Dienstag, 29. Juli 2014

Wie soll man sein Geld jetzt anlegen?

Heute habe ich einmal meine Gedanken zum Thema Geldanlage in der "Huffington Post" zusammengefasst:

"In unserem Verein haben wir vor einigen Tagen diskutiert, wie wir das Vereinsvermögen von etwa 200.000 Euro anlegen sollen. Zum einen ist eine Reserve für Reparaturen und Investitionen im Vereinsheim notwendig. Zum anderen stören uns die extrem niedrigen Zinsen für Tages- oder Festgeld. Und schließlich soll das angelegte Geld nicht zu hohen Risiken ausgesetzt sein.
Kriterien, die eigentlich jeder unterschreiben dürfte, wenn z.B. Lebensversicherungen ausgezahlt oder Erbschaften angetreten werden und sich die ganz konkrete Frage stellt: Was mache ich damit?
Bundesanleihen verzinsen sich mit weniger als 0,3 Prozent Rendite, weniger als die Inflation. Wenn die Zinsen steigen, fallen die Anleihekurse, auch riskant. Das Sparbuch bringt genauso wenig. Immobilien sind oft schon zu teuer.

Aktien sind so stark gestiegen, dass mancher sich nicht traut, jetzt noch einzusteigen. Manche fürchten ein Deflation, bei der das Bargeld unterm Sofa sogar im Wert zunehmen würde. Gold bringt keine Zinsen.

Von Lebensversicherungen raten viele ab, weil diese ihr Geld größtenteils in Anleihen anlegen müssen, die Steuervorteile weggefallen sind und die garantierten Zinsen auf niedrigstem Niveau sind.

Was also tun?

Die richtige Strategie hängt stark von den persönlichen Zielen ab. Beantworten Sie sich zunächst einmal die fünf folgenden Fragen, bevor Sie sich von Profis beraten lassen:

1.) Wie viel Geld will ich anlegen?
2.) Wie langfristig kann ich das Geld anlegen? Drei, fünf, zehn oder 20 Jahre?
3.) Wie liquide muss die Anlage sein, wenn ich das Geld mal plötzlich brauche und was ist meine eiserne Reserve?
4.) Risiko: Kann ich mir zwischenzeitliche (!) Verluste leisten, und wenn ja wie viel?
5.) Rendite: Welche durchschnittliche jährliche Rendite will ich erreichen?

Wenn Sie vor allem Ihre Altersvorsorge im Blick haben und langfristig anlegen können, am besten 20 Jahre, dann können Sie sich einen hohen Aktienanteil leisten. Aktien brachten in den letzten 20 Jahren trotz mehrerer Börsenabstürze jedes Jahr 6 bis 8 Prozent inklusive Dividenden.

Auch der Kauf einer Immobilie macht langfristig Sinn, wenn es sich um eine begehrte Lage und einen günstigen Kaufpreis handelt, zumal die Finanzierungskosten extrem niedrig sind. Im Alter schuldenfrei zu wohnen oder durch gute Vermietung zusätzliche Einnahmen zu generieren ist mit Sicherheit kein Fehler.

Aber wie gesagt: Lage ist extrem wichtig, und der Kaufpreis muss stimmen.
Von Anleihen würde ich derzeit eher abraten. Irgendwann steigen die Zinsen und dann sinken die Kurse der Anleihen, die Sie bis dahin gekauft haben.

Bei Gold bin ich eher skeptisch, aber als Absicherung mögen zehn Prozent nicht falsch sein.
Ich würde 30 Prozent meines Geldes in einem eigenen Depot selbst anlegen, zum Beispiel beim soliden Broker der Sparkassen S Broker (www.sbroker.de). Es macht Spass, die Aktienkurse  zu verfolgen und jeden Monat einige Kaufgelegenheiten zu nutzen. So bekommen Sie ein Gefühl für die Börse und können Schritt für Schritt ihr Wissen und ihr Depot ausbauen.

Der andere  verfügbare Teil sollte eher professionell verwaltet werden. Wenn Sie sich die oben gestellten fünf Fragen beantworten, sollten Sie sich bei Beträgen ab 100.000 Euro an einen professionellen Vermögensverwalter wenden, der ein größeres Research-Team hat, Erfolge in der Vergangenheit belegen kann, transparent arbeitet und keine zu hohen Gebühren verlangt.

Zu dieser Gruppe gehört beispielsweise Grüner-Fisher Investments (www.gruener-fisher.de), eine stark wachsende deutsche Vermögensverwaltung, an der der amerikanische Milliardär, Forbes-Kolumnist und Bestsellerautor Ken Fisher beteiligt ist.  Fisher verwaltet in den USA etwa 50 Mrd. US-Dollar für seine ca. 25.000 Kunden und hat ein Research-Team von 100 Leuten unter seinen über 1000 Mitarbeitern. Da steckt eine Menge Know How drin.

Eine weitere Alternative für Langfristanleger sind vernünftige Fondssparpläne, in die man auch größere Beträge einzahlen kann, vor allem aber monatlich anspart. Hier muss man besonders auf die Gebühren achten. Ein neuer Online-Anbieter mit sehr niedrigen Gebühren ist www.fairr.de  Hier kann man die Vorteile der Riester-Förderung nutzen und bei niedrigen Kosten die Expertise einer professionellen Vermögensverwaltung (Sutor Bank) nutzen. Gleichzeitig hat man die volle Transparenz über alle Depotbewegungen.

In jedem Fall gilt: Geldanlage darf man nicht schleifen lassen. Sonst schmilzt das Geld allzu schnell dahin und es droht Altersarmut. Wie sagt der Chef der Fidor Bank (www.fidor.de), Matthias Kröner: "Kümmere dich um dein Geld, sonst tun es andere".

Donnerstag, 24. Juli 2014

Pensionierte Beamte haben das größte Vermögen

Das Bundesamt für Statistik hat jetzt einen interessanten Beitrag zur Vermögensdebatte geliefert, den ich heute in der FAZ lesen konnte.
Es hat die durchschnittlichen Vermögen der Bevölkerung, sortiert nach sozialen Schichten, ermittelt. Es geht jetzt mal nicht um die Superreichen und die Superarmen, sondern um die Mitte unserer Gesellschaft. Am reichsten sind danach die pensionierten Beamten mit etwa 300.000 Euro Vermögen, das sich seit 2008 um 22 Prozent (!)  erhöht hat. Schöner Zuwachs, der mit der Wertsteigerung der Immobilien erklärt wird.  Auf Platz zwei folgen die Selbstständigen mit 257.000 Euro. Unverändert seit 2008.  Und auf Platz drei die noch arbeitenden Beamten mit 155.000 Euro, auch unverändert. Arbeitslose haben 18.000 Euro "Vermögen", Arbeiter 82.300 und Angestellte 112.000  Euro.
Bei diesen Zahlen muss ich polemisch an meine erste Kolumne in einem Berliner Verbandsfachblatt 1976 denken: "Warum sind Beamte länger krank?" Damals hatte die Barmer Ersatzkasse eine Statistik veröffentlicht, wonach Berliner Angestellte im Jahr doppelt so lang krank waren wie Selbstständige und Beamte doppelt so lang fehlten wie Angestellte: Selbstständige eine Woche , Angestellte zwei Wochen, Beamte vier Wochen. Ich vermute, das hat sich bis heute kaum geändert. Also: Beamte häufen bis zur Pension das größte Vermögen an, obwohl sie am meisten krankfeiern. Ihnen kann ja nichts passieren. Sie sind unkündbar und sie entwerfen auch noch die Gesetze, die ihnen alle Privilegien sichern. Kein Wunder, dass 50 Prozent der Hochschulabgänger am liebsten in den öffentlichen Dienst gehen wollen. Übrigens sind 80 Prozent der Beamten in den Ländern beschäftigt.So zahlt ein Land wie Baden-Württemberg jedes Jahr etwa 4,8 Milliarden Euro nur für Beamtenpensionen. In den kommenden 30 Jahren wächst das Pensionärsheer des Bundes laut Wirtschaftswoche um knapp 38 Prozent auf etwa 115 000. 2050 muss allein der Bund jährlich 8,7 Milliarden Euroallein für Pensionäre ausgeben. Auch bei ARD und ZDF entwickeln sich die Pensionäre zur Last: "Die Nettoaufwendungen der betrieblichen Altersversorgung haben 2013 bis 2016 mit 1,8 Mrd. € eine erhebliche Bedeutung für den Finanzbedarf", heisst es im 19. Bericht der KEF, die die Finanzen der öffentlich-rechtlichen Sender kontrolliert.

Zur Dimension hier ein älterer Bericht aus der "WELT":  "Wie das Bundesfinanzministerium bekannt gab, stiegen die Ausgaben für den Bund im Rahmen der Finanzierung der Vermögensleistungen für pensionierte Beamte der Post, der Bahn und im Bund im Jahre 2012 um mehr als 25,4 Milliarden Euro als im Jahr zuvor. Der neue Stand der Ausgaben Ende 2012 belief sich auf etwa 465,4 Milliarden Euro.  Neueste Kalkulationen des Bundesfinanzministeriums zufolge werden sich die Pensionskosten der Beamten, Richter und Soldaten im Bund in den nächsten Jahren auf 160,85 Milliarden Euro summieren. Die Pensionszahlungen der Beamten der Post werden auf etwa 141,97 Milliarden Euro und die der Bahnbeamten auf 62,76 Milliarden Euro ansteigen.

Also: Wir zahlen riesige Pensionslasten für Beamte und die haben das höchste Vermögen - und den höchsten Krankenstand. Na wunderbar. 




Dienstag, 22. Juli 2014

Wulffs Medienattacke im Spiegel

Der Spiegel veröffentlichte gestern ein ellenlanges Interview mit dem eineinhalbjährigen Bundespräsidenten Christian Wulff, der sich bitter über die Behandlung durch die Medien beklagt, insbesondere Spiegel, FAZ und BILD-Zeitung. Den Buchverkauf wird es ankurbeln, und die klingelnde Kasse wird Balsam für die malträtierte Psyche des ohnehin gut versorgten Mannes sein.
Aber ich habe mich dann schon gefragt, was hier eigentlich schief gelaufen ist. Ist die "Vierte Gewalt" aus dem Ruder gelaufen? Ist unsere Demokratie in Gefahr, wie Wulff behauptet?
Liest man das Interview, kommen zwiespältige Gefühle auf. Einerseits ist es im Rückblick schon irrsinnig, dass die gesamte deutsche Presse Wulff abgestraft hat, ohne dass irgendein strafrechtlich relevanter Tatbestand von den vielen investigativen Journalisten herausgefunden werden konnte. Es blieb dann am Ende bei dem allgemeinen "Ja aber moralisch war der Rücktritt trotzdem notwendig". Weil ja Herr Wulff dauernd falsch auf die Vorwürfe reagiert hat. Irgendwie unbefriedigend.
Andererseits war die ganze Kombination von Verbindungen, die hochkamen, filmreifer Stoff: Hauskauf-Darlehen vom (langjährigen!) Freund, (bezahlte!) Ferien in Maschmeyers Villa, irgendwie geartete Unterstützung von David Groenewold im Filmgeschäft, Rausschmiss seines wichtigsten Vertrauten, der angeblich vom Veranstalter (und "langjährigem Freund") Manfred Schmidt für eine Veranstaltungsreihe mit schönen Ferienaufenthalten belohnt wurde und sich immer noch gegen den Vorwurf der Bestechung zur Wehr setzt. Dann die schöne Frau an seiner Seite bei der Bekanntgabe des Rücktritts, kurz darauf die Trennung. Üble Gerüchte waren über sie im Umlauf. Und dann der finanzielle Segen nach dem Rücktritt. Ein "Ehrensold" von 199.000 € jährlich (schrieb der Stern: "monatliche Sofortrente"), eigener Fahrer, eigenes Büro, Sekretärin. Da müssen andere mehr für arbeiten.  Und man versteht die Gefühle der Journalisten.
Aus der Sicht von Wulff ist nichts übrig geblieben von allen Vorwürfen, die zu seinem Rücktritt geführt haben. Dem ist nicht zu widersprechen. Der Freispruch und der Verzicht der Staatsanwaltschaft auf eine Revision genügen Wulff jedoch nicht. Der CDU-Politiker sieht sich nicht rehabilitiert, weil die Medien sich nicht bei ihm entschuldigt haben. Auch der Spiegel konnte sich in diesem Interview nicht dazu durchringen.
Warum geben Journalisten so ungern zu, dass sie falsch gelegen haben? Kein Journalist ist unfehlbar, Fehler passieren. Chefredakteure sind allerdings bei solchen Fragen nicht besonders tolerant. Wer mit harten Attacken auf einzelne Personen falsch liegt, setzt seine Stellung in der Redaktionshierarchie und manchmal sogar seinen Job aufs Spiel. Mit Gegendarstellungen, die unabhängig vom Wahrheitsgehalt gedruckt werden müssen, kann man leichter leben als mit einer Entschuldigung bei den Betroffenen. Ein Widerruf ist schon unangenehmer. Und nur sehr selten müssen Medien Geschichten in gleicher Größe und Aufmachung korrigieren.
Leser erwarten gerade von den Top-Medien die Wahrheit. Wer den Unterhaltungswert von diffamierenden Spekulationen für titelfähig hält und Unterhaltung für wichtiger als Wahrheit, der schadet dem Image seines Blattes.  
Im Fall des Schokoladen-Unternehmers Ritter hat die gesamte Presse das schlechte Abschneiden in der "Stiftung Warentest" aufgrund einer umstrittenen Angabe zu den Aromastoffen ungeprüft nachgedruckt. So kam "Ritter Sport" in eine Existenzkrise, die nur durch den Erfolg vor Gericht in erster Instanz abgewendet werden konnte. Niemand hat sich dafür entschuldigt. Verfehlungen in der Politik, in den Unternehmen sind fast immer mit einer Entschuldigung verbunden. In den Medien habe ich so etwas noch nicht erlebt. Das ist so ähnlich wie bei Behandlungsfehlern durch Ärzte. Auch von denen habe ich noch nie eine Entschuldigung gelesen.
Bringt denn eine Entschuldigung überhaupt etwas?
Ja, ich glaube schon, zumindest, wenn es um solche Dimensionen wie bei Wulff geht. Es geht um einen medialen Freispruch, mit dem man freigewaschen wird von dem Makel "irgendwas wird schon dran sein". Google lässt grüßen.
Eine Wächterfunktion, die in eine Rechthaberfunktion ausartet, unterhöhlt auf Dauer unsere Demokratie.



Freitag, 18. Juli 2014

Mobilcom debitel: Der Trick mit der Datenmenge

Mein Tarif " Complete Mobil L mit Handy 10" kostet  bei mobilcom debitel genau 59,95€ Grundgebühr.  Im Vertrag sind enthalten, so wörtlich:

  • SMS Flat netzintern inkl. 
  • Mobile Internet Flat inkl. 
  • HotSpot Flat inkl. 

Mit ist bekannt, dass meine Datenmenge auf 1 Gigabyte begrenzt ist. Aber die Begrenzung der Datenmenge ist für mich keine Flatrate.
Gestern erhielt ich von mobilcom debitel die Nachricht: "Ihr Datenvolumen nit maximaler Surfgeschwindigkeit Ihres Tarifs ist erreicht. Möchten Sie weiterhin mit voller Geschwindigkeit surfen? Sprechen Sie uns an... oder buchen einen Pass unter http://pass.telekom.de".
Die Nachricht ist, dass ich trotz 1 Gigabyte Vertragsvolumen bis zum Monatsende mit reduzierter Geschwindigkeit arbeiten müsste. Bislang habe ich dann bei Bedarf diesen "Speedpass" für 4,95 € zähneknirschend gebucht. Das reichte für den Rest des Monats. Jetzt wurde mir unter dieser Telekom-Adresse gemeldet: "Ein Kauf ist nicht möglich, da eine Sperre vorliegt".
Ich wähle gestern abend die angegebene Nummer an: "Sie rufen außerhalb unserer Dienstzeiten an". Ich rufe das 24-Stunden Call Center an, um zu klären, ob und warum mein Konto gesperrt ist. Die vielen Schleifen, bis man jemanden an der Strippe hat, kennt man ja, lass ich hier mal weg. Die Auskunft lautet: Bei Ihnen liegt keine Sperre vor, aber wir buchen Ihnen gerne für monatlich 9,95 Euro ein Gigabyte dazu. Ich sage, dass ich das nicht will und rufe heute morgen nochmal innerhalb der Bürozeit (!!) an. "Wir können nichts dafür, heisst es jetzt, da müssen Sie den Provider (Telekom) ansprechen. Wir können Ihnen aber gerne ein Gigabyte monatlich dazu buchen." Das ganze nennt sich auch noch "Aufsteigen".
Jetzt ist mir alles klar. mobilcom debitel, das seinen Tarif "Internet Flat für Handys" nennt, unter "Details" aber die Datenmenge begrenzt, will dem Kunden eine Vertragsaufstockung in Form einer höhere Pauschale aufzwingen und erzeugt den Kontakt durch Vorgaukeln einer "Sperre". Die Flatrate ist überhaupt keine Flatrate und dürfte nicht so genannt werden. Außerdem wüsste ich gerne, wie sich meine verbrauchte Datenmenge zusammensetzt, wie viel davon beispielsweise Werbung ist. Und herauszufinden, wie die Kündigungsfrist und das Kündigungsprozedere ist, macht richtig Arbeit. Wer an seine Kündigungsfrist rechtzeitig erinnert werden möchte, muss (!) einer "Datenschutzerklärung" zustimmen, die in Wirklichkeit eine Zustimmung zur Weitergabe der persönlichen Daten für Werbezwecke ist. Hier als kleiner Höhepunkt der Originaltext:

"Ich stimme der Verwendung meiner Bestands- und Verkehrsdaten (Beginn, Art und Ende einer Verbindung, übermittelte Datenmengen; Löschung nach 3 Monaten) durch die mobilcom-debitel GmbH für Zwecke der eigenen Marktforschung, Produktgestaltung, Kundenberatung und Werbung zu. Die Information zu eigenen Produkten kann ich per Post, MMS oder SMS erhalten, Infos zu fremden Produkten nur auf dem Postweg. Ich bin damit einverstanden, dass ich zu allen oben genannten Zwecken auch telefonisch und per E-Mail informiert werde. Diese Einwilligung kann ich jederzeit schriftlich oder elektronisch widerrufen. Ausführliche Informationen zum Datenschutz entnehmen Sie der Datenschutzbroschüre, die beim Händler, per Hotlineanruf oder online erhältlich ist."

So verhöhnt man seine Kunden. Alles Absicht. Transparenz wird streng vermieden. Kunden werden von armseligen Call Centern abgefangen, die aus jedem Anruf einen Mehrverkauf generieren sollen. Solche Geschäftsmodelle mögen eine Zeit lang funktionieren, Zukunft haben sie nicht.






Montag, 14. Juli 2014

Mittelstand ohne Lobby

Der viel gepriesene Mittelstand hat keine Lobby mehr. Ich spreche jetzt nicht allein von den industriellen mittelständischen Familienunternehmen, sondern vom bürgerlichen Mittelstand, in dem sich die meisten Selbstständigen wie (allein 1,2 Millionen) Freiberufler, Agenturen, Dienstleistungs-, Handwerks- und Handelsbetriebe und kleinere Industriebetriebe versammeln. Diese Gesellschaftsschicht wird immer mehr malträtiert und findet kaum noch Gehör in der Politik.

Die Mindestlohnministerin Andrea Nahles und die Gleichstellungsministerin Manuela Schwesig brüten ständig neue Belastungsgesetze aus. Alles was Gerhard Schröder an Flexibilisierung des Arbeitsmarktes mit der Agenda 2010 auf den Weg gebracht hat, wird in der Großen Koalition Stück für Stück zurückgedreht. Steuerminister Schäuble quetscht den Mittelstand bis zum letzten aus. Die Bürokratie erschlägt alle.
Der Mittelstand schaut hilflos zu.

Ich lasse jetzt einmal die Agonie der FDP weg, die politisch ein großes Loch hinterlassen hat. Die AfD ist mir immer noch suspekt. Also, wo sind die Leute, die den Mittelstand vertreten?
Im Magazin "Markt und Mittelstand" gab es 2011 eine Aufstellung der wichtigsten Verbände, die den Mittelstand vertreten, siehe hier. Sie alle haben weder die Rente mit 63 noch den Mindestlohn verhindert. Sie haben weder die steigenden Steuerbelastungen, insbesondere die kalte Progression, gestoppt noch die ausufernden Zahlungen und Garantien zur Rettung von Banken. Erst recht haben sie nichts gegen die immer noch wachsende Gesetzesflut aus Brüssel unternommen. Und sie werden nicht verhindern, dass das Bundesverfassungsgericht demnächst auch vererbte Betriebe der Erbschaftsteuer unterwirft und damit Familienunternehmen in große Schwierigkeiten bringt.
Wozu braucht man dann solche Verbände?
Es gibt nicht mehr viele Unternehmer im Bundestag. Ganze echte 47 Firmenchefs (ohne Freiberufler) sind dort zu finden. Einer von ihnen ist der CDU-Politiker Michael Fuchs, der vor vielen Jahren mal eine Werbeartikelfirma hatte und jetzt in so vielen Beiräten, Ausschüssen und Verbänden sitzt, dass er für unternehmerische Tätigkeit sicher keine Zeit mehr hat. Da könnte er sich doch wenigstens für den Mittelstand einsetzen. Stattdessen sieht man ihn im Fernsehen immer wieder in der Rolle dessen, der letztlich alles abgenickt hat, was die Große Koalitionen an schönen neuen Belastungsideen beschließt.
Einflussreiche Verbände gibt es genug, wenn wir allein an den Gesundheitsbereich denken. Aber für den Mittelstand kämpft letztlich keiner ohne eigene Interessen.
Ich erinnere mich an meiner erste Stelle nach dem Studium als Geschäftsführer eines Einzelhandelsverbandes in den siebziger Jahren. Da fielen mir zwei Dinge besonders auf:
Die monatlichen Beratungshonorare der größten Berliner Brauerei für die Vorstandsmitglieder. Der Präsident kassierte 500 D-Mark monatlich, die anderen Vorstände erhielten 200 D-Mark.
Und ein Kooperationsabkommen mit der damaligen Versicherung Hamburg-Mannheimer (inzwischen in ERGO aufgegangen) , deren Vertreter dann mit einem Verbandsausweis die neuen Mitglieder besuchen konnte, um ihnen Versicherungen zu verkaufen. Wieviel davon an den Vorstand abgezweigt wurde, fand ich nie heraus.
Ich habe mich dann für den Journalismus entschieden und bei der Berliner Morgenpost als Volontär neu angefangen.






Mittwoch, 9. Juli 2014

Beim Insolvenzrecht stimmt was nicht

Heute las ich, dass zwei Drittel aller deutschen Unternehmen einmal im Jahr ein Schreiben von Insolvenzverwaltern bekommen, indem bis zu zehn Jahre rückwirkend (!)  Geld zurückgefordert wird, das diese Unternehmen von ihren Kunden für erbrachte Leistungen erhalten haben. Nach einer Umfrage des Bundesverbandes Credit Management beträgt die angefochtene Summe bei 40 Prozent der Unternehmen mehr als 100.000 Euro.
Manchmal liegt die Anfechtung an Ratenzahlungen, manchmal daran, dass vereinbarte Zahlungen über sogenannte Cash-Pools laufen: Schuldet z.B. die Muttergesellschaft den Betrag, lässt aber die Tochtergesellschaft den Betrag auszahlen, dann kann die Tochter bei einer Insolvenz das Geld zurück verlangen.
Von Wirtschaftsanwälten hörte ich vor einigen Tagen von einem Fall, indem ein Insolvenzverwalter über 13 Millionen zurückfordert. Insolvenzverwalter behaupten dann gern, dass man von den finanziellen Schwierigkeiten des Kunden hätte wissen müssen, und deshalb den vereinbarten Betrag gar nicht hätte annehmen dürfen, auch wenn dafür Leistungen erbracht wurden.
Auf diese Weise erhöhen Insolvenzverwalter die zu verteilende Masse, vor allem aber auch ihren eigenen Verdienst. Ich kenne einen Fall, bei dem der Insolvenzverwalter nun schon seit etwa 6 Jahren daran arbeitet, die Insolvenz abzuschließen - und sich daran dumm und dämlich verdient - angeblich 700.000 Euro pro Jahr. Insolvenzverwalter lassen sich solange Zeit, wie noch Geld in der Kasse ist. Ein Druck zur schnellen Abwicklung besteht nicht. Die vorhandene Masse schmilzt dahin, und am Ende werden im Schnitt noch 2 bis 3 Prozent der Gesamtforderungen ausgezahlt.
Wenn ein Kunde pleite geht, ist das für Unternehmen schon ärgerlich genug, weil meist offene Forderungen damit verbunden sind. Dass ihm dann aber noch rückwirkend Geld für erbrachte Leistungen abgeknöpft wird, halte ich für einen Skandal.
Kein Wunder, dass insolvente Unternehmen immer mehr Gebrauch davon machen, die Insolvenz in Eigenverwaltung zu beantragen, die es seit 2012 möglich macht, das Management beizubehalten und den (vom Amtsgericht zu genehmigenden) Insolvenzplan ohne Insolvenzverwalter durchzuführen.

Donnerstag, 3. Juli 2014

Mindestlohn: Der programmierte Rückweg in die Arbeitslosigkeit

Strahlende Gesichter bei der Großen Koalition: Der Mindestlohn wurde mit großer Mehrheit verabschiedet. Für über 3,7 Millionen Arbeitnehmer werden jetzt in Ost und West die Löhne auf 8,50 Euro angehoben. Bis 2017 sollen es 4,7 Millionen sein. Ein paar Ausnahmen gibt es noch und der Druck wächst, auch diese Ausnahmen abzuschaffen. Nun stellt sich die Frage, wie sich diese Maßnahme auswirkt.
Das gegenwärtige System ohne Mindestlöhne hat dazu geführt, dass nur noch 2,88 Millionen Menschen arbeitslos sind, eine Quote von 6,6 Prozent (Stand Mai 2014). 2005 lag die Quote noch bei 11,7%. Also fast eine Halbierung.  Entsprechend sind die Ausgaben der Bundesagentur für Arbeit seit 2005 von 53 auf knapp 33 Milliarden Euro gesunken. Eine Ersparnis von 20 Milliarden jährlich.
Ich fürchte, diese positive Entwicklung wird jetzt umgedreht.  Das Institut der deutschen Wirtschaft hat berechnet, dass etwa 44 Prozent der Beschäftigten in der Landwirtschaft weniger als 8,50 Euro verdienen, in der Gastronomie 36 Prozent. Bäcker, Friseure und diverse andere zahlen auch so schlecht. In 60 Prozent der Fälle handelt es sich aber um Minijobs, Jobs also für Zusatzverdienste und keine Jobs "von denen man nicht leben kann".
In Ostdeutschland verdienen 30 Prozent unter 8,50 Euro. Die betroffenen Unternehmen können jetzt entweder die Löhne erhöhen oder auf diese Mitarbeiter verzichten. Oder einen Standort weiter östlich - etwa in Polen - aufsuchen. Für viele Selbstständige, die ihren Standort nicht ins Ausland verlegen können, führt das Ganze zur Selbstausbeutung bis hin zu einer dramatischen Pleitewelle.
Wäre ich Landwirt, würde ich hier nur noch die Verwaltung belassen, Anbau-Flächen in Osteuropa pachten und die dort üblichen Löhne zahlen. Wäre ich Friseur, würde ich die Leute zuhause besuchen... Wäre ich Bäcker, würde ich die Backmaschinen weiter automatisieren. Wäre ich Blumenhändler würde ich die Selbstbedienung auf den Feldern ausbauen. Die Ausweichmechanismen werden sehr schnell greifen.

Viele Jahre haben Ökonomen darauf hingewiesen, dass Deutschland einen Niedriglohn-Sektor braucht, um auch den geringer Qualifizierten Arbeitsplatzchancen zu geben. Die Industrie hat seit jeher auf die tariflichen Anhebungen der unteren Gehaltsgruppen mit verstärkter Automatisierung geantwortet. Das wird auch jetzt die Antwort über all dort sein, wo Technisierung möglich ist, beispielsweise bei Erntemaschinen. Arbeit wird durch Maschinen ersetzt. Die Entlassenen kehren zurück in die Arbeitslosenstatistik. Als Arbeitslose bekommen sie nicht viel weniger als sie bisher verdienten.

Dienstag, 1. Juli 2014

Geldratschläge von BILD: si tacuisses

In der gestrigen Ausgabe von BILD beginnt eine Serie mit den "100 wichtigsten Fragen" zumThema Geld. Das hat mich interessiert. Ich kann das nicht alles zitieren, aber hier einige der banalen Ratschläge, jeweils ergänzt um meinen Kommentar:

Einen guten Anlageberater erkennt man daran, dass man ihn mit Honorar bezahlt statt mit versteckten Provisionen.

Kommentar: Wofür soll man ein Honorar bezahlen, wenn man am Ende die Ratschläge von BILD bekommt: Keine Aktien, kein Sparbuch, keine Bundesanleihen, nur Tages- und Festgeld.

Am besten ist die Anlage auf einem Tagesgeldkonto, da gibt es 1,5 Prozent.

Kommentar: Tagesgeldkonten sind für die Banken teure Werbemaßnahmen, die permanent wechseln. Sie dienen dem einzigen Zweck, Kunden zu ködern. Die sind aber genauso schnell weg, wenn die Konditionen wieder kostengemäß angepasst werden. Wer wechselt deswegen dauernd das Konto? Tagesgeld ist nur auf den ersten Blick optisch attraktiv.

"Tagesgeld, Festgeld und Sparbriefe sind sicher. Bundeswertpapiere auch - sie bieten derzeit aber nur geringe Zinsen".

Kommentar: Das stimmt zwar, aber die Zinsunterschiede sind letztlich uninteressant. Wer 10.000 € anlegt, bekommt bei einer 2019 fälligen Bundesanleihe etwa 0,3 Prozent Rendite, also pro Jahr 30 Euro. Bei einem Tagesgeldkonto, sofern es ein Jahr gleich hoch bleibt, erhält man zwischen 0,1 (Deutsche Bank) und 1,4 (Volkswagen Bank Prozent). Wer geht wegen maximal 110 Euro jährlich mehr zur Volkswagen Bank?  Der Dispo kostet dort derzeit 9,25% - zweieinhalb Prozent mehr als bei Anbietern wie der Fidor Bank (6,8%). Außerdem müssen auf dem Konto monatlich mindestens 1000 Euro eingehen. Und der Guthabenzins beträgt magere  0,6 Prozent, während z.B die Fidor Bank 0,9 Prozent zahlt.

"Aktien können stark an Wert verlieren". Anleihen verlieren an Wert, wenn der Staat oder die Firma pleite gehen. Schiffsbeteiligungen sind auch riskant.

Aktien haben in den letzten 20 Jahren trotz immer neuer Einbrüche inklusive Dividenden im Schnitt 6 bis 8 Prozent gebracht. Ein Irrsinn, dass BILD gegen Aktien schreibt. Aktien mit Schiffsbeteiligungen in einem Atemzug zu nennen ist voll daneben.

Wenn man das Geld "vorerst nicht braucht", soll man die Hälfte in Fonds anlegen, die andere als Festgeld. Zum Beispiel Indexfonds, die sich an Börsenwerten orientieren.

Also Aktien können stark an Wert verlieren. Indexfonds nicht? Das passt nicht zusammen.

Wer jetzt was erbt, soll Sparbriefe kaufen - drei und fünf Jahre. 
Entscheidend ist,  ob ich Geld kurzfristig parken möchte oder als Altersvorsorge anlege. Das wird nicht gesagt. Selbst mit 65 kann man heute noch sein Geld langfristig anlegen, weil die durchschnittliche Lebenserwartung bei weit über 80 Jahren liegt,

Fazit: si tacuisses, Ralf Klostermann, hättest du besser geschwiegen.
Mit dieser Serie hilft BILD hilft nicht, BILD zementiert Klischees. Schade!