Donnerstag, 29. November 2012

Oliver Herrgesell zu Turner Broadcasting

Eine interessante Personalie ist dem Kress zu entnehmen. Oliver Herrgesell, bis Jahresmitte Kommunikationschef der RTL Group, folgt seinem früheren Chef Gerhard Zeiler als Senior Vice President Communications bei Turner Broadcasting System International. Man kann daraus ableiten, dass die Firma einiges in Deutschland und Europa vorhat.  Sein Dienstsitz wird London sein, sein Wohnort bleibt Berlin, wo seine sympathische Frau als Homöopathin arbeitet.
Ich traf Herrgesell und seine Frau letzte Woche bei der Neueröffnung der Kennedy-Ausstellung von Camera Work in Berlin. Da wollte er mir noch nicht enthüllen, wer sein nächster Arbeitgeber ist. Wie Zeiler ist er Österreicher, er kommt aus der Steiermark. Einige bedeutende Österreicher haben in deutschen Medien Karriere gemacht, wahrscheinlich, weil sie zum einen nicht so kompliziert wie ihre deutschen Kollegen denken, zum anderen weil sie immer schon respektlos waren und sich nichts aus Hierarchien machen, zumindest die Journalisten.
Herrgesell war bei dem Neustart der Berliner Zeitung der Stellvertreter von Michael Maier, der aus dem Blatt damals eine Süddeutsche Zeitung machen wollte und mit Gruner+Jahr im Rücken Top Leute in die verschiedenen Ressorts gekauft hatte. 10 Millionen Mark wurden damals in die Neuausrichtung investiert, und mit Erich Böhme, dem früheren Spiegelchefredakteur, hatte man sich eine publizistische Leitfigur als Herausgeber geholt. Der meinte sogar, aus dem Blatt eine "Washington Post!" machen zu können. Davon ist nichts übrig geblieben, der Berliner Verlag wurde an Holtzbrinck und dann an Neven Dumont weiter verscherbelt. Die Redaktionsgemeinschaft mit der insolventen Frankfurter Rundschau reißt die Berliner Zeitung mit in den Entlassungsstrudel: Fast 100 Leute müssen wohl gehen. 
Später ging Maier mit Herrgesell übrigens zum Stern als Chefredakteur, wo es die beiden nicht lange aushielten. Nicht zu vergessen Herrgesells Station in der "Woche", wo er eine brillante Medienseite verantwortete. Ich wünsche dem 50jährigen, entspannt wirkenden Kommunikationsmeister viel Glück bei seiner neuen Aufgabe.

Montag, 26. November 2012

Schnarchnasen-Wirtschaftsjournalismus?

In der heutigen Ausgabe des Spiegel (Seite 95) behauptet der Gründungschefredakteur der FTD und (bis zur Pleite) spätere Kommunikationschef von Lehman Brothers, Andrew Gowers, zur Einführung seines damaligen Blattes: Die deutsche Wirtschaftspresse war ein verschnarchter, konservativer Haufen. Interviews wurden hier in dem Stil geführt: "Verehrter Herr Konzernchef, können Sie uns mal in eigenen Worten schildern, warum Sie so toll sind?"
Bei allem Respekt vor den Leistungen von Gowers und der FTD: Hier wird ein Mythos aufgebaut, der nicht den Tatsachen entspricht. "Ich glaube", so Gowers, "wir haben die Kultur des deutschen Wirtschaftsjournalismus verändert."
Das liest man in diesen Tagen der Trauer viel, aber ich halte lediglich eine These für richtig: Die FTD hat dem Handelsblatt gut getan. Alles andere ist Unsinn. Gerade in der Anfangszeit von Gowers musste die FTD sich permanent wegen fehlerhafter Berichterstattung selbst korrigieren. In dieser Zeit wurde einer der Grundsteine für das spätere Scheitern gelegt, weil die journalistischen Fehler der FTD damals die gesamte Wirtschaft gegen sich aufbrachten. Die anfänglich steile  Auflagenkurve der FTD erhielt hier den ersten bösen Knick.
Waren die Wirtschaftsjournalisten vor der FTD eine Generation von Schnarchnasen? Das ist Unsinn. In den neunziger Jahren gab es bei Capital regelmäßig  Aufregergeschichten, insbesondere im Unternehmensressort. In fast jeder Ausgabe wurden geheime Konzernzahlen veröffentlicht, die Konzernchefs maßlos ärgerten und zu Diskussionen bis zum G+J-Vorstand führten.Ich erinnere mich an Daimler, Henkel, Lufthansa, Telekom oder die preisgekrönten Enthüllungen zum Subventionsbetrug bei der Vulkanwerft. In der Wirtschaftswoche war es nicht anders. Dort gab es früher und bis heute regelmäßig Investigativgeschichten, vom Berliner Garski-Skandal, der den Regierenden Bürgermeister stürzte, über zahlreiche Unternehmensgeschichten bis hin zu heftigsten Attacken gegen die Deutsche Telekom. Einem Mann wie Stefan Baron, in den neunziger Jahren Chefredakteur der WiWo,  kann man nun wirklich nicht Schnarchnasen-Journalismus vorwerfen. Und dem heutigen Chefredakteur Roland Tichy erst recht nicht. Ich erinnere mich, wie er als Wiwo-Korrespondent als erster herausgefunden hat, dass Mannesmann den Zuschlag für das D2-Netz bekommen sollte. Und später hat er permanent die Telekom geärgert. Im  Manager Magazin hat man schon immer Schlüsselloch-Geschichten gelesen, mit der Rubrik "Missmanagement" wurde das Magazin überhaupt erst groß. Vielleicht meint Gowers Handelsblatt und FAZ,  aber auch für diese Medien, würde ich die Kritik nicht so pauschal gelten lassen. Mag sein, dass es damals etwas gemächlicher bei diesen beiden Medien zuging, aber ich bin sicher, auch hier lassen sich genügend Enthüllungsgeschichten vor dem Launch der FTD finden. Aber muss man die Leistungen der Wirtschaftspresse immer nur an Enthüllungen messen, die letztlich nur einen kleinen Prozentsatz der Berichterstattung ausmachen? Ich sehe es so: Enthüllungen sind das Salz in der Suppe, aber nicht die Suppe selbst. Die muss immer noch mit Liebe angerichtet und gekocht werden. Und sie muss denen schmecken, die sie kaufen, den Lesern in der Wirtschaft. Deswegen war übrigens die Verlegerin Angelika Jahr immer so erfolgreich. Siehe das interessante Porträt von Melanie Amann in der FAZ am Sonntag von gestern:


Freitag, 23. November 2012

FTD: ein rosaroter Abschied

So viele Journalisten wie im Fall der FTD wurden noch nie auf einen Schlag entlassen. Der letzte große Fall waren die Entlassungen bei Capital und Impulse und einige Jahr zuvor die Schließung der deutschen Ausgabe von Forbes durch Burda.
Nun gut, die FTD musste selbst immer wieder über Entlassungswellen in der Industrie, zuletzt bei den Banken berichten. Und dennoch liegt hier ein besonderer Fall vor: Denn die Entlassungen erfolgen erstens in einer Zeit, in der es für Medienleute nicht leicht ist, einen neuen Job zu finden. Zweitens wird hier in beispielloser Form eine Massenentlassung Hochqualifizierter exerziert. Sie alle werden die gleiche Phase durchleben:
Trotz, Depression, Neuanfang, wenn es gut geht.
Die Abfindungen sind ein schwacher Trost, das Geld ist schnell ausgegeben.. In wenigen Monaten wird man über die verstorbene FTD nicht mehr sprechen. Über Tote geht die Zeit rasend schnell hinweg. Die Entlassenen werden sich an rosarote Zeiten gerne  erinnern und die Arbeit bei der FTD als eine besondere empfinden.
Mancher wird Platz in anderen Redaktionen finden, aber üppig sind die freien Stellen nicht. Einige werden den Mut zur Selbstständigkeit haben. Und nicht wenige werden in Unternehmen unterkommen und dort ihr Wissen einbringen. Capital mit 20 Mann in Berlin? Ich bin gespannt.Und Pätzold als Chefredakteur? Keine gute Idee.
Der gigantische Zuspruch, den die FTD jetzt selbst publiziert, steht in seltsamem Widerspruch zur Schließung des Blattes. So viele Fans - und doch nicht genug Auflage?  Ich beobachte das mit gemischten Gefühlen. Es gibt jedenfalls viele, denen der Zuspitzungsjournalismus der FTD keineswegs gefiel, siehe z.B. die Foren bei Spiegel Online.
Das ändert jedoch nichts an der Betroffenheit, die alle Wirtschaftsjournalisten in diesen Tagen erleben. Niemand möchte in  der Haut dieser Kolleginnen und Kollegen stecken. Ich wünsche allen ganz viel Glück für einen Neuanfang, wo immer das ist.
Im übrigen: Frau Jäkel hat meinen Respekt für diese mutige, aber unumgängliche Entscheidung.


FTD: Das Aus jetzt offiziell verkündet

Der Kress Report schreibt dazu: G+J macht es offiziell

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Donnerstag, 22. November 2012

Ist die FTD an ihrem Vertrieb gescheitert?

Nachdem der Aufsichtsrat dem Vorstand von Gruner+Jahr freie Hand für die Schließung der FTD gegeben hat, melden sich jetzt viele entsetzte Leser zu Wort - siehe HIER.
Leser schreiben, sie hätten auch gerne mehr für das Blatt gezahlt. Der Qualitätsjournalismus der FTD wird allseits gelobt. Redakteure verweisen auf 90 Journalistenpreise in den letzten vier Jahren. Meine  kritische Meinung zu Journalistenpreisen habe ich hier schon kundgetan. Nun gut, sicher gilt aber, was jemand schrieb: "Qualitätsjournalismus allein garantiert noch keine Profitabilität."
Die Frage lautet: Wenn die Journalisten gute Arbeit geleistet haben, hat dann das Verlagsmanagement versagt? In einem Punkt glaube ich ganz gewiss: Der Vertrieb ist eine wesentliche Ursache des Desasters - einmal abgesehen von allgemeinen Branchenproblemen. Gruner+Jahr beherrscht den Zeitungsvertrieb nicht.
Dass zuletzt nur 45 000 Exemplare (Abonnenten und Einzelverkauf) verkauft wurden ist so kein Wunder. Denn das Hauptproblem der FTD war das kostenlose Verramschen des Blattes im Vergleich zur Gesamtauflage. Zuletzt wurden täglich rund 57 000 Exemplare für Lesezirkel, Bordexemplare und Sonderaktionen verramscht (Sogenannte Sonderverkäufe). Ein Verhältnis von 44 Prozent verkauften zu 56 Prozent. Zum Vergleich: Das Handelsblatt verkaufte im dritten Quartal 2012 durchschnittlich über 86.000 Exemplare pro Tag bei 51.000 Sonderverkäufen, das ist ein Verhältnis von 73 verkauften zu 37 Prozent verramschten. Immer noch ungesund, aber weit besser als bei der FTD.
Warum verkaufte die FTD trotz ihres Qualitätsjournalismus nicht mehr? Ich wage die simpel klingende These: weil man die FTD nicht morgens auf dem Frühstückstisch, aber umso billiger bei jeder Geschäftsreise haben konnte.
Qualitätsjournalismus ist kein Alleinstellungsmerkmal der FTD. Handelsblatt, FAZ, Welt oder Süddeutsche, Wirtschaftswoche, Manager Magazin, Brandeins - alles unabhängige Qualitätsblätter mit exzellenten Redaktionen: Die FAZ mag konservativer, etwas behäbiger und langsamer sein, aber die wichtigen Wirtschaftsinformationen  sind dort alle in kompetenter Form lesen (die FAZ macht übrigens Gewinn). An Exklusivgeschichten mangelt es der FAZ genauso wenig wie dem Handelsblatt und anderen Medien.
Die FTD hat mit hohen Investitionen auf Geschwindigkeit gesetzt, obwohl das Internet uneinholbar schnell ist. Das war der falsche Ansatz. Er führte dazu, dass auch die Redaktion besonders stolz auf das hohe Tempo war, aber der Leser goutiert das nicht. Print lesen macht Spaß, wenn man Zeit hat. Schneller Headline-Konsum kann im Internet besser befriedigt werden. Die großen, eher langsamen Backgroundgeschichten kommen in Printmedien erst recht gut zur Geltung, sie sind dort  besser aufgehoben als online. Aber ehrlich gesagt, die "Agenda" in rosa zu lesen ist anstrengender als ein gleiches Stück im weiß gedruckten Handelsblatt, finde ich. Aber das mag Geschmackssache sein. Im Internet selbst ging der anfängliche Schwung der FTD nach wenigen Jahren verloren, weil der Verlag die ganze digitale Entwicklung verschlafen hat.
Beim Frühstück lese ich gerne eine gedruckte Zeitung, dafür zahle ich auch gerne mehr. Nur bekommt man FTD und Handelsblatt immer erst mit der späten Post. Die FAZ und die Regionalzeitungen sind morgens spätestens um 7 im Haus.  Es ist also auch der Vertrieb, an dem die FTD gescheitert ist. Und das Handelsblatt muss aufpassen, dass es an diesem Problem langfristig nicht auch scheitert. Während Springer sogar Sonntags Bild und Welt am Sonntag ausliefern kann, die FAZ am Sonntag ebenso, hat Gruner+Jahr einen solchen Vertrieb nie zustande bekommen, weil es eben trotz mancher Ausflüge kein Zeitungs- sondern ein Magazinverlag geblieben ist.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass die FTD im Axel-Springer-Verlag durch dessen Vertriebspower überlebt hätte. Lesen Sie dazu, was Mathias Döpfner dazu heute schreibt: HIER




Montag, 19. November 2012

Die Probleme der Wirtschaftspresse


Was immer Gruner + Jahr am 21.November verkündet: Angesichts der Schwierigkeiten, mit denen die gesamte Wirtschaftspresse kämpft, muss man die generelle Frage nach den Zukunftsaussichten der Wirtschaftspresse stellen.
Die FTD soll seit ihrer Gründung etwa 300 Millionen Euro Verlust gemacht haben. Zuvor hatte Gruner + Jahr schon einmal viel Geld mit der Wirtschaftspresse verloren: Der Kauf der Magazine  Fast Company und Inc. in den USA im Jahr 2000  bis zum Verkauf 2005 soll den Verlag ebenfalls einige hundert Millionen Dollar gekostet haben, man spricht von bis zu 700 Mio. Der für die Versenkung dieses Geldes verantwortliche Vorstandsvorsitzende für dieses Desaster heißt Bernd Kundrun. Der Vorgänger von Bernd Buchholz steht übrigens in der englischen Ausgabe von Wikipedia immer noch als CEO vermerkt, was die Internationalität von G+J unterstreicht. Kundrun war ein Vertriebsmann und hatte zuvor den Bezahlsender Premiere verantwortet, ohne ihn zum Erfolg zu führen. Er hatte vom Verlagsgeschäft keine Ahnung.
Kein Wunder, dass talentierte Leute wie Matthias Döpfner und Andreas Wiele Gruner + Jahr unter Kundrun den Rücken gekehrt haben. Interessanter Beitrag von Stefan Winterbauer dazu auch hier.

Doch zum Thema:
Warum  tut sich die Wirtschaftspresse insgesamt so schwer, profitabel zu arbeiten? Ich sehe zehn Punkte, an denen gearbeitet werden muss.

Grund Nummer eins
: Das Anzeigengeschäft wandert weiter ins Internet, in den Socialmediabereich und jetzt auch zunehmend in Smartphones ab. Auch das Fernsehen ist ein übler Konkurrent. Diese Medien haben den großen Vorteil, dass die Werbeeffekte viel besser und schneller gemessen werden können, als das im Printbereich möglich ist. Zu verhindern ist das nicht. Aber vielleicht sollten Chefredakteure sich öfter mal bei ihren Anzeigenkunden sehen lassen. Die wollen auch gelegentlich gestreichelt werden. Es wäre auch möglich, neue Anzeigenservices einzuführen, etwa für den ganzen Mittelstand, der sich keine Werbeagentur leisten kann oder will. Hier könnte man Social-Media-Pakete kombinieren mit Printanzeigen, die hausintern gestaltet werden.
Grund Nummer zwei: Die Wirtschaftspresse leidet von allen Medien am stärksten unter der Internet-Nachrichtenkonkurrenz. Das hat nichts mit journalistischer Qualität zu tun. Die gibt es auch reichlich im Netz. Wirtschaft ist schnelllebig und ungeheuer informationsreich. Perfekt für das Internet. 20 bis 40jährige lesen heute Nachrichten fast nur noch im Internet. Und auch die ältere Generation wandert zunehmend ins Web. Wer sich einmal an die FTD online gewöhnt hat, der liest die Printausgabe nicht mehr.
Täglich erscheinende Wirtschaftszeitungen haben deshalb als Printausgabe langfristig keine Zukunft, man muss das so klar sagen. Wer heute noch aktuelle Printmedien abonniert, nimmt die Wirtschaft gern als Teil des Ganzen mit (siehe FAZ, Spiegel), will aber auch Politik und Feuilleton lesen.
Wirtschaftsmedien könnten jedoch als Internetausgaben überleben, wenn sie als kompetente Marke wirklich globale Nachrichten und Features liefern. Und das heißt, sich aufzustellen wie eine internationale Agentur, z.B. Thomson Reuters. Der von den Verlagen verordnete Sparkurs hat die deutschen Wirtschaftsredaktionen geradezu auf internationalen Entzug gesetzt. Auch könnten die besten Blogs über Wirtschaftsportale erreichbar sein. Statt unbekannte Redakteure täglich mehr oder weniger seichte Kommentare schreiben zu lassen, könnte sich ein Chefredakteur mit den besten Blogschreibern verbünden. In den USA gibt es Rankings der meistgelesenen Blogs. Internetredaktionen müssten jedoch personell viel besser ausgestattet und weltweit besser vernetzt sein.  Special Interest Titel wie Landlust haben natürlich auch weiterhin Chancen, wie Coffeetable-Books auf dem Wohnzimmer Tisch zu liegen. Aber für die sogenannten Top-Medien reicht es nicht, sich  im Internet mit etwas mehr Aktualisierung aufzupeppen. Online Portale wie Onvista, auf denen gleichzeitig gehandelt wird, liegen weit vor allen Portalen der Wirtschaftspresse. Warum gehört dieses Portal nicht Gruner+Jahr und wurde stattdessen an eine französische Großbank verkauft?
Grund Nummer drei: Vielen Wirtschaftsmedien fehlt der publizistische Kopf, der mit dem Blatt identifiziert wird und mit politisch vernehmbarer Stimme Autorität beansprucht. Heute wird fast jeder Herausgeber, der mal Chefredakteur war. Kaum ist er Herausgeber, hört und sieht man nichts mehr von ihm. Meist geht es nur darum die Einsetzung eines Außenstehenden zu verhindern.
Grund Nummer vier: Den meisten Wirtschaftsmedien fehlt es an emotionaler Tiefe. Nichts ist spannender als Wirtschaft, warb die "Wirtschaftswoche" früher. Ja, die Wirtschaft ist weiter spannend, nur die Wirtschaftspresse ist zum Teil langweiliger geworden, man muss es so hart sagen. Es gibt Ausnahmen, etwa das jüngste Focus-Money-Interview mit Sarrazin. Auch Steingarts Handelsblatt punktet immer wieder mit Überraschungen.
Die sogenannten Investigativ-Teams haben es jetzt mit dem "Panorama-Effekt" zu tun: Wenn Panorama sich mit Fragen an ein Unternehmen wendet, ist höchste Alarmstufe angesagt. Dann geht die Klappe runter. Die Recherche ohne Mitwirkung des Unternehmens ist dann doppelt so schwierig und oft rechtlich angreifbar. Wenn sich in den Redaktionskonferenzen nur noch vermeintlich "kritische" Themen durchsetzen und Themenideen wie jüngst bei Brandeins ("Zweite Chance") abgewürgt werden, dann stimmt die Mischung nicht mehr. Wer Wirtschaft liest, will neues erfahren, aber auch etwas lernen.
Grund Nummer fünf: Wirtschaftsmedien sind überwiegend humorlos und grantig. Getrieben von Kosten- und Zeitdruck fehlt vielen Beiträgen der Esprit, die Lust an guten Formulierungen. Von Ausnahmen abgesehen, spiegelt die Wirtschaftspresse den deutschen Charakter, den Sloterdijk treffend mit "Sorgengemeinschaft" beschrieben hat. Am schlimmsten treibt es der Verbraucherjournalismus. Er erzieht die Deutschen zu Querulanten, soweit sie es nicht schon sind. Als Ergebnis dürfen sie heute nach jeder Beratung zig Seiten von Papier lesen und unterschreiben, ohne deswegen besser geschützt sein.
Grund Nummer sechs: Das Problem der Geldanlage. Anfang des letzten Jahrzehnts hatte der Börsenboom die Auflagen aller Wirtschaftsmedien auf Rekordhöhen getrieben. Aktien machten Spaß und schreiben konnte man über zahllose Unternehmen. Seit dem Absturz ist die Aktie als Geldanlage den meisten Journalisten suspekt. Strukturierte Produkte sind out und Anleihen bringen nichts mehr, sind inzwischen sogar riskant geworden. Worüber lässt sich dann noch schreiben? Die langweiligsten Teile in den Magazinen sind inzwischen die Geld-Ressorts. Dabei könnten wir ein Jahrzehnt der Aktie vor uns haben, denn die Zinsen werden niedrig bleiben.
Grund Nummer sieben: Der eingeengte Horizont. Unsere Wirtschaft besteht aus Menschen und ihrer Gesellschaft, nicht nur aus Zahlen. Man würde sich wünschen, dass die gesellschaftspolitischen Grundsatzthemen - etwa in Schirrmachers Feuilleton der FAZ - auch die Themendebatten in den Redaktionskonferenzen befruchten würden. Die gesamte Geisteswissenschaft kommt in den Wirtschaftsmedien kaum vor. Von Schumpeter stammt der Satz: "Die Unternehmer haften mit ihrem Einkommen an den Entwicklungswerten der Zukunft". Hier heißt es, anzusetzen. In Brandeins las ich einen anrührenden Bericht über Obdachlose. Was fällt der Wirtschaft dazu ein? Wie entwickeln sich Metropolen und Stadtviertel?
Grund Nummer acht: Überholte Vertriebsmodelle. Jeder, der heute vor einem Zeitungskiosk steht, weiß, dass hier viel zu viele Zeitschriften aushängen. Remissionen von 50 und mehr Prozent sind die Regel. Was für eine Verschwendung. Das liegt an dem Kartell des Pressegroßhandels. Bis auf den Osten  Deutschlands gehört der Pressegroßhandel weitgehend Erb-Dynastien, die keinen Wettbewerb dulden. Sie garantieren dafür, dass jede Zeitschrift zumindest einige Monate lang am Kiosk ihr Glück versuchen darf. Der Kiosk kostet alle Wirtschaftsmedien mehr als er bringt. Die Einzelverkäufe sind viel zu niedrig für den Aufwand. Die meisten Medien würden eine Menge Geld sparen, wenn sie nur noch Abos anbieten.
Grund Nummer neun: Keine Fernsehpräsenz. Trotz der zunehmenden Professionalität von digitalen Kanälen hat es kein Verlag geschafft, ein spannendes Wirtschaftsformat mit weltweiten Reportagen und interessanten Interviews zu generieren, obwohl recht gute Wirtschaftsjournalisten im öffentlich rechtlichen Fernsehen unterwegs und vielleicht zu haben sind. Das Abenteuer n-tv und N24 funktioniert nicht wirklich, weil kein Geld in diese Medien investiert wird.
Grund Nummer zehn: Newsdesks und Redaktionszusammenlegungen. Gruner+Jahr hat vier Marken aus Kostengründen auf eine Visitenkarte gesetzt und jeder weiß, dass das ein Fehler war, die Identität der Marken FTD, Capital, Impulse und Börse Online wurde beschädigt.  Sicherlich können Redakteure verschiedene Medien bedienen, den Stolz auf das eigene Blatt befördert man dadurch nicht. Das mag mit Fernsehzeitungen und Goldenen Blättern funktionieren, in der Wirtschaftspresse ist es falsch und schädlich.
Allgemein gesprochen: Redaktionszusammenlegungen verhindern systembedingt Individualität. Ein Kartell von leitenden Redakteuren sitzt täglich zusammen und bestimmt, was veröffentlicht wird. Henri Nannen hätte so nie gearbeitet. Redaktionszusammenlegungen produzieren "Content" als homogenes Gut für verschiedene Medien inkl. Internet.  Im Internet kann jeder schreiben wie er will, im Newsroom wird geglättet und das ist schade. Newsdesks verpassen jedem Artikel die gleiche Schreibe, sie verhindern letztlich herausragende Autoren, zumal sie auch tendenziell Gerechtigkeitsprinzipien bei der Verteilung von Platz folgen.  Dabei kann gerade die Sprache ein großer Lese-Anreiz sein, wie etwa Henrik M. Broder laufend vorführt. Freilich: Schreiben muss man schon können.

Nachwort: An den Redakteuren zu sparen ist die falsche Strategie. Mit Kosteneinsparungen kann eine schlechte Redaktion nicht besser, sondern nur schlechter werden. Und dann sollte man lieber den Laden schließen. In die richtigen Autoren und Redakteure zu investieren kann ein Blatt umgekehrt wieder blühen lassen. Aber es müssen dann schon die richtigen Autoren sein.

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Dienstag, 13. November 2012

Frankfurter Rundschau, dapd, FTD, Prinz

Zum Jahresende scheinen deutsche Verlage aufräumen zu wollen. Die negativen Schlagzeilen der letzten Tage lassen nichts Gutes für die Print-Presse ahnen. FTD möglicherweise vor dem Aus. Frankfurter Rundschau und dapd melden Insolvenz an, Prinz soll eingestellt werden...Wenn sich solche Nachrichten häufen, dann löst das in den anderen Verlagen keineswegs Genugtuung aus, sondern die Frage: "Müssen wir nicht auch handeln?"
Es ist deshalb zu befürchten, dass noch weitere Wackelkandidaten zur Disposition stehen. In den USA gibt es Newsweek ab 2013 nur noch als Online-Angebot. Das Nachrichtenportal Huffington Post zeigt schon lange, das so etwas funktionieren kann. Umso dramatischer ist, dass ARD und ZDF mit ihren GEZ-finanzierten Online-Angeboten privaten Verlagen das Wasser abgraben. Dass die Verleger in Ihrem Kampf gegen die Öffentlich-Rechtlichen  hier bislang kaum Fortschritte erzielen, ist bedenklich.


Montag, 12. November 2012

Gruner+Jahr: Am 21.November wird es ernst für die Wirtschaftspresse

Die FAZ hat heute einen Insiderbeitrag zur Gruner+Jahr veröffentlicht: "Den Wirtschaftsmedien droht das Aus."

Am 21. November soll verkündet werden, was aus der G+J-Wirtschaftspresse (FTD, Capital, Impulse, Börse Online) wird.

Die FAZ beruft sich auf interne Informationen. „Die Tendenz geht Richtung Schließung“,wird  "ein Manager" zitiert. Danach summiert sich die FTD-Verlust inzwischen auf 250 Millionen Euro seit Gründung, und in diesem Jahr sollen wieder zehn Millionen Miese entstanden sein. Das sieht nicht gut aus für die 350 Kolleginnen und Kollegen, die für die Wirtschaftspresse unter der Leitung von Ingrid Haas arbeiten.
Das maue Anzeigengeschäft verhagelt auch anderen Wirtschaftsmedien die Bilanz.  Offensichtlich handelt es sich um ein Branchenproblem. 
Wie können Wirtschaftsmedien überhaupt noch überleben? Ich denke auf Dauer nur, wenn sie es schaffen, jüngere Leser an sich zu binden oder ganz gezielt die ältere Zielgruppe ansprechen. Jüngere Leser kaufen sich keine Print-Titel, schon gar nicht Wirtschaftsmedien. Sie lesen nur noch im Internet.  Da das durchschnittliche Alter von Erben bei etwa 55 Jahren liegt, kann Capital als Print-Titel die zunehmende Zahl der wohlhabenden Älteren bedienen, für die aber eine andere Sprache und vor allem andere Themen gefunden werden müssen. Börse Online kann als rein digitaler Titel weiterlaufen oder Portale wie Onvista mit journalistischen Inhalten füllen. Impulse, von Nikolaus Förster sehr schön modernisiert, scheint mir ausbaufähig. Die FTD ist offensichtlich nicht verkäuflich und wird deshalb wohl zugemacht werden müssen. Journalistisch wäre das sehr schade.

Sonntag, 11. November 2012

Wenn Unternehmen Journalisten einladen

Das "Investigativ-Team" unter jörg Eigendorf hat zugeschlagen. Eigendorf enthüllt in der heutigen Welt am Sonntag Journalistenreisen des  Stahlbauers Thyssen nach Südafrika und China.
Flugreisen 1. Klasse usw.
Nun, vielleicht haben Verlage inzwischen wieder so viel Geld, dass sie die Kosten für solche Reisen wieder selbst bezahlen können.
Der Punkt ist aber, dass Journalisten, die sich nicht mehr einladen lassen, sich in ihrer Arbeit selbst beschränken. Sie nehmen dann nur noch noch inländisches wahr,  sie haben keinen direkten Draht zum Vorstand und sie spekulieren mehr als sie wissen.  Ob sich ein Journalist durch eine schöne Reise zum Schönschreiben verleiten lässt, wage ich zu bezweifeln. Als Chefredakteur von Capital habe ich Einladungsreisen zugelassen und auch selbst angenommen. Nur so habe ich Vorstände intensiv kennen gelernt und  mir ein Bild machen können.

Einladungsreisen ersparen den Verlagen eine Menge Geld, und es liegt ausschließlich am Journalisten,  was er damit anfängt. Ansonsten: Gönnt doch den Kollegen auch mal eine schöne Reise und hängt alle etwas tiefer.

P.S.Eine Idee finde ich allerdings  gut: Dass Journalisten am Ende ihres Artikels mitteilen, ob sie eingeladen waren.


Donnerstag, 8. November 2012

Facebook marschiert weiter

Viel Gegenwind bekam Facebook in den letzten Monaten, vor allem weil sich der Aktienkurs halbierte. Aber die Zahlen beeindrucken mich- 584 Millionen Nutzer nutzen täglich Facebook. Und die Erlöse wachsen:




Facebook gewinnt zunehmend Nutzer von Smartphones. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer im Mobilbereich ist von 196 (2010) auf 604 (2012) Millionen gestiegen. Zunehmend werden hier Werbeeinnahmen generiert.
Ein Kurs um die 20 US $ scheint mir ein ziemlich guter Kaufkurs zu sein.

Mittwoch, 7. November 2012

Schade, Mitt Romney

Mit meiner Wette lag ich nun doch daneben. Obama hat "four more years" bekommen. Mitt Romney hat einen starken Wahlkampf abgeliefert. Doch nun geht das Leben weiter. Die Republikaner werden Obama das Leben weiter schwer machen,  so dass große Reformen nicht zu erwarten sind.
Ich zitiere die WELT von heute:
"Die Machtverhältnisse im US-Kongress bleiben unverändert: Während die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus bei der Kongresswahl verteidigen konnten, behielten die Demokraten die Oberhand im Senat, wie US-Fernsehsender berichteten. Mit dem Wahlausgang dürfte nach Einschätzung von Experten der politische Stillstand in Washington bei wichtigen Themen weiter fortbestehen."
Für die Aktienmärkte, meint Investmentlegende Ken Fisher, ist das positiv. Sie mögen am liebsten, wenn neue Gesetze in der Schublade bleiben.

Dienstag, 6. November 2012

Ich wette, Romney gewinnt die US-Wahlen

Die deutschen Medien haben sich in den letzten Wochen völlig gedreht. Bis vor kurzem war Obama, den sich angeblich 90% der Deutschen als nächsten Präsidenten wünschen, in den Medien der klare Favorit. Inzwischen liegt Romney gleichauf. Wie konnte das passieren?  Die Fernsehduelle haben Romney wahrscheinlich entscheidend nach vorne gebracht. Hier konnte sich Romney als gleichwertiger Gegner Obamas positionieren, und seitdem hören ihm die Leute zu. Vor wenigen Tagen erhielt ich als eines von 150 Millionen Linkedin-Mitgliedern von Mitt Romney folgende Botschaft:

"President Obama promised change, but he could not deliver it. I promise change, and I have a record of achieving it. This is why I am running for president. I know how to change the course the nation is on, how to get us to a balanced budget and how to build jobs and rising take-home pay. Accomplishing real change is not something I just talk about--it is something I have done. And it is what will do when I am President of the United States. If you believe we can do better, if you believe America should be on a better course, if you are tired of being tired, then I ask you to vote for real change. Paul Ryan and I will bring real change to America, from Day One."

Obama war mit "yes we can" gestartet, doch er hat nur wenige seine Versprechen durchgesetzt und die größten Schulden aller Zeiten zu verantworten. Jetzt verspricht Romney Veränderungen und viele glauben, dass er es besser kann. Dass er Mormone ist, stört in den USA niemanden. Religion ist dort Privatsache. 

Viele Europäer vergessen, dass die Wurzeln Amerikas in einer Abkehr von der Intoleranz europäischer Gesellschaften und der bis heute dominierenden staatlichen Bevormundung liegen. Deshalb sind Millionen nach Amerika ausgewandert. Die Ärmel hochzukrempeln statt zu jammern, das steckt den Amerikanern im Blut, wie man jetzt wieder nach dem Hurricane sehen kann.
Nur 10 Prozent der US-Amerikaner waren überhaupt schon einmal außerhalb ihres Landes. Europa ist für die meisten uninteressant. 
Der Spiegel sieht den "Niedergang einer großen Nation". Das halte ich für großen Blödsinn. Die USA sind nach wie vor Wirtschafts-, Technologie- und Weltmacht Nummer eins.  Die Universitäten ziehen nach wie vor weltweit die besten Studenten an. 
Dass hierzulande viele mit dem amerikanischen Pathos nichts anfängen können, heisst nicht, dass Amerika schwach ist. Die Wirtschaft schwächelt, ja das ist richtig. Und Hurricane Sandy war furchtbar, ja. Aber die extreme Flexibilität und Regenerationsfähigkeit der Unternehmen wird durch solche Situationen massiv angestoßen. Der Riese wird schon bald wieder seine Muskeln spielen lassen. Mit oder ohne Obama.

Montag, 5. November 2012

Wetten dass und Markus Lanz

nachdem ich mir am Samstag einmal gezielt "Wetten dass" angesehen habe,und BILD am Sonntag den neuen Moderator Markus Lanz auch noch lobte, muss ich doch mal Wasser in  den Wein gießen. Kaum dass ich es schreiben wollte, lese ich im Kress-Report, dass Tom Hanks über die Sendung heftig gelästert hat: In den USA wäre  der Verantwortliche schon allein für die Überlänge von vier Stunden gefeuert worden. Recht so!
Dass sich die Hollywood-Legende eine Stadtmusikantenmütze aufsetzen  und den Moderator sackhüpfend um sich kreisend erleben musste, war einfach nur peinlich. Wie originell.  "Echtes Qualitätsfernsehen", lästerte Tom Hanks. Mit welchem Eindruck geht so ein Star nach Hause, der anfangs noch von seinen Erlebnissen in Eisenhüttenstadt erzählt hatte?
Dass die Quote so hoch war, lag einzig an den Wetten und Robby Williams, nicht an Lanz. Die Kameraführung war amateurhaft, zu wenige Großaufnahmen, zu viele Fernblicke auf das Sofa. Möglichst alle drauf und wenig zu sehen. Entspannter soll er diesmal gewesen sein, meint seine Frau? Das habe ich nicht bemerkt. Wie er auf seine Wettkandidaten einredete - am schlimmsten bei dem dreizehnjährigen Wettkandidaten - das war unsouverän. Man hatte den Eindruck, dass Lanz permanent Angst davor hatte, den Faden zu verlieren und den nächsten Witz zu vergessen. Die Gespräche mit den Stars waren langweilig, die Witzefade, Schlagfertigkeit sieht anders aus. Der für Cindy eingesprungene Atze Schröder war in den Minuten seines Auftritts dreimal besser als Markus Lanz. Das ZDF hat mit dieser "Wetten dass"- Sendung seinem verstaubten Image alle Ehre gemacht.

Freitag, 2. November 2012

Steinbrück ist nicht zu halten.

PR-technisch hat Steinbrück in Sachen Vorträgen richtig gehandelt, als er alle Vorträge auf den Tisch gelegt hat. Im Handelsblatt las ich Erleichterung darüber, dass diesmal keine Neiddebatte in Gang gesetzt wurde. Naja. Darum geht es auch gar nicht, und deshalb ist die Angelegenheit noch nicht ausgestanden. Ich sage voraus, dass Steinbrück als Kanzlerkandidat nicht zu halten ist. Er wird irgendwann die Brocken hinschmeißen und dann heißt der Kanzlerkandidat Sigmar Gabriel.
Transparenz bringt es eben mit sich, dass neue Fragen gestellt werden, zum Beispiel nach dem höchsten Honorar in dieser Liste, das er von den Stadtwerken Bochum hielt - 25.000 Euro - und angeblich spenden sollte, was er bestreitet. Das Geld hätten die Stadtwerke einer hochverschuldeten Kommune eigentlich auch direkt spenden können.  Warum haben sie es nicht getan? Vermutlich, weil sie es Steinbrück überlassen wollten. Und der hat es dann nicht gespendet. Vielleicht hat er sich dafür entschieden, eine neue Küche zu kaufen? Sein Vortrag auf dem "Forum Küchenkompetenz" könnte inspirierend gewesen sein.
Steinbrück wurde bei Journalisten laut Wikipedia "überwiegend positiv gesehen". Warum eigentlich? Der ehemalige Mitarbeiter von Helmut Schmidt, der mit ähnlich schneidender Stimme vortragen kann, war später Büroleiter des damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau, dann Finanzstaatssekretär von Björn Engholm und später Bundesfinanzminister. Er war es, der im September 2008 als Bundesfinanzminister über 100 Milliarden Euro Staatsgeld in die Schieflage der Hypo Real Estate HRE pumpte. Im Januar 2008 hatte ihn Bafin-Chef  Sanio bereits vor der Schieflage gewarnt und später die Ansicht vertreten, dass zu diesem Zeitpunkt das Desaster noch hätte vermieden werden können.
Zusätzlich zu seinen Pensionsansprüchen und seinem Abgeordnetengehalt hat der Sozi Peer Steinbrück seit 2010 für 1,25 Mio.Euro Vortragshonorare einkassiert. Nicht schlecht. Den Banken hat er für durchschnittlich 15.000 Euro ordentlich die Leviten gelesen, sagt er. Bravo! Wahrscheinlich hat er das bei jedem Vortrag gemacht. Unter den Auftraggebern sind übrigens auch die Spielautomatenhersteller, die neue kommunale Steuern fürchten. Denen hat er bestimmt auch die Leviten gelesen.
Man darf davon ausgehen, dass es sich nicht jedes Mal um einen ganz neuen Vortrag gehandelt hat. Zwei drei Varianten. jeweils ein bisschen aktualisiert und dann vorgetragen. Steinbrücks benutzt bei seinen Vorträgen übrigens  gerne den mahnenden Finger. Doch die Geldgier, die er bei Bankern gerne anprangert, stellt sich plötzlich als seine eigene, wesentliche Eigenschaft heraus. Um Neid geht es dabei nicht, sondern um Glaubwürdigkeit.