Freitag, 28. Juni 2013

Die falsche Wahlkampfstrategie der SPD

Im ZDF-Politbarometer von heute erreichte die CDU mit 43 Prozent (Wen würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahlen wären?) ihren besten Wert seit Jahren, während die Steinbrück-SPD weiter bei 26% dahin dümpelt.
Für mich erklärt sich das vor allem im Auftritt Steinbrücks als ehemaliger Finanzminister. Er fokussiert sich darauf,  die Finanzpolitik der Merkel-Regierung als unsolide hinzustellen. Das ist jeder Opposition zuzugestehen, nur: Der SPD glaubt man nicht, dass sie solider wirtschaftet als die CDU. Erst recht  nicht dem volatilsten Kanzlerkandidaten, den die SPD je hatte.
Steinbrück ist mir durchaus sympathisch, weil er ehrlich ist. Aber Sigmar Gabriel wäre der gefährlichere Konkurrent für Angela Merkel. Er ist - trotz Imageberater und viel Eitelkeit - der linkere Spitzenmann der SPD und damit einer, der sich stärker von der CDU abgrenzt.
Aber: Deutschland steht wirtschaftlich da so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Der Haushalt von Wolfgang Schäuble verdient die Note eins, und die Bürger wissen das. Die Neuverschuldung geht gegen null, die Arbeitslosigkeit ist weit unter 3 Millionen, die Wirtschaft wächst und die Leute verdienen Geld.
Dass sich nun die SPD gemeinsam mit den Grünen gemeinsam als Steuererhöhungspartei profiliert, ist dem Bürger suspekt. Zu Recht.

Sonntag, 23. Juni 2013

Krankenversicherungen, die nicht zahlen

Heute lese ich in Bild am Sonntag von einem Fall, in dem eine Krankenkasse sich weigert, eine 100.000  € teure Operation für einen kleinen Jungen zu zahlen, der an einer seltenen Krankheit leidet. Eine Unverschämtheit!
Mein im letzten Jahr verstorbener Vater, ein pensionierter Beamter, erhielt für 70 Tage  Krankenhausaufenthalt eine Rechnung von 70 000 Euro, die seineVersicherung anstandslos bezahlte.

Solche Nachrichten regen mich auf.  Ein kleiner Junge mit Beinprothese kann nicht operiert werden , weil ein Sesselpupser in einer Krankenkasse vom grünen Tisch aus so etwa entscheidet. Eine einfache Familie muss sich nun mit einem Apparat auseinandersetzen, um ein Kind gesund zu machen. Das kann doch nicht wahr sein.
Selbstverständlich ist der Sesselpupser daran nicht allein schuld. Es sind die Vorgaben eines Managements, dessen Chef einen Dienstwagen fährt und ein gutes Gehalt bezieht. Aber vielleicht wäre es auch machbar, dass sich solche - meist schlecht bezahlten - Sachbearbeiter mal etwas trauen und die Bezahlung solcher Fälle durchsetzen.
Mein Eindruck ist, dass die Versicherungen inzwischen von Juristen so stark infiltriert sind, dass für Menschliches kein Raum mehr ist. Wir müssen die Versicherungsaufsicht stärken und das Versicherungswesen völlig neu organisieren. Die meisten Journalisten in dieser Branche beschäftigen sich nur mit Versicherungsvergleichen. Da schneiden dann immer die Versicherungen ohne Außendienst am besten ab.
Aber kaum einer prüft, wie Schäden reguliert werden. Genau daran aber müssen sich Versicherungen messen lassen.
Eine Bekannte von mir wollte kürzlich gutartige Gewächse am Kopf entfernen lassen. Die Versicherung sperrte sich, das zu bezahlen, weil es sich um "Schönheitsoperationen" handele. Unglaublich. Diese Leute vergessen, dass sie von den Beitragszahlern leben. Aber die scheinen hilflos zu sein, weil ihnen die Journalisten nicht beistehen.

Die Versicherungen haben sich mit ihrer Lobby einen Freiraum geschaffen, der verbraucherfeindlich ist. Frau Aigner, es ist Zeit, einzugreifen.


Donnerstag, 20. Juni 2013

Euro oder Bitcoins?

Diese Kolumne hat Matthias Kröner heute in verkürzter Fassung auf Focus Online veröffentlicht. Hier die Langfassung. Eine spannende Frage

Bitcoins statt Euro?
Von Matthias Kröner
CEO der Fidor Bank


„Oh Gott. Da ist etwas Neues, was ich nicht verstehe. Darf man das überhaupt?“ So ist die erste Reaktion vieler Marktteilnehmer, sobald über alternative Währungssysteme a la Bitcoin diskutiert wird.
Kaum jemand macht sich die Mühe zu verstehen, welche Beweggründe zu Bitcoins  geführt haben und worum es sich bei derartigen alternativen Währungsangeboten genau handelt. Stattdessen werden kategorisch Gründe gesucht, weswegen das so nicht geht, weil nicht sein darf, was nicht sein kann.
Währungen haben etwas Unantastbares, etwas „Un-Diskutierbares“, sie fühlen sich „sacrosankt“ an. Dabei ist die Beschäftigung mit dem eigenen Geld notwendig und lohnenswert!
Denn eine Währung war schon immer auch ein Machtinstrument sowie ein Instrument der Umverteilung. Daran hat sich in den letzten 500 Jahren bis heute nichts geändert. Auch heute entschuldet sich der Staat auf Kosten des Kleinsparers, wenn die wirkliche Inflation höher ist als beispielsweise die Zinsen für Bundesanleihen – all dies in Euro gerechnet.
Was hilft es mir da also, in Euro für die Altersvorsorge zu sparen, wenn dann - zum Eintritt des Alters - der Euro nichts mehr wert ist? Darüber sollte, darüber muss sich jeder Gedanken machen und fragen, welche Alternativen es gibt.
Die Diskussion über alternative Währungsmodelle ist weit älter als das Internet. Sie gibt es so lange, wie es  Währungen gibt, denn schon früh haben die Menschen verstanden, dass in der Währung selbst der Schlüssel für Reichtum und Armut steckt, dass die Art der Währung selbst den Fortschritt oder die Blockade eines Wirtschaftsraums bedeutet.
In unserer Zeit kommen nun zwei Entwicklungen  zusammen: Die Eurokrise und der damit einhergehende Vertrauensverlust in die Währung auf der einen Seite. Auf der anderen Seite die technologische und kulturelle Entwicklung rund um das Internet und dabei hauptsächlich das Web 2.0.
Im Umfeld der web-basierten „Mitmach“- Kultur werden bestehende Autoritäten hinterfragt und neue Konzepte erarbeitet. Open Source ist dort ebenso ein Schlagwort wie Crowdfinance oder Peer-to-Peer Banking. Kein Wunder, dass in derartigen Kulturen eine „Regierungswährung“ grundsätzlich hinterfragt wird. Es überrascht nicht, dass Vertreter von „Offline-Mainstream-Medien“ die aus diesen Kulturen resultierenden Lösungen nicht sofort nachvollziehen können und als „selbst-verständlich“ akzeptieren wollen.
Kein Wunder also, dass die Diskussion zu Bitcoins & Co so verläuft, wie sie verläuft. Alles was auch nur annähernd als Beleg für die Fehlerhaftigkeit des digitalen Vorgehens herangezogen werden kann, wird in die Diskussion eingebracht. Der Skandal um die virtuelle Währung Liberty Reserve, bei der  sechs  Milliarden US-Dollar gewaschen wurden, nährt die Skepsis der eh schon Skeptischen.
Dieser Skandal ist aber auch alles andere als hilfreich, zeigt er doch, wie digitale Währungssysteme grundsätzlich missbraucht werden können, wenn sie nicht ordentlich aufgesetzt sind. Abgesehen davon sei angemerkt: Geldwäsche wurde konzeptionell im Umfeld „normaler“ Regierungswährungen entwickelt. Geldwäsche ist keine Erfindung der Online-Welt, ebenso wenig wie es alternative Währungsmodelle eine Erfindung des Internets sind.
Die Vorreiter der jüngeren Geschichte entstanden in den Zeiten rund um die letzte große Währungskrise der 20er und 30ger Jahre des letzten Jahrhunderts. Ein beeindruckendes Beispiel hierfür ist die WIR Bank im schweizerischen Basel. Mit dieser Bank entstand eine eigene Währung, der WIR, der sogar ein eigenes internationales Währungskürzel hat: CHW. Erst in den 90ger Jahren hat diese Bank den Schweizer Franken bei sich eingeführt. Wie würde wohl die Diskussion verlaufen, würde man heute eine solche Bank gründen?
Es gibt eine Vielzahl von alternativen Währungsideen, offline wie online. Alleine in Deutschland gibt es über 30 Regionalwährungen. Im Netz wiederholt sich diese Entwicklung mit dem Unterschied, dass durch das Netz gleichzeitig globale Möglichkeiten entstehen.
Was ist aus meiner Sicht eine gute Währung? Ich weiß, was sie wirklich wert ist, weiß also, was ich dafür bekomme und ich kann sie leicht handhaben. Auch muss ich wissen, welche Faktoren den Wert meiner Währung beeinflussen und wer mit welchen Interessen daran arbeitet. (Bei Bitcoins wissen wir zumindest, dass diese Währung hat nicht beliebig vervielfältigt werden kann.)
Wenn man diese Kriterien anlegt, erklären sich manche Dinge womöglich etwas anders: 
-       So könnte man beispielsweise auf den Gedanken kommen, dass der Wertanstieg der BitCoins die - sicherlich übertriebene - Reaktion auf die zunehmende Geldschaffung der jeweiligen Notenbanken ist. Somit wäre es keine Bitcoin-Hausse sondern eine Euro-Baisse, die zu der Kursentwicklung führte.
-       So könnte man beispielsweise auf den Gedanken kommen, dass durch die Schaffung von Regionalwährungen die Kaufkraft in der jeweiligen Region bleibt statt über international agierende Unternehmen aus dieser Region abgesaugt und transferiert zu werden. Der Chiemgauer ist so ein (erfolgreiches) Beispiel. Im Falle BitCoin wäre die „Region“ das Internet.
-       So könnte man beispielsweise auf den Gedanken kommen, dass mittels einer digitalen Alternativwährung die globalen „Transportkosten“ von Kaufkraft deutlich reduziert werden können, im Falle der BitCoins bis auf 0,00, zu verglichen mit den Kosten eines Euro-Geldtransfers von beispielsweise Deutschland nach USA.
Statt also in eine kategorische Abwehrhaltung zu verfallen wäre es angemessen, die Hintergründe dieser sehr langen Entwicklung zu betrachten und zu lernen, sie zu verstehen.

Bitcoins haben Risiken, keine Frage. Aber auch der Euro ist alles andere als risikolos. Damit muss sich jeder Nutzer auseinandersetzen. Tatsache ist, dass die Marktkapitalisierung von Bitcoins inzwischen eine Milliarde Euro überschritten hat und 50 000 Transaktionen pro Tag stattfinden – Tendenz steigend. Jüngst hat eine amerikanische Familie sogar den eigenen Porsche für 300 Bitcoins verkauft. 

In den USA ist allein im zweiten Quartal 2013 die Zahl der Software-Downloads auf über 200.000 gestiegen. Im Vergleich zur Anzahl der Euro- oder USD-Transaktionen ist dies natürlich ein verschwindend kleiner Anteil. 

Eine abschließende Frage: Was ist größer? Die Gefahr kommend von Regierungen und Notenbanken, die sich beim  Geld drucken gestört fühlen oder die Gefahr durch einen kriminellen Missbrauch von virtuellen Währungssystemen? Ich denke, diese Frage wird man sehr kontrovers diskutieren. Der persönliche Standpunkt wird dabei durch das individuelle Vertrauen bzw. Misstrauen ins jeweilige System geprägt werden.

Unabhängig davon höre und lese ich was Regierungen und Notenbanken uns mitteilen wollen. Auch sehe ich, wie Entrepreneure bei der Errichtung von Tauschbörsen für virtuelle Währungen von Investoren unterstützt werden. Mein Fazit daraus:  Die web 2.0- und Internet-Szene rechnet mit einem lang anhaltenden Misstrauen in Euro und Co. Das Beispiel Bitcoins wird konstruktiv Schule machen, weitere Währungsideen und - konzepte werden diskutiert und entstehen.

Ich möchte es abschließend mit Nikolaus Kopernikus halten. Dieser schrieb 1526 in einer Denkschrift zum Münzwesen: „Unter den unzähligen Übeln, welche den Zerfall ganzer Staaten herbeiführen, sind wohl vier als die vornehmlichsten anzusehen: innere Zwietracht, große Sterblichkeit, Unfruchtbarkeit des Bodens und die Verschlechterung der Münze. Die ersten drei liegen klar zu Tage… Das vierte Übel jedoch, welches von der Münze ausgeht, wird nur von wenigen beachtet, und nur von solchen, welche ernster nachdenken, weil die Staaten allerdings nicht gleich beim ersten Anlauf, sondern ganz allmählich und gleichsam auf unsichtbare Art und Weise dem Untergang anheimfallen.“


Mittwoch, 19. Juni 2013

Willkommen cashcloud


Wir begrüßen als neuen Kunden  das Luxemburger Unternehmen cashcloud.  Jetzt wird es immer leichter, mit dem Smartphone zu zahlen: Das luxemburgische Unternehmen cashcloud AG hat jetzt sein mobiles eWallet für Apple iOS und Google Android vorgestellt.  Es etabliert damit erstmals ein europaweit akzeptiertes Handy-Zahlungssystem. Die elektronische Geldbörse („eWallet“) ermöglicht mit nur einer einzigen Smartphone-App alle wichtigen Funktionen rund um das Bezahlen: Geld an Freunde senden oder empfangen via E-Mail, Facebook- oder Twitterkontakt, Bezahlen im Internet bei Online Shops und Online Games oder kontaktlos mittels NFC-Sticker (basierend auf dem Prepaid MasterCard PayPass Netzwerk) im stationären Handel. Basierend auf innovativer und neuester Technologie bietet cashcloud mit der kostenfreien eWallet eine All-in-One-Lösung, die die traditionellen Bankdienstleistungen und das Online-Banking um einen neuen Kanal ergänzt: Das mobile und sichere Bezahlen mit dem Smartphone.

Die cashcloud eWallet-App kann von jedem iPhone, Android Smartphone und von jedem PC mit Internetanschluss genutzt werden. Die Basisfunktionen sind für die Nutzer dabei absolut kostenlos, d.h. es fallen weder Konto-, noch Überweisungsgebühren an. „Statt Formulare auszufüllen oder endlos Bankcodes, Konto- und IBAN-Nummern einzutippen, genügt für Geldüberweisungen mit der cashcloud eWallet ein Klick auf einen Facebook-, Twitter- oder Adressbuch-Kontakt“, erklärt Olaf Taupitz, geschäftsführender Verwaltungsrat der cashcloud AG. Auf diese Weise können schnell, einfach und systemunabhängig auch kleine Geldbeträge gesendet oder empfangen werden. Dabei garantiert cashcloud höchste Sicherheitsstandards – basierend auf den eMoney-Richtlinien der EU.

Da die digitale cashcloud Geldbörse auf dem Prepaid-Prinzip basiert und aufgeladen werden muss, bevor man Geld senden oder in Onlineshops bezahlen kann, ist sie auch für Kinder und Jugendliche bestens geeignet. Es steht immer nur der Geldbetrag zur Verfügung, der auf die eWallet eingezahlt wurde. Bestimmte Benutzerkonto-Stufen (NFC Teen-Sticker) stellen zudem sicher, dass Minderjährige keinen so genannten „Adult-Content“ bezahlen können. Wollen die Eltern die volle Kontrolle behalten, können Sie ein Unterkonto für ihre Kinder anlegen, entscheiden, welche Funktionen diese nutzen können und die Transaktionen kontrollieren. Auf diese Weise können Kinder und Jugendliche in geschützter Umgebung lernen mit Geld umzugehen und erhalten ihr Taschengeld dort, wo sie es zum Großteil auch ausgeben: online und in Zukunft immer und überall elektronisch mit dem Smartphone.

Einen weiteren Mehrwert bietet cashcloud mit den „cashcredits“ – einer eigenen virtuellen Währung. „cashcredits“ werden durch die aktive Teilnahme innerhalb von cashcloud gesammelt, z.B. durch das Werben von Freunden oder dem „Posten“ von durchgeführten Transaktionen. Als benutzerfreundliche Bezahloption können die „cashcredits“ zukünftig bei einer Vielzahl von Online Shops und Online Games eingelöst werden oder können gegen reales elektronisches Guthaben eingetauscht werden.

„Doch die cashcloud eWallet ist nicht nur für Privatkunden interessant“, erläutert Olaf Taupitz. Geschäftskunden und Händler können die cashcloud eWallet nutzen, um Kunden eine unkomplizierte und sichere Möglichkeit zum Bezahlen zu bieten. Zudem kann die virtuelle Währung „cashcredits“ in Form von Treuepunkten, Geschenkgutscheinen und attraktiven Rabattaktionen ausgezahlt werden - eine interessante Option für modernes Gutschein-Marketing. „cashcredits“ unterstützen in Verbindung mit der eWallet cashcloud-Partner aus den Bereichen Gaming, Verlagen oder Werbung dabei, durch kundenbezogene Kampagnen die Loyalität und Aktivitäten ihrer Nutzer zu erhöhen.

Zunächst sind nationale und internationale Überweisungen mit der cashcloud eWallet-App in Deutschland, Spanien, Frankreich und den Niederlanden möglich. Weitere Dienste wie das Bezahlen in Online Shops, Online Games und mittels  cashcloud NFC-Sticker starten im 3. Quartal 2013.
Journalisten, die Cashcloud gerne kennen lernen möchten schreiben mir eine kurze Mail: brunowsky@brunomedia.de

Dienstag, 18. Juni 2013

In voller Länge: Mein Beitrag für die Jubiläumsausgabe von "Werben & Verkaufen"


Im August 1979 unterschrieb ich meinen Arbeitsvertrag als Berliner Korrespondent der Wirtschaftswoche. Als ich am 1.Januar begann, hielt ich eine extrem dünne Ausgabe in der Hand.  Ein Redakteur des Magazins Capital drückte sein Beileid aus, dass ich in einem „untergehenden Blatt“ angefangen hätte. Das machte mich echt besorgt. In einem vierseitigen Schreiben an den damaligen Anzeigenleiter Harald Müsse listete ich Laie schlaumeierisch auf, wie man die Anzeigensituation verbessern könnte. Es kam ein beruhigendes Schreiben von Müsse zurück: „Ein Blatt mit 1500 Anzeigen“ schließt kein Verlag. Das ist wohl bis heute gültig.  Nun, es folgten zehn Jahre bei der Wirtschaftswoche. Und das erstaunliche ist: Im Ressort Wirtschaft und Politik, das ich zuletzt leitete, starteten außerordentlich erfolgreiche Karrieren: Chefredakteure wurden Bernd Ziesemer, Arno Balzer, Gabor Steingart, Stefan Baron, Ralf-Dieter Brunowsky und Roland Tichy,  der das Blatt heute erfolgreich führt. Baron ging dann zur Deutschen Bank als Kommunikationschef. Und Emilio Galli Zugaro wurde legendärer Kommunikator bei der Allianz.
Um die Kunden bei Laune zu halten, liessen sich die Anzeigenabteilungen immer etwas besonderes einfallen. Legendär war die Alpentour in den neunziger Jahren: Mit freundlicher Unterstützung von BMW fuhren wir mit BMW-Roadstern und Motorrädern von München aus eine herrliche Strecke  mit Zwischenstationen durch die Alpen. Zu den größten Rasern gehörte mein Freund Michael Bache, der in seinem gelben Renner allen davon fuhr. Michael Bache, damals Anzeigenleiter bei Gruner+Jahr war der witzigste, freundlichste und erfolgreichste Anzeigenverkäufer, den ich je erlebt habe. Er hatte in Frankfurt ein einzigartiges Netzwerk, und wenn ihm Anzeigen zur Sollerfüllung fehlten, rief er seine Freunde in den Agenturen an: „Ich brauch noch eine Seite“, die kam dann immer. Allerdings brauchte er solche Seiten immer wieder, weil ihm die Capital-Redaktion das Leben schwer machte. Der damalige Ehrgeiz, dem Manager Magazin mit Enthüllungen von internen Zahlen Konkurrenz zu machen, führte immer  wieder zu großem Ärger mit der Lufthansa, die mit Gruner+Jahr viele Geschäfte machte oder mit der Deutschen Telekom.  Mit Johannes Gross als Herausgeber hatte Capital jedoch viele Jahre eine Persönlichkeit im Rücken, die Gemüter in Hamburg schnell beruhigen konnte. Neben seinen vielen Publikationen machte Johannes Gross mit einer Bewirtungsrechnung von sich reden, die zum Vorstandsthema wurde. Als Grund für die Bewirtung stand da: „Selbstgespräch“. Gross dazu: „Mit wem wichtigeren könnte ich sprechen als mit mir selbst! “... Die Rechnung wurde bezahlt.
Gert Schulte-Hillen erzählte in den neunziger Jahren von einem Erlebnis am Baumwall: Eine Brigitte-Redakteurin schleppte zwei schwere Taschen zum Eingang. Schulte-Hillen bot seine Hilfe an und öffnete ihr die Tür. Dabei hörte er scheppernde Flaschen und fragte die Latzhosenträgerin, was sie denn da schweres trüge: Die Antwort verblüffte: „Wir kriegen doch immer die Getränke umsonst, da dachte ich...“. Schulte-Hillen wies seinen Assistenten an, sofort die Ausgabe kostenloser Getränke abzuschaffen. Das wiederum löste eine Welle der Empörung aus, als ob die Hälfte der Belegschaft entlassen werden sollte. Es blieb bei den kostenlosen Getränken (die man sich damals noch leisten konnte)






Montag, 10. Juni 2013

Burnout: Angebot schafft Nachfrage

In Wikipedia ist es nachzulesen: Burnout ist international nicht als Krankheit anerkannt, sondern gilt als Problem der Lebensbewältigung. Trotzdem ergab eine kürzliche Studie, dass die Zahl der Krankheitstage durch Burnout von 2004 bis 2011 um das 18fache gestiegen ist. Nachzulesen hier.
Von 4,6 Krankheitstagen je 1000 Mitglieder bei den Betriebskrankenkassen auf 86,9 Tage 2011.
Der Psychologe Markus Väth schreibt in seinem Blog dazu:
" Verstärkt wurde der Trend auch dadurch, dass ab 2010 die Massenmedien das Thema Burnout für sich entdeckten und in unterschiedlichster Form aufbereiteten. Kein Magazin, kein Fernsehsender ohne Burnout-Format, keine Frauenzeitschrift ohne Selbsttest.
In der Folge schossen Burnout-Dienstleister wie Pilze aus dem Boden: Coaches, Therapeuten, ganze Kliniken wurden neu gegründet (ich selbst hatte und habe einige entsprechende Einladungen vorliegen). Man wischte den Staub von den Akten, auf denen “Betriebliches Gesundheitsmanagement” stand. Ärzte-Weiterbildungen blühten, Bücher wurden geschrieben. " 

Man sieht: Angebot schafft Nachfrage!
Die FAZ hat das Wort "Burnout" 2012 auf Ihre Unwortliste gesetzt. Angeblich ist das Thema durch. 
Denkste: Titel heute bei Focus: Raus aus der Stressfalle - Neue Wege aus dem Burnout". Inklusive  Selbsttest - siehe hier
Nun, ich will mich darüber nicht lustig machen, aber es kommt mir spanisch vor, dass die Zahl der Krankheitstage sich seit 2004 dermaßen vervielfacht hat. Ein Leser schreibt dazu in Focus: Zum Burnout gehören immer zwei - einer der mobbt und einer der sich mobben lässt. 
Das scheint mir die richtige Spur zu sein. 


Donnerstag, 6. Juni 2013

Wie Journalisten und Behörden das Internet verschlafen

Bertelsmann-Chef Thomas Raabe hat heute seinen Ghostwriter  im Handelsblatt schreiben lassen, dass die Regulierung der Medienwelt den digitalen Fortschritten weit hinterher hinkt. Damit hat er recht. Dass Nachrichten in N-tv keine Werbeunterbrechungen haben dürfen, während das in Youtube und anderen Internet-Kanälen problemlos möglich ist, kann nicht richtig sein. Dass öffentlich-rechtliche Anstalten mit dem Geld des Gebührenzahlers privaten Verlagen das Wasser abgraben, kann nicht richtig sein. Andererseits kann man ihnen auch nicht verwehren, ihre Inhalte auch im Internet anzubieten.
Das Thema geht aber noch viel weiter, und zwar nicht nur beim monotonen Wiederholungsthema Datenschutz (gähn!). Im Web 2.0 ist nicht das Internet sondern der un- oder schlechtgeschützte Privatcomputer das Problem. Die neuen Technologien eröffnen unglaubliche Möglichkeiten. Und zwar unter Ausschluss der Banken, Sparkassen und Volksbanken. Schon jetzt ist es möglich, sämtliche Finanzgeschäfte ohne Banken abzuwickeln. Paypal hat 150 Millionen Kunden. Keine einzige klassische Bank bietet bis heute einen solchen Bezahldienst (ich nehme die 2009 gegründete Münchner Fidor Bank aus, die wesentlich billiger als Paypal ist).
Die klassischen Banken und Sparkassen haben Paypal voll verschlafen!
Bitcoins: hier kann ich für einen Bruchteil der Bankgebühren international Geld überweisen.  Sensationell.
Mit dem Smartphone kann ich inzwischen so ziemlich alle Finanztransaktionen extrem einfach und billig durchführen. Die Firma Cashcloud beispielsweise bietet Jugendlichen, die derzeit ihr Taschengeld nicht im Internet ausgeben können, ein (voreinbezahltes) elektronisches Taschengeld an, das mit dem Smartphone bedient werden kann. 78 Prozent dieser Jugendlichen besitzen inzwischen ein Smartphone. Die meisten Wirtschaftsmedien beziehen ihre Informationen von Banken, und deshalb nehmen sie auch die Positionen der Banken ein, die das Web 2.0 nicht verstehen. Hier ist wirklich ein Umdenken erforderlich.
Auch die Behörden können noch nicht mit dem Web 2.0 umgehen. Sie haben einfach noch nicht verstanden, was da abläuft. Es empfiehlt sich ein Behördenseminar: "Warum der Verbraucherschutz sich in Zukunft selbst regelt."

Der Verbraucherschutz im Internet steckt noch in den Kinderschuhen. Gerade im Finanzbereich zeigt sich aber, beispielsweise bei der Community der Fidor Bank, dass der Informationsaustausch unter den Bankkunden der beste Verbraucherschutz ist: Nichts schützt mehr als Erfahrungsaustausch. Je größer die Community ist, desto besser.

Dienstag, 4. Juni 2013

"Nicht versicherbar" ? Ein Skandal

In einem kleinen Nebensatz erwähnte gestern abend ein Flut-Reporter, dass Passauer Gewerbetreibende ihre Geschäfte aufgeben, weil Ihnen nach der großen Flut 2002 mit der neuen Überschwemmungskatastrophe das Geld ausgeht. Wegen der permanenten Flutgefahr seien ihre Geschäfte "nicht versicherbar". Wie bitte?
Das verstehe ich nicht, denn wenn irgendwo weltweit ein Hurricane bläst, lesen wir doch immer wieder, dass deutsche Rückversicherungen davon mehr oder weniger betroffen sind, weil sie für Schäden aufkommen müssen. Hurricaneschäden in den USA scheinen also versicherbar zu sein. Weiß jemand mehr?
Ich halte die "Nichtversicherbarkeit" von Flutschäden - wenn dem so ist - für einen Skandal. Man sollte Versicherungen gesetzlich dazu zwingen, solche Geschäftsleute bezahlbar zu versichern. Von ihnen lebt eine Stadt wie Passau. Vielleicht wäre es auch einmal eine Geste, wenn Versicherungen einen gemeinsamen Fonds auflegen, aus dem Flutgeschädigten geholfen wird, wieder auf die Beine zu kommen.

Montag, 3. Juni 2013

Springers Bezahlversuch

Selbstexperiment:
Als ich heute morgen einen Artikel in der Berliner Morgenpost nochmal lesen wollte - gestern hatte es noch kostenlos funktioniert - wurde ich freundlich zum Abonnement mit vollem Zugang aufgefordert: Ein Monat 5,95, 12 Monate jeweils 4,95 monatlich und 24 Monate 3,95 Euro.
Meine spontane Reaktion: Mache ich natürlich nicht. Dass der Axel Springer Verlag so voran marschiert, ist ziemlich mutig. Wenn die Reichweiten dadurch stark zurück gehen, könnte auch das Werbegeschäft betroffen sein. Die eigentliche Bewährungsprobe kommt mit BILD Plus am 11.Juni. Wenn das funktioniert, werden viele Verlage ebenfalls umschalten. Aber am Ende bleibt die Frage: Was ist verzichtbar - und was nicht? Es wird viele geben, bei denen Bezahl-Inhalte nicht funktionieren werden.