Montag, 25. November 2013

Schwarz-grün in Hessen: Bravo Bouffier!

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat etwas geschafft, was kaum ein politischer Beobachter für möglich gehalten hat: Schwarz-grüne Koalitionsverhandlungen. Man muss abwarten, ob sie auch in eine Koalition führen, aber beide Parteien haben den klaren Willen bekundet, und so wird es am Ende wohl die erste schwarz-grüne Koalition in einem Flächenstaat geben. Tarek Al-Wazir, der grüne Spitzenkandidat hat erkannt, dass ganz wichtige Ziele nur mit und nicht gegen die CDU durchgesetzt werden können, und dazu gehört insbesondere die Lärmproblematik des Frankfurter Flughafens. Wer in dieser Gegend wohnt, weiß, was es heißt, bis 23h abends und ab 5 Uhr morgens vom Fluglärm genervt zu werden. Bouffier erweist sich als kluger Entscheider. Sein Gegenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel hat allzu lange herum laviert und steht jetzt mit leeren Händen da. Wie dumm!
Das Zögern und Zaudern in einer wackligen SPD auf Bundes- und Landesebene zeigt die desolate Verfassung der SPD, insbesondere an der Spitze. Was für eine blöde Idee, im Rahmen der Koalitionsverhandlungen mit der CDU die Öffnung für die Linke zu den nächsten Wahlen zu proklamieren. Politisch noch dümmer ist es, eine schwarz-rote Koalition von einer Mitgliederbefragung ausgerechnet nach dem zweitschlechtesten Wahlergebnis im Bund zur Bedingung zu machen. Die SPD-Basis leckt sich immer noch die Wunden der verlorenen Wahl und ist höchst gespalten in ihrer Meinung zu Gabriel, Nahles & Co. Sie in einem solchen Zustand zu befragen, ist hochriskant. Sind die Strategen der SPD schon in vorzeitigen Weihnachtsurlaub gegangen? Die Öffnung zur Linken macht die SPD zu einem unsicheren Partner für Angela Merkel. Die Befragung der Mitglieder ist ein klares Zeichen von Führungsschwäche in der SPD. Kommt die große Koalition zustande, wird die SPD sich gerade deshalb noch weiter wegbewegen von der Mitte, die sie für Wahlerfolge braucht.
Eine große Koalition ist für Angela Merkel zwar praktisch, weil sie als Kanzlerin die SPD-Mehrheit im Bundesrat dann auch auf ihrer Seite hat. Doch droht hier ein übles Kartell der Ausgabenharmonie, dem sich Merkel kaum entziehen kann. Ein Kartell der Steuer-CD-Käufer, ein Kartell der Leistungsgegner, letztlich ein Kartell gegen den Mittelstand und die bürgerliche Mitte. Das sind diejenigen, die am meisten Steuern zahlen, die eigentlichen Leistungsträger unser Gesellschaft. Der Facharbeiter, der Handwerker, der Freiberufler, der Einzelhändler. Wer nur Minderheiten bedienen will, den straft die Mehrheit irgendwann ab.
Nichts, was eine schwarz-rote-Koalition beschließt, kann dann noch gestoppt werden. Wenn 75 Leute in einer Koalitionsrunde zusammen sitzen und hinterher dann noch die Mitglieder befragt werden, wenn Gabriel auf dem Gewerkschaftstag verspricht, nichts zu unterschreiben, was die Gewerkschaften ablehnen, dann erleben wir hier eine Form des Neosozialismus, die den wirtschaftlichen Erfolg der letzten Jahre aufs Spiel setzen wird. Es ist wie immer: Konservative halten das Geld eher zusammen, Sozialisten geben es gleich wieder aus. Die Liberalen hinterlassen hier eine schlimme Lücke, die umso schwerer wiegt, als konservative Elemente in der CDU kaum noch wahrzunehmen sind. Mehr Ausgaben, mehr Regulierung, mehr Umverteilung, höhere Abgaben und letztlich höhere Steuern.
Jetzt wäre noch die Chance, die Koalitionsgespräche mit der SPD abzubrechen und den Grünen ein Angebot auch auf Bundesebene zu machen. Die Grünen haben mit ihrem sozialistischen Ansatz eine Wahl verloren, vielleicht hätten sie als ökologischer Partner der CDU weit mehr Gewicht.
Und dann gibt es noch eine weitere Alternative für Merkel: Neuwahlen.  Neuwahlen, bei denen die FDP wieder in den Bundestag einziehen könnte und Angela Merkel dieses Mal in einer Regierung an der marktwirtschaftlichen Leine hält. Vielleicht wäre das die beste Lösung für Deutschland?

Donnerstag, 21. November 2013

Der FC Bayern führt die Tabelle an, wer führt die Bayern?

Mit einem Umsatz von 432,8 Millionen Euro hat der Sport-Konzern FC Bayern München AG per 30.6.2013 einen neuen Rekord aufgestellt. Es ist der wirtschaftlich am besten aufgestellte Verein in Deutschland, wenn nicht in Europa. Eine respektable Leistung. Auch sportlich ist der Verein Spitze: 38 Spiele ohne Niederlage – offensichtlich derzeit unschlagbar.

Aber dieser Verein steht jetzt auf wackeligen Beinen, er merkt es nur noch nicht. Und das hat nichts mit ökonomischer Effizienz, sondern mit Moral zu tun. Darf man im Fußball nicht über Moral sprechen? Sieht man die sozialen Kampagnen, die Jugendarbeit, die Unterstützung des Behindertensports, dann weiß man, wie wichtig gerade der Sport für eine leistungs- aber auch sozial orientierte Gesellschaft ist. Auch der FC Bayern ist hier aktiv, beispielsweise mit dem Verein FC Bayern Hilfe e.V.

Doch irgendwie summieren sich die negativen Schlagzeilen. Ist Bayern München noch ein sympathischer Verein?

Der wirtschaftliche Erfolg hat der Vereins- oder besser: Konzernführung ganz offensichtlich den Kopf vernebelt: Tolle Fans, tolle Fußballer, aber ein an Selbstgewissheit nicht zu übertreffender Ungeist in der Führungsspitze.  Buddies, die gemeinsam durch dick und dünn gehen. Motto: Der Erfolg heiligt die Mittel. Die Macht ist in festen Händen. Und im übrigen sind die Medien schuld, die alles aufbauschen. 
Deutlich wird die Fehlentwicklung erst in der Zusammenfassung:
  • Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, wegen Steuerhinterziehung für den Schmuggel seiner Rolex-Uhren vorbestraft, bleibt im Amt, basta. Rolex-Uhren? Klar, muss man haben. 245.000 Euro Strafe? Da sieht man, was der Mann verdient. Es sei ihm gegönnt. Rücktritt?  Natürlich nicht wegen ein paar Rolex-Uhren. Oder? Der frühere Bundespräsident Christian Wulff  steht wegen eines Betrages von 719,40 € vor Gericht.
  • Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Hoeneß, wegen Steuerhinterziehung angeklagt, hat die Chuzpe seinen Mitgliedern unter Tränen eine Abstimmung über seinen Verbleib nach dem Urteil als große Geste zu verkaufen und denkt nicht daran, zurückzutreten. Nach dem Urteil dürfen die Mitglieder abstimmen, ob er Präsident bleiben darf! Warum nicht vorher?  Er selbst will "bis zum letzten Atemzug" bleiben. Hoffentlich nicht, denn ich wünsche ihm noch ein langes Leben. 
  • Der Aufsichtsrat, besetzt mit den Chefs großer Konzerne, hält einen Rücktritt selbst bei einer Verurteilung von Hoeneß mit Unterstützung eines herbeigezauberten Rechtsgutachtens nicht für angebracht. Einzige Einschränkung:  eine  Gefängnisstrafe - nun da wäre es auch mit der Präsenz auf AR-Sitzungen etwas unpraktisch. Hoeneß hat die Steuerhinterziehung bekanntlich zugegeben. Es geht scheinbar nur darum, ob seine recht überhastet eingereichte Selbstanzeige wirksam war oder nicht. Aber wo bleibt die Moral des Mannes, der 2001 bis 2006 spielsüchtig und steuerfrei an der Börse gezockt hat? Dass er einen großen Fehler begangen hat, hat er öffentlich bekannt,  nun gut, das ist als Entschuldigung akzeptabel. Aber welche Konsequenz zieht er daraus? Im Aufsichtsrat sitzen unter anderem die Chefs von Telekom, Audi, Volkswagen und Adidas. Das sind Unternehmen, die im eigenen Hause strenge Compliance-Systeme für die Einhaltung von Regeln eingerichtet haben. Kaum zu glauben, dass keiner den Rücktritt von Hoeneß verlangt. Zwar entscheidet die Hauptversammlung über den Aufsichtsrat, aber selbstverständlich könnte jedes AR-Mitglied jederzeit zurücktreten, wenn es dafür triftige Gründe sieht.
  • Und dann der Höhepunkt: Eine mit dem FC Bayern aufs intensivste verbandelte Ikone namens Franz Beckenbauer, die in der Fifa höchste Funktionen bekleidet, lässt sich zu dem Satz hinreißen: „Ich habe noch nicht einen einzigen Sklaven in Katar gesehen. Die laufen alle frei rum, ohne Ketten.“ Meine Güte. Das ist nun wirklich das Dümmste, was ich in den letzten Jahren gehört habe. Beckenbauer so dumm, oder war er ganz einfach ehrlich? Ich glaube eher letzteres. 
Man könnte fragen, warum Moral auch bei einem Profi-Verein wichtig ist? Nun, es geht um richtige und falsche Vorbilder. Die kleinen Jungen und Mädchen, die an der Hand der Bundesligaprofis stolz ins Stadion mit einmarschieren, verdienen Vorbilder an der Spitze ihres Vereins. Hoeneß, Rummenigge und  die Mitglieder des Aufsichtsrates sollten darüber noch einmal nachdenken. Fußball ist doch viel mehr als Geschäft.


Mittwoch, 20. November 2013

Zwei Wünsche an Internet-Portale

Ich kann verstehen, dass Unternehmen, die ein Internetportal noch aufbauen, ungern Zahlen veröffentlichen, die einen möglichen Misserfolg offenlegen würden. Wenn Portale aber etabliert sind wie Spiegel online oder Handelsblatt online, dann sollten Sie transparenter werden. Deshalb zwei Vorschläge:
Erstens: Ich würde generell keinen Forumsteilnehmer zulassen, der sich nicht mit seinem echten Namen ausweist.  So liest man immer wieder trotz Moderation dummes Zeug und anonyme Polemik, gegen die sich keiner wehren kann. Es mag sein, dass dann einige sich nicht mehr beteiligen, aber dann wären die Qualität der Inhalte sicher besser.
Zweitens: Ich würde zumindest bei den meistgelesenen Inhalten die Klickzahlen transparent machen, statt sie als Geschäftsgeheimnis zu betrachten. Die SZ hat damit angefangen ("Leser lesen aktuell") und die Zahlen belegen das rege Interesse.
Wenn Journalisten auch im Netz Wert auf "Qualitätsjournalismus" legen, dann sollten Sie auch den Mut haben, ihre Geschichten nicht nur bewerten zu lassen, sondern auch die Leserzahlen offenlegen.
Meist stemmen sich aber nicht die Journalisten dagegen, sondern die Marketingleute der Verlage, die Werbung verkaufen müssen und Angst haben, dass sie ihre Versprechungen nicht erfüllen können.

P.S. Als Blogger interessieren mich auch meine eigenen Zahlen, in meinem Blog sind sie ganz unten täglich nachzuverfolgen.

Dienstag, 19. November 2013

Was ist von Bitcoins zu halten ?

Für uns Deutsche sind Währungen etwas Unantastbares. Wir waren stolz auf die D-Mark und unsere Bundesbank, die für die Stabilität unserer Währung gesorgt hat. Heute hat die Bundesbank nicht mehr viel zu sagen, der Euro wird von der Europäischen Zentralbank gelenkt. Zwar sitzt die EZB jetzt in Frankfurt, aber ihr Präsident hat mit seiner Zinssenkung auf 0,25% gezeigt, wie wenig ihn die deutsche Meinung des Bundesbankpräsidenten Weidmann interessiert.
Denn eine Währung war schon immer auch ein Machtinstrument. Deshalb hat der wichtigste liberale Ökonom, Friedrich August von Hayek gegen das Monopol der Notenbanken argumentiert. In diesem Monopol sieht er die eigentliche Ursache für Inflation und schlechtes Geld. Wie jedes andere Gut soll auch die Produktion von Geld vollständig dem Wettbewerb überlassen werden, so Hayek.
Parallelwährungen gibt es schon lange. Auch private Notenbanken gab es schon, wie in Portugual. Allein in Deutschland werden bis zu 30 regionale Währungen wie der "Chiemgauer gezählt, mit denen die regionale Wirtschaft gestärkt werden soll.
Nun macht die 2009 geschaffene Internetwährung Bitcoins Furore. Mit ihr kann man weltweit gebührenfrei zahlen, während man zum Beispiel für eine Banken-Transaktion von 3000 Euro in die USA auf 50 Euro kommt. Auf Marktplätzen kann jeder nach einem einfachen Registrierungsprozess Bitcoins kaufen, um entweder damit zu spekulieren oder ganz simpel beispielsweise eine Importladung T-Shirts in Malaysia zu bezahlen. Es handelt sich letztlich um einen peer-to-peer-Tauschprozess, wie er bei Musik und Filmen bekannt ist.
In Wikipedia lesen wir dazu:
"Bitcoin ist eine Form von virtuellem Geld, die im Jahr 2009 entstand. Die Geldeinheiten, Bitcoins, werden dezentral in einem Computernetz geschöpft und verwaltet. Dieses Netzwerk wird aus Teilnehmern gebildet, die einen Bitcoin-Client ausführen und sich über das Internet miteinander verbinden. Bitcoins können elektronisch beliebig zwischen den Teilnehmern überwiesen werden. Ihr Besitz wird durch den Besitz kryptographischer Schlüssel nachgewiesen. Jede Transaktion von Geldeinheiten wird mit einer digitalen Signatur versehen und in einer öffentlichen, vom gesamten Netzwerk betriebenen Datenbank aufgezeichnet. Die Geldeinheiten können an Online-Börsen gegen andere Währungen getauscht werden."
In Deutschland sind Bitcoins übrigens von der Bafin zum Handel zugelassen worden
Dennoch gibt es großes Misstrauen. Die hohe Volatilität der Währung macht das Finanz-Establishment skeptisch. Zumal der Kurs der Währung inzwischen auf über 430 Euro drastisch angestiegen ist.
Bitcoins gelten als fälschungssicher. Da die im Umlauf befindliche Menge endgültig und unveränderbar festgelegt ist, gibt es auch keine geldmengeninduzierte Inflationsgefahr.  Allerdings kann sich der Kurs an manchen Tagen um 20 Prozent verändern, wobei die Frage ist, ob es sich dabei z.B. um eine Abwertung des Euro oder eine Aufwertung der Bitcoins handelt.
Vieles, was  auch nur annähernd als Beleg für die Fehlerhaftigkeit des digitalen Vorgehens herangezogen werden kann, wird jetzt gegen Bitcoins vorgebracht: Der Skandal um die virtuelle Währung Liberty Reserve, bei der sechs  Milliarden US-Dollar kriminell gewaschen wurden, nährt die Skepsis der ohnehin schon Skeptischen. Doch Geldwäsche ist nicht mit Bitcoins entstanden, sondern mit ganz normalen US-Dollars und anderen wichtigen Währungen, die bis heute Ziel von Fälscherbanden sind. Bitcoin-Konten sind zwar anonym, doch Transaktionen lassen sich durchaus nachverfolgen. Und vor allem: Bitcoins können weder staatlich noch durch Notenbanken manipuliert werden.

Bitcoins haben Risiken, keine Frage. Aber auch der Euro ist alles andere als risikolos. Damit muss sich jeder Nutzer auseinandersetzen. Tatsache ist, dass die Marktkapitalisierung von Bitcoins inzwischen eine Milliarde Euro überschritten hat und zwischen 20 000 und 60 000 Transaktionen pro Tag stattfinden - Tendenz steigend. Jüngst hat eine amerikanische Familie sogar den eigenen Porsche für 300 Bitcoins verkauft. So werden Bitcoins zur Konkurrenz des teuren Bezahldienstes Paypal, den Ebay sich einverleibt hat.  In den USA ist allein im zweiten Quartal 2013 die Zahl der Software-Downloads auf über 200.000 gestiegen. Im Vergleich zur Anzahl der Euro- oder USD-Transaktionen ist dies natürlich ein verschwindend kleiner Anteil.
Bis jetzt habe ich noch keine Bitcoins gekauft - mch aber schon darüber geärgert, was ich da verpasst habe. Der Kurs lag vor einem halben Jahr noch bei 100 Euro.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Das ist keine Kaufempfehlung. Aber ich fange nun doch ernsthaft an, über ein kleines Investment nachzudenken.
P.S. In einem Forum habe ich gelesen: Wäre der Goldpreis so gestiegen wie die Bitcoins, würde die Feinunze heute 80.000 Dollar kosten. Ob es stimmt, habe ich nicht nachgerechnet, aber der Anschein spricht dafür.

Donnerstag, 14. November 2013

Hoeneß in Tränen

Es war im Jahr 2000, als zwischen zwei Sport-Ikonen ein Streit ausbrach. Die FAZ schrieb am 22.Oktober 2000: Uli Hoeness über den Streit zwischen Christoph Daum, den damaligen Trainer des 1.FC Köln (nachzulesen hier), dem Drogenmissbrauch vorgeworfen wurde:

Den größten Wirbel entfachte Hoeneß mit der Aussage: "Wenn das alles Fakt ist, worüber geschrieben wurde, auch unwidersprochen über den verschnupften Daum, dann kann er nicht Bundestrainer werden." Hoeneß weiter: "Es geht darum, was sich in den letzten sechs Monaten ereignet hat um Herrn Daum. Um sein privates Umfeld, seine Werbeverträge, um Erpressungsversuche und Prostitution, wovon er ja selber gesprochen hat, um all die Scheiße geht es, um seine Außendarstellung und um die Frage, ob das alles dazu geeigent ist, der oberste Trainer in einem Land wie Deutschland zu sein."

Heute sagt Daum, dass er Mitleid mit Hoeneß hat. Mitleid hatten die Bayern-Fans gestern, als Hoeness in Tränen ausbrach. Stehend applaudierten sie ihrem Präsidenten, der die Vertrauensfrage nach Ablauf des Prozesses stellen will (ein Berufungsverfahren hat er wahrscheinlich hierbei nicht berücksichtigt), der aber zugleich betont hat, dass er unbedingt weiter machen will - "bis zum letzten Atemzug".

Wie ist das Ganze zu beurteilen?
Ich erinnere mich, wie 2009 der mächtige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel im Beisein von ZDF-Fernsehkameras aus seiner Marienburger Villa im Köln abgeführt wurde. Mediale Höchststrafe! Er hatte sein Vermögen in Liechtenstein nicht versteuert. Kein Finger hat sich damals für den Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Telekom gerührt, er musste von seinen Ämtern zurücktreten. Sämtliche Vorstände und Politiker , die ihm vorher zu Füßen lagen, blieben stumm. Er war zuvor  "Manager des Jahres". Sein Bundesverdienstkreuz und den nordrheinwestfälischen Verdienstorden gab er zurück. Ein Gericht verurteilte ihn zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.
Hoeneß hat genauso Steuern hinterzogen wie Zumwinkel, wahrscheinlich weniger, aber doch in erheblichem Umfang. Jetzt geht es darum, ob die kurz nach dem Scheitern des geplanten deutsch-schweizerischen Steuerabkommens eingereichte Selbstanzeige im Januar 2013 formgerecht und wirksam war oder nicht. Falls nicht, droht dem Bayern-Präsidenten eine Vorstrafe - wie seinem bereits vorbestraften Sportdirektor Karl-Heinz Rummenige. Der hat gerade einen Strafbefehl über 250.000 Euro wegen Steuerhinterziehung akzeptiert. In Freundschaft verbunden steht er hinter Hoeneß.

Ist es also eine Frage der Beliebtheit oder der Lebensleistung, ob ein Steuerhinterzieher von Ämtern zurücktreten muss? Die Unterstützung der Mitgliederversammlung gestern abend galt dem Menschen Hoeneß, dessen Lebensleistung unbestreitbar ist. Die Steuerhinterziehung, die er ja zugibt, wird damit nicht sanktioniert.  Der Beifall und die stehenden Ovationen haben den Präsidenten des FC Bayern zu Tränen gerührt. Der ganze Druck ließ für einen Moment die Selbstgewissheit vergessen. 
Tatsächlich war es ein vorgezogener Abschied. Den wird Hoeneß nicht vermeiden können.







Freitag, 8. November 2013