Donnerstag, 31. Mai 2012

Baltischer Humor

Gestern gab es eine würdige Trauerfeier für meinen Vater in Hamburg. Wer noch einmal seinen baltischen Humor kennen lernen möchte kann dies auf seiner Website www.baltenwitze.de nachlesen. Der baltische Dialekt stirbt so wie das ostpreußische leider aus. Deshalb hat mein Vater noch in dem 2011 erschienenen Film "Poll" www.poll-derfilm.de die Stimme des baltischen Pastors Koskull gesprochen, so dass er nun auch als Darsteller in die Filmgeschichte eingegangen ist. Vielen Dank noch einmal an alle, die  unserer Familie ihr Beileid ausgesprochen haben

Mittwoch, 23. Mai 2012

Der "Computer-Opa" ist tot

Gestern verstarb der erfolgreichste Autor von Computerbüchern, mein geliebter Vater Hans-Dieter Brunowsky, im Alter von 88 Jahren. Sein Buch "Opa das kannst du auch - mein Enkel erklärt mir den Computer" verkaufte sich über 200 000 mal. Er hat es mit 84 Jahren geschrieben und war deshalb zu Gast bei Sandra Maischberger, im SWR Nachtcafé und in anderen Fernsehsendungen- Seine Erfolge brachten ihm den Spitznamen "Computer-Opa". Mit diesem Buch und fünf weiteren nahm der pensionierte Fregattenkapitän älteren Menschen die Angst vor dem Computer. Im hohen Alter noch so zu performen, das ist eine wunderbare Sache.  Wer seinen  schwarzen baltischen Humor kennenlernen möchte, findet auf seiner Website www.baltenwitze.de die schönsten Anekdoten und Witze.

Montag, 21. Mai 2012

Jauch, Steinbrück und Sarrazin

Glückwunsch an Günter Jauch, der sich von der Vorabempörung nicht beeindrucken ließ und laut Spiegel Online gestern Abend die interessanteste Talkshow zum Euro lieferte (siehe hier: spiegel online zur Jauch-Talkshow).
Das Duell Steinbrück-Sarrazin  war informativ, spannend und lehrreich. Nicht wie erwartet eine einseitige Veranstaltung mit einem klar dominierenden SPD-Eventualkanzlerkandidaten  Peer Steinbrück und einem versponnenen Außenseiter Thilo Sarrazin. Letzterer ließ sich nämlich von der Rhetorik Steinbrücks  und den 30 "Halts-Maul"- Demonstranten keineswegs einschüchtern. Stattdessen erwies sich das Enfant Terrible der SPD als mit Zahlen gut gerüsteter Kritiker, dem es in seiner monotonen, fast langweiligen Art (so wie die mühsam zu lesenden Texte seiner Bücher) schließlich sogar gelang, aus Steinbrück das Wort "Geburtsfehler" bei der Einführung des Euro herauszulocken.  Eine gemeinsame Währung hätte wohl besser zunächst eine politische Union gebraucht, darin waren sich die beiden einig. Selbst darauf ließ sich Steinbrück ein: dass das deutsche Interesse an Europa auch mit der dunklen deutschen Vergangenheit zu tun hat.
Was Sarrazin jedoch dazu bringt, die deutsche Zahlungsbereitschaft in Euroland als Spätfolge der Holocaust-Schuld zu interpretieren, weist Steinbrück mit Recht entschieden zurück. Deutschland  habe schließlich vor allem ein hohes wirtschaftliches Interesse am Erhalt des Euros und an der Stabilität des Euroraums. Dass Jauch dann eine aktuelle Umfrage präsentierte, wonach eine Mehrheit von 49 Prozent inzwischen die Euro-Einführung für einen Fehler hält, rüstete Sarrazins Position beträchtlich auf.  In dieser Talkshow zeigte Steinbrück einen angenehmen Unterschied zu Sigmar Gabriel: Er stellt sich mit Argumenten einer fairen Diskussion. Die meisten Politiker hätten sich wohl geweigert, mit Sarrazin so prominent zu diskutieren und ihn dadurch letztlich aufzuwerten. Die Gratwanderung, das Bauchgrummeln der Bevölkerung in Sachen Euro mit politischen Notwendigkeiten in Übereinstimmung zu bringen, ist ihm durchaus geglückt.

Braucht Europa also den Euro? Laut Sarrazin nicht, aber abschaffen will er den Euro auch nicht, Verträge solle man einhalten. Lösungen hat er nicht zu bieten. 
Doch die kritischen Fragen sind berechtigt. Herausgeber Holger Steltzner lässt ihn heute in einem ausführlichen FAZ-Interview zu Wort kommen: "Finanzminister Schäuble sagte kürzlich, 3 Prozent Inflation seien doch ganz in Ordnung. Gleichzeitig verkauft sein Kreditreferat Bundesanleihen mit 1,5 Prozent Zins. Das heißt, Schäuble setzt bereits darauf, dass die Staatsschuld entwertet wird. Und dieser Mann soll Chef der Eurogruppe werden." So frontal - und berechtigt - hat noch niemand Schäuble angegriffen.

Sarrazin hat nicht wenige Bürger auf seiner Seite: Wahr ist schließlich, dass  im Mai 2010 der Stabilitätspakt gebrochen wurde. Damals wurde in einer nächtlichen Telefonkonferenz der Kauf von Anleihen finanzschwacher Euroländer durch die EZB beschlossen - gegen die Stimmen der deutschen Ratsmitglieder.  Seitdem läuft die Gelddruck-Maschine, und in Wahrheit weiß niemand, wo das letztlich hinführt.

P.S. Übrigens hält Sarrazin Jürgen Tritten für "den besten Ökonomen unter den etablierten Politikern."(FAZ von heute)



Sonntag, 20. Mai 2012

Deutsche Medien und Facebook

Die Begleitung des Börsengangs von Facebook durch die deutschen Medien hat mich irgendwie gestört. Da legt ein erst im Februar 2004 gegründetes Unternehmen einen 100-Milliarden-Börsengang hin und die deutschen Journalisten maulen herum. Ich weiß nicht, wer von ihnen jemals die Facebook-Zentrale besucht hat, mit den Gründern oder wenigstens mit dem Management gesprochen hat.
Aber die Frage, ob man die Aktie kaufen soll wird einhellig mit "man weiß es nicht" beantwortet. Das ist ja nicht falsch, aber wie hoch ist der Informationsgehalt?
Facebook muss jetzt weiter wachsen und höhere Gewinne machen, wenn es wirklich soviel wert sein will, lesen wir weiter. Wow! Auch richtig. Ob sich die Leute, die Facebook an die Börse gebracht und der Firma 18 Milliarden Dollar in die Kasse gespült haben, das wohl überlegt haben?
In all den Beiträgen erfahren wir zuwenig über das Geschäftsmodell, mit dem Facebook immerhin schon eine Milliarde Jahresgewinn erwirtschaftet hat.
Wer hätte beim Google Börsengang 2004 gedacht, dass das Unternehmen mit einem damaligen Umsatz von 1,5 Milliarden US Dollar acht Jahre später 10 Milliarden Gewinn machen würde? Trotzdem haben Anleger am ersten Börsentag über 100 Dollar hingeblättert und damit später einen prächtigen Gewinn erzielt.

Eines der wenigen Interviews, die Facebook-Gründer Mark Zuckerberg deutschen Medien gegeben hat, fand ich 2008 in der Süddeutschen Zeitung. Auszug:


SZ: Sie sind ein Kritiker der traditionellen Medien. Glauben Sie wirklich, dass Fernsehen und Zeitung überflüssig geworden sind?
Zuckerberg: Ich glaube, dass gute Inhalte immer wichtig bleiben. Aber eine Sache, die sich ändert, ist die Art, wie die Menschen an diese Inhalte kommen. Statt Massenmedien werden Freunde eine wichtigere Informationsquelle. Wenn Ihnen ein Freund einen Link zu einem Text oder einem Film oder einem Musikstück schickt - dann haben Sie doch sehr viel mehr Interesse daran, als wenn ein wildfremder Journalist oder Musikredakteur für Sie aussucht.
Damals hatte Facebook 100 Millionen Nutzer, heute sind es über 900 Millionen.
Jedes Mitglied ist am Jahresende etwa 100 Euro wert. Ich vergleiche das mal mit  dem Wert eines Abonnenten einer großen Tageszeitung. An den Werbegeschenken lässt sich nachvollziehen, wie viel ein Leser den Verlagen wert ist. Auszug aus "Abo-Direkt":

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Bargeld bis zu 140 Euro also  - na bitte!

Man könnte auch den Handelswert eine Adresse nehmen, die Verlage aus ihrem Abonnentenstamm verkaufen - je nach Qualität zwischen 30 Cent und über einen Euro.  Über Facebook kann ein Autokonzern theoretisch 900 Millionen Menschen erreichen.  Wer kann das heute bieten? Dass Facebook gesellschaftlich problematisiert wird, ist richtig. Riesen müssen immer mit Misstrauen beobachtet und an die Leine gelegt werden.
Aber dieser einmalige unternehmerische Erfolg des Mark Zuckerberg ist zukunftsweisend. Für mich ist die Facebook-Aktie ein klarer Kauf, erst recht, wenn sie sich noch verbilligen sollte.



Sonntag, 13. Mai 2012

BILD-Inflation

Die BILD-Zeitung verdächtigt auf ihrer Titelseite den Bundesbank-Präsidenten Jens Weidmann, bewusst die Inflation hochzutreiben und den Euro weich zu machen. FAZ-Herausgeber Holger Steltzner macht die Inflation in  der Sonntags-FAZ ebenfalls zum Aufmacherthema. Seiner Meinung nach steckt die EZB in der Falle: Erhöht sie die Zinsen, gefährdet sie die wackelnden Schuldenstaaten, tut sie es nicht, nimmt sie Inflation in Kauf. Das FAS-Layot malt in großen Lettern Inflationsraten von 4 bis 9 % über den Text.
Steltzner greift das "Target"- Problem auf, das der IFO-Präsident Hans-Werner Sinn als erster beim Namen genannt hat: Die wackelnden Südländer der Eurozone haben laut Steltzner zur Finanzierung ihrer Leistungsbilanz-Defizite über ihre jeweiligen Notenbanken Verbindlichkeiten von 950 Milliarden Euro aufgehäuft, weil sie billigeres Geld (oder überhaupt noch Geld) von der EZB erhalten als von den Kapitalmärkten. Hauptgläubiger ist wiederum die Deutsche Bundesbank mit 644 Milliarden - im Grunde uneinbringlichen - Forderungen an die Eurozone. Der Witz ist, dass die Südländer auch noch 70 Prozent der Stimmen in der EZB besitzen. Sie werden dafür sorgen, dass die EZB-Zinsen niedrig bleiben - auch bei steigender Inflation.
Die Frage ist, wie denn eine Inflation überhaupt in Gang kommen soll. Wir haben im Studium gelernt: Entweder Cost-Push  oder Demand Pull Inflation. Entweder durch steigende Kosten (Rohstoffe, Löhne) oder durch überschießende Nachfrage.
Manche glauben, auch Geldmengenexpansion wirke inflationär. Eine steigende  Geldmenge allein bedeutet jedoch  noch keine Inflation. Erst wenn die Realwirtschaft diese höhere Geldmenge aufsaugt - also beispielsweise durch massiv steigende Kreditvergabe die Nachfrage das Angebot stark übertrifft - erst dann wirkt Geldmenge inflationsverstärkend.

Da sich die Rohstoffpreise wieder beruhigt haben, kommt derzeit das Hauptrisiko einer Inflation von Lohnerhöhungen. Sie würden zwar einen Effekt dämpfen, der zum Targetproblem wesentlich beiträgt: Deutschland  verkauft seit Jahren den Euro-Ländern mehr, als diese bezahlen können. Wenn wir durch Lohnerhöhungen teurer im Export werden, wird uns im Außenhandel auch weniger abgekauft.  Aber dies könnte auch zu einer Lohn-Preisspirale führen, die durch steigende Inflationsraten unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter vermindert. Unctad Ökonom Heiner Flassbeck hält übrigens  genau das für den einzigen langfristigen Weg aus der Euro- und Finanzkrise.

BILD und FAS sind nicht irgendwelche Medien.  Wenn diese Medien in der jetzigen Situation die Inflationsgefahr ausrufen, dann hat das Wirkung. Welche Ängste werden bei Otto Bildverbraucher ausgelöst?

Inflationserwartungen gibt es nunmehr reichlich. Sie eilen einer tatsächlichen Inflation stets voraus Und die Flucht in die Sachwerte hat schon begonnen.


Donnerstag, 10. Mai 2012

Wie sich die Staaten entschulden werden

Viele fragen sich, wie die hochverschuldeten Länder jemals ihre Schulden zurück zahlen wollen. Die Antwort ist: Niedrige Zinsen und hohe Inflationsraten. Auf diese Weise werden die Gläubiger von Staatsanleihen enteignet.
Für die niedrigen Zinsen sorgt die EZB, für Inflation die Regierungen. Etwa durch den Aufruf von Ursula von der Leyen an die Tarifpartner, doch jetzt mal bei den Löhnen ordentlich zuzulangen.
Wie Inflation und Deflation sich auswirken, habe ich vor Jahren einmal errechnet:


Jahr INFLATION DEFLATION
Anlagebetrag Inflationsrate 5% Anlagebetrag Deflation 5%
1 100,00 5,00 100,00 5,00
2 95,00 4,75 105,00 5,25
3 90,25 4,51 110,25 5,51
4 85,74 4,29 115,76 5,79
5 81,45 4,07 121,55 6,08
6 77,38 3,87 127,63 6,38
7 73,51 3,68 134,01 6,70
8 69,83 3,49 140,71 7,04
9 66,34 3,32 147,75 7,39
10 63,02 3,15 155,13 7,76
11 59,87 2,99 162,89 8,14
12 56,88 2,84 171,03 8,55
13 54,04 2,70 179,59 8,98
14 51,33 2,57 188,56 9,43
15 48,77 2,44 197,99 9,90
Nach 15 Jahren Inflation hat sich der Wert des Geldes mehr als halbiert
Nach 15 Jahren Deflation hat sich der Wert fast verdoppelt.

Samstag, 5. Mai 2012

So werden greise Patienten abgezockt

Mein  88jähriger Vater, Autor des Bestsellers "Opa das kannst du auch - mein Enkel erklärt mir den Computer" , kam Anfang Januar wegen Herzflimmerns ins Krankenhaus. 70 Tage lang wurde er behandelt. Jetzt erhielt er eine Rechnung - ohne die Arzt- und Laborkosten ! - vom Krankenhaus - nur für den Aufenthalt einschließlich Zeiten in der Intensivstation in Höhe von

 48 000 Euro


die er bei der Beihilfe eingereicht hat - das sind pro Tag 685 Euro.

Kein Wunder, dass unser Gesundheitssystem kaputt geht.
Es war überdies ein Martyrium für meinen Vater. Meine Schwester, approbierte Ärztin, hat festgestellt, dass während der Behandlung schwere Fehler gemacht wurden und die Angelegenheit einem Anwalt übergeben.
Ich weiß nicht, ob ich alles zusammenkriege, aber es passierte unter anderem Folgendes:
Zunächst setzte man ihm einen Herzschrittmacher ein, der zu einer Infektion führte und wieder heraus genommen werden musste. Es folgte eine längere Wundbehandlang, da die Wunde wegen der Einnahme von Blutverdünnungsmitteln nur sehr langsam heilte. Irgendwie kam dann Wasser ins seine Lunge, das abgesaugt werden musste. Später blähte sich sein ganzer Körper auf. Sein Bauch und seine Beine waren voller Wasser - er nahm dadurch 20 kg zu. Auf dem Weg der Besserung wurde er dann mit Krankenhauskeimen infiziert, die tagelang zu starkem Durchfall führten und ihn völlig schwächten. Besucher durften wegen der hohen Ansteckungsgefahr nur mit Mundschutz und Plastiküberzug zu ihm.
Zwischendurch wurde er ohne die dafür notwendige Zustimmung und Aufsicht nachts ans Bett gefesselt. Durch eine fehlerhafte Intubation wurde ein Teil seiner Stimmbänder gelähmt, so dass er kaum noch sprechen kann. Aufgrund von Blutverdünnungsmitteln, bekam er oft Nasenbluten. Eines Nachts wurde er trotz Benachrichtigung durch meine Schwester, die er wegen stundenlangen Nasenblutens am Abend angerufen hatte, erst um vier Uhr morgens behandelt. Beinahe wäre er verblutet.
Das alles für 48 000 Euro zuzüglich Behandlungskosten für einen Privatpatienten. Ich bin gespannt, wie hoch die sind. Mein Vater, der sich selbst nicht mehr versorgen kann,  konnte vor einigen Wochen einen Platz in einem schönen  Pflegeheim bekommen, wo er sich wohl fühlt. Meine 87jährige Mutter, die monatelang auf seine Rückkehr nach Hause gewartet hatte, ist ihm jetzt ins Pflegeheim gefolgt. Sie bekam vor vier Wochen einen zweiten, leichten Schlaganfall und ist seitdem ebenfalls nicht mehr fähig, sich selbst zu versorgen.

Ich habe das Gefühl, dass die Gesellschaft in den Diskussionen über das Altern die oberste Spitze der sehr alten Menschen völlig ausklammert. Wie wollen wir mit ihnen in Zukunft umgehen? Die hohe Lebenserwartung verlangt hier ganz neue Konzepte.