Montag, 24. September 2012

Helmut Kohl - warum lässt man ihn nicht in Ruhe

Der  Spiegel macht Helmut Kohl diese Woche zu seiner Titelgeschichte. Ein gebrechlicher alter Mann, um den sich seine 48jährige Frau Maike kümmert, und ihn vor dem Medienrummel zu schützen sucht. Das legen einige Zeitzeugen so aus, als ob seine Frau Politik macht. Mir egal. Ich frage mich: Warum wird so ein verdienstvoller Mann immer noch mit Preisen an die Öffentlichkeit gezerrt, nur damit sich Institutionen damit schmücken können - wie übrigens auch bei Helmut Schmidt?
Gibt es denn gar keinen Respekt mehr vor dem Alter?
Ich hatte Ende der neunziger Jahre die Ehre, mit Helmut Kohl zwei Stunden bei einer Flasche Riesling unter vier Augen zu sprechen. Ich war beeindruckt von diesem Politiker, der so viele Schmähungen aushalten musste.
Seine Büroleiterin Juliane Weber hatte mich am Freitag mittag angerufen und gefragt, ob ich ihn am Nachmittag im Bundeskanzleramt besuchen könnte. Es ging um ein Vorgespräch eines seit langem für Capital beantragten Interviews. Unterstützt hatte meine Anfrage Renate Köcher, damals die zweite Frau hinter Elisabeth Noelle-Neumann. Kohl hielt einen Monolog über die Oderflut als erstes gemeinsames deutsch-deutsches Erlebnis nach der Wiedervereinigung. Die Bundeswehr erstmals als verbindendes Element. Später erzählte er mir die Geschichte seiner Freundschaft zu Mitterand. Kohl hatte den letzten Widerstandskämpfer von Kleist, der fließend französisch sprach, mit Mitterand zusammen gebracht. Mitterand war von der authentischen Geschichte des deutschen Widerstands beeindruckt und reichte Kohl die Hand.
So wurden die beiden Freunde.
Kohls Engagement galt dem Frieden in Europa und der Wiedervereinigung.
Das ist Geschichte, nicht das Gossiping über die Familie Kohls.

Journalistenschicksal

Unter dem Kostendruck der Redaktionen leiden naturgemäß vor allem die Freien, für die sich niemand mehr einsetzen mag. 
Ein sehr kompetenter, auf Wissenschaftsthemen spezialisierter freier Journalist, ein überaus netter dazu, schrieb mir dazu heute:

"Ich schreibe mich so recht und schlecht durchs Leben. Nachdem mich die XXX Ende 2010 nicht mehr bezahlen wollte, bleibt mir keine andere Wahl. Ich arbeite für diverse Magazine wie YYY, XYZ  u.ä. Vor kurzem kam XX Online noch dazu. Ein kläglicher Rest des Journalismus, den ich mit Ihnen einmal begonnen habe. Aber irgendwie wird's schon weitergehen....
Ich träume immer noch von den schönen Geschichten, die sich schreiben lassen. Gerade ist mir eine schöne Zusammenarbeit geplatzt, weil sie merkten, dass die Geschichte, die auf einem Online-Dienst veröffentlicht worden ist, vor zweieinhalb Jahren schon mal in einem Magazin stand. Das war ein Magazin-Text, den sie für ein Honorar von 200 Euro quasi "geschenkt" bekommen haben. Nur weil die zuständige Redakteurin nicht fragte, ob der Text exklusiv sei. Das ist doch eine Frechheit."




Sonntag, 23. September 2012

Das neue Manager Magazin

Gestern erhielt ich das neue Manager Magazin. Chefredakteur Dr. Arno Balzer hat dem Magazin nach acht Jahren einen neuen Anstrich verpasst. Motto: Neuer Look, alte Tugenden. Art Direktorin Tana Wilde ist insgesamt ein guter Wurf gelungen. Die traditionelle intensive Fotoarbeit des Magazins wurde weiter entwickelt.Die verstärkte Nutzung von Versalien in Überschriften gibt den Themen etwas mehr Dramatik, die neue Interviewform (Fragen in kleinerer Schrift als Antworten) mehr Platz. Generell habe ich den Eindruck, dass das Layout bei dünner werdenden Heften den Texten etwas mehr Raum geben möchte. Das geschieht durch die Verkleinerung von Überschriften und kürzeren Vorspännen. Das Inhaltsverzeichnis wirkt allerdings wie ein Rückschritt. Die schwarzen Balken mit Kursivversalien sind keine gute Idee. Das Titelbild ist klassisch geblieben, eine richtige Entscheidung.
Hervorragend die Titelgeschichte von Gisela Freisinger über den Rothschild-Clan.
Etwas aufgeblasen wirkt die Geschichte über  den bevorstehenden Generationswechsel an der Spitze von SGL Carbon von Dietmar Student. Dass Deutschlands dienstältester Börsenvorstand Robert Köhler 2014 in den Ruhestand gehen soll, also in zwei Jahren, ist nun wirklich den Platz nicht wert, den ihm MM eingeräumt wird. Dass Susanne Kalten angeblich "erbost über ihr Führungspersonal" ist, mag glauben wer will. Wirklich belegt hat Student es nicht. Soweit ich weiß, ist Köhler mit Frau Klatten in bestem Einvernehmen. Viel Spekulation, wenig Substanzielles.

Freitag, 21. September 2012

Deutscher Journalistenpreis

Gestern abend war ich zu Gast bei der Verleihung des Deutschen Journalistenpreises in Frankfurt.
Hier die Gewinner.
Soviele Journalisten habe ich selten auf einer Gästeliste gesehen, der Preis ist also recht begehrt. Es gab über 330 Einreichungen. Insgesamt Preisgelder von 60.000 Euro, von denen ein Teil gemeinnützig gespendet wird. Unzählige Juroren sind eingebunden. Die Jurysitzungen funktionieren als Telefonkonferenzen. Urkunden gab es nicht nur für die Preisträger, sondern auch für die Nominierten. Neu für mich war das Modell "lobende Erwähnung".
Die Hälfte des Publikums musste etwa eineinhalb Stunden lang stehen, ich fand einen Nischenplatz auf der Heizung neben Staatssekretär Otto vom Bundeswirtschaftsministerium, der die ganze Zeit auf seinem Iphone Facebook-Posts versendete, inkl. Foto von der Location am Frankfurter Westhafen.
n-tv Redakteurin Corinna Wohlfeil moderierte mit Witz und Charme.
Sponsoren gab es auch eine ganze Menge, Sie durften sich auf der Bühne zu den Preisträgern stellen. Die längste Rede hielt Welt Chef-Investigativjournalist Jörg Eigendorf, der stets von seinen eigenen Worten gerührt wirkt, wenn er sich selbst zitiert ("wie ich vor einigen Tagen auf einer anderen Veranstaltung sagte"). Klaus Methfessel, Leiter der Georg von Holtzbrinck Journalistenschule wusste zu berichten, dass man am Telefon durchaus unterschiedliche Meinungen hatte. Und Euro-Chefredakteur Frank B. Werner brachte immerhin konkreten Nutzwert auf die Bühne, als er empfahl, griechische Anleihen auf Basis Schweizer Franken zu kaufen. WamS Finanzredakteur Frank Stocker, Preisträger für eine Reportage über seinen Kauf griechischer Anleihen "Enttäuscht, entrechtet, enteignet") berichtete so ganz nebenbei, dass er ganz im Gegensatz zu seiner preisgekrönten Geschichte inzwischen sogar einen Gewinn gemacht hatte.

Initiator ist mein PR-Agentur-Kollege Volker Northoff, der über sich schreibt:
Bankkaufmann (Deutsche Bank, Kiel) und Diplom-Volkswirt (Universität Bonn). Sechs Jahre Presse- und PR-Referent (Dresdner Bank, Zentrale Frankfurt), unter anderem zuständig für Börsenemissionen und den Aufbau der Pressearbeit in den neuen Bundesländern. Drei Jahre Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Leonberger Bausparkasse AG (Leonberg), verantwortlich für Pressearbeit, Mitarbeiterkommunikation, Investor Relations und Sponsoring. 1996 Agenturgründung. 


Dienstag, 18. September 2012

Wozu brauchen wir die Bundesbank?

Die Bundesbank ist leider überflüssig, man muss es so hart sagen. Nicht nur, dass sie als nationale Instanz nur noch die Versorgung mit Euros umsetzt. Schlimmer ist: Sie hat kein Gewicht mehr in der Europäischen Zentralbank. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann Jens Weidmann zurücktritt, zumal er jetzt auch noch vom Bundesfinanzminister attackiert wird.
Das Sagen hat längst die EZB, die heute für einen stabilen Euro verantwortlich ist, und für die wird ja auch der schöne Neubau in Frankfurt hochgezogen. Man sollte konsequent sein und aus der Bundesbank eine Verwaltungsfiliale der EZB machen. Das reicht, um Euros zu drucken und Banken zu refinanzieren.
Die politikfreie Bundesbank war bereits eine Illusion. Die EZB ist wie erwartet zu einer politischen Instanz geworden. Ökonomie ohne Politik funktioniert eben nicht.

P.S. Und davon wird die Welt auch nicht untergehen.

Sonntag, 16. September 2012

Bertelsmann im Deutschlandfunk


"Wie sich Bertelsmann die Zukunft vorstellt" - so berichtete der Deutschlandfunk am 15.September in seinem Magazin Markt und Medien.
Hier der Radiobeitrag als Audiodatei, indem ich zitiert werde.
Und hier der Beitrag als Print Ausgabe zum Nachlesen.


Freitag, 14. September 2012

Was der Bertelsmann-Chef in der FAZ nicht sagte

Ich habe mir mal den Spaß gemacht, die Interview-Aussagen (Das Interview finden sie im Original hier). von Thomas Rabe in der heutigen FAZ zu interpretieren und zwar, indem ich Rabes Aussagen frecherweise in rot ergänzt habe.

FAZ: Könnte die „Financial Times Deutschland“ die erste Publikation Ihres Hauses sein, die sich in ein reines Online-Medium verwandelt?

Rabe: Das ist eine Entscheidung des Vorstands von Gruner + Jahr. Ich will damit sagen, dass Gruner + Jahr genau dieses tun muss, und zwar schnell. 

FAZ: Bertelsmann hält 74,9 Prozent an Gruner + Jahr. Warum wollen Sie die 25,1 Prozent der Familie Jahr auch noch übernehmen?

Rabe: Ein Minderheitsgesellschafter hat meist ein Auge darauf, dass das Geschäft eine gewisse Eigenständigkeit bewahrt. Die Frage ist allerdings, ob das für Gruner + Jahr in Zeiten der Medienkonvergenz noch der richtige Weg ist. Hierüber sind wir auf Gesellschafterebene mit den Jahrs im Gespräch. Eine engere Zusammenarbeit mit anderen Konzernteilen wie der RTL Group oder unserer Buchverlagsgruppe Random House wäre einfacher, wenn der Verlag zu 100 Prozent Bertelsmann gehörte. Mit der gewissen Eigenständigkeit muss es vorbei sein. Genau das war der Grund dafür, dass die Digitalisierung der G+J-Medien völlig verschlafen wurde. Solange die Jahr-Familie eine Sperrminorität besitzt, können wir G+ J nicht nach unseren Vorstellungen umbauen bezw. in Teilen oder ganz verkaufen. Da bis auf Stern TV (RTL) alle bisherigen Versuche gescheitert sind, Magazine auch als Fernsehformat zu etablieren, sollte RTL hier mehr Einfluss bekommen. Das meine ich mit Medienkonvergenz. 

FAZ: Viele Gruner-Mitarbeiter fürchten, dass es dann zu einem Arbeitsplatzabbau kommen könnte. Was sagen Sie dazu?

Rabe: Gruner + Jahr steht vor Herausforderungen, die der neue Vorstand des Unternehmens adressieren wird - auch, um die Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Das gilt völlig unabhängig von der Anteilseignerstruktur. Arbeitsplätze baut man nicht ohne ein strategisches Konzept ab. Das fehlt leider bisher. Da muss G+J mit dem neuen Vorstand seine Hausaufgaben nacharbeiten. Wir wollen ja wachsen und nicht schrumpfen. Es liegt am G+J Vorstand, welchen Weg er gehen will. 
FAZ: Nach einer vollständigen Übernahme könnten Sie G+J auch einfacher weiterverkaufen oder filetieren...

Rabe: Die Motivation für eine mögliche Aufstockung der Anteile ist nicht, den Verlag zu verkaufen. Wir wollen Gruner + Jahr behalten. Ich sage nicht, wir werden Gruner + Jahr behalten. Es wäre dumm von mir, einen Verkauf völlig auszuschließen, denn wir brauchen Eigenkapital für unser Wachstum, und wenn jemand einen guten Preis für das Ganze oder für Teile bietet, die nicht in unser neues strategisches Konzept passen, dann werden wir uns alle Optionen offen halten. 

Ich erinnere an ein Interview, das Bernd Buchholz vor einem Jahr dem Handelsblatt gegeben hat:

Frage: Warum hat es bei Gruner + Jahr nie richtig geklappt, innovative Onlinefirmen wenigstens zu kaufen, um davon zu profitieren?

Buchholz: Stimmt, auch wir haben Dinge ausprobiert und uns schlussendlich gegen Venturing entschieden. Ich bin an dieser Stelle konservativ: Wir konzentrieren uns mit Blick in die Zukunft auf unsere ureigenen Kernkompetenzen und nicht auf irgendwelche Versuche, unser Geschäft nach dem Motto "Hauptsache digital" durch Zukäufe auszuweiten..



Mittwoch, 12. September 2012

Gastkommentar zur Schuldenkrise

Der folgende  Exklusiv-Beitrag für diesen Blog stammt von Reinhard Panse, Geschäftsführer  und Chefanlagestratege im Family Office HQ Trust, das zur Harald Quandt Familie gehört.

Gegen Denkverbote in der Schuldenkrise
Von Reinhard Panse

"Selten war die Frage nach der richtigen Anlage eines Vermögens schwerer zu beantworten als heute. Konnte man sich bis zum Ausbruch der Krise 2007 noch auf die mehr oder weniger erfolgreiche Analyse von Zahlen zur Konjunktur, zu Zins- und Wechselkursentwicklungen, zu Bewertungen von Aktien, Renten oder Immobilien stützen, so fragt sich der institutionelle Anleger heute nur noch, wie und wann die Politiker die Schuldenkrise in Europa endlich lösen. Kanzlerin Merkel hat kurz nach der Lehman-Pleite alle Spareinlagen garantiert. Genau das, was der deutsche Sparer damals zum Schutz seiner Sparguthaben begrüßt, lehnt er in Bezug auf Staaten der Eurozone ab, nämlich den Schutz vor einer zerstörerischen Panik an den Finanzmärkten.

Im Zentrum der politischen Diskussion steht die Frage, ob die Europäische Zentralbank Staatsanleihen mit frisch gedrucktem Geld kaufen soll oder nicht. Diese Frage ist jetzt durch die Entscheidung der EZB beantwortet.

Und ich halte diese Entscheidung für richtig.

Der zentrale Fehler bei der Einführung des Euro war, Staatsanleihen risikolos zu stellen, obwohl man – anders als in den USA, England oder Japan keinen direkten Zugriff auf die Notenpresse hatte. Genau das wollten insbesondere die Deutschen ja auch verhindern. Die Folge war jedoch, dass Banken und Versicherungen ohne entsprechendes Eigenkapital und auch getrieben von gesetzlichen Auflagen Staatsanleihen in beliebiger Menge kaufen konnten. Weil Anleihen eben doch nicht risikolos sind, sind die Finanzinstitute und letztlich die gesamte Eurozone massiv in Schwierigkeiten geraten.

Wie kann man dieses Problem lösen? Aus meiner Sicht führt kein Weg daran vorbei, dem Beispiel der USA, Großbritanniens und Japan zu folgen und auch in der Eurozone mit frisch gedrucktem Geld Staatsanleihen in Verbindung mit sinnvollen Reformvorschlägen unbegrenzt aufzukaufen, bis die Krise vorüber ist.

Die Staatsanleihekäufe der Zentralbanken haben in den genannten Ländern die Kurse der Staatsanleihen stark steigen lassen, was die Bilanzen der Banken weiter stabilisiert hat und die Schuldenlast für die Regierungen billiger macht. Da man auch künftig – falls nötig – in diesen Ländern mit massiven Staatsanleihekäufen der Zentralbanken rechnen kann, besteht praktisch kein Ausfallrisiko.

Diese Vorgehensweise – neudeutsch Financial Repression genannt – half den USA und Großbritannien schon während und nach dem 2. Weltkrieg, den Schuldenberg von 120% bzw. 240% des damaligen Volkseinkommens im Jahre 1945 innerhalb von nur 10 Jahren fast zu halbieren. Ein künstlich tief gehaltener Zins bei einer durch moderate Inflation wachsenden Volkswirtschaft erleichtert erheblich eine schnelle Entschuldung.

Allerdings zu Lasten der Sparer: Diese müssen mit Zinseinnahmen unterhalb der Inflationsrate moderate Kaufkraftverluste hinnehmen.

In der Eurozone herrscht für diesen Lösungsansatz, ausgehend von der deutschen Politik und der Deutschen Bundesbank, striktes Denkverbot. Auch andere in diese Richtung gehende Lösungsansätze, wie z.B. Eurobonds, werden massiv tabuisiert.

1.) Man beruft sich auf die Maastricht-Kriterien. Doch deren Verschuldungsgrenzen sind statisch und beruhen auf keiner wirtschaftlichen Grundlage, sie waren ein rein politischer Konsens. Tatsächlich errechnet sich die tragfähige Schuldenquote und damit die Kreditvergabe jedes Kreditnehmers aus dem Schuldenstand, der Einkommenshöhe, der Sparquote, dem Einkommenswachstum und dem Zinsniveau sowie den verfügbaren Sicherheiten. Bei steigender Verschuldung verschärft der Kreditgeber die Bedingungen, bis er am Schluss keine Kredite mehr gibt. So wird Überschuldung verhindert. Erklärt sich jedoch ein Land per Gesetz als risikoloser Schuldner, ist die Überschuldung über kurz oder lang zu erwarten. Das kann lange gut gehen, wenn der Staat Zugriff auf die Notenbank besitzt und unbegrenzt neues Geld drucken kann. Die Europäer haben diesen Zugriff nicht.
2.) Weiterhin wird auf die gesunkene Wettbewerbsfähigkeit der Peripherie-Länder hingewiesen. Das Problem sei, dass diese Länder ihre Währung nicht mehr abwerten könnten. Die unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit ist jedoch nicht durch den Euro entstanden und damit durch die Auflösung der Eurozone zu bereinigen. Währungsabwertungen, die nach landläufiger Meinung die Wettbewerbsfähigkeit in den Peripheriestaaten schnell wiederherstellen könnten, würden diesen Regionen allenfalls kurzfristig helfen. Langfristige Statistiken zeigen, dass Länder, deren Wechselkurs über die letzten 5 Jahrzehnte immer weiter anstieg, gleichzeitig langfristig die höchsten und stabilsten Handelsbilanzüberschüsse aufweisen, (z.B. Deutschland, Benelux, die Schweiz und Japan) und umgekehrt. Starke Unternehmen mit gut ausgebildeten Mitarbeitern sind nötig, für deren Entstehung der Wechselkurs bestimmt nicht die entscheidende Komponente ist. Weil die Einzelstaaten der Eurozone die EZB nicht zum Gelddrucken zwingen können, sind sie praktisch in einer Fremdwährung verschuldet, die sie, anders als USA, UK, Japan oder die Schweiz, nicht selbst herstellen können.
3.) Die Deutsche Bundesbank lehnt die Staatsfinanzierung über die EZB strikt ab, weil sie dadurch eine massive Inflation befürchtet. Auch das ist nicht haltbar. Es ist zwar zutreffend, dass in und nach den beiden Weltkriegen die Reichsbank massiv Geld gedruckt hat, um das Deutsche Reich zahlungsfähig zu halten. Allerdings sind die Rahmenbedingungen (kaum Warenangebot wegen unbrauchbarer oder zerstörter Produktionsanlagen, unterbrochener Welthandel, daher und wegen fehlender Devisen keine Wareneinfuhr als Ersatz, gleichzeitig stark steigende Geldmenge), die bis 1923 zur Hyperinflation und bis 1948 zur Währungsreform geführt hatten, nicht im Geringsten mit der aktuellen wirtschaftlichen Lage vergleichbar. Heutzutage sind die (in weiten Teilen der Eurozone fallenden) Lohnstückkosten wichtigster Einflussfaktor auf die Inflation. Die Inflationsrisiken würden jedoch dann zunehmen, wenn sich die Bundesbanker durchsetzten, den Peripheriestaaten jede Hilfe in Form von Staatsanleihekäufen der EZB oder des ESM oder andere zinssenkende Hilfen zu verweigern. Dann brächen nicht nur die dortigen Staatsfinanzen, sondern auch zahlreiche Unternehmen zusammen; eine rekordhohe Arbeitslosigkeit würde eine in Panik geratende EZB zu massivem Gelddrucken treiben. In einem Umfeld explodierender Importpreise (wegen schwachem Euro-Wechselkurs), wegbrechendem heimischen Warenangebot, hochschnellender Geldmenge und wachsendem Protektionismus, könnte sich die Inflation erst richtig entfalten. Auch die Amerikaner wählten bis 1933 einen Weg, der auf Gelddrucken oder Abwertungen verzichtete und der bis heute als größte ökonomische Katastrophe der USA seit ihrer Staatsgründung gilt. Jeder andere Lösungsweg wäre wirtschaftlich weniger schädlich gewesen. Der politische Schaden, den die Haltung der Deutschen Bundesbank auslösen könnte, wäre ebenfalls immens; Deutschland wäre der Schuldige, der den Zusammenbruch der Eurozone ausgelöst hat.
4.) Bleibt noch das Argument, man könne eine durch zu hohe Schulden entstandene Krise nicht mit noch mehr neuen Schulden erfolgreich bekämpfen. Dies ist zunächst zutreffend. Aber wenn man Schulden mit sehr hohen Zinsen durch Schulden mit sehr niedrigen Zinsen ersetzt, kann der Schuldner beginnen, Tilgungen vorzunehmen. Genau darauf zielen die wichtigsten Lösungsvorschläge, die insbesondere von der Deutschen Bundesbank so vehement bekämpft werden, ab.
Fazit: Mit frisch gedrucktem Geld notleidende Staatsanleihen zu kaufen, ist weitaus weniger gefährlich als ein Zusammenbruch der Eurozone und damit der Weg, den die Politik letztlich mit großer Wahrscheinlichkeit einschlagen wird. Ohne derartige Maßnahmen ist die Schuldenkrise nur durch eine große Welle von Staatspleiten und Konkursen im Privatsektor lösbar, was mit einer drastischen Senkung des Volkseinkommens einhergeht – auch in Deutschland. Für den Kapitalanleger bedeutet dies, dass die von vielen bevorzugten „sicheren“ Anlagen (Bundesanleihen, Spareinlagen, Termingelder) nicht nur weniger sicher als früher, sondern auch in historisch beispielloser Weise renditeschwach sind. Der deutsche Anleger wird sich mit den ungeliebten Aktien beschäftigen und deren kurzfristig manchmal heftigen Kursschwankungen ertragen müssen. Der Lohn besteht in einer extrem hohen Wahrscheinlichkeit, nach Ablauf von 10 Jahren ca. 5 – 10% jährliche Überrendite im Vergleich zu Bundesanleihen zu erwirtschaften. Bundesanleihen stellen angesichts der auch in Deutschland sehr hohen Staatsverschuldung keinen Schutz gegen eine Deflation dar, die nach einem Zusammenbruch der Eurozone wegen unterlassener Hilfeleistung das wahrscheinlichste Szenario darstellt. Gold und Immobilien, die bei hoher Qualität in Deutschland schon sehr teuer geworden sind und in großen Krisen gern von den Politikern massiv belastet werden, können beigemischt werden, sind aber keinesfalls als alleiniger Krisenschutz ausreichend."



Donnerstag, 6. September 2012

Nach Buchholz: ein Triumvirat bei Gruner+Jahr


Aus dem Kressreport:

"In ihrer neuen Position verantwortet Julia Jäkel, bislang Verlagsgeschäftsführerin der Verlagsgruppe "G+J Life" 
künftig das Zeitschriften- und Digitalgeschäft von Gruner + Jahr in Deutschland. Torsten-Jörn Klein bleibt als Auslandsvorstand für alle internationalen Aktivitäten verantwortlich. Achim Twardy übernimmt zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben als Finanzvorstand, Vorstand Druck und Beteiligungen und Leiter Corporate Services wieder die Verantwortung für den Bereich Operations."

Das scheint mir eine akzeptable Zwischenlösung zu sein. Dass Frau Jäkel nicht gleich zur Vorstandsvorsitzenden ernannt wurde, lässt vermuten, dass das Triumvirat noch nicht die finale Lösung aus Sicht von Bertelsmann-Chef Rabe ist.

Mittwoch, 5. September 2012

Im NDR: "Machtkampf bei Gruner + Jahr"

Gestern Abend sendete das NDR-Medien-Magazin ZAPP einen interessanten Beitrag  über Gruner+Jahr, in dem ich zitiert werde. Wen´s interessiert - hier der Link zum Film:

"Machtkampf bei Gruner+Jahr"


Goldman Sachs, eine unglaubliche Geschichte

Gestern Abend sah ich die Dokumentation über Goldman Sachs im Sender ARTE:
Wer sichs nochmal ansehen möchte:
Hier klicken
Eine Bank lenkt die Welt. Beeindruckende Recherche, französisch geprägt und deutlich antiamerikanisch. Trotzdem: Wie Goldman Sachs Anlegern Finanzprodukte verkauft, gegen die es selbst spekuliert hat, ist schon Wahnsinn.Und dann noch der Emailverkehr zwischen Goldman-Mitarbeitern, die sich über ihre Kunden lustig machen, weil die ihre Finanzprodukte gekauft haben. Schon irre, dass der Ex-Chef von Goldman Sachs  Paulson als Finanzminister den gefährlichen Konkurrenten Lehman Brothers pleite gehen ließ und gleichzeitig AIG rettete, wo Goldman 10 Milliarden verloren hätte und so vom Staat zurück bekam. Dass Goldman Sachs außerdem der Ratgeber für die Fälschung griechischer Statistiken zum Euro-Eintritt war, ist ebenso interessant wie die Aufzählung, wer alles bei Goldman Sachs war, wie z.B.  EZB-Präsident Draghi,  Mario Monti, der italienische Ministerpräsident, der frühere britische EU-Kommissar Sutherland und andere.
Sehenswert.



Samstag, 1. September 2012

Steyler Bank: Altruismus funktioniert

Eine Bank die nur Gutes tut - gibt´s das?

Die Finanz- und Eurokrise sorgt überall für Verunsicherung. Eine kleine Bank lehnt sich in diesen Zeiten entspannt zurück: Die Steyler Bank in Sankt Augustin bei Bonn. Das Geld ihrer Kunden legt die Bank schon seit Jahrzehnten ausschließlich nachhaltig an. Das heißt, es gibt keine Anlageformen im Portfolio der Bank die z.B. Kinderarbeit, die Atomindustrie oder Rüstungsvorhaben unterstützen. Die Bankgewinne werden ausschließlich für die Finanzierung sozialer Projekte der Steyler Missionare eingesetzt. Transparenz ist dabei oberstes Gebot. Der jährliche „Geschäftsbericht der guten Taten“ garantiert, dass die Spenden auch dort ankommen, wo sie hin sollen.
Viele Kunden sind von dem Engagement der Steyler Missionare so begeistert, dass sie sich an einer Solidar- Aktion der Bank "Prozente für Deinen Nächsten" beteiligen, d.h. sie schenken den Missionaren ihre Zinsen. Andere klären mit der Bank schon jetzt, wie ihr Kapital im Rahmen einer Stiftung - auch über den Tod hinaus - die Arbeit der Missionare fördern könnte. Da wird eine Bank vom Verwalter zum Vertrauten!
Sicher kein Vorbild für "normales Bankgeschäft". Aber wohltuend zu wissen, dass auch altruistische Konzepte funktionieren.