Montag, 17. Februar 2014

Hubert Burdas Interview im Handelsblatt: Die eigentliche Botschaft

Heute hat Hubert Burda dem Handelsblatt ein interessantes Interview gegeben, siehe HIER.
Im Kern sagt der Präsident des Verbandes der Zeitschriftenverleger VDZ, dass Print auch in Zukunft überleben kann und immer noch - insbesondere im Lifestyle-Segment - ein gutes Anzeigengeschäft generieren kann. Die eigentliche Botschaft war aber, dass der News-Journalismus sich nicht selbst finanzieren kann, auch und gerade im Internet.

Diese Aussage hat mich mehr interessiert als der ganze Rest. Tatsächlich ist es so, dass es News immer irgendwo kostenlos geben wird. Auch Burda verweist hier auf ARD und ZDF im Netz. Der ganze sogenannte "Qualitätsjournalismus" - besonders ausgeprägt durch sogenannte Investigativ-Teams - konzentriert sich aber auf die Generierung von News. Dort sehen die Chefredakteure politisch-wirtschaftlicher Medien ihre Hauptaufgabe. Alle sind superstolz, wenn sie in anderen Medien für eine Exklusivnachricht zitiert werden. Es ist ihr Gradmesser für Erfolg, und deshalb zitieren sie stolz den Medien-Monitor, der ihre Zitate misst, wenn sie zu den meistzitierten Medien gehören. Mir ging es früher ja genauso, man freut sich über jeden Scoup! Den Leser interessiert es aber nicht, wenn - zum Teil lächerlich  - NDR, Spiegel und Süddeutsche gleichzeitig als Quelle für eine neue Snowden-Enthüllung zitiert werden.

Das Problem ist allerdings, dass Newsportale und -medien immer weniger Anzeigen generieren. Weil die Anzeigenkunden nämlich News als einen billigen Rohstoff betrachten, den man überall kostenlos haben kann. Und was macht es aus, wenn ich News nicht im Original, sondern wenig später woanders lesen kann -meinetwegen mit Zitat der Quelle?

Ich erinnere mich an meinen Besuch vor einigen Jahren mit dem VDZ in New York, der sogenannten "Online-Publishing-Tour": Damals rechnete uns der Vertreter der New-York-Times -Online-Ausgabe vor, dass Banner in News-Umfeldern das wenigste Geld bringen.
Kurzum: News funktionieren nur durch Quersubventionierung. Burda kann sich das Nachrichtenmagazin Focus letztlich nur leisten, weil das Lifestylegeschäft Geld bringt.

Das wird auch den immer noch geldbringenden "Spiegel" irgendwann in eine Sackgasse bringen. Tatsächlich geht dessen Trend ja auch seit Jahren abwärts. Witzigerweise ist jetzt der frühere oberste Nachrichtenjournalist Büchner, einst Chefredakteur von dpa, Chefredakteur beim Spiegel geworden. Man muss noch mehr Nachrichten befürchten. Und noch weniger Anzeigen.

Fazit: Ja, natürlich brauchen  wir auch weiterhin exklusive News und die Presse als vierte Gewalt. Jeder Verleger tut jedoch gut daran, sich nicht durch investigative Erfolge blenden zu lassen. Investigativ-Teams sind ganz nett, und sicher auch gefürchtet. Sie zieren jede Zeitung. Man kann schöne, z.T. hochdotierte Preise gewinnen und Karriere machen,  und sie haben immerhin hohen Unterhaltungswert. Nur Geld bringen sie den Verlegern nicht. Sie vertreiben eher systematisch einen Anzeigenkunden nach dem andern von Print in die Onlineportale. In denen zählt dann nur die Reichweite, sonst nichts. News spielen dabei nicht die Hauptrolle.



Donnerstag, 6. Februar 2014

Martin Schulz warnt vor dem "determinierten" Menschen

Heute las ich mit Interesse den Beitrag des gelernten Buchhändlers und Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD) im Feuilleton der FAZ: "Warum wir jetzt kämpfen müssen - Internetkonzerne und Geheimdienste wollen den determinierten Menschen". Bekanntlich ist Frank Schirrmacher Chef des Feuilletons, der in seinen Büchern "Payback" und "Ego" das Ende der Demokratie durch Digitalisierung und Algorithmen fürchtet. Schulz schlägt in die gleiche Kerbe. Er nimmt unter anderem die "vermuteten Interessen" aufs Korn, die durch Datenspeicherung vermeintlich oder tatsächlich erkannten Emotionen und Verhaltensweisen des Einzelnen, der im Internet surft. Jeder kann das heute erleben. Das sogenannte "Behavioral Marketing" schüttet mich täglich mit Istanbul-Reise-Vorschlägen zu, seit ich einmal über eine Reise nach Istanbul nachgedacht und mir im Internet Hotels angesehen habe. Dahinter stecken Verträge mit Tausenden von Portalen über das Browserverhalten der Netzgemeinde. Eine solche Firma habe ich vor einigen Jahren in den USA besichtigt, als diese Marketing-Technik hierzulande noch keine Rolle spielte. Sie hatte über 4000 Verträge mit Portalen geschlossen, die ihr den Zugang zum Browserverhalten gegen Bezahlung geöffnet haben. Mit diesen Daten fand die Firma zum Beispiel durch die berüchtigten Algoryhtmen (Ich weiss bis heute nicht, was das eigentlich genau ist) heraus, dass Leute, die gerne Autokinos besuchen, positiv auf die Werbung des Autovermieters Alamo reagierten. Also taucht Alamo-Werbung immer dann auf, wenn im Internet nach Autokinos gesucht wird. Genau diese Fähigkeit ist es, die Unternehmen wie Google und Facebook Milliardengewinne beschert.
So weit so gut oder schlecht. Inzwischen ist der Trend in Deutschland angekommen. Ich sehe auf den Webseiten, die ich besuche, überwiegend nur noch Werbung für Themen, die ich schon mal aufgesucht habe. Bin ich dadurch jetzt determiniert? Nein. Ich muss das ja nicht anklicken. Werbung ist eben Werbung.  Allerdings haben sich Tausende von SEO-Spezialisten auch in Inhalte eingeschlichen. Sie geben unendliche Mengen von Worten in Google-Adwords eingegeben, die helfen sollen, zum Werbekunden zu führen. Der schreibt dann auf seinen Webseiten Texte, die möglichst viele dieser Worte enthalten, damit man bei Google so weit wie möglich nach oben rückt. Weil das wiederum viele machen, ist die Wirkung begrenzt und auch das determiniert mich nicht.
Das wir auch nicht dadurch gefährlicher, dass Geheimdienste mitmischen.
Es gab Zeiten, da wurde Werbung von den 68ern als "Konsumterror" verteufelt. Was Schulz und Schirrmacher jetzt anprangern, ist diesen Kampagnen nicht unähnlich. Vergessen wird: Zu allen Bewegungen gibt es Gegenbewegungen. Im Netz findet ein permanenter Kampf zwischen gut und böse statt. Und der ist weißgott nicht neu, er findet nur in anderer Form statt. So gesehen ist die Überschrift von Schulz gar nicht so falsch: "Warum wir jetzt kämpfen müssen".
Ein IT-Professor aus Jena sagte mir vor einigen Jahren: "Das Internet ist wie ein Straßennetz. In diesen Straßen tummeln sich Verbrecher und Polizisten, Kaufleute und brave Bürger, Geheimdienste guter und böser Staaten - kurzum alles, was auch in der realen Welt diese Rollen spielt." Der Kampf ist also längst Realität. Die Frage ist nur, ob wir in Deutschland mit unserem technologischen Wissen ins Hintertreffen geraten. Auch das Internet ist bezähmbar, komischerweise lernt man das bei totalitären Staaten. In China wird das Internet zensiert. Aber wollen wir das?
Zum Thema empfehle ich übrigens einen Beitrag in der WELT vom 12.Januar 2010, wo es um die Debatte ging: Macht das Internet schlau oder dumm? Das finde ich viel interessanter als die ganze Datenschutz-Debatte.

Dienstag, 4. Februar 2014

10 Jahre Facebook: Erst niedergeschrieben, dann bejubelt

Jetzt wird Facebook überall bejubelt. Vor zwei Jahren gabs nur Kritik von Finanzjournalisten.
Das habe ich im Mai 2012 kritisiert, hier nochmal zum Nachlesen

Sonntag, 20. Mai 2012

Deutsche Medien und Facebook

Die Begleitung des Börsengangs von Facebook durch die deutschen Medien hat mich irgendwie gestört. Da legt ein erst im Februar 2004 gegründetes Unternehmen einen 100-Milliarden-Börsengang hin und die deutschen Journalisten maulen herum. Ich weiß nicht, wer von ihnen jemals die Facebook-Zentrale besucht hat, mit den Gründern oder wenigstens mit dem Management gesprochen hat.

Aber die Frage, ob man die Aktie kaufen soll wird einhellig mit "man weiß es nicht" beantwortet. Das ist ja nicht falsch, aber wie hoch ist der Informationsgehalt?
Facebook muss jetzt weiter wachsen und höhere Gewinne machen, wenn es wirklich soviel wert sein will, lesen wir weiter. Wow! Auch richtig. Ob sich die Leute, die Facebook an die Börse gebracht und der Firma 18 Milliarden Dollar in die Kasse gespült haben, das wohl überlegt haben?
In all den Beiträgen erfahren wir zuwenig über das Geschäftsmodell, mit dem Facebook immerhin schon eine Milliarde Jahresgewinn erwirtschaftet hat.
Wer hätte beim Google Börsengang 2004 gedacht, dass das Unternehmen mit einem damaligen Umsatz von 1,5 Milliarden US Dollar acht Jahre später 10 Milliarden Gewinn machen würde? Trotzdem haben Anleger am ersten Börsentag über 100 Dollar hingeblättert und damit später einen prächtigen Gewinn erzielt.

Eines der wenigen Interviews, die Facebook-Gründer Mark Zuckerberg deutschen Medien gegeben hat, fand ich 2008 in der Süddeutschen Zeitung. Auszug:


SZ: Sie sind ein Kritiker der traditionellen Medien. Glauben Sie wirklich, dass Fernsehen und Zeitung überflüssig geworden sind?
Zuckerberg: Ich glaube, dass gute Inhalte immer wichtig bleiben. Aber eine Sache, die sich ändert, ist die Art, wie die Menschen an diese Inhalte kommen. Statt Massenmedien werden Freunde eine wichtigere Informationsquelle. Wenn Ihnen ein Freund einen Link zu einem Text oder einem Film oder einem Musikstück schickt - dann haben Sie doch sehr viel mehr Interesse daran, als wenn ein wildfremder Journalist oder Musikredakteur für Sie aussucht.
Damals hatte Facebook 100 Millionen Nutzer, heute sind es über 900 Millionen.
Jedes Mitglied ist am Jahresende etwa 100 Euro wert. Ich vergleiche das mal mit  dem Wert eines Abonnenten einer großen Tageszeitung. An den Werbegeschenken lässt sich nachvollziehen, wie viel ein Leser den Verlagen wert ist. Auszug aus "Abo-Direkt":

Stöbern Sie in unserem reichhaltigen Prämienangebot und suchen Sie sich Ihre Wunschprämie aus.
Ein kleiner Auszug aus der Liste der Prämien:
Bargeld bis zu € 140,-
Douglas-Gutschein bis zu € 165,-
OTTO-Gutschein bis zu € 165,-

Bargeld bis zu 140 Euro also  - na bitte!

Man könnte auch den Handelswert eine Adresse nehmen, die Verlage aus ihrem Abonnentenstamm verkaufen - je nach Qualität zwischen 30 Cent und über einen Euro.  Über Facebook kann ein Autokonzern theoretisch 900 Millionen Menschen erreichen.  Wer kann das heute bieten? Dass Facebook gesellschaftlich problematisiert wird, ist richtig. Riesen müssen immer mit Misstrauen beobachtet und an die Leine gelegt werden.
Aber dieser einmalige unternehmerische Erfolg des Mark Zuckerberg ist zukunftsweisend. Für mich ist die Facebook-Aktie ein klarer Kauf, erst recht, wenn sie sich noch verbilligen sollte.