Freitag, 27. Juni 2014

Warum man die BUNTE nicht bei Google findet

Heute sprach ich mit Dr. Frank Werner, dem Herausgeber von verschiedenen Börsenmedien (u.a. Euro am Sonntag, Börse Online) über meine Kritik an Steingarts Kampfaufruf gegen Google. Werner verwies auf eine Lösung, die sowohl Matthias Döpfner als auch Gabor Steingart in Ihrer Google-Kritik - wahrscheinlich bewusst - nicht berücksichtigt haben: "Warum findet man die Inhalte von Burdas "BUNTE" nicht bei Google?", so Werner. "Weil die BUNTE ihre Artikel nicht online stellt". Liebe Verleger, wenn Google euch die Inhalte klaut, dann stellt sie halt nicht ins Netz! Diesen Weg gehen ja tatsächlich einige Verlage: Sie bieten für Print Produkte Epaper an, nutzen also den digitalen Transportweg, stellen den Inhalt aber nicht online. Allerdings haben viele gleichzeitig Online-Redaktionen, deren Inhalte zwangsläufig ins Netz gehen und von Google gefunden werden - und gefunden werden sollen. Und manche, wie FAZ.net, übernehmen Teile des Print Angebots und stellen eine Mischung aus eigenen und Print-Artikeln online. Die Print-Journalisten sind darüber nicht unglücklich sie freuen sich über eine größere Reichweite ihrer Beiträge, bei denen sich auch noch die Leserzahl exakt messen lässt, anders als in der Zeitung.
Und dann gibt es die sogenannten News-Desks, in denen entschieden wird, was wo erscheinen soll.
Mir sind diese News Desks ehrlich gesagt ziemlich suspekt, denn hier wird wie in einem Logistik-Zentrum die "Ware" Journalismus gestapelt und verteilt. Genau an dieser Frage ist die Gruner+Jahr-Wirtschaftspresse gescheitert, weil FTD, Capital, Impulse und Börse Online von einem gemeinsamen Desk aus gesteuert wurden. Die Vermischung der Marken und die Benachteiligung guter Artikel in einem solchen System hatte fatale Folgen. Denn es stellt sich täglich die Grundsatzfrage: Wo soll die beste Qualität hin? Nur in die Printausgabe? Die wird ja schließlich vom Kunden uneingeschränkt bezahlt, Werbung wird dort immer weniger - anders als die vorwiegend werbefinanzierten Online-Ausgaben.
Soll also online kein Qualitätsjournalismus erscheinen, um Google zu vermeiden? Man hört oft den Satz: "Eigentlich ist egal, auf welchem Weg der Leser erreicht wird, Hauptsache er wird erreicht". Ich habe da meine Zweifel. Das würde ja bedeuten, dass der gleiche Artikel auf allen Kanälen zur Verfügung steht. Die Praxis sieht völlig anders aus. Unter der gleichen Marke werden unterschiedliche Produktversprechen verkauft. Das wird gerade beim "Spiegel" deutlich: Spiegel Online beschäftigt inzwischen, wie man hört, etwa 50 Redakteure. Dort braucht man die Print-Artikel nicht als Beiwerk. Das bedeutet, dass unter der "Marke Spiegel" völlig verschiedene Inhalte angeboten werden, die den Kern der Marke unscharf werden lassen. Die Printausgabe des Spiegel wurde so weniger relevant als früher und ist einem anhaltenden Schrumpfungsprozess ausgesetzt. Spiegel Online ist weniger investigativ und bewegt sich mit wenigen Ausnahmen letztlich im homogenen Rohstoff-Geschäft der täglichen News, die man in allen Nachrichtenportalen findet. Die anhaltenden Verluste der Spiegel-Printausgabe sind ein Indiz dafür, dass Spiegel Online als Alternativmedium den Schrumpfkurs gefördert hat, insbesondere bei der jungen Leserschaft, die sich lieber online informiert.
Wie Steingart schrieb, möchten die Verlage durchaus, dass ihre Artikel weiter gefunden werden. Und die Journalisten natürlich auch. Die BUNTE verzichtet darauf. Das ist durchaus konsequent.

Montag, 23. Juni 2014

Steingarts Kampfaufruf gegen Google: Nicht zu Ende gedacht

Eigentlich sind FAZ und Handelsblatt im Wirtschaftsteil Konkurrenten. Da das Handelsblatt kein Feuilleton hat, schreibt Gabor Steingart, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Handelsblatt, heute eine ganze Seite im Feuilleton der FAZ: Einen flammenden Appell gegen Google über "Unsere Waffen im digitalen Freiheitskampf". Im April hatte sich Springer-Chef Matthias Döpfner bereits geoutet: "Ich habe Angst vor Google". Steingart schreibt nun in seinem brillanten Essay, dass Schluss sein müsse mit dieser Angst der Verlage vor Google, denn Google hänge von den Inhalten der Verlage ab, und nicht umgekehrt. Google müsse gezwungen werden, für die Inhalte zu bezahlen, so wie Google in seinen Geschäftsbedingungen niemandem erlaube, seine Produkte zu kopieren oder zu verkaufen. Google habe in seinem Börsenprospekt das Risiko eines verschärften Datenschutzes klar erkannt, sei sich also des möglichen Widerstands bewusst.
Der "Jahrhundert-Fehler" der Verlage, Google Inhalte kostenlos zu überlassen, müsse korrigiert werden.  Unter Berufung auf Etienne de La Boetie ("Von der freiwilligen Knechtschaft") appelliert Steingart an die Verleger, sich nicht weiter von der Google-Macht einschüchtern zu lassen, denn diese Macht sei letztlich geliehen von den Verlagen und ihren Autoren. Und deshalb: "Die Zeit zum Losschlagen ist gekommen", um sich von der "digitalen Knechtschaft" zu befreien.
Wäre ich Verleger, würde ich genauso argumentieren. Der Forschungsetat von Google, schreibt Steingart, sei mit jährlich acht Milliarden US Dollar sechsmal so hoch wie die zusammen addierten Jahresgewinne von Springer, Bertelsmann, Holtzbrinck und Burda.
Und trotzdem: Ein bisschen ist es wie das Pfeifen im dunklen Google-Wald, was Steingart und Döpfner ein wenig melodramatisch ausrufen. Meines Erachtens ist das alles nicht zu Ende gedacht, auch wenn es viel Beifall gibt.
War es wirklich ein  "Jahrhundertfehler", Google die Inhalte kostenlos zu überlassen? Die Tatsache, dass sich die deutschen Verlage in ihrer Kritik an Google so einig sind, bedeutet noch nicht, dass diese Kritik berechtigt ist.
Der Schlüssel liegt in Steingarts Nebensatz: "Wobei nicht die Texte selbst aus der Suchmaschine verschwinden sollten, denn wir wollen ja weiter gefunden werden". Genau darum geht es letztlich bei Suchmaschinen, einem Geschäftsmodell, das die deutschen Verlage komplett verschlafen haben. Aber lassen wir die Vergangenheit und spielen wir die Befreiung von der digitalen Knechtschaft doch einmal praktisch durch: Jeder Journalist googelt heute, bevor er in die weiteren Recherchen einsteigt. Er müsste also bei jeder Recherche für den ganzen Artikel zahlen, wenn ihm der Teaser geeignet erscheint. Würden ihm die Verlage das erlauben? Das Modell kennen wir von GBI, der gemeinsamen Datenbank von Holtzbrinck, FAZ und anderen. Als Nutzer geht man höchst sparsam damit um, man nutzt es nur ganz gezielt für bestimmte Artikel. Das große Geschäft dürfte GBI nicht damit machen.
Und wie wäre das bei Google?
Google-Recherchen sind nicht nur für Studenten, Schulen, Wissenschaftler und Unternehmen, sondern auch für Journalisten heute unentbehrlich. Wir reden hier nicht nur von den oberen Tausend Redakteuren in Top-Medien, sondern von den rund 70.000 Journalisten in Deutschland: Zum Beispiel von Lokaljournalisten, die so unter Druck stehen, dass sie kaum noch die Redaktionsräume verlassen. Von Fachmedien, Newslettern, zahllosen freiberuflichen Jorunalisten und Redaktionsbüros. Sie alle müssten künftig bezahlen, wenn es nach den Großverlagen geht. Und wie sieht es mit internationalen Inhalten aus? Erst Google hat das möglich gemacht, wofür das Internet erfunden wurde: Ein höchstmögliches Maß an Transparenz der Wissenschaft weltweit.

Steingart und Döpfner focussieren sich auf urheberrechtsfähige,  journalistische Inhalte. In Google findet man aber bekanntlich nicht nur journalistische Inhalte, sondern eine Unzahl von anderen Daten. Private Texte, Adressen, Lebensläufe, Blogs, Zitate, Ratschläge ("Gute Frage") und vieles mehr. Ich wage die These, dass journalistische Texte sogar eher den kleineren Teil der Suche ausmachen. Die Recherchekosten für jede einzelne Redaktion würden massiv steigen, aber wie hoch werden die Einnahmen für die Redaktionen sein? Und wie sollen kleine Verlage, freiberufliche Journalisten, Blogger, Unternehmen (mit ihren Texten) gegen Google "losschlagen"? Und was ist, wenn Google im Gegenzug Geld dafür verlangt, "gefunden zu werden"?
Mit hoher Wahrscheinlichkeit käme hier eine höchst ungleiche Konzentration der Einnahmen auf die Großverlage zu, wobei nicht gesagt ist, ob diese Einnahmen höher als die Recherchekosten bei Google wären.
Also wonach ruft die Verlagsbranche eigentlich wirklich? Letztlich möchten die Großverlage, dass die Politik die Macht von Google beschränkt. Steingart bemüht dafür sogar die Ordnungspolitik. Friedrich August Hayek würde sich im Grabe umdrehen, wenn aus dem Ruf nach Befreiung von einer Knechtschaft ein reguliertes Beschränkungsmodell folgen sollte.
Es ist ziemlich unklar, was reguliert werden soll: Das Sammeln von Daten? Also das, was die Verlage selber tun? Oder die Bezahlung von Inhalten, also das, was die Autoren selber nutzen?
Tatsächlich hat Steingart recht, wenn er den Neid der Verlage auf Datensammlungen erwähnt. Das Sammeln, Aggregieren und Verkaufen von Daten ist ja die eigentliche Geldquelle von Google, und am Datensammeln beteiligen sich ja auch alle Verlage. Nichts ist wertvoller als eine gutsortierte Abonnentenkartei, das wußte man auch in Deutschland immer schon.
Muss man sich also in eine "freiwillige digitale Knechtschaft" begeben? Die Antwort darauf ist natürlich ein klares "Nein". Deutschlands Verlage haben ja bereits reagiert: Sie haben in den letzten Jahren die digitale Aufholjagd begonnen. Und weil es Google und Google Adwords gibt, konnten sich ihre Portale zu profitablen Online-Angeboten entwickeln. Das ist doch schon mal ein Anfang. Vielleicht fällt den Großverlagen noch mehr ein?



Freitag, 20. Juni 2014

Fire Phone - der Amazon-Hammer

Im ersten Moment ist das neue Smartphone von Amazon nur ein weiteres schönes Handy. Schöner Schnickschnack in einem scheinbar übersättigten Markt mit 3D und so. Eben nicht.
Tatsächlich ist das neue "Fire Phone", das ab Juli in den USA und irgendwann auch in Deutschland angeboten wird, ein echter Hammer, zum Fürchten für den Einzelhandel. Schon seit Jahren haben immer mehr Einzelhändler das Gefühl, dass immer mehr Kunden in die Läden gehen, um sich Produkte anzusehen, Preise zu vergleichen und sich beraten lassen, ohne zu kaufen. Gekauft  wird dann online.
Amazon-Gründer Jeff Bezos hat daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass man diesen Trend nutzen muss. Mit dem Fire Phone kann der Kunde in den Läden Produkte einscannen, identifizieren und sofort bestellen - bei Amazon. Das kann nicht ohne Folgen bleiben. Es ist ein frontaler Angriff auf die Innenstädte und deren Einzelhandelsstrukturen. Wenn man weiß, dass Smartphones auch in der Lage sind, Läden zu suchen, Preise zu vergleichen, Gutscheine einzusammeln und vieles mehr, dann muss sich der Einzelhandel etwas einfallen lassen. Denn es gibt inzwischen kaum noch etwas, was man nicht bei Amazon bestellen kann.
Das fatale ist ja, dass Läden vor die Hunde gehen, während immer mehr Lastwagen Straßen beanspruchen um Produkte nach Hause - und vielfach auch retour zu liefern. Das mag in den quasi einzelhandelsfreien Städten der USA kein Problem sein, wo Shopping Center den stationären Fachhandel schon längst ersetzt haben. In europäischen Städten aber schon. Dort macht gerade der eingesessene Einzelhandel den Charme mittlerer und großer Städte aus. Und die täglichen Staus mit unendlichen Lastwagenkolonnen zeigen, dass unsere Straßen diese Verkehrsmengen auf Dauer nicht mehr bewältigen können.
Wie kann man sich gegen eine solche Entwicklung wehren?  Die großen Filialbetriebe haben teilweise recht spät erkannt, dass sie Ihre Online-Präsenz massiv ausbauen müssen. Auch kleinere Läden können ihre Reichweite durch einen Online-Shop vergrößern. Aber damit degenerieren die Geschäfte in der Innenstadt immer mehr zu "Showrooms", so wie man Möbelhäuser auch am Sonntag besuchen kann. Mit staatlicher Regulierung wird man dieses Problem auch nicht in den Griff bekommen, man kann ja das Fire Phone schlecht verbieten. Man wird auch nicht kontrollieren wollen, wer mit dem Fire Phone in einen Laden kommt und Produktberatung verlangt. Es könnte sich ja auch um einen Kunden handeln, der im Laden kauft.
Vielleicht gibt es Technologien, die die Internetnutzung im Laden ausschalten, das wäre dann eine technologische Antwort. Vielleicht gibt es aber auch "Convenience" Ideen, die das Einkaufen im Laden genauso bequem machen wie das Internet-Shopping? Beispielsweise einfacheres kontaktloses Bezahlen mit dem Smartphone inklusive Treuesystem. Oder eben eine Spezialisierung, beispielsweise mit regionalen Produkten, die Amazon nicht leisten kann. In jedem Fall ist hier eine Menge Kreativität gefordert. Ich bin gespannt, wie der Einzelhandel auf diese Entwicklung reagiert, von seinen Verbänden hört man ja nicht viel.


Donnerstag, 12. Juni 2014

Taxis sind von gestern

Es gibt wohl keine Branche, in der Kunden so unfreundlich behandelt werden wie im Taxigewerbe. (Ausnahmen bestätigen die Regel). Hier stimmt wirklich vieles nicht. Kein Wunder dass Carsharing und Mitfahr-Apps wie Uber zunehmend Erfolg haben.
Im vorigen Winter suchte ich bei minus fünf Grad, beladen mit drei Einkaufstüten, einen Taxistand auf. Die dort stehenden fünf Taxis  lehnten es allesamt ab, mich  mitzunehmen - wegen meines kleinen Hundes. Ich musste in der Zentrale anrufen und ein Taxi bestellen, das den Hund akzeptierte. In Berlin kämpfen am Flughafen wartende Gäste immer wieder in unorganisierten Schlangen um Taxis, während 500 Taxis vor dem Flughafen aufgereiht stehen. Man zahlt den gleichen Preis, egal wie alt oder neu die Kiste ist. Manche Taxifahrer bleiben sitzen, wenn man mit Koffer ankommt. In einigen Autos riecht es schlecht, der Fahrer raucht zwar außerhalb, aber im Auto sorgt sein Atem dennoch für unangenehm verrauchte Luft. Manch einer fällt durch heruntergekommene und verschwitzte Kleidung auf. Nervige Musik habe ich auch schon erlebt. Fahren mit offenen Fenstern ohne den Kunden zu fragen. Und wer kurze Fahrten bucht, muss immer ein schlechtes Gewissen haben, man spürt den Ärger des "Chauffeurs".  Nicht wenigen Fahrern muss man den Weg erklären, weil sie sich nicht auskennen. Noch schlimmer ist es, wenn sie kein Deutsch können. Zahlen mit Kreditkarte sollte durchweg möglich sein. Die Geräte dafür könnten weitaus moderner sein. Die Taxizentralen sind oft ebenso unfreundlich, kurz angebunden und teilweise frech. Kein Wunder, sie werden auf Dauer überflüssig. Wer "MyTaxi" auf dem Smartphone anklickt, bekommt in vielen Städten ohne Anruf sein Taxi.
Das ganze System der staatlichen Fahrpreisfestsetzung ist wettbewerbsfeindlich. Das Zulassungsverfahren ist überholt. In manchen Städten werden Taxilizenzen zu Wucherpreisen gehandelt. Zugleich sind Großstädte oft überbesetzt mit Tausenden von Taxis, was die Laune der Fahrer zusätzlich verschlechtert. Ein Aspekt am Rande: Viele Taxis leben von Fahrten, die die Krankenkassen zahlen. Viel zu teuer und zu Lasten der Beitragszahler. Mit ihrer Taxi-Innung sind viele unzufrieden. Die verhandelt einmal im Jahr mit der Stadt über Fahrpreise und das ist es dann wohl auch.
Sicher ist diese Aufzählung nicht ganz fair, es gibt selbstverständlich viele positive Beispiele. Aber, ganz ehrlich: jeder hat seine negativen Erlebnisse mit diesem Gewerbe. Zu Großdemonstrationen besteht kein Grund. Das Monopol des Taxigewerbes ist eben brüchig geworden, und daran hat das Gewerbe selbst schuld. Die Städte sollten aufhören, neue Angebotsformen wie Uber & Co zu verbieten. Besser wäre, wenn die Taxis sich dem neuen Wettbewerb stellen: Kunden freundlicher behandeln, saubere Wagen sicherstellen, digitale Angebote schaffen und Preise differenzieren.

Mittwoch, 11. Juni 2014

Mein Blog jetzt mit Suchfunktion

Im Zusammenhang mit Wulffs Buchvorstellung habe ich mal meine bislang 271 Blogs durchsucht und mich nach einigem Suchen nachträglich über meine Beiträge zu diesem Thema gefreut.  Das war auch Anlass, endlich eine Suchfunktion einzubauen.  Suchen geht jetzt leichter: Man kann jetzt mit Suchbegriffen alle meine Blogs inklusive eingebauter Links durchsuchen, siehe links oben. Und zum Beispiel herausfinden, dass ich 2012 die Facebook Aktie beim Kurs von 20 zum Kauf empfohlen habe, als die Zweifler in den deutschen Geldressorts immer noch nicht an das Geschäftsmodell von Facebook glaubten.

Freitag, 6. Juni 2014

Der Steuerstaat ist unser Problem, nicht die EZB

Ich habe mir einmal die Mühe gemacht, unsere Steuereinnahmen genauer anzusehen und errechnet, wie sie seit 2010 gestiegen sind. Der Vergleich zeigt die ganze Krake Steuerstaat. Zentralbanken sind für die Geldwertstabilität verantwortlich, nicht für die Ankurbelung der Konjunktur. Wenn wir Europa in Schwung bringen wollen müssten wir eigentlich viel mehr ausgeben für Importe. Wer den Bürgern aber soviel Geld aus der Tasche zieht wie in Deutschland muss sich nicht wundern, wenn für den Konsum und für Sparen nicht viel übrig bleibt.


Steuerart 2013 2010 Differenz
  in Mrd. in Mrd. in Prozent
       
Gemeinschaftl. Steuern      
       
Lohnsteuer 158,198 127,9 23,69
Einkommensteuer 42,28 31,179 35,60
Quellensteuer 17,259 12,98 32,97
Abgeltungsteuer 8,664 8,709 -0,52
Körperschaftsteuer 19,508 12,041 62,01
Umsatzsteuer 148,315 136,46 8,69
Einfuhr Umsatzsteuer 48,528 43,58 11,35
       
Bundessteuern      
       
Energiesteuer 39,364 39,838 -1,19
Tabaksteuer 13,82 13,49 2,45
Branntweinsteuer 2,1 1,99 5,53
Alkopopsteuer 0,02 0,02 0,00
Schaumweinsteuer 0,434 0,422 2,84
Zwischenerzeugnissteuer 0,014 0,022 -36,36
Kaffeesteuer 1,021 1 2,10
Versicherungssteuer 11,553 10,284 12,34
Stromsteuer 7,009 6,171 13,58
KFZ Steuer 8,49 8,488 0,02
Luftverkehrsteuer 0,978 0  
Kernbrennstoffsteuer 1,285 0  
Soli 14,378 11,713 22,75
       
Ländersteuern      
       
Erbschaftsteuer 4,633 4,4 5,30
Grunderwerbsteuer 13,6 5,29 157,09
Rennwett und Lotteriesteuer 1,635 1,412 15,79
Feuerschutzsteuer 0,392 0,326 20,25
Biersteuer 0,669 0,713 -6,17
       
Gemeindesteuern      
       
Gewerbesteuer 43,027 35,711 20,49
Grundsteuer A 0,385 0,361 6,65
Grundsteuer B 11,992 10,954 9,48
Sonstige Gemeindesteuern 1,145 0,754 51,86
       
Zölle 4,231 4,38 -3,40
Spielbanken 0,095 0,127 -25,20

Donnerstag, 5. Juni 2014

EZB: ein richtiger Schritt. Oder?

Die Aufregung über die neuerliche Zinssenkung der Europäischen Zentralbank auf 0,15% und die Strafzinsen von 0,1% für Banken, die ihr Geld bei der EZB parken, ist gerade in den Wirtschaftsmedien groß. Unerhört, was da passiert. Schon titeln einige: "Milliardenverluste für Sparer"...
Doch die Maßnahme ist konsequent und richtig! Ziel der EZB ist es letztlich, die Inflation wieder auf 2 Prozent hochzuheben, um eine Deflation zu verhindern. Die Banken sollen durch den Strafzinsen angehalten werden, Verbrauchern und Unternehmen mehr Kredite zu geben, um die Nachfrage anzukurbeln. Steigende Nachfrage gibt immer einen Inflationsschub.
Es war doch immer ein Irrsinn, dass die EZB Geld an die Banken ausgeliehen hat und diese dann mangels Anlagealternativen ihr Geld wieder bei der EZB angelegt haben. Nun müssen die Banken dafür Strafzinsen zahlen. Das soll die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher ankurbeln, die Nachfrage steigern und die Inflation vergrößern. Aber wird das gelingen?

Die gute Konjunktur in Deutschland ist vor allem ein Ergebnis gigantischer Exporterfolge der deutschen Wirtschaft. Die Binnennachfrage ist in ganz Europa so schwach, dass eine Tendenz zu fallenden Preisen unübersehbar ist. EZB-Chef Mario Draghi fürchtet eine Deflation. Ich habe hier im März geschrieben, dass eine Deflation wahrscheinlicher ist als eine Inflation. Wer das befürchtet, muss alles tun, um die Nachfrage zu stärken. Freilich: Das kann nicht allein durch Geldpolitik erreicht werden. Denn warum sollen die Banken jetzt mehr Geld verleihen und wofür soll das ausgegeben werden? Die großen Unternehmen schwimmen derzeit in Geld. Sie haben keinen zusätzlichen Kreditbedarf. Vielleicht lohnt sich bei manchen, umzuschulden, aber das führt nicht direkt zu höheren Investitionen. Die meisten Unternehmen investieren ihre Gewinne in den Ausbau ihrer Kapazitäten im Ausland. Und die Verbraucher? Sie werden durch Steuern und Sozialabgaben so geschröpft, dass sie nicht wissen wie sie neue Kredite zurückzahlen sollen. Und da sind wir beim eigentlichen Problem: Der Staat schöpft die potentielle Nachfrage der Bürger in einem Umfang ab, dass nichts übrig bleibt für zusätzliche Ausgaben. Und die Bürger wissen inzwischen, dass ihre Altersvorsorge unsicher ist und Altersarmut bei vielen vorprogrammiert ist. Deswegen halten sie ihr Erspartes zusammen und geben es nicht aus. Die meisten finden sich mit den Niedrigzinsen ihrer Banken ab. Weil den Deutschen von vielen Medien und vor allem von Verbraucherorganisationen über viele Jahre systematisch eingetrichtert wurde, dass Aktien des Teufels und keine Sachwerte sind, verlieren die Bürger laufend Vermögen. Und deswegen geben sie eher weniger als mehr aus.
Der Staat müsste jetzt - Keynes folgend - die ausfallende private Nachfrage durch massive staatliche Investitionen ersetzen. Deutschland könnte das, die meisten anderen Länder nicht. Denn dort gibt es ja austeritäre, bemitleidenswerte Sparprogramme, um die Verschuldung zu senken. Jetzt fehlt in ganz Europa das Geld, mit dem man staatlich gesteuerte Banken retten musste: HRE, West LB, IKB oder Nord LB. Und natürlich die ganzen europäischen Banken.
Deshalb ist die EZB-Entscheidung einen Versuch wert. Aber wenn das nicht von massiven staatlichen Investitionen begleitet wird, wird die Wirkung schnell verpuffen. Und was dann, Herr Draghi?

Mittwoch, 4. Juni 2014

Chefkolumnist bei Weimer

Heute wurde bekanntgegeben, dass ich ab sofort für Wolfram Weimers "Wirtschaftskurier" regelmäßig Kolumnen schreibe. Siehe hier.
Ich freue mich darauf, zumal ich Weimers journalistische und verlegerische Kompetenz sehr schätze. Wir brauchen mehr Journalisten als Unternehmer! Der "Wirtschaftskurier" ist nach der Übernahme durch Weimer ein ansehnliches Blatt geworden, das sogar Designpreise gewonnen hat. Gelesen wird es vom Herz unserer Wirtschaft, dem grundsoliden industriellen Mittelstand. Und den möchte ich sehr gerne mit meinen Kommentaren erreichen.
P.S. Ansonsten ändert sich bei mir nichts: Ich werde natürlich weiter meine Blogs und diverse Kolumnen schreiben und meine Mandanten journalistisch beraten.