letzten 20 Jahre akzeptieren müssen, dass die bürgerliche Mitte immer weiter nach Links gerückt ist.(Den größten Applaus bekommt unsere Bundeskanzlerin mittlerweile von den linkspopulistischen Grünen. Muss man sich mal vorstellen!) Wenn also nun jetzt die Gesellschaft willendlich!!! wieder nach Rechts rücken möchte, so heißt es dann für alle Linken halt die Zähne zusammenbeissen. Musste ich die letzten Jahre ja auch knirschend tun.
                                                                                              Ps. Habe ich Ihren letzten Satz so richtig verstanden? Darf man Ihrer Meinung nach nur noch die Volksparteien wählen? Also keine "Die Grünen", keine "Die Linke", keine "Piratenpartei" und keine "AfD" mehr?
                                                                                              MfG,
                                                                                              Martin Wessner
                                                                                                Mehr anzeigen
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                                                                                                  • Avatar
                                                                                                    Lieber Herr Brunowsky, wenn Sie die liberal-konservativen Haltungen eines Roland Tichy in eine "intellektuelle Rechte" ummünzen (wen auch immer Sie sonst dazu zählen mögen), dann sollten Sie das wirklich inhaltlich begründen. Ich verstehe nicht, warum Haltungen, die vor einigen Jahren noch als "liberal-konservativ" oder auch nur "konservativ" bezeichnet wurden, heute als "rechts", "neurechts" oder "rechtspopulistisch" diffamiert werden.
                                                                                                    Ich habe mich immer als links-liberal verstanden, bin pro-europäisch (in dem Sinne, dass ich mir eine starke, geeinte EU wünsche), auch pro Euro (bei allen Problemen), für Flüchtlingshilfe, für Toleranz und gegen Angela Merkel. Nur stelle ich mir unter dieser Flüchtlingshilfe womöglich etwas anderes vor als Sie. Ich bin prinzipiell für "Multikulti", aber gegen Frau Merkels Einwanderungspolitik.
                                                                                                    Ich finde die Kritik, die auf den Seiten von Tichys Einblick geäußert wird, vollauf berechtigt und bin dankbar dafür, dass es diese Website und das Magazin dazu gibt. Für mich ist Tichys Einblick ein Lichtblick im medialen Einheitsbrei und auch wenn ich nicht immer alle dort vertretenen Ansichten teile, wertschätze ich die unabhängigen Meinungen, die Kritikfähigkeit und die Scharfsichtigkeit, die ich dort finde - und die ich bei vielen anderen Medien weitgehend vermisse.
                                                                                                      • Avatar
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                                                                                                          • Avatar
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                                                                                                            (ausführlicher auch hier: http://www.severint.net/2016/1...
                                                                                                            viele Grüße, severin tatarczyk
                                                                                                              • Avatar
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                                                                                                                  • Avatar
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                                                                                                                      • Avatar
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                                                                                                                        Nach ihren "Maasstäben" sollte also die SED und/oder der Volksgerichtshof wieder eingeführt werden. Heiko Maas ist mit seinem Wahrheitsministerium ja schon dabei die Weichen zu stellen.
                                                                                                                        Na vielen Dank
                                                                                                                          • Avatar
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                                                                                                                            Ich will verfassungsfeindliche/gewaltbereite Rechtsradikale keinesfalls verharmlosen, aber unsere Probleme liegen woanders.
                                                                                                                            • Avatar
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                                                                                                                                • Avatar
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