Sonntag, 30. Oktober 2011

Um 55 Milliarden verrechnet

Nun ist es also amtlich: Finanzminister Schäuble hat falsche Zahlen nach Brüssel abgeliefert. Anders als die  Griechen hat er sich allerdings zu seinen Ungunsten verrechnet. Um 55 Milliarden, ein läppischer Betrag gemessen an der Gesamtverschuldung, die durch die Aufdeckung dieses Rechenfehlers nur 2,6 Prozentpunkte sinkt. Wir sind immer noch weit entfernt von jenen 60% des BIP, die einst als Obergrenze definiert waren.
Eine echte Bad Bank also, eine mit bad Managern, bad Buchhaltern und bad Wirtschaftsprüfern.Und bad staatlichen Aufsehern.
Sie hatten einfach nur die Verbindlichkeiten an den Staat gemeldet und nicht die dagegen stehenden Forderungen, der Saldo ergibt 55 Milliarden.
Soviel zu den Forderungen, Banken zu verstaatlichen. Peinlich für die Deutschen Politiker. Peinlich für die deutschen Banken.


Tauchen für Rollstuhlfahrer: Monika Wenninger  : Stiftung MyHandicap

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Donnerstag, 27. Oktober 2011

Die Eigenkapitalquote der Banken

Sie soll auf neun Prozent erhöht werden, wurde jetzt beschlossen.
Lesen Sie hier zu den Kommentar meines Mandanten Ken Fisher in der heutigen Ausgabe der FAZ:

"Banken zu einer höheren Eigenkapitalquote zu verpflichten, führt nur dazu, dass sie weniger Kredite an Unternehmen vergeben. Durch eine Reduzierung der ausstehenden Kredite steigt die Eigenkapitalquote der Banken automatisch, ohne sich überhaupt neues Geld besorgen zu müssen. Die Politiker verringern durch ihre Forderungen nach einer höheren Eigenkapitalquote damit nicht die Risiken. Im Gegenteil: Genau die Firmen, die jetzt dringend Kredite brauchen, bekommen diese am ehesten gekündigt. Das erhöht die Risiken für eine konjunkturelle Delle."

Dienstag, 25. Oktober 2011

Banken verstaatlichen?

Die "Linke" hat in ihrem Grundsatzprogramm die Verstaatlichung der Banken beschlossen. Eine "demokratische Kontrolle" der Banken forderte ein Attac-Vertreter kürzlich im Sender Phoenix.

Nun, wir haben bereits diverse staatliche Banken, und genau die haben am meisten riskant spekuliert. Während die Deutsche Bank ohne Staatshilfe die gesamte Finanzkrise ausgeritten hat, verpulverte die staatliche IKB das Geld des Steuerzahlers in irischen Finanzprodukten, die der Vorstand selbst nicht verstand. Die völlig überflüssigen staatlichen Landesbanken gehören zu den intensivsten Käufern von Griechenland-Anleihen.

Gerade sie sind in die heute kritisierten internationalen Geschäftsfelder eingestiegen, weil, wie mir der frühere Deutsche Bank Chef Hilmar Kopper einmal sagte, die weniger riskanten Bereiche durch die privaten Banken im wesentlichen besetzt waren. Die Sachsen-LB genauso wie die West LB, die so teuer wurde, dass sie wegen permanenten Missmanagements zerschlagen werden muss. Die Hamburg und Schleswig-Holstein gehörende HSH-Bank mußte ebenfalls 1 Milliarde abschreiben, weil sie sich verspekuliert hat. Und das beste: Ein Untersuchungsausschuß, der 27 Zeugen vernahm und 50 000 Seiten Papier produzierte, kam zu dem Schluß, dass man den staatlichen Einfluss sogar noch verstärken müsse.

Und weil keiner weiß, wie man die Eurokrise lösen soll, wird jetzt eine Erhöhung der Eigenkapitalquote angestrebt. Was eigentlich sinnvoll erscheint, könnte jedoch genau zu dem führen, was alle vermeiden wollen, eine Rezession. Denn die Eigenkapitalquote kann man auch durch Herunterfahren der Ausleihungen erhöhen. Mit anderen Worten: Man kündigt Kredite von Firmen, statt sich Geld vom Kapitalmarkt zu holen, was derzeit ohnehin schwierig ist.

Furchtbar, was derzeit an Schlaumeiereien in deutschen Talkshows losgelassen wird. Mit ökonomischem Sachverstand hat das meiste nicht zu tun. Da werden Sparkassen besonders gelobt, weil sie nicht wie die großen Privatbanken spekuliert hätten. Es mag der Hinweis genügen, dass zum Beispiel die Hamburger Sparkasse von Anlegern verklagt wird, weil sie zentnerweise Lehman-Zertifikate verkauft hat.
Dann wird das Investmentbanking als Zentrum der Spekulation ausgemacht. In Wahrheit verdienen Banken wie Goldman Sachs vor allem an der Beratung und Finanzierung von Fusionen und Unternehmensverkäufen. Was hat das mit Spekulation zu tun?

Und dann redet alles über die schlimmen Derivate. Alle nicken, wenn das Verbot von Derivaten gefordert wird, aber kein weiß, was Derivate sind. Die Wirtschaftspresse schreibt jeden Tag unendlich viel über das Hin und Her de Politik, erklärt aber nicht genug. Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Wo bleiben die Verfechter des Marktes, die verstehen, was an den globalen Finanzmärkten passiert. Gestern bei Hart aber fair war der FDP-Politiker Solms stolz darauf, dass Leerverkäufe in Deutschland verboten worden sind. Dabei ist dieses Verbot lächerlich, denn Deutschland wird dafür nicht gebraucht. Und Leerverkäufe sind keine Erfindung der modernen Finanzmärkte, sondern haben jahrhundertelange Tradition.

Dass ich etwas nicht verkaufen darf, was ich noch nicht besitze, leuchtet dem Bürger ein, ist aber ökonomischer Unsinn. Möbel werden auch verkauft, bevor sie produziert werden, richtig? Autos auch. Und mancher Jahreswagen wird von Mitarbeitern der Autoproduzenten mit einem Aufschlag leerverkauft.
Die Hysterie in Deutschland hat leider auch die gesamte Wirtschaftspresse erfasst. Schuldenkrise, ja das macht Angst. Aber die Finanzmärkte sind daran nicht schuld, sondern Politiker, die ihr Land in den Ruin führen.
Es zeigt sich, dass nur wenige Journalisten mit internationaler Erfahrung verstehen, wie Finanzmärkte funktionieren.Aber Politik ist eben leichter als Derivate.

Montag, 24. Oktober 2011

Kann man Schuldenquoten abbauen? Ja!

1995 betrug die Schuldenquote Irlands 82,1 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt. Fünf Jahre später waren es 44,3 Prozentpunkte weniger, nur noch 37,8 Prozent. Auch andere Länder schafften es, im gleichen Zeitraum ihre Schuldenquote in fünf Jahren spürbar zu senken: Niederlande (minus 22,3 Prozent), Schweden (minus 18,6 Prozent), Belgien (minus 16,8 Prozent), Großbritannien 1996 bis 2001 (minus 13,6 Prozent), USA von 1992 bis 1998 minus 8 Prozent.
Es geht also. Schweden schaffte es zum Beispiel mit Kürzungen der Lohnfortzahlung, weniger Urlaub, weniger Kindergeld und weniger Arbeitslosenunterstützung sowie längerer Lebensarbeitszeit.
Argentinien war 2001 zahlungsunfähig.Es gab einen Schuldenschnitt und eine Abkoppelung des Peso vom Dollar mit der Folge einer starken Abwertung ... und einer wirtschaftlichen Erholung! Von 2003 bis 2010 wuchs die Wirtschaft jährlich um 7,6 Prozent. So ähnlich muss es mit Griechenland gehen. Nur ein Schuldenschnitt, ein Austritt aus dem Euro und eine Abwertung der wieder einzuführenden Drachme würde das Land wieder nach vorn bringen.

Quelle der Zahlen: EU-Kommission, Institut der deutschen Wirtschaft, Köln


Samstag, 22. Oktober 2011

Droht eine Währungsreform?

Dass der Chef einer der renommiertesten deutschen Vermögensverwaltungen, Bert Flossbach, eine Währungsreform "in den nächsten 10 Jahren" erwartet, ist schon ein Hammer. Zitat aus der BILD Zeitung:


"Tatsächlich könnte am Ende dieser Entwicklung eine Art Währungsreform stehen mit einer neuen Euro-Zone und einem neuen Euro. Ob dies dann ein "Goldeuro" ist, sei dahingestellt, auf jeden Fall wird aber mehr D-Mark drinstecken als im alten Euro....Dieser Punkt kann in drei, vier Jahren - wird sicherlich aber innerhalb der nächsten zehn Jahre kommen."
Das ganze Interview:
http://www.bild.de/geld/wirtschaft/waehrungs-krise/es-droht-eine-waehrungsreform-20543368.bild.html

Ich halte das für ausgemachten Blödsinn.  Die Schwierigkeiten einiger Länder - vor allem Griechenland - dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die wirklich wichtigen Länder wie die USA, England, Frankreich, Italien, Deutschland, Japan, China, Indien, Brasilien, wirtschaftlich stark und solide aufgestellt sind. Sie können allesamt ihre Schulden problemlos bedienen. Und darauf kommt es letztlich an. Was die Banken betrifft: NICHT retten, bitte! In Schieflagen geratene Banken muss man so wie jedes andere Unternehmen pleite gehen lassen, andere, erfolgreiche Banken können die insolventen Banken übernehmen. Das gab es gerade in den USA immer wieder. Lasst den Markt sprechen, statt Steuergelder zu verschwenden.

Und Griechenland? Ceterum censeo! Schuldenschnitt und raus aus dem Euro.

Sonntag, 16. Oktober 2011

Wie Anleger zum Schuldenabbau beitragen

Was bedeutet es, wenn die Inflationsrate höher ist als die Rendite einer Staatsanleihe? Ganz einfach: Die Differenz zwischen Rendite und Inflationsrate entschuldet den Staat. Es wäre deshalb im Interesse jedes überschuldeten Landes, die Zinsen niedrig zu halten und über die höhere Inflationsrate die Anleihen zu entwerten. Sie werden zwar dann im Normalfall zu 100 Prozent zurückgezahlt, aber der Rückzahlbetrag ist durch die Inflation weniger Wert als der ursprüngliche Anlagebetrag. Da die Rendite niedriger als die Inflationsrate ist, decken die laufenden Einnahmen nicht die laufende Geldentwertung.
Im September lag die Inflationsrate in Deutschland bei 2,6 Prozent. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen lag letzte Woche bei 2,12 Prozent. Also etwa einen halben Prozentpunkt unter der Inflationsrate. Diese Konstellation gab es schon lange nicht mehr. Die Entschuldung hat begonnen. Dank den Anlegern!

Sonntag, 9. Oktober 2011

Besuch bei den Griechen

Die Griechen sind ein gut gelauntes, geschäftstüchtiges Völkchen - was man zumindest im Urlaub feststellen kann. Sympathische und fleißige Leute auf den Inseln, wo sich viele Touristen tummeln. In den Häfen funktioniert die Betreuung und Abfertigung der Segel-Touristen problemlos. An den Flughäfen werden Unmengen von Urlaubern zügig abgefertigt. Der Müll wird sogar vom Strand aufgesammelt. Ein Fahrrad kann man für 2 Euro leihen, ohne ein Formular ausfüllen zu müssen, es reicht die Angabe des Hotels oder der Name des Segelbootes. Ein Motorroller für eine Stunde ist für 7 Euro zu haben.  Die Preise in den meisten Restaurants sind moderat. Die Taxifahrer haben feste Tarife. Was natürlich niemand weiß ist, wie viel Steuern die Griechen in ihrem wichtigsten Wirtschaftszweig abführen: Man hat das Gefühl, es zählt nur Cash. Kreditkarten sind nicht nur wegen der Gebühren unbeliebt, sondern weil Geld übers Bankkonto läuft - und da könnte ja das Finanzamt Einnahmen registrieren. Aber das ist eine reine Vermutung von mir.