Freitag, 23. März 2012

Keine Lust auf Lufthansa

Mittwoch 19.März. Mein Flug von Frankfurt nach München geht um 8.50h. Boarding 8.20h, bin um 7.45h im Parkhaus 2. Dort folge ich dem grünen Pfeil, der mir freie Plätze signalisiert.  Doch die zwei freien Plätze waren nicht frei, denn  es hatten sich jeweils Fahrzeuge auf den Nachbarplätzen  so breit gemacht, dass ich mit meinem SUV nicht dazwischen passte. Also wieder raus aus dem Parkhaus und rein ins "Business Parkhaus", wo ich mit viel Platz das Doppelte zahle.
Inzwischen ist es 8h und ich eile zum Sicherheitscheck, der gefühlte 1 km entfernt ist. Ich bin mit meinem "Business Parkplatz" ganz am Ende des Zugangstunnels gelandet.
Noch vor dem Check stelle ich im Eingangsbereich fest: Flug annulliert.
Frust hoch drei. Was tun? "Gehen Sie zum Ticketschalter", heisst es, und ich folge willig, unsicher, ob ich überhaupt noch nach München fliegen will. Nun gut. Ich gehe zum Ticketschalter und muss eine Nummer ziehen, obwohl alles frei ist. Das befiehlt mit eine dort stehende Dame.
Am Ticketschalter findet die Dame meine Buchung nicht. Es dauert, bis sie mich findet. Sie bietet mir einen Flug um 9.10 h an und ich nehme an. Ich rufe meinen Termin an und verschiebe um eine Stunde. Angeblich technische Probleme (wer´s glaubt wird selig), vor allem aber Nebel in München. Mit der Bordkarte gehe ich jetzt durch die Sicherheitskontrolle und begebe mich zum weit entfernten Gate A 17. Dort angekommen, zeigt das Display: Abflug 9.45h..
Nun, ich rege mich nicht mehr auf und arbeite an meinem Laptop. Es ist jetzt 9.20h. Ich warte und wundere mich, dass immer noch nichts passiert. Dann die Frechheit. Der Abflug wird auf 10.10h verschoben.  Kurze Zeit später dann auf 10.45h. Man bittet um Verständnis. Nicht mit mir! Ich beschwere mich am Gate und man bietet mir an, mich auf eine andere Maschine umzubuchen, die um 10.10 h abfliegt. Ich nehme an, und wechsle erneut das Gate.
Wir steigen gegen 1oh ein und fliegen um 10.30h los. Zu meinem um eine Stunde verschobenen Termin komme ich 20 Minuten zu spät. Geht ja noch.
Aber die Lust auf Lufthansa vergeht mir immer mehr.



Sonntag, 11. März 2012

Vom Eigennutz zum Wertnutz

Philipp Plickert warnte heute in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vor den Verheißungen der neu entdeckten Verhaltensökonomie. Zum Begriff siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Verhaltensökonomik.

Letztlich stellt die neue Verhaltensökonomik eine Grundthese der Marktwirtschaft in Frage, dass die Marktwirtschaft deswegen so gut funktioniert, weil sie auf rationalen und eigennutzorientierten Verhaltensweisen der Individuen bezw. der Konsumenten basiert.
Wenn man das  in Frage stellt, ergibt sich als Konsequenz, dass jene Recht haben, die mit möglichst viel Staat den Einzelnen vor seinen permanenten Fehlentscheidungen schützen wollen. Man nennt das Sozialismus.

Tatsächlich kann man in den letzten Jähren das Phänomen beobachten, dass Eigennutz immer mehr an den Pranger gestellt wird.  Der Grund ist die Diskreditierung des Eigennutzes durch Eliten, die ihre Gier nicht zügeln konnten:  In der Finanzkrise gerieten viele davon an den Pranger. Aber auch ein Christian Wulff hat kräftig zur Diskreditierung von Eigennutz beigetragen.
Vielleicht hat das aber auch etwas Gutes. Denn in dieser Gesellschaft wächst nicht zuletzt durch diese Entwicklungen das Bewusstsein, dass es neben dem persönlichen Profit noch anderes, oft wichtigeres im Leben gibt.

Da gibt es ethische Banken wie die Steyler Bank, die ihren gesamten Gewinn für soziale Projekte ausgibt. Und viele ihrer Kunden verzichten sogar auf Zinsen. Da gibt es den großen Trend zur Nachhaltigkeit. Da gibt es nach Abschaffung der Wehrpflicht viele, die sich freiwillig zum Zivildienst melden. Die vielen Ehrenamtlichen nicht zu vergessen.
Und schließlich. Der akademische, oft grün wählende Nachwuchs von heute denkt wesentlich weniger profitorientiert als frühere Generationen.  Um ihn werden die Unternehmen  angesichts zunehmenden Mangels immer heftiger  werben müssen. Und das verändert  die Unternehmen  schon heute nachhaltig  - im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich glaube, es gibt hier einen Paradigmenwechsel: Vom eigennutzorientierten zum wertnutzorientierten Verhalten, das den Eigennutz einschließt, ihn aber relativiert. Von Schumpeter wissen wir:  "Der Unternehmer haftet mit seinem Einkommen an den Entwicklungswerten der Zukunft."  Das wird künftig nicht nur für Unternehmer gelten, sondern für jeden einzelnen von uns.

Donnerstag, 8. März 2012

Bürgernähe - Schlagwort ohne Inhalt

Politiker propagieren gern die Bürgernähe. Ein schönes Schlagwort, aber wie sieht die Praxis aus?
Vorgestern besuchte ich morgens das Mainzer Einwohnermeldeamt, um meiner Bürgerpflicht zu genügen und mich hier als neuer Bürger anzumelden. Man zieht sich eine Nummer und wartet, bis man aufgerufen wird. Von den zwanzig voll eingerichteten Arbeitsplätzen waren nur fünf besetzt. Krankheit und unterbesetzte Stellen waren der Grund. Als ich ankam, zog ich die Nummer H 73. Die Leuchttafel zeigte H 17 an. Auf meine Nachfrage bestätigte sich: vor mir warteten 56 Leute.
Dann entdeckte ich an einer Säule einen deutschen Hinweis: Haben Sie Ihren Personalausweis und Ihren Mietvertrag mitgebracht?
Natürlich hatte ich den Mietvertrag nicht mit. Gestern fuhr ich erneut hin. Diesmal zog ich E 17, die Leuchttafel zeigte A 73 an. A geht bis  A 99 und aus irgendeinem Grunde geht es dann mit E 1 weiter. Also diesmal nur etwa 45 Leute vor mir. Es waren  6 Arbeitsplätze besetzt, davon aber nur 4 aktiv, weil um 12h zwei zum Mittagessen mussten. Während der eineinhalb Stunden Wartezeit beobachtete ich viele Ausländer, die nach langer Wartezeit erfuhren, dass sie einen Mietvertrag mitbringen müssen - oder weil irgendetwas anderes fehlte -und wieder abzogen.
Vielleicht ein banales Beispiel. Aber wenn ich an die vielen überflüssigen Behörden (siehe das BrunoMedia-Buch "die 50 überflüssigsten Behörden") und Stellen denke, dann wird hier offensichtlich an der falschen Stelle gespart.
Am Sonntag wird übrigens in Mainz ein neuer Bürgermeister gewählt. Da ich noch nicht 3 Monate lang hier wohne, darf ich nicht mitwählen (Warum eigentlich nicht?). Ich hätte den Grünen Spitzenkandidaten gewählt. Seine Parole gefällt mir am besten: "Bürger holt euch eure Stadt zurück".