Freitag, 26. April 2013

Steuern vermeiden in der Schweiz/2

Meine unten stehende Kolumne wurde heute (mit meinem Einverständnis) auch in Focus Online unter folgender Überschrift veröffentlicht: "Wenn Klein Erna die Superreichen in der Schweiz jagt" .
HIER der Link.

Diesen Leserkommentar in Focus finde ich gut:
Sogenannte "Reiche" in Deutschland werden gleichgesetzt mit Internet-Milliardären und Ölscheichs, die ihre Vermögen an der Länge ihrer Yachten messen. Vor dem Deutschen Steuergesetz betroffen sind jedoch Besserverdiener, die zu Recht, z.B. aufgrund Studiums einen über dem durchschnitt qualifizierteren Beruf ausüben und entsprechend auch bezahlt werden. Oder Selbständige, die mit Risiko, Eigeneinsatz und Verzicht auf Regelarbeitszeit und Tarifurlaub sich einen Betrieb aufgebaut haben und natürlich davon auch überdurchschnittliches Einkommen erwarten. Was ist "Reich"?. Einer ist noch nie verreist und sparte fürs Eigenheim, der andere bereiste lieber die ganze Welt und erlebte viel. Verdient haben zwar beide das gleiche, Vermögen hat am Ende nur einer. Wäre Umverteilung da gerecht?


Donnerstag, 25. April 2013

Der Neustart von Capital

Heute hat ein von mir sehr geschätzter Medienbeobachter über den Neustart von Capital in  Berlin geschrieben: HIER klicken und lesen.
Ich habe dem neuen Chefredakteur Horst von Buttlar dazu alles Gute gewünscht, da ich als ehemaliger Capital-Chef natürlich immer noch an dem Blatt hänge. Allerdings stören mich ein wenig die Platitüden ("Gute Geschichten usw"), die bei solchen Relaunches immer zu lesen sind. Wieder einmal soll Capital neu erfunden werden. Zu Recht stellt Meedia in dem oben verlinkten Beitrag die Frage: Wozu braucht man Capital eigentlich noch?
Nun, ich bin nicht mehr Chefredakteur, und kann die Sache nur von außen beurteilen. Aber eines habe ich gelernt: Den Markenkern einer starken Marke kann und soll man nicht verändern. Das ist in den letzten Jahren unter Steffen Klusmann und seinen Vorgängern versucht worden und gründlich misslungen. Klusmann kam vom Manager Magazin, und hielt die Fahne "Qualitätsjournalismus" mit Unternehmensgeschichten noch hoch als das Schiff wie der Kreuzer Leipzig bei den Falklandinseln rauschend unterging.
Dem Nachfolger möchte ich ins Stammbuch schreiben:
Der Markenkern von Capital besteht aus drei Hauptkomponenten: Politische Analyse, Kulturfähigkeit (Johannes Gross!) sowie Klugheit und Witz in Geldfragen ( Kostolany!).
Der typische Capital-Leser (alter Schule) ist mindestes 52, hat ein bisschen Geld auf der hohen Kante, liest am Sonntag nachmittag sein Magazin bei einer Tasse Tee und erfreut sich an der Kompetenz seines Blattes. Trends interessieren ihn mehr als Trader.  Der ans Manager Magazin abgegebene Kunstkompass war für ihn ein Highlight. Die permanent zelebrierten Top-Fondsmanager interessieren ihn weniger als  Überraschungen und gute Steuertipps. Mit Kostolany und Gross hatte er immer zwei Kolumnen, die zum Schmunzeln anregten und gleichzeitig intelligent bereicherten. Capital ist etwas für die Generation 50plus, und die wächst bekanntlich.
Dass Print nicht tot ist, zeigt der Erfolg von Landlust mit jetzt über einer Million Auflage. Aber Landlust schreibt  eben auch nicht über die größten Landhäuser, recherchiert nicht Natursünden und kämpft nicht für den Schutz von Kröten. Landlust bleibt auf dem Boden, entdeckt, was uns nah ist, beschreibt das Schöne, die vielfältige Lebenslust auf dem Land.
Die Lust am Leben, besser gesagt ein Schuss Hedonismus, war unter Johannes Gross das Erfolgsrezept. Über Qualitätsjournalismus hat kein Mensch gesprochen.
Capital sollte mit ein wenig Ironie in die politische Betrachterrolle zurückkehren, erst recht, weil es jetzt in Berlin startet: ein wenig Johannes Gross oder Helmut Herles würde dem Blatt gut tun.
Buttlar will zwar die Leserbasis verbreitern und weniger abgehoben sein. Mal sehen was dabei heraus kommt. Hört sich stark nach Pätzold an, dem früheren Hör-Zu und Stern-Chefredakteur, der ab Juni Herausgeber werden soll. Aber Buttlar sollte deshalb nicht auf die kulturelle Kompetenz des Blattes verzichten, die noch im Markenkern steckt: Am besten mit Hilfe eines prominenten Kolumnisten.
Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die Verbreiterung der Leserbasis durch "Geschichten, die man leichter versteht", das richtige Rezept ist. Ich glaube eher, dass es um einen Shift auf hohem Niveau gehen muss, der sich zurück zum Markenkern bewegt.
Und dann der  bislang sehr schwache Geldteil. Immer müssen es Topmanager, sein, die besonders viele Milliarden verwalten. Die Redakteure, die dann solche Topleute besuchen, erweisen sich dann nach meiner Erfahrung bei Redaktionsgesprächen oft als peinlich schlecht vorbereitet. Manche können noch nicht einmal englisch. Das Thema wird dann weniger wichtig. Hauptsache mit Topleuten gesprochen.
Das von dem Eckes-Erben herausgegebene Magazin "Private Wealth" zeigt die Richtung. Capital kann überleben, wenn es im Anzeigengeschäft erfolgreich ist. Anzeigenkunden brauchen ein klares Profil. Das gilt es zu schärfen, damit man Capital wieder braucht. Wie sagte Johannes Gross: "Frisch ans Werk".


Dienstag, 23. April 2013

Steuern vermeiden in der Schweiz

Gestern in "Hart aber fair" : Hoeness und die Steuerhinterziehung, der Dauerbrenner.
Der einzige, der wirklich Interessantes zu sagen hatte, war Roger Köppel, der Schweizer Chefredakteur der renommierten "Weltwoche". Er sprach aus, was in Deutschland keiner sagen will: Mit dem Ankauf der Steuer-CDs - zuletzt kaufte der rheinland-pfälzische Finanzminister Kühl 40.000 gestohlene Daten - macht sich der deutsche Staat nicht nur zum Hehler, weil er Diebesgut kauft, sondern er missachtet auch Schweizer Recht. Die Verfolgung von Steuerhinterziehern, die ihr Geld in der Schweiz vor dem Fiskus verstecken wollten, ist nach internationalem Recht Angelegenheit der Schweizer Behörden. Darüber haben sich die deutschen Fahnder einfach hinweg gesetzt. Ein unglaublicher Vorgang.
Dann noch die Brüskierung der Schweizer nach Ausverhandlung eines Abkommens, das dem deutschen Fiskus mindestens zwei Milliarden sofort in die Kassen gespült hätte durch die Ablehnung von Rot-Grün im Bundesrat.
Und schließlich zeigt sich immer mehr: Die mutmaßlichen Steuerhinterzieher sind nicht die Reichen, sondern der gut situierte deutsche Mittelstand: Handwerker, Sportler, Schauspieler, Händler, Freiberufler, sogar ein Lehrer (der gestern ausdrücklich erwähnt wurde). Man sollte mal darüber nachdenken, warum so viele Mittelständler ihr Geld ins Ausland geschafft haben. Könnte es sein, dass es etwas mit der hohen Steuerbelastung zu tun hat?
Wie ich in einem früheren Blog geschrieben habe, gilt Steuervermeidung bei den Reichen längst nicht mehr als cool. Die Strategien großer Vermögensverwaltungen achten heutzutage peinlich genau darauf, die Steuergesetze einzuhalten. Die Vorstellung von Klein Erna im SPD-Bezirksverband, dass Deutschlands Reiche ihr Geld in die Schweiz schaffen, mag manchmal richtig sein, aber meistens eben nicht.
Das Schwarzgeld in der Schweiz stammt meist von dort, wo gefragt wird: "Mit oder ohne Mehrwertsteuer?" Auch Klein Erna hat diese Frage sicher schon gehört und vielleicht nicht verstanden, dass es sich um Steuerhinterziehung handelt. Selbst Ärzte und Rechtsanwälte lassen sich gelegentlich in bar auszahlen. Mit den Reichen lässt sich leichter Wahlkampf machen als mit Steuerverfolgung der etwas besser verdienenden Bürgerschichten.  Selbst Hoeness ist nun kein wirklich Reicher, sondern ein mittelständischer Wurstfabrikant.

Freitag, 19. April 2013

Selbst ist der Kunde...

... Unter dieser Überschrift brachte der Fernsehsender 3Sat  gestern eine spannende Wirtschafts-Dokumentation, die einen epochalen Trendwechsel im Kundenmanagement deutlich macht. Hier clicken und unbedingt ansehen:

Selbst ist der Kunde (Kundenarbeit: Die unbezahlte Dienstleistung).

Am Beispiel verschiedener Branchen  wird vorgeführt, wie immer mehr Unternehmen unter Einsatz neuer Technologien (Internet, Automaten etc) den Kunden zu ihrem Mitarbeiter machen.  Interessant der Teil, der die Banken betrifft (ab 20.Minute...) Mit der Münchner Fidor Bank gibt es hier erst eine Vollbank, die diesen Paradigmenwechsel begriffen und umgesetzt hat.


Mittwoch, 10. April 2013

Spiegel Chefredaktion: Doppelspitzen sind ein Irrweg

Nun hat es wieder eine Doppelspitze getroffen. Mit Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron scheitern zwei profilierte Spitzenjournalisten  im  Streit um die richtige Strategie bei rückläufigen Umsätzen und Abozahlen.
Noch bevor der Spiegel die "Abberufung" bekannt gab (siehe hier), wusste die  geschwätzige Branche  von der spektakulären Nachricht.
Wie man hört ging es unter anderem um die Frage, ob das digitale Angebot in Zukunft von den Nutzern bezahlt werden soll oder nicht.  Von anderen Medien wie der New York Times weiß man inzwischen, dass es funktionieren kann.Aber die inhaltlichen Streitigkeiten sind letztlich nur Symptom.
Wieder einmal zeigt es sich, dass Doppelspitzen in Chefredaktionen ein Irrweg sind. Beispiele dafür gibt es genug. Erst vor kurzem wurden die Chefredakteure Osterkorn und Pätzold abgelöst. Ihr Duo hat zwar über zehn Jahre gehalten, aber für das Blatt war es schlecht, der Stern stürzte ab. Bei der Wirtschaftswoche sollte ich einmal gemeinsam mit Stefan Baron Chefredakteur sein, ich ging dann jedoch zu Capital, wo ich als alleiniger Chefredakteur die Führung übernehmen konnte. An meiner Stelle kam dann der heutige Mainzer Journalistik-Universitätsprofessor Volker Wolff, den Baron nach kurzer Zeit wegboxte.
Chefredakteure sind Alpha-Männchen, und die brauchen keine permanenten Diskussionen über den  richtigen Weg. Andererseits: Wenn sie sich nicht mehr streiten, folgt Zwangsharmonie und Langeweile. Bei den Gruner&Jahr Wirtschaftsmedien hat das nette Chefredaktionskollegium die FTD nicht retten können. Befreit spielt jetzt Nikolaus Förster mit einem MBO als alleinbestimmender Chefredakteur auf, der Impulse wieder eine Zukunft gibt.

Die FAZ mit ihrem Herausgebergremium scheint dagegen ganz gut zu funktionieren, weil mit der Autorenfreiheit genügend Spielplätze für Kommentare und eigene Beiträge vorhanden sind. Dass auch da mal ein Hugo Müller-Vogg rausgekegelt wird, ist eher die Ausnahme. Und dass man in so einem Umfeld die Zeit hat, Bestseller zu schreiben, wie Frank Schirrmacher gerade wieder mit "Ego" unter Beweis stellt, zeigt den schönen Freiraum, den man als Herausgeber genießen kann.
P.S. Schirrmachers Buch ist ein schwer verständliches, aber interessantes Plädoyer gegen den "Informationskapitalismus", der egoistisches Verhalten in Form von Algorithmen und Spieltheorie rechenbar macht und unser Verhalten über das Internet immer mehr steuert.
Soweit die kürzeste von mir je geschriebene Rezension.

Montag, 8. April 2013

Der Weg ist das Ziel, haben Politiker entdeckt. Aussitzen als Prinzip

Heute las ich in der FAZ die Schlagzeile: "Platzek sieht Termin für BER-Start noch 2013". Was für eine grandiose Idee.  Weil man bisher immer falsche Termine genannt hatte, kündigt man jetzt die Ankündigung eines Termins an! Mit einem Vorlauf von bis zu 8 Monaten.
Ähnlich das Vorgehen des CDU-Leaders Kauder: Weil man keine passende Entsorgung für den Atommüll findet, schlägt Kauder jetzt ein Gesetz zur Suche eines Endlagers vor.
Wir kommunizieren keine Ziele mehr, sondern nur noch Wege zu einem unbestimmten Ziel.
So kann Politik drängenden Fragen ausweichen und Probleme aussitzen. Aussitzen wird zum Prinzip.
Hierzu empfehle ich das vor einigen Tagen erschienene Buch von Roland Jäger "Ausgesessen - warum uns die Kultur des Nichtentscheidens unsere Zukunft kostet". Hier der Link zum Aussitzen!