Mittwoch, 25. Januar 2012

Verkaufen - das Herz der Wirtschaft

Heute einmal ein Lob auf alle, die Produkte und Dienstleistungen verkaufen. Einer meiner Freunde hatte vor vielen Jahren nach dem 2.Jura-Examen bei der Allianz angefangen. Sein erster Auftrag war es, sich bei fünf Wohnblocks durch alle Wohnungen durchzuklingeln und Versicherungen zu verkaufen. Er brachte fünf Verträge von dieser Aktion mit. Was er erst später erfuhr: Hinter ihm hatte sich ein weiterer Allianz-Mann durchgeklingelt und überall gefragt, ob mein Freund dort auch geklingelt hatte.
Verkaufen ist nicht leicht. Ich selbst hatte während meines Studiums mal versucht, nach einem 14tägigen Seminar Vermögensbildungsverträge zu verkaufen. Bei meinem ersten Besuch konnte ich einen etwa 65jährigen überreden. Als er gerade unterschreiben wollte, kam seine Frau zur Tür rein, schrie mich an, ihr Mann begann zu weinen "der hat mich völlig zugequasselt" - und sie schmiss mich achtkantig raus. Das war das Ende meiner kurzen Versicherungskarriere.
Heutzutage ist es nicht viel leichter zu verkaufen. Aber wenn man hartnäckig am Ball bleibt, kann es selbst in aussichtslosen Situationen zum Erfolg kommen. Sei es, Kreditkarten am Flughafen zu verkaufen, sei es am Telefon Kunden zu gewinnen. Auch wenn man es kaum glaubt, hier werden wirklich Kunden eingesammelt.
Als ich noch beim Wirtschaftsmagazin Impulse arbeitete, hatten wir eine Titelgeschichte "Der beste Verkäufer". Es war wieder einer von der Allianz. Seine Generalvertretung verwaltete über 18.000 Verträge, die mit der Zeit akquiriert worden waren und schöne regelmäßige Provisionen brachten.
Gefragt nach seiner wichtigsten Regel antwortete der Mann: Beim siebten Besuch unterschreibt jeder. Eben ein echter Versicherungsvertreter. In Deutschland gibt es viele erfolgreiche Verkaufstrainer. Einen habe ich gerade kennen gelernt. Am besten fand ich seinen Spruch: "Ein schlechter Verkäufer sagt alles was er weiß, ein guter weiß, was er sagt".
Die besten Verkäufer sind übrigens oft die Unternehmenschefs/-chefinnen selber. Wer eine neue Firma gründet, kann nur Erfolg haben, wenn er/sie seine/ihre Produkte an den Mann/die Frau bringt.
Ich gehöre deshalb auch nicht zu den Leuten die ihren Briefkasten mit dem Warnhinweis "keine Werbung" versehen (obwohl man heute eigentlich nur noch Werbung oder Rechnungen im Briefkasten findet).
Verkaufen muss sein, und weil es soviele gute Verkäufer gibt, läuft auch unsere Wirtschaft rund. Also, weiter so, Leute. Ich finde Vertrieb Klasse.

Dienstag, 24. Januar 2012

Herr Klusmann, retten Sie Capital

Nach meiner Kritik an Capital scheint der Chefredakteur von Capital, Steffen Klusmann sauer auf mich zu sein. Jedenfalls  beantwortet er meine Emails nicht mehr wie früher.
Ich hatte vor kurzem in diesem Blog den Niedergang von Capital bedauert.  Ich vermute, das ist der Grund. Die Vermengung der Redaktionen in Hamburg (FTD, Capital, Impulse, Börse Online) halte ich nach wie vor für einen  zentralen Fehler, der vor allem Capital schadet.  Das Blatt hat immer noch einen guten Namen, jedoch einen horrenden Auflagenverlust von einst 330 000 auf jetzt 160 000 (davon 40 000 im Lesezirkel). Die Unternehmensgeschichten sind ganz ordentlich, aber der Geldteil hat kein Rückgrat mehr, die Inhalte sind austauschbar, sie könnten überall stehen. Man erinnert sich an keine Geschichte, wenn man das Heft durchgeblättert hat. Es fehlen die Highlights. Die Rückumstellung auf den Monatsrhythmus hat die Erlöse weiter gesenkt.

Lieber Herr Klusmann, retten Sie Capital, sorgen Sie für eine Abtrennung und die RÜCKKEHR ZUR EIGENEN IDENTITÄT. Überlassen Se FTD, Impulse und Börse Online anderen Chefredakteuren, konzentrieren Sie sich auf ein Revival dieser stolzen Marke. Sie sind ein guter Journalist.  Als Chefredakteur muss man noch etwas draufsetzen und strategisch denken. Es reicht nicht, wenn man so gerade überlebt.

Sie sollten im übrigen in der Öffentlichkeit präsenter sein. Wirtschaftsmedien brauchen publizistische Köpfe, die man wahrnimmt,  keine, die sich hinter ihrer Arbeit verstecken. Das ist übrigens auch wichtig fürs darbende Anzeigengeschäft.



Montag, 23. Januar 2012

Monti´s phänomenaler Start

Es zeigt sich, dass die Wahl Monti´s als Nachfolger von Berlusconi eine vielversprechende Wahl war. Monti hat als einer der wenigen Regierungschefs hohe ökonomische Kompetenz. Er hat als Wettbewerbskommissar große Konzerne das Fürchten gelehrt. "Wachse, Italien" ist denn auch die beste Methode mit der  Krise fertig zu werden.  Nur Wachstum bringt höhere Steuereinnahmen und damit die Fähigkeit zurück, Schulden bezahlen zu können.
Wachstum, und das haben in Deutschland viele nicht begriffen, weil der FDP niemand mehr zuhört, Wachstum entsteht durch Wettbewerb. Dass jetzt italienische Taxifahrer, Apotheker und Freiberufler lamentieren zeigt, dass Monti mit seinen Liberalisierungsmaßnahmen den richtigen Nerv getroffen hat. Wachstum wird verhindert, wenn Preise und Monopole festgeschrieben werden.  Nur wenn Newcomern der Eintritt in den Markt nicht versperrt wird - etwa durch das Gift limitierter Konzessionen, entsteht Wettbewerb. (Da wäre in Deutschland übrigens noch einiges zu tun: Wieso muss ich eigentlich für ein 20 Jahre altes Taxi genau soviel zahlen wie für eine moderne geräumige Limousine?)
Es gibt in jeder Wirtschaft angestammt Pfründe (beispielsweise auch im Pressevertrieb), die Wettbewerb aushebeln.
Dass Monti jetzt 5000 Apotheker zusätzlich zulassen will, ist nur ein kleines Zahnrad, aber es zeigt die Richtung. Überdies handelt Monti mit seinen Planvorgaben (11 Prozent Wachstum und 12 Prozent höhere Löhne) außerordentlich klug. Es ist, als ob die Soziale Marktwirtschaft wieder aufersteht, ausgerechnet in Italien. Ich drücke Monti alle Daumen, er wird es schaffen!

Mittwoch, 18. Januar 2012

Wilhelm von Finck Deutsche Family Office AG


Wir freuen uns über unseren neuen Mandanten Wilhelm von Finck Deutsche Family Office AG - siehe auch: www.wvf-dfo.de. 
Damit schenkt eine weitere renommierte Vermögensverwaltung unserer Kommunikationsberatung ihr Vertrauen. Der Spezialist für komplexe Vermögensanlagen mit Sitz in München und Frankfurt ist im letzten Jahr aus einem Zusammenschluss der Wilhelm von Finck AG mit der zur Deutschen Bank gehörenden Deutsche Family Office GmbH entstanden und betreut große Vermögen von privaten und institutionellen Anlegern. 
Laut Handelsblatt Elite Report gehört die Wilhelm von Finck Deutsche Family Office AG gehört zur "Elite der deutschen Vermögensverwaltungen". 

Montag, 16. Januar 2012

Kreuzfahrten auf dem Prüfstand

Das Leben erzählt manchmal Geschichten, die sich kein Filmemacher aufregender ausdenken könnte.

Schon die Berichte über Monsterwellen, die bei mehreren Kreuzfahrtschiffen die Fenster der Kapitänsbrücke zerschmettert haben, ließen uns stutzig werden. Solche Wellen können - wie im Fall des Kreuzfahrtschiffes Bremen - die ganze Elektrik eines Schiffes lahmlegen: Am 22. Februar 2001 war die Brücke der "Bremen" von einer 35-Meter-Welle getroffen worden. Das Kreuzfahrtschiff lag eine halbe Stunde quer zu den Wellen mit immer größerer Schlagseite und manövrierunfähig im eiskalten Wasser der Antarktis und wäre gesunken, wenn es nicht einem Bordingenieur in letzter Minute gelungen wäre, den Notgenerator in Gang zu bekommen. Inzwischen wurden eine ganze Reihe solcher Unfälle diagnostiziert.

Aber das war ein kleines Kreuzfahrtschiff mit 137 Passagieren.


Jetzt kommt dieses Unglück eines 113 000 Tonnen Schiffes mit über 4200 Menschen an Bord, das alle Facetten einer Titanic hat - bis auf den offensichtlich durchgedrehten Kapitän der Costa Concordia  und dem glücklichen Umstand, dass durch die Nähe zum Ufer und den heroischen Einsatz vieler Helfer fast alle gerettet werden konnten. Kaum zu glauben, dass so ein Dampfer über Granitfelsen fährt und umkippt.

Es wird Zeit, dass man sich einmal mit der Sicherheit und den Arbeitsbedingungen auf solchen Fleischdampfern, wie man bei der Marine sagt, beschäftigt. Im Fernsehen zeigten sie die "Sicherheitsübung" einer großen italienischen Fähre im Hafen, bei der Rettungsboote klemmten und ratlose Mannschaften nicht wussten, was sie tun sollten.
Wie ist die Ausbildung? Wie die Bezahlung? Wie die Sicherheitskonstruktion? Wie werden die Rettungsboote in Schuss gehalten? Wie finden Passagiere im Notfall heraus? Müssen solche Kapitäne ähnlich wie bei Piloten durch aufwändige fachliche und psychologische Tests gehen? Wie ist die Beflaggung? Alles Billigländer? Und so weiter...
Da ist einiges zu prüfen.

Wenn die Kreuzfahrt-Reedereien ihr Geschäft bleiben wollen, dann sollten sie für sichere Schiffe sorgen. 

P.S. Mich persönlich reizt nichts an Schiffen mit 4200 Passagieren und Mannschaften , egal wohin sie fahren, ich segle lieber. Das Märchen vom Traumschiff ist für mich eher ein Albtraum. Gut essen kann ich auch an Land, und wenn ich Hafenstädte besichtigen will, dann fliege ich lieber ein paar Tage dorthin.
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Samstag, 7. Januar 2012

Brunowsky´s Business Monitor: Our success - the PIIGS´s Problem

Brunowsky´s Business Monitor: Our success - the PIIGS´s Problem: From Ralf-Dieter Brunowsky Germany is the best working economy in the middle of the financial and banking crisis. Unemployment hits the l...

Our success - the PIIGS´s Problem


From Ralf-Dieter Brunowsky

Germany is the best working economy in the middle of the financial and banking crisis. Unemployment hits the lowest level since 20 years, car industry is extremely successful, exports to asia - especially china reaches amazing numbers. AUDI for example exported 313 000 cars last year alone - 37 percent more than last year. Volkswagen, it´s mother company, sold first time ever more than 8 million cars worldwide.
Wow!

So how come?
I can see five reasons:

1.) Chancellor Angela Merkel provides a stable well anchored policy. She is reliable, her word counts internationally.  Her Treasure Secretary (Finance Minister) Wolfgang Schaueble does a good job. Although its Coalition Partner FDP is in permanent trouble the Government is stable and Merkel is a modest but extremely efficient leader.
2.) Germany´s deregulation of labour market is a result of former chancellor Gerhard Schroeders "Agenda 2010". It was the key factor to revitalize Germany´s productivity.
3.) Having a lower inflation rate than the other Euro-Countries Germanys competitiveness is permanently increasing compared to the other countries.
4.) Germany has the best conditions in the bond market ever. It can borrow money so cheap as never and refinance former bonds with higher interest rates.
5.) Decreasing unemployment means increasing tax income for the government - plus much more payments to the the social security institutions. 2011 alone created 700 000 new jobs which pay additional  into social security-funds.

So why worrying?

Because Germany´s succees will be its future problem: The politicians have neclected the main cause of the debt crisis: Germanys surpluses against most members of the Euro Zone.
The economies of the PIIGS (Portugal, Ireland, Italy, Spain) cannot and will not recover through austerity programs. They need urgently more growth for debt reduction.

Therefore the only way seems to me (see also Heiner Flassbeck Unctad) - steered by the ECB -  Lower inflation rates for PIIGS and higher inflation rates for Germany. Only this would help to reduce the surpluses of Germany against PIIGS, because PIIGS are right now forced to finance Germanys surpluses (and vice versa their deficits). Over the last years this cumulated to about 400 Billion Euros debt from PIIGS against Germanys Bundesbank.


Donnerstag, 5. Januar 2012

Bundespräsidenten-Kommunikation: Wulffs zehn Fehler

DeutschlandTrend zu Bundespräsident Wulff
Quelle: Tagesschau.de

Christian Wulff hat immer noch eine vernichtende Presse. Mal abgesehen von den inhaltlichen Vorwürfen: So viele Kommunikationsfehler wie er hat noch kein Politiker in so kurzer Zeit angesammelt. Ich habe einmal die wichtigsten Fehler seiner Krisenkommunikation zusammen gestellt:

  1. Falsche Aussage im Landtag ("keine geschäftliche Beziehung zu dem Unternehmer Geerkens") Lügen haben kurze Beine.
  2. Unvollständige Information zum Bank-Darlehen: Er hat was zu verbergen.
  3. Unvollständige Erfassung aller Schwachpunkte: Somit immer neue Fragen  und Vorwurf der Salamitaktik. 
  4. Keine echte Entschuldigung. Unrichtig gehandelt, nicht Unrecht begangen: Das glaubt keiner wirklich. Verstoß gegen Ministergesetz ist eindeutig.
  5. Defensives, abwartendes Verhalten statt kraftvolle Offensive. Druck wird immer stärker.
  6. Entlassung seines langjährigen Vertrauten Glaeseker noch vor dem Höhepunkt der Krise: Was war der wahre Grund?
  7. Beschimpfung der Mobilbox des Chefredakteurs der BILD-Zeitung: Trotz späterer Entschuldigung liefert Wulff ein Dokument der Hilflosigkeit und mangelnden Professionalität.
  8. ARD/ZDF-Interview: Statt 21 Minuten hätte Wulff sich einem zweistündigen Kreuzverhör stellen müssen. Er hätte dann Gelegenheit gehabt, alles auf den Tisch zu legen und Sympathien zurück zu gewinnen. Körpersprache verriet Angst (weisse Knöchel. gefaltete Hände!) und Hilflosigkeit. Die Dauerbenutzung des Wortes "man" statt "ich" zeigt dass Wulff sich wie ein Außenstehender interpretiert. Mangelndes Selbstbewußtsein und mangelnde Souveränität.
  9. Unrichtige Interpretation seines Anrufes bei BILD: Er wollte angeblich nur den Bericht aufschieben, BILD bestreitet das. Er wollte den Artikel verhindern.
  10. Kommunikation über Anwälte. Diesen Weg wählt man, wenn man bereits von allen Geistern verlassen ist.

Dienstag, 3. Januar 2012

Meine 10 Sonderwünsche für das Jahr 2012

  1. Mehr Zeit in den Redaktionen für guten Wirtschaftsjournalismus
  2. Wohlstand für alle (Ludwig Erhard!) statt Armut für alle.
  3. Keine Strafzettel für Handybenutzung
  4. Flugzeuge mit leisen Triebwerken und lärmschonenden Anflügen
  5. Mehr Augenmerk auf die Situation alter Menschen
  6. Lösung der Eurokrise durch unterschiedliche -gesteuerte- Inflationsraten
  7. Rundum-Erneuerung des öffentlich rechtlich verstaubten Fernsehprogramms (Bitte kein Traumschiff mehr...) 
  8. Einführung einer Transparenzbehörde. Dort können z.B. alle Politiker ihre Privatkredite vermelden und jeder kann Einsicht nehmen. 
  9. Joachim Gauck als neuer Bundespräsident
  10. Weniger Steuern, weniger Bürokratie für Selbstständige