Mittwoch, 30. November 2011

Zahlt hier irgendein Journalist gerne Steuern?

Ich wundere mich, dass die Medien durchweg Steuersenkungen kritisieren. Haushaltskonsolidierung hat Vorrang, und damit ist das Thema gleich beendet.
Wer heute 3000 Euro brutto im Monat verdient , und das ist kein schlechtes Einkommen, behält bei Steuerklasse I nach Abzug von Sozialabgaben und Steuern etwa 1830 Euro netto übrig. Von diesem Geld zahlt er noch Mehrwertsteuer mit jedem Einkauf plus Alkoholsteuer, Benzinsteuer, KFZ-Steuer, Hundesteuer, Versicherungssteuer, und mehr. Gibt der Mann 700 Euro für Miete aus, dann bleiben ihm 1130 Euro für Konsum und Sparen. davon dürften etwa 150 Euro Mehrwertsteuer (was für ein Name...) an den Staat gehen. Wenn er eine Schachtel pro Tag  raucht, gehen 150 Euro in die Luft. Verbleiben 830 Euro für Strom,. Lebensmittel, Handy und Benzin. Dann zahlt er noch Gebühren für jeden Gang zum Amt, beispielsweise für den neuen Personalausweis. Nichts ist kostenlos auf dem Amt - trotz aller bereits bezahlten Steuern. Dann zahlt er für Handy-Benutzung im Auto nochmal 40 Euro. Oder hier und dort immer wieder einen Strafzettel.
Dann kommt die GEZ und kassiert Gebühren fürs öffentlich-rechtliche Verschwendungsfernsehen. Der Staat - Bund-Länder und Kommunen und die ganzen öffentlich-rechtlichen Körperschaften - alle schröpfen sie den Bürger.
Das alles machen Journalisten brav mit und warnen davor, die Steuern zu senken statt Druck zu machen. Warum verlangt man von Griechenland, was man hier selbst nicht hinbekommt? Es gibt unendlich viele Beispiel für Verschwendung von Steuergeldern. Wieso muss die Polizei Stadien schützen? Warum bezahlen das nicht die reichen Bundesliga-Clubs selbst? Warum müssen wir staatliche Lottogesellschaften als goldenes Abstellgleis für Kommunalpolitiker unterhalten? Warum wird der Bergbau immer noch subventioniert? Warum schafft man überflüssige Behörden nicht ab?
 Wenn schon ein Verdiener von 3000 Euro brutto so viel an den Staat abzweigen muss - wo steuern wir eigentlich hin?
Und warum richtet sich die Wut der Bürger nicht gegen die Hunderte von Milliarden zur Rettung von Banken und Staaten, wenn gleichzeitig kein Geld für Schulen und Kindergärten da ist?
Es werden schon rein demografisch  immer weniger, die man schröpfen kann. Irgendwann machen die Bürger nicht mehr mit. In Deutschland sind allerdings keine Revolutionen zu erwarten. Weil, wie Lenin sagte: "In Deutschland sind Revolutionen verboten".

Montag, 28. November 2011

Vermögensverwalter Thomas Grüner als Gastautor über die Eurokrise

Das große Missverständnis!
Von Thomas Grüner - Grüner Fisher Investments - www.gruener-fisher.de

25. November 2011
Die Illusion vom Euro, einer gemeinsamen Währung, die Europa letztendlich einigen, die
unterschiedlichen Volkswirtschaften angleichen und wirtschaftlich zu großer Stärke
verhelfen sollte, löst sich auf. Ist das wirklich überraschend? Die offensichtlichen
Konstruktionsfehler rächen sich jetzt. Dies geschieht zwangsläufig. Will man keinen
unkontrollierten Zusammenbruch der Euro-Zone riskieren, müssen jetzt dringend
notwendige Strukturreformen und Änderungen der europäischen Vertragswerke
angegangen werden. Eine komplette Neuorganisation mit einer Kombination aus EuroBonds und einem Länderfinanzausgleich nach deutschem Vorbild ist zwingend notwendig.
Es bleibt dabei fraglich, ob die europäischen Politiker diese Reformvorhaben tatsächlich in
der gebotenen Eile vollständig umsetzen können und sich dabei des Rückhaltes der
jeweiligen Bevölkerungen sicher sein können. Mehr...

Donnerstag, 24. November 2011

Heiner Flassbeck - ein verkanntes ökonomisches Genie

In den achtziger Jahren spielte ich mit Heiner Flassbeck gelegentlich Tennis in Bonn-Meckenheim. Flassbeck, der später für Oskar Lafontaine als Staatssekretär von sich reden machte, arbeitete damals in der Grundsatzabteilung des Bundeswirtschaftsministeriums in Bonn unter Tietmeyer, der als Leiter der Grundsatzabteilung des Wirtschaftsministers Otto Graf Lambsdorff dessen Thesen zur Liberalisierung der Wirtschaft verfasst hatte.
Flassbeck, ein Fan von Schumpeter, beindruckte mich durch seine umfassende Theorie des Arbeitsmarktes, in der er nachwies, dass der Arbeitsmarkt kein "normaler Markt" ist und so auch nicht funktioniert. Seine theoretischen Abhandlungen zur Wechselkursthematik waren echt schwerer Stoff. Ich muss zugeben, dass ich Schwierigkeiten hatte als damaliger Korrespondent der Wirtschaftswoche seinem ökonomischen Sachverstand zu folgen. Und ich glaube, das ging auch seinen Vorgesetzten so. 


Heute fand ich über Twitter  in der Schweizer "Tageswoche " (Hier das komplette Interview) einen bemerkenswerten Beitrag von Flassbeck, den ich für sehr lesenswert halte: Auszug:


Bleibt es bei der jetzigen Situation, hat der Euro leider keine Chance mehr. Ich sage leider, weil ich die Währungs­union für eine grosse Errungenschaft hielt. Aber solange sich Deutschland weigert, über das eigentliche Problem zu reden, das aussenwirtschaftliche Ungleichgewicht, solange hat der Euro keine Chance und wird uns um die Ohren fliegen. Statt über die wahren Probleme zu sprechen, fokussiert man sich auf die Schulden der Länder und zwingt sie, in der ­Rezession zu sparen, was niemals gut gehen kann. Alle Länder mit hohen Staatsschulden brauchen Wachstum. Wenn das Kernproblem nicht angegangen wird und die Unsicherheit weiter zunimmt, werden Finanzmärkte kollabieren, weil die Menschen ihr Geld aus­ser Landes schaffen. Müssten in letzter Konsequenz einige Länder aus der Währungsunion aussteigen, vielleicht hintereinander, vielleicht ­zusammen, wäre das eine Katastrophe, ein furchtbarer Prozess, aber in ab­soluter Verzweiflung machen Länder solche Dinge. Sie werden abwerten, ihre Grenzen dicht machen – Freihandel ist kein Natur­gesetz –, und Deutsch­land verliert über Nacht seine so schön eroberten Märkte. Und dann, Gnade Gott Deutschland, dann wird es wirklich bitter. Ein Handelskrieg wäre die Folge, die Arbeitslosigkeit würde massiv steigen. 


UNO-Chefökonom Heiner Flassbeck
UNO-Chefökonom Heiner Flassbeck (Bild: Niels Ackermann)


warum ich gerne twittere

Twittern ist die am meisten unterschätzte Kommunikatiionsform. Ich habe erstmals die Möglichkeiten dieses Networks erlebt, als ich gerade meinen Twitter-Account eingerichtet hatte. Ich schrieb eine Warnung rein, man solle bei Sixt seinen Blackberry nie im Mietwagen vergessen, weil es trotz sofortiger Meldung 17 Tage gedauert hatte, bis  ich mein Smartphone zurück hatte. Die Überraschung: Tag´s darauf meldete sich der Sixt-Service aus England und ich bekam einen Gutschein über 50 Euro!
Inzwischen habe ich weit mehr Nutzen gezogen: Was die Nicht-Twitterer nicht wissen, ist, dass die zentrale Fähigkeit des Twitterns der Hinweis auf interessante Links ist. Viele Journalisten verweisen so auf ihre neuesten Artikel, und zwar national und international: New York Times, New Yorker, Washington Post,  aber auch Journalisten von Zeit, Wirtschaftswoche FAZ, und Süddeutsche. Auch renommierte Ökonomen wie Roubini tun das. 140 Zeichen werden so zu einem täglichen umfassenden Lexikon. Unglaublich,was man da alles lesen und sehen kann.

Montag, 21. November 2011

Immobilien in Amerika

Wir sind derzeit so sehr mit uns selbst beschäftigt, dass wir die Lage der USA kaum noch wahrnehmen. Man konnte lesen, dass zwischen 42 und 46 Millionen Amerikanern (von insgesamt 310 Millionen Einwohnern, also etwa 15%,  Lebensmittelmarken benötigen. Die offizielle Arbeitslosigkeit liegt bei 9%, andere sprechen von 20%, wenn man Arbeitssuchende mit einbezieht. Die Immobilienpreise sind in den meisten Regionen stark  gesunken. Die Krise der Immobilien ist für ein Land wie die USA essentiell.
Hierzu zwei interessante Charts:
(gefunden in: http://www.rottmeyer.de/das-vorlaufige-ende-der-us-hausbau-baisse/)




Es sieht so aus, als ob sich der Immobilien-Absturz gefangen hat.



Aber wohin geht die Reise wirklich? Finanzinvestor Clemens Vedder ist sehr pessimistisch. Auf einer Veranstaltung des Immopresseclub  äußerte er sich extrem pessimistisch, weil seiner Ansicht nach die Bauqualität in den USA  extrem schlecht ist und deshalb auf lange Zeit keine steigenden Immobilienpreise mehr zu erwarten seien.
Andere meinen, dass der Turnaround erreicht sein könnte und es gerade jetzt interessant sein könnte, US-Immobilien zu kaufen. Wer hat Recht? Ich lese darüber zu wenig in den Medien.

Donnerstag, 17. November 2011

Wie die Bundesbank unsere schwachen Nachbarn finanziert

Thomas Mayer, Chefvolkswirt der deutschen Bank, hat soeben im ARD-Frühstücksfernsehen darauf hingewiesen, dass unsere Schuldverpflichtungen weit höher sind, als Frau Merkel uns weismachen will.
Wenn ich das richtig verstanden habe, dann hat die deutsche Bundesbank bislang 460 Milliarden Euro für den Ausgleich der Zahlungsbilanzen von Ländern mit Zahlungsbilanzdefiziten an die EZB überwiesen. Die wiederum verleiht dieses Geld an die defizitären Länder, damit diese ihren Importüberschuss bezahlen können. Die 460 Milliarden sind die Summe aller Zahlungsbilanzdefizite von Griechenland, Irland, Spanien und Portugal. Ohne den Euro müssten diese Länder erst einmal ihre Gold- und Währungsreserven einsetzen, und wenn die aufgebraucht wären, würde die Abwertung der Währung das Defizit ausgleichen.
"Es ist so, als ob Sie nebenan in der Kneipe anschreiben lassen. Die Kneipe ist die EZB, die Ihnen Kredite gibt, in der Annahme, dass Sie ihren Kredit irgendwann zurückzahlen können. Das Ganze erfolgt geräuschlos, sozusagen "unter Wasser". Es ist als ob sich hier ein bislang von den Parlamentariern kaum bemerktes Unterwassermonster zu fürchterlicher Größe mästet . Im März 2011 schrieb Hans Werner Sinn in Zeit Online:


"Bis zum März 2011 wurde in den GIPS-Ländern (Griechenland, Irland, Portugal und Spanien) zusammengenommen für 314 Milliarden Euro zusätzliches Zentralbankgeld geschöpft und verliehen, um die Zahlungsbilanzdefizite dieser Länder zu finanzieren, ihnen also den Nettoerwerb von Gütern und Vermögensobjekten in anderen Ländern des Euro-Raums zu ermöglichen. Dieses zusätzliche Geld (die Target-Salden) umfasst derzeit 59 Prozent des gesamten Bestands an kreditgeschöpftem Zentralbankgeld im Euro-Raum oder 90 Prozent desjenigen Teils, der aus den GIPS-Ländern stammt."

Und diese Kreditschöpfung geht zur Neige! Sinn weiter:

"Das von außen hereinströmende Zentralbankgeld verdrängte in den Kernländern der ehemaligen D-Mark-Zone eins zu eins die durch Notenbankkredit zustande gekommene Geldmenge, seit 2008 etwa 100 Milliarden Euro pro Jahr. Da der Restbestand dieses Kredits Ende letzten Jahres schon bis auf 180 Milliarden Euro geschrumpft war, droht er im Jahr 2013 gänzlich zur Neige zu gehen. Die EZB könnte in diesem Fall die Banken der Kernländer mit ihrem Hauptrefinanzierungssatz nicht mehr erreichen und verlöre ihr wichtigstes geldpolitisches Instrument."


Mit anderen Worten, Es ist nicht richtig, dass Deutschland nur mit maximal 210 Milliarden Euro für den Euro haftet, wie Kanzlerin Merkel versprochen hat. Wir haften auch für die Milliarden, die die Bundesbank für die EZB druck und an die PIIGS verleiht.

Samstag, 12. November 2011

Capital - ein Rückblick


Vor einigen Tagen entdeckte ich in Horizont die folgende Tabelle. Mir fiel auf, dass mein früheres Magazin CAPITAL nicht mehr zu den "wichtigsten Medien" für Entscheider gehört, die sich über Wirtschaft und Unternehmen informieren wollen.


WICHTIGSTE MEDIEN FÜR ENTSCHEIDER BEI WIRTSCHAFTSFRAGEN

Welche Zeitung, Zeitschrift, Sendung oder Internetseite nutzen Sie am häufigsten, wenn Sie sich über Wirtschaft und Unternehmen informieren wollen?


29,40%21%15,90%15,50%13,90%11,10%10,70%7,90%7,10%4%HandelsblattFAZSpiegel OnlineFTDWirtschaftswocheSüddeutsche ZeitungSpiegelTagesschauFocusTagesthemen






















(Umfrage der Uni Hohenheim im Auftrag der Ing/Diba - veröffentlicht in Horizont stats 2011)

Offensichtlich ist Capital nicht mehr wichtig. Eine traurige Bilanz.
Ziemlich genau vor zehn Jahren endete meine Zeit als Chefredakteur dieses Wirtschaftsmagazins. Es waren die "glücklichsten Jahre für Capital" schrieb mir 1996 Johannes Gross zum Geburtstag. Ich führte das Magazin von 1991 bis 2001. Glückliche Jahre für mich, und auch für den Verlag Gruner & Jahr, denn wir verdienten eine Menge Geld mit dem Magazin und überholten sogar  zeitweise die Gewinne des "Stern". 2000 erwirtschaftete das Magazin mehr als es heute an Umsatz generiert. Die jährlichen Renditen erreichten bis zu 40 Prozent, das Anzeigengeschäft brummte mit den Hunderten von Börsen-Neueinführungen.
Nach der Umstellung auf 14tägliches Erscheinen, für das mir der Bertelsmann Konzern den Titel "Unternehmer des Jahres" verlieh, erreichte Capital im März 2001 kurz vor meinem Ausscheiden seine Höchstauflage mit 330 000 Gesamtverkauf, davon 130 000 am Kiosk. Kurze Zeit später ging es bergab. Im dritten Quartal 2011 verkaufte Capital als Monatsmagazin nur noch 164 600 Hefte insgesamt (davon über 39 000 im Lesezirkel!), nur noch  12.400 am Kiosk.
Ich bin mir sicher, dass Capital auch dann stark an Auflage verloren hätte, wenn ich das Blatt weiter geführt hätte. Denn der Börsencrash 2001 mit seinen furchtbaren Kursverlusten und die Konkurrenz des Internet haben der Wirtschaftspresse im Ganzen schlimm zugesetzt. Aber ein Teil des Niederganges war auch hausgemacht: Die mir nachfolgenden Chefredakteure Funk, Stepp, Schweinsberg und Klusmann experimentierten mit dem Magazin ständig mit immer neuen Layouts herum ohne die Seele dieses ersten großen Wirtschaftsmagazins jemals zu verstehen, das durch Johannes Groß und seinen publizistischen Ruf groß geworden war. Dass Capital jemals Verluste machen würde war zu meinen Zeiten unvorstellbar.

Heute erlebe ich Capital als schnittiges Magazin ohne eigene Identität. Es ist genauso gut gemacht wie das Kundenmagazin der Lufthansa, das Gruner&Jahr ebenfalls produziert. Es wird seit dem Umzug von Köln nach Hamburg von einer Redaktion bestückt, die zugleich die FTD, Börse Online und Impulse bedient. Auf den Visitenkarten der Redakteure stehen die Logos aller vier Blätter,die Redakteure betonen bei ihren Recherchen stets, sie wüssten nicht, wo der Artikel erscheinen soll. Besonders die Geldanlagenteile der Blätter sind praktisch austauschbar. Die Vermögensberatung war einst der Markenkern von Capital.

Keine Frage: Man weiß in Hamburg wie man professionell Magazine macht, es hat fast industriellen Charakter. Die Wirtschaftspresse aber war im Hause von Stern, Brigitte und GEO nie richtig anerkannt. Man hat sie auch in eine eigene Firma deplatziert, damit sie im Verlag nicht zu großen Schaden anrichtet. Einen Vorteil hat  diese Konstruktion: Irgendwann kann man den Laden in einem Stück verkaufen. Der Tag, da bin ich mir sicher, wird kommen.

An anderer Stelle hatte ich schon einmal darauf hingewiesen, dass die Dominanz der nach wie vor völlig defizitären FTD dazu geführt hat, dass die Internet-Portale der Magazine Capital, Impulse und selbst Börse Online meilenweit von den Besucherzahlen vieler Finanzportale entfernt sind. Bei einem Magazin wie Börse Online könnte man sich die Druckkosten komplett sparen und statt dessen das Finanzportal ausbauen. Impulse könnte man als reine Abonnentenzeitschrift reanimieren.
Aber bei Capital müßte man die gesamte Redaktion wieder aus dem FTD-Wirtschaftspresse-Brei herausschneiden und ihr das verloren gegangene Selbstwertgefühl zurück geben. Ich bin sicher, man könnte an die große Vergangenheit anknüpfen.

Mittwoch, 9. November 2011

Gastautor Thomas Grüner über Politiker in der Finanzkrise



Denn sie wissen nicht, was sie tun!
Von Thomas Grüner,
www.gruener-fisher.de

In den letzten Tagen haben sich die Ereignisse auf politischer Ebene überschlagen. Fast schon stündlich wurden diverse Rücktrittsmeldungen aus Italien und Griechenland, angebliche Volksabstimmungen und geplatzte Vereinbarungen vermeldet, nur um diese Meldungen anschließend wieder korrigieren zu müssen. Alles andere als ruhige Zeiten.

Die Politik will die Welt retten

Die Talkshows sind fast immer voller Politiker, die uns ihre Sicht auf die Welt verkünden. In den letzten Wochen ist diese Politikerdichte sogar noch sprunghaft angestiegen. Nahezu alle ranghohen Funktionäre drängeln sich in den Medien, geben sich in den Fernseh- und Nachrichtenstudios die Klinke in die Hand und werden dabei nicht müde, sich als die Retter der Welt darzustellen. Es wird dabei übersehen, dass die Politik in den letzten Jahrzehnten viel eher das Problem selbst, als dessen Lösung war. 

„Gut gemeint“ ist fast nie „gut gemacht“

Unsere Welt ist komplex. Die Finanzwelt ist noch komplexer. Es gibt viele interessante Studien zu dem Thema, dass die Politik die Auswirkungen ihrer Handlungen nicht im Geringsten abschätzen kann und Eingriffe in die Wirtschaft nur in den seltensten Fällen die gewünschte Wirkung erzielen. Das Gegenteil der gewünschten Wirkung wird dagegen viel öfter erreicht. Diese Gefahr ist vielen nicht bewusst. Die „Retter der Welt“ sind oder verursachen oft das eigentliche Problem.

Zwei Beispiele von Ursache und Wirkung

In den letzten Wochen wurden zwei wichtige Dinge beschlossen. Die amerikanische Notenbank FED hat sich zur Operation „Twist“ entschlossen und die europäischen Banken sollen zukünftig mehr Eigenkapital vorhalten müssen. Auf den ersten Blick hört sich beides ganz vernünftig an. Wenn die FED in den USA für tiefere, langfristige Zinssätze sorgt und europäische Banken mehr Eigenkapital haben müssen – nicht schlecht. Aber nur auf den ersten Blick!

Die FED kauft langfristige US-Anleihen und finanziert dies mit der Ausgabe kürzerer Laufzeiten. Dies hat zur Folge, dass die langfristigen Zinssätze fallen und die kurzfristigen steigen – die Zinsstrukturkurve wird flacher. Dieser „tolle“ Trick wurde vor 50 Jahren - ohne erkennbare Auswirkungen – schon einmal ausprobiert. Der damalige US-Notenbank-Chef Tobin erhielt später sogar den Nobelpreis. Die Realität zeigt aber: Eine flachere Zinskurve verringert die Bereitschaft der Banken, Kredite zu vergeben. Diese Maßnahme ist daher eine gute Nachricht für jeden bonitätsstarken Investor, der billige Hypothekenzinsen sucht. Allen anderen erschwert sie die Suche.

Einen ähnlichen Effekt werden die neuen Eigenkapitalregeln für Banken haben. Immer wieder wird in den Medien davon geredet, dass es gut sei, wenn Banken mehr Eigenkapital aufweisen müssen. Politiker feiern sich für die Maßnahme selbst. Auf den ersten Blick erscheint das auch ganz „logisch“. Offensichtlich wissen aber genau diese Politiker gar nicht, wovon sie überhaupt reden. Es geht nämlich gar nicht darum, Banken mehr Eigenkapital zu besorgen, sondern deren Eigenkapitalquote muss erhöht werden. Der übersehene Mechanismus: Große Investmentbanken können – bei lediglich gleich bleibendem oder sogar sinkendem Eigenkapital in absoluter Höhe – durch eine Verringerung ihrer Bilanzsumme ganz einfach eine höhere Eigenkapitalquote erreichen.
Für Unternehmen und private Verbraucher bedeutet dies: Sie werden diese Maßnahmen und eine Kappung der Bilanzsummen der Banken durch verschärfte Kreditanforderungen zu spüren bekommen. Viele Banken werden ihr Eigenkapital also gar nicht erhöhen. Sie verringern ihre Kreditvergabe, damit auch ihre Bilanzsumme und ihre Eigenkapitalquote steigt als Folge automatisch!

Fazit

Unsere Welt ist zu komplex. Hervorragend ausgebildeten Topp-Bankern wird gerne vorgeworfen, dass sie diese Mechanismen nicht mehr verstehen können. Naiv und gefährlich ist in diesem Zusammenhang der Glaube, dass Politiker das besser könnten. Oftmals wissen diese offensichtlich gar nicht, wovon sie überhaupt reden. Es ist meist besser gar nichts zu tun, als nicht zu wissen was man überhaupt tut!




Montag, 7. November 2011

Röslers Mini-Steuersenkungen

Sigmar Gabriel, der Mann, der sich einst einen Imageberater einstellen musste, kommt nicht gerade sympathisch über. Seine Chancen als Kanzlerkandidat sind nicht besonders gut.
Das liegt nicht nur an seinem Übergewicht und seiner Art Banales gewichtvoll auszusprechen, sondern auch an seiner Themenwahl. Jetzt den großen Hammer des Bundesverfassungsgerichtes gegen die beschlossenen marginalen Steuersenkungen zu schwingen ist genauso lächerlich wie die Steuersenkung selbst. Angesichts von 100 Milliarden zusätzlichen Steuereinnahmen in den nächsten vier Jahren und angesichts des wunderbaren Schuldensenkungsverrechnungsprogrammes von 55 Milliarden Euro wäre eine drastische Steuersenkung zur Wachstumsförderung gerade jetzt angebracht.  Die Konjunktur wackelt und die Folgen der Eurokrise auf die Realwirtschaft sind noch nicht absehbar. Und man sollte nicht vergessen, die Bundesregierung ist ein großer Profiteur der Euro-Krise: Sie kann sich extrem günstig verschulden, weil die Eurokrise die Anleger in den  sicheren Hafen der Bundesanleihen treibt. Dort gibt es weniger Zinsen als die Inflationsrate, so dass sich die Bundesrepublik zugleich noch entschuldet. Unsere Bürgschaftsverpflichtungen gegenüber Griechenland könnten im übrigen auch noch wegfallen. Hier ist ja noch kein Cent als Rettungsgeld geflossen.
Es ist schön, wenn alle über Haushaltskonsolidierung reden. Aber dann sollten die Haushaltskonsolidierer endlich mal über die Kürzung sinnloser Ausgaben sprechen und nicht immer nur über Steuererhöhungen.

FDP-Chef Rösler hat mit dieser Winz-Reform sein Ende als Medizinmann der deutschen Wirtschaft eingeläutet. Für solche "Erfolge" wählt niemand die FDP.