Freitag, 25. Januar 2013

Was Burda richtig macht

In der heutigen Ausgabe der FAZ lesen wir das wichtigste Medien-Interview des Monats. Der Vorstandsvorsitzende der Burda Media, Paul-Bernhard Kallen erklärt darin, wie Verlage mit der digitalen Welt umgehen müssen, und was die ganze Branche in den letzten 15 Jahren falsch gemacht hat.  Burda macht mittlerweile 50 Prozent seines Umsatzes von 2,45 Milliarden Euro (2012) mit digitalen Projekten. "Nutzt man neue Technologien", so Kallen, "muss man Produkte von Grund auf neu denken. Es hilft nichts, wenn man sich wie in den den ersten Tagen des Films vor die Kamera setzt, ein Buch vorliest und Klavier spielt." Als Beispiel nennt Kallen das  frühere Burda-Magazin "Holiday"(bis 1996/97), das zwar 80 000 Hefte verkaufte, aber wenig Anzeigenerlöse einbrachte. Mit dem erfolgreichen Portal "Holiday-Check" gibt es jetzt kostenlose Informationen, und der Verlag verdient mit "transaktionsabhängigen Werbeerlösen", also mit Reisebuchungen der Leser. Weil Google die Werbung im Internet quasi monopolisiert, bleibe die Werbung ein "Seitenpfad", auf das jedoch die meisten Verlage setzten.
Insbesondere die Wirtschaftsmedien haben das noch nicht begriffen. Für sie sind Transaktionserlöse Teufelszeug, und deshalb sind ihre Internet-Portale nicht erfolgreich.
Dass innerhalb kurzer Zeit über 1000 Journalisten ihren Arbeitsplatz verloren haben, ist einmalig in Deutschland,  kommt aber nicht von ungefähr. Jeder entlassene Journalist hat seinen Jobverlust letztlich Managementfehlern des Verlages zu verdanken. Aber vielleicht müssen Journalisten auch umdenken. Wir brauchen unabhängigen Journalismus, aber das Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit besteht nicht nur aus investigativen Geschichten. Die vielen Kolleginnen und Kollegen, die vor allem kritisch zuhören, berichten, beschreiben, erklären und an Newsdesks komplexe Abläufe organisieren sind der eigentlich wichtigere Kern unserer Medienrepublik. Scoups sind die Leuchtfeuer in diesem Umfeld, die einzelnen Medien und dort den jeweiligen Journalisten besondere Aufmerksamkeit verschaffen - und deshalb natürlich auch von Wert. Wenn aber der investigative Journalismus, der gelegentlich voyeurhaften Charakter hat, das Redaktionsdenken  allzusehr dominiert, steht er den transaktionsorientierten digitalen Geschäftsmodellen im Weg. Das kann auf die Dauer auch nicht im Interesse der Journalisten sein.

Mittwoch, 16. Januar 2013

Wenn Wirtschaftsjournalisten entlassen werden

Es ist ruhig geworden um die entlassenen Redakteure der Gruner+Jahr Wirtschaftsmedien. 350 hochqualifizierte Menschen müssen sich einen neuen Job suchen. FTD geschlossen, Börse Online verkauft, MBO bei Impulse. Und wie sieht es mit den Menschen aus?
In den letzten Wochen hatte ich Kontakt zu diversen Kolleginnen und Kollegen, die sich etwas Neues suchen müssen. Beeindruckt hat mich der Stolz, den ich als Feedback bekam. Bei niemandem spürte ich Angst. Zumindest nach außen hin strahlen alle Zuversicht aus. Das Selbstbewusstsein ist groß und es zeigt die Qualität der entlassenen Redaktion. Doch der Markt ist schwierig, nur die Besten werden einen neuen Job in den Medien finden.
Dr. Nikolaus Förster hat es als einziger geschafft, durch ein Management Buy Out, also durch Übernahme des Magazins Impulse, als Chefredakteur zu überleben. Kompliment!
Stefanie Burgmaier, Chefredakteurin von Börse Online, wurde vom neuen Eigentümer, Frank Werners Finanzen-Verlag, nicht übernommen. Die Chefredaktion von CAPITAL wurde ebenfalls ausgetauscht. Steffen Klusmann ist mit bitterem Nachgeschmack abgetaucht. Nachfolger wird Horst von Buttlar, bisher Agenda-Chef der FTD und Träger renommierter Journalistenpreise. Eine gute Wahl, finde ich. Verlagschefin Ingrid Haas steigt ebenfalls aus - Ziel ungewiss. 10 bis 15  Redakteure werden vom Handelsblatt übernommen, aber das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Die Entlassungswelle in vielen Verlagen, jüngst die Westfälische Rundschau, jetzt Focus Schule, ist dramatisch. Kein guter Start ins neue Jahr für manche. Aber warten wir mal ab. Gute Wirtschaftsjournalisten sind wertvoll. Ich hoffe, dass alle einen neuen Job finden.


Donnerstag, 10. Januar 2013

Flughafen: Erinnerungen an Berlin

Ich habe die Berliner Politik über drei Jahre als Journalist begleitet: Von 1978 bis 1979 als Parlamentsberichterstatter für die Berliner Morgenpost und von 1980 bis 1981 als Berliner Korrespondent der Wirtschaftswoche. Zugegeben, das ist lange her. Aber wenn ich die heutigen Akteure sehe, kommt mir vieles bekannt vor. Der Bau des Kongresszentrums ICC das statt 400 über 700 Millionen D-Mark kostete. Die Berlinförderung, bei der westdeutsche Schweinehälften einmal rund um die Gedächtniskirche gefahren wurden, um Subventionen zu kassieren.Der Steglitzer Kreisel, ein Abschreibungsskandal, bei dem viele Anleger Geld verloren. Der von mir enthüllte Garski-Skandal, bei dem ein mit drei Steuerstrafverfahren belasteter Bauunternehmer vom dafür zuständigen Finanzsenator eine 90-Millionen-Bürgschaft für Bauprojekte in Jordanien kassierte. Erst trat der Finanzsenator Riebschläger, dann der Wirtschaftssenator Lüder und schließlich der Regierende Bürgermeister Stobbe zurück. Ich dichtete die ganze Geschichte frei nach Friedrich Schillers Bürgschaft um: Stobbe im Schlussvers: "Ich sei bei einem Rücktritte in Eurem Bunde der Dritte."
Anschließend wurde Weizsäcker Berlins neuer Regierungschef. 

Rund um die staatseigene Deutschlandhalle mit ihren berühmten Sechs-Tage-Rennen enthüllte ich eine andere Geschichte: Künstler wurden mit Schwarzgeld bezahlt, das über ein Lufthansabüro in Brasilien beschafft wurde. 
Der Chef der damaligen Messegesellschaft AMK war ein Alkoholiker und oft betrunken. Auf dem Weg zur Niederwildjagd geriet er in eine Massenkarambolage und wollte nicht, dass ich das schreibe.

Der Vorbau der Kongresshalle stürzte während einer Pressekonferenz ein, zu der ich zu spät kam  und ein Journalist kam dabei ums Leben. 
Als ich später als Korrespondent nach Bonn wechselte, kam mir das alles als Berliner Nabelschau vor. Wen interessierte das in Westdeutschland? Die Zeiten des Ernst Reuter und des Kennedy Besuches bei Willy Brandt waren längst vorbei und aus der legendären Stadt Berlin mit ihrem unbeugsamen Widerstand gegen den Kommunismus war eine unbedeutende Provinz geworden, in der  Geschäftemacherei wichtiger als politische Botschaften wurden. Nach Willy Brandt schaffte es keiner der Nachfolger noch einmal, Berlin als Botschafter der Freiheit in der Welt vernehmbar zu machen. "Normalität" war das Ziel. Filz und Kungelei waren das Ergebnis.
Und heute? 
Eine Stadt die seit der Wiedervereinigung über 45 Milliarden Euro an Zuschüssen aus dem Länderfinanzausgleich erhalten hat. Ein Regierender Bürgermeister mit viel Zeit als Partylöwe und Talkshow-Gast, der in elf Jahren Regierungszeit nie viel zu sagen hatte, der die Stadt kaum regiert  und ohne jedes internationales Renommee im Nichts versinkt. Und der als Aufsichtsratsvorsitzender des Berliner Flughafens völlig versagte. Dass die staatlichen Eigentümer glaubten, auf einen Generalunternehmer verzichten und die Aufträge selbst ausschreiben zu können, ist der Hauptgrund für  das grauenhafte Desaster. Es ist eine arrogante Selbstüberschätzung, die da zu spüren ist. Warum muss ein Bürgermeister Buschkowski schreiben, wie es in Berlin wirklich zugeht? Ehrlich gesagt: 
Der Berliner Senat besteht seit Willy Brandt nur noch aus lauter Pfeifen, die mit der Politik mehr verdienen können als jemals in der Wirtschaft. Weizsäcker ist da wohl die einzige Ausnahme.
Der Flughafen ist so, wie die Berliner Politik: Zu teuer und sehr dilettantisch. Wen wundert´s?

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Sonntag, 6. Januar 2013

Öffentliche Verschwendung

Zwei Aufmacher fallen mir heute auf: Das Handelsblatt deckt auf, wie sich die neuen haushalts- und betriebsstättenbezogenen Rundfunkgebühren krakenhaft über Verbraucher und Unternehmen legen. Laokoon lässt grüßen!  Die FAZ deckt auf, dass Ökostromerzeuger im  vergangenen Jahr 20 Milliarden Euro von den Stromverbrauchern bezogen haben, den erzeugten Strom aber lediglich für 2,9 Milliarden verkauft haben. Die Differenz zahlt der Verbraucher.
Die Heimlichkeit, mit der ARD und ZDF ihre Ausgaben verbergen, spricht Bände. Dass öffentlich rechtliche Sender mit ihren Gebühreneinnahmen Fußballrechte einkaufen, während private Sender die gleiche Leistung mit Werbung finanzieren können, ist allein schon ein Skandal.  Die Aufsichtsgremien  in Form "gesellschaftlich relevanter Gruppen" sind offensichtlich so korrumpiert, dass sie das alles mitmachen.
Unglaublich, dass eine Einzelhandelskette jetzt für jede Betriebsstätte Rundfunkgebühren zahlen muss. Und dass Verlage die Expansion der Öffentlich Rechtlichen im Internet - eine tödliche kostenlose Konkurrenz - auch noch mitfinanzieren müssen. Aus der Rundfunkgebühr ist eine banale Steuer geworden. Kein Land zahlt seinen Staatssendern soviel Geld wie Deutschland. 1,4 Milliarden kostet inzwischen die üppige Altersvorsorge pro Jahr. Man spricht von über 14 000 Pensionären, die schon jetzt zu "versorgen" sind.
Der öffentlich rechtliche Auftrag ist inzwischen outgesourced. Darum kümmern sich Tochterunternehmen wie 3Sat und Phönix. Die Hauptsender steuern noch Nachrichten bei und konzentrieren sich ansonsten auf Krimis, Unterhaltungsshows und Sport.
Das alles nenne ich öffentliche Verschwendung.