Donnerstag, 31. Dezember 2015

Ich wünsche....

all meinen Lesern ein glückliches und gesundes Jahr 2016. Wir schaffen das!

Ralf-Dieter Brunowsky

Dienstag, 29. Dezember 2015

Deutschland ist reich und stark. Wir brauchen die Zukunft nicht zu fürchten.

Es gab viel Aufregung im vergangenen Jahr. Milliarden für Griechenland, Anleihenkäufe der EZB, Krisensitzungen in Brüssel, Terroranschläge, Flüchtlingszustrom, Pegida, AfD.
Und komisch, die Welt ist noch nicht untergegangen. Na dann muss sie wohl 2016 untergehen, folgt man den Unkenrufen "besorgter Bürger" und manchen vermeintlichen Rettern des Abendlandes in diesem Land.
Doch Deutschland geht es so gut wie noch nie. Warum eigentlich? Trotz Euro? Trotz Flüchtlingskrise? Trotz EZB? Trotz Brüsseler Dauerkrisen?
Man muss es gelegentlich mit Zahlen untermauern, um einmal die wahre Geschichte zu erzählen.

Keine Inflation, billiges Benzin, niedrige Arbeitslosigkeit, genug Geld in den Kassen.  43 Millionen Menschen sind in Brot und Arbeit. Unsere Sozialausgaben betrugen 2014 etwa 850 Milliarden Euro. Was für ein starkes, reiches Land sind wir, dass wir uns so hohe Sozialausgaben leisten können! 
Es geht uns gut, weil wir fleissig sind, weil wir arbeiten, sparen, investieren. Weil wir unseren Kindern Perspektiven bieten: Schule, Ausbildung, Studium.

Wir sind Exportweltmeister. Jeden Monat exportieren wir unsere Produkte für über 100 Milliarden Euro. Und wir kaufen auch jeden Monat Produkte unserer Handelspartner für über 80 Milliarden Euro und sichern dort Arbeitsplätze.

Unsere Schulen liefern neue hoffnungsvolle Generationen. Generationen, die digital aufgewachsen sind und sich in Wirtschaft und Gesellschaft einbringen. 433.000 Abiturienten allein im Jahr 2014. Und 1,35 Millionen lernten im gleichen Jahr als Auszubildende in den Unternehmen.

Über 2,7 Millionen junge Menschen studieren an unseren Universitäten. Viele Disziplinen haben Weltruf. Wir forschen wie nie. Wer vor einigen Wochen eine sensationelle Veranstaltung von Tagesspiegel und Zeit in Berlin besucht hat, wo 100 Professoren aus Berlin und Umgebung in 3-Minuten-Vorträgen ihren Beitrag zur Digitalisierung des Landes vorgestellt haben, dem muss die Zukunft zumindest wirtschaftlich keine Sorgen machen. 

Die Menschen in Deutschland kümmern sich. Rund 12 Millionen sind ehrenamtlich tätig. 590.000 Bürger und weitere 500.000 ehrenamtliche arbeiten in sozialen Einrichtungen der Caritas, um 12 Millionen Mitmenschen zu helfen.

Das sind doch alles gute Zahlen. Wenn es mal auf oder abwärts geht - na und? Unser Land hat keinen Grund zur Klage. Hier sind wir frei. Hier sind wir alles in allem sicher. Und hier haben wir den Vorzug einer insgesamt gut funktionierenden Demokratie.

Und letzteres ist das einzige, was mir Sorgen macht. Es gibt in Europa rechte Strömungen, die inzwischen nicht mehr zu vernachlässigen sind. Sie opponieren gegen alles: Gegen den Euro, gegen Brüssel, gegen "die Politiker", vor allem aber gegen die angeblich drohende "Überfremdung". Wer Angst macht, findet viel Gehör. Aber es gibt keinen Grund, vor den nächsten Jahren Angst zu haben. 

Angst hat noch kein Problem gelöst. Probleme sind dazu da, gelöst zu werden. Das gilt für den Klimawandel, für Krieg und Terror, für Hunger und Armut. Jeder kann sich da irgendwie einbringen, sei es ehrenamtlich, sei es beruflich, sei es politisch. Und wir sollten froh sein, dass es Politiker gibt, die sich engagieren, statt sie permanent als unfähig zu beschimpfen. 

Nun gut, die Zukunft ist ungewiss. Keiner weiß, was morgen passiert. Aber Ängste werden unsere Zukunft nicht gestalten. Ich freue mich auf das neue Jahr.








Montag, 16. November 2015

The Day After Tomorrow

Was bringt uns die Zukunft? Nach diesem schwarzen Freitag, der auch noch ein dreizehnter war, sehen wir plötzlich die "Writings on the Wall", die Simon & Garfunkel in ihrem unvergesslichen  "Sound of Silence" beschrieben haben.
The Day After Tomorrow? Das Weltuntergangszenario in Roland Emmerichs Katastrophenfilm soll letztendlich zeigen, wie sich die Menschheit durch die fatale Veränderung des Klimas selbst zugrunde richtet. Vielleicht wird die Welt aber auf ganz andere Weise schon vorher an sich selbst scheitern und in sinnlosen Kriegen versinken?
Irgendjemand hat die Büchse der Pandora geöffnet, aus der nach griechischer Mythologie Laster und Unheil entwichen. Es ist frappierend, dass der sogenannte "Islamische Staat" seine Terroranschläge gegen die "Hauptstadt von Unzucht und Laster" gerichtet hat.
Der IS versteht sich offenbar als Kämpfer gegen das, was aus der Büchse der Pandora entwichen ist, in Wahrheit ist er aber selbst das Unheil, das uns bedroht. Was für den IS "Unzucht und Laster" ist, ist für unsere westlichen Werte das "freie Leben". Bundespräsident Joachim Gauck: "Wir wissen, dass unser freies Leben stärker ist als jeder Terror".
Aber wie verhindern wir, dass unser freies Leben immer stärker bedroht wird? Und wie vermitteln wir dieses freie Leben der islamischen Welt? Seit dem ersten islamistischen Terror-Anschlag auf das World Trade Center am 26.Februar 1993 haben alle Versuche, den Terror zu stoppen, nichts Entscheidendes gebracht. Und wenn jetzt von einem Krieg, oder gar Weltkrieg gesprochen wird, dann frage ich mich, ob wir wieder die gleichen Fehler machen, die in Afghanistan, Irak, Lybien und Syrien keinen wirklichen Frieden gebracht haben. Das heißt nicht, dass wir ohne militärische Mittel auskommen werden. Es wird eine Vielzahl von koordinierten Maßnahmen geben müssen, bessere Geheimdienste, mehr Video-Überwachung, Luftschläge gegen den IS, vielleicht auch Einsätze am Boden. Doch die Bekämpfung des IS-Terrors muss auch und vor allem geistig-kulturell ansetzen.
Als 2005 in Paris Autos brannten, textete der Spiegel: "In den Satellitenstädten um Paris, seit Tagen von Krawallen erschüttert, haben Jugendliche kaum Perspektiven." Und daran hat sich wohl bis heute nichts geändert. Im Stadtteil Seine-Saint-Denis mit zahlreichen Immigranten (und geringem Einkommen) war 2013 fast jeder dritte Jugendliche arbeitslos. Laut Spiegel ist die Zahl gewaltsamer Übergriffe in Seine-Saint-Denis laut Statistik viermal höher als im nationalen Schnitt: "Jugendarbeiterin Leroy erzählt außerdem von Jugendlichen, die auf illegalem Weg den Erfolg suchen. Das ist jedoch nicht alles. Denn laut Leroy kommt zu alldem noch ein gravierendes Problem hinzu: "In den sensiblen Vierteln sind immer mehr Leute schwer bewaffnet."
Wäre ich Präsident Holland würde ich ein Milliardenprogramm aufsetzen, das all diese heruntergekommenen Stadtviertel revitalisiert, in denen Hoffnungslosigkeit, Langeweile und Kriminalität zum "freien Leben" gehören. Revitalisieren heisst vor allem: Freizeit- und Arbeitsangebote für Jugendliche schaffen, Schulen verbessern, Leben und Arbeiten im Rahmen der Stadtplanung stärker zu integrieren, Ehrenamtliches Engagement und Mobilität fördern, und auch die islamische Kultur respektieren.
Das gilt auch für deutsche Städte wie Duisburg, wo sich im Stadtteil Marxloh kaum noch Polizei hintraut. Wenn man die radikalen Rekrutierer von den Kindern friedliebender Moslems fern halten will,  muss man ihnen den Nährboden entziehen: Jugendarbeitslosigkeit, mangelnde Bildung und Fremdenfeindlichkeit. Ja, gerade auch Letzteres. Richtig ist, wer hier in Deutschland lebt, muss sich den hiesigen im Grundgesetz verankerten Werten anpassen. Das fällt aber schwer, wenn Kultur - auch die islamische - nicht gelebt werden darf. Fremdenfeindlichkeit und Angst vor dem Islam sind Öl ins Feuer, das radikale Gruppen wie die Salafisten schüren. Wir müssen die Herzen und die Unterstützung derjenigen gewinnen, die mit dem IS nichts zu tun haben wollen.
Wenn das gelingen soll, müssen wir aber auch Wege finden, die unser "freies Leben" kompatibel mit anderen Kulturen macht. Freies Leben bedeutet eben nicht nur Freizeitspaß, sondern auch, seinen Glauben leben zu dürfen, einschließlich der damit verbundenen Wertvorstellungen - solange diese sich an unsere Gesetze halten. Es geht nicht um einen Kampf der Kulturen, sondern um ein tolerantes Mit- und Nebeneinander von Kulturen.
Die Büchse der Pandora enthielt übrigens auch etwas positives: Hoffnung.



Donnerstag, 12. November 2015

Die Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft und Helmut Schmidt

Heute las ich im Kress Report ein Interview mit Bernd Ziesemer, dem früheren Handelsblatt Chefredakteur zur Ausbildung von Journalisten. Ziesemer wurde vor kurzem zum Vorsitzenden des Fördervereins der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft gewählt. Er ist Nachfolger von Henning Krumrey, der ins PR-Geschäft wechselte. Und Krumrey war mein Nachfolger bei dieser ehrenamtlichen Aufgabe. Deswegen war ich gespannt, was Bernd Ziesemer zu sagen hat, der in den achtziger Jahren neben Arno Balzer, Roland Tichy, Galli Zugaro und Gabor Steingart (damals Volontär) in dem von mir geleiteten Ressort "Wirtschaft und Politik" der Wirtschaftswoche arbeitete.
Ich habe 2007 den "Tag des Wirtschaftsjournalismus" initiiert, mit dessen Einnahmen die Finanzkrise der Schule beendet werden konnte. Im Rückblick fand ich hier ein ausführliches Youtube-Interview zur Weltwirtschaftskrise von Christoph Keese mit Helmut Schmidt im Rahmen des "Tag des Wirtschaftsjournalismus".  Zitat Helmut Schmidt: "Der deutsche Wirtschaftsjournalismus macht es den Lesern nicht gerade leicht, sich ein eigenes Urteil zu bilden". Darauf komme ich gleich noch einmal zurück.
Was sagt nun Bernd Ziesemer zur Ausbildung?  "Es gibt eine Tendenz in Wirtschaftsmedien, die harte Unternehmensrecherche zu vernachlässigen." Und: "Nach meinem Geschmack entfernen sich viele Wirtschaftsmedien derzeit von ihrem Kerngeschäft. Stattdessen machen sie große Berichte über Flüchtlinge oder allgemeinpolitische Themen." 
Auf den Punkt gebracht vermisst er die "akribische Recherche" (zum Beispiel einen Geschäftsbericht gründlich lesen) und kritisiert die zunehmende Berichterstattung über "allgemeinpolitische Themen2 wie Sterbehilfe (Titel Nr. 45 der Wirtschaftswoche) und Flüchtlingskrise (wahrscheinlich meint er das Handelsblatt, das sich unter anderem mit 75 Fragen zur Flüchtlingskrise ausließ.
Ist aber damit die Krise der Wirtschaftspresse erklärt, die ja seit Jahren unter massiven Anzeigenverlusten leidet?
Irgendwann habe ich einmal von einer Studie gelesen, wonach ein Wirtschaftsjournalist durchschnittlich 9 Minuten Zeit hat, ohne Unterbrechung zu arbeiten. Wie kann man da "akribisch recherchieren"? Mein Eindruck ist, dass besonders die Wirtschaftsjournalisten unter enormem Zeitdruck und Stress stehen und nur die "Investigativ-Teams" ausreichend Zeit haben, sich mit komplizierten Themen und Fragestellungen zu beschäftigen. Das ist natürlich eine Frage des anhaltenden Kostendrucks.
Aber ich erinnere mich an meine Zeit bei der Wirtschaftswoche, wo wir keineswegs jede Menge Zeit hatten, um zu recherchieren und zu schreiben. Journalisten sind ja keine Vertragsjuristen, die nun wirklich alles lesen müssen. Wichtig ist, dass das, was sie schreiben, auch belegbar ist.
Wenn es um die Ausbildung geht, ist neben dem schreiberischen Handwerk das Wichtigste, dass der (ja gleichzeitig an der Uni studierende) Nachwuchs lernt, aus vielem Material in kürzester Zeit eine Geschichte zu stricken. Das ist für Studenten durchaus gewöhnungsbedürftig. An der Uni geht es nämlich tatsächlich darum, alles Material zu lesen und auszuwerten. Akribische Vollständigkeit hat hier Vorrang vor jedem Schnellschuss. Weil jedes Thema unendlich viel Redundanz enthält, müssen Journalisten viel scheinbar wichtiges weglassen und den Kern des Themas so schnell wie möglich freischaufeln. Am Ende muss die Überschrift das ganze Thema korrekt erfassen - was immer eine besondere Herausforderung ist.
Ich finde die oben zitierte Aussage von Helmut Schmidt wichtiger als die "akribische Recherche" (was nicht gegen akribische Recherche spricht). Wichtig ist was hinten heraus kommt: Der Leser muss sich ein Urteil bilden können. Wenn wir in diesen Tagen die Wirtschaftsberichte lesen, finden wir allgemeine Ratlosigkeit: Die Börsenentwicklung, die Ölpreise, die niedrigen Zinsen. und nicht zuletzt Flüchtlingskrise. Es wird viel geschrieben und viel kommentiert, aber es herrscht allgemeine Richtungslosigkeit. So erklärt sich vielleicht auch die Entscheidung von Miriam Meckel, das Thema Sterbehilfe als Titelgeschichte zu bringen.
Sich als Leser ein Urteil bilden zu können, ist in der Tat der wichtigste Nutzen  journalistischer Recherche.  Dass Helmut Schmidt als Herausgeber der ZEIT so dachte, hat dieser Wochenzeitung sehr gut getan. Chefredakteur Giovanni di Lorenzo hat mit diesem Prinzip aus der ZEIT ein unübersehbares Leuchtturm-Medium gemacht (ich erinnere an die Geschichte über das "Sterbehaus" der Deutschen Bank vor wenigen Wochen). Und das im Print, das "immer noch für 80 Prozent der Erlöse steht", so di Lorenzo.
Ich wünsche Bernd Ziesemer viel Inspiration bei seiner neuen  Aufgabe, denn die "Kölner Schule" hat viele exzellente Journalisten hervor gebracht.






Montag, 19. Oktober 2015

Dresden: Unternehmer sollten Flagge zeigen.

Was sich derzeit in Sachsen abspielt ist schlimmer als ich mir das bisher vorgestellt habe. Es herrscht ein Klima der Angst, so hört man. Wer gegen Fremdenfeindlichkeit ist, hat Angst, sich dazu auch öffentlich zu bekennen - so weit ist es also schon gekommen.
Wenn wir hier Zustände bekommen, in denen Leute Angst haben, ihre Meinung zu sagen, geraten wir auf einen brandgefährlichen Pfad. Deshalb muss alles getan werden, das zu verhindern. Mir graut nicht vor den vielen Flüchtlingen und Asylanten, mir graut vor einem Klima der Angst.
Heute sprach ich mit einem Dresdner Unternehmer, der sich entsetzt zeigte, wie feige die hiesigen Unternehmer sind, obwohl allen klar ist, welche Folgen die zunehmende Fremdenfeindlichkeit in Dresden und ganz Sachsen für die regionale Wirtschaft haben kann: "Mitarbeiter kommen aus den USA zurück und sagen: "Wir werden darauf angesprochen". In Dresden stehen diverse Fabriken ausländischer Konzerne, und es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie Fotos von Galgen auf Demonstrationen in diesen Ländern ankommen. Und trotzdem scheuen sich Unternehmer davor, öffentlich gegen die Fremdenfeindlichkeit der Pegida-Demonstranten aufzutreten. "Wir haben Angst vor Schmierereien und Anschlägen" hat mein Kontaktmann gehört.
Zum Glück gibt es auch mutige Köpfe. Der Dresdner Künstler und Galerist Holger John zum Beispiel. Er hat Flüchtlingskinder eingeladen, Bilder zu zeichnen, die noch bis Ende der Woche in Dresden ausgestellt werden. Aber es wäre noch wichtiger, dass sich die ganze Wirtschaft in Sachsen gegen dieses fatale Klima der Angst stellt, mit dem einst auch die Nazis gearbeitet haben. Vor kurzem habe ich hier eine Werbebroschüre des Landes Sachsen kritisiert, weil in diesem Elaborat kein einziger Migrant vorkam. Als ob es die nicht gäbe. Auf der Website der IHK Dresden findet sich keine einzige Stellungnahme zu den Brandanschlägen und den fremdenfeindlichen Demonstrationen. Das ganze Thema wird - anders als in den Medien vollkommen ignoriert.

Manchmal frage ich mich: Geht´s uns zu gut in diesem reichen Deutschland? Und da sollten wir nicht in der Lage sein, die Flüchtlingsfrage zu meistern? Ökonomen haben sogar einen Wachstumsschub daraus errechnet. Vor wenigen Tagen erreichte uns die Nachricht, dass die Inflation im September auf Null gefallen ist. Die Arbeitslosenquote ist mit 6,2% auf den niedrigsten Septemberwert seit mehr als zehn Jahren gefallen (2006 lag sie noch bei 11,2%). Im kommenden Jahr bekommen die Rentner vier bis fünf Prozent mehr  - bei Null Inflation. Da die Durchschnittsrente in Ostdeutschland höher als im Westen liegt, kommt da sogar noch mehr an. Die Steuereinnahmen erreichen neue Rekordwerte. Der deutsche Staat schuldet permanent teure Altschulden in billigste Neuanleihen um und spart dadurch in jährlich zig Milliarden Euro. In den nächsten zehn Jahren könnten da staatliche Zinsersparnisse von über 500 Milliarden Euro zusammen kommen.
Der Staat hat also genug Geld in der Kasse, um schnellstens Wohnungen zu bauen, Flüchtlinge zu integrieren, Asylanten ohne Bleiberecht viel schneller abzuschieben und damit den Ängsteschürern und Rattenfängern den Nährboden zu entziehen, aus dem sich das Klima der Angst speist. Das alles ist nicht leicht und muss organisiert werden. Und zwar in höchster Eile und mit allen Mitteln.


Freitag, 16. Oktober 2015

3 Chefredakteure und der Qualitätsjournalismus: "80 Prozent der Erlöse kommen immer noch aus Print".

Am 14.10. war ich zu Gast beim "Handelsblatt Terrassengespräch". Dunja Hayali moderierte eine Diskussion zum Thema Qualitätsjournalismus. Diskutanten waren drei Chefredakteure der Handelsblattgruppe: Miriam Meckel, Sven Afhüppe (Handelsblatt) und Giovanni di Lorenzo (ZEIT).

Es war eine erhellende, zum Teil auch selbstkritische Diskussion. Zum Beispiel darüber, wie die Medien dazu neigen, einzelne Personen hochzuschreiben, um sie anschließend zu vernichten ("selbst wenn sie schon am Boden liegen"(Di Lorenzo). Martin Winterkorn etwa, Rainer Brüderle, Christian Wulff. Zur Sprache kam auch der aberwitzige Versuch auch Ursula von der Leyen vom Thron zu ziehen, weil sie angeblich ihren Aufenthalt in Stanford nicht korrekt angegeben hat. Bekanntlich korrigierte Stanford die publizierten Angaben.

Was ist Qualitätsjournalismus? Für Miriam Meckel ist dieser Begriff eine Tautologie: Journalismus müsse per se Qualität bieten. Richtig ist aber, dass das Ansehen des Berufes Journalist weiter sinkt, siehe hier (Quelle: Meedia). Nur 26% vertrauen diesem Berufsstand.
Warum eigentlich? Di Lorenzo sieht dafür drei Gründe: Das generelle Misstrauen gegen Eliten, die Selbstadressierung des Journalismus (Journalisten schreiben für Journalisten) und nicht zuletzt die "Hetzjagd" auf Menschen die Fehler gemacht haben. Einen "Mangel an Fairness" konstatiert auch Afhüppe, der das Handelsblatt ab Januar alleine führen wird. Di Lorenzo glaubt, dass die Toleranz der Leser gegenüber anderen Meinungen abgenommen habe. Aufsehen erregend seine Offenheit zum Thema Digitalisierung: „Wir dürfen uns nicht die Tasche lügen: Es gibt noch kein Geschäftsmodell jenseits von Print, um unser Angebot zu refinanzieren.“ Seine "ZEIT" gehört zu den stabilsten Print-Medien der letzten Jahre. Di Lorenzo erinnerte daran: "80 Prozent unserer Erlöse stammen aus Print". Da fragt man sich, warum alles in der Branche nur noch über Digitalisierung redet. Die Gegenüberstellung von Print und Digital geht auch Miriam Meckel "auf die Nerven".

Di Lorenzo berichtete über ein Schlüsselerlebnis: Eine Leserin der Zeit wurde nach den Gründen für ihre Abo-Kündigung gefragt. Zuerst sagte sie, die Texte gefielen ihr durchaus, die Bilder und das Layout auch - aber weswegen hat sie dann gekündigt? Die verblüffende Antwort: "Wissen Sie, ich habe mich verändert".

Ja, das ist wohl der wichtigste Ansatzpunkt für Medienmacher: Die Menschen lesen anders als früher, weil sie sich verändert haben. Print kann seine Leser finden, muss sich aber an den Lesern orientieren und nicht an anderen Journalisten. Das ist übrigens nichts Neues. Ich erinnere mich an meine Berliner Zeit, als ich für die Berliner Morgenpost im Rathaus Schöneberg Parlamentsberichterstatter war. Da freute sich ein Morgenpost-Kollege immer dann am meisten, wenn der Tagesspiegel am nächsten Tag den gleichen Aufmacher hatte wie er. Es gibt zu viele Journalisten, die heute immer noch so denken. Ihnen ist es wichtiger, auf der gleichen Welle mitzureiten, als kritisch zu hinterfragen, was wirklich passiert ist und es fair einzuordnen. Die Informationsmasse des Internet braucht Journalisten, die filtern und einordnen und dabei unbestechlich sind, aber auch fair (kein Journalist hat den Abgasskandal bei VW aufgedeckt, obwohl gerade die Motorjournalisten das letzte Schräubchen in Autos zu kennen vorgeben und allzu hautnah mit der Autoindustrie verbandelt sind). Wir brauchen Journalisten, die wählerisch bei ihren Themen sind und Haltung zeigen. Die ihr Fähnlein nicht täglich nach dem Wind ausrichten. Denen es nicht um Preise und Karriere geht, sondern um sorgfältigen Umgang mit Informationen. Dafür braucht man übrigens keine Investigativ-Teams. Investigativ muss jeder Journalist sein. Das lateinische "investigare" bedeutet "aufspüren, genauestens untersuchen".





Dienstag, 13. Oktober 2015

Silicon-Valley-Mania: Wer was auf sich hält, muss da hin

Soeben lese ich im Kress Report, dass die Geschäftsführerin von Spiegel Online, Katharina Borchert, den Spiegel verlässt, "um ins Silicon Valley zu wechseln". Wow! Supersache. Aber was macht sie dort? Und nicht nur sie - die gesamte Axel-Springer-Führungsriege hat sich dort in den letzten Jahren die Hand gereicht, seit BILD-Chefredakteur Kai Diekmann sich dort 2012/2013 ein Jahr lang einen Rauschebart wachsen liess. Christoph Keese, Cheflobbyist des Verlags, hat sich sogar zu einem Buch inspirieren lassen.
Was können unser Verlage dort lernen, obwohl es in ganz Europa Nachahmer gibt, die weniger aufwändig zu besuchen wären? Zum Beispiel Sofia Antipolis in der Nähe von Nizza. Auch die Region um Frankfurt, Darmstadt, Mannheim, Karlsruhe und Heidelberg bezeichnet sich laut Wikipedia als Silicon Valley Europas "da sich in der Region der größte Software-Cluster Europas gebildet hat". Kein Witz. Die Region hat zwar viele erfolgreiche Unternehmen, ist selbst aber keine bekannte Marke.

Warum also Kalifornien? Im Silicon Valley südlich von San Francisco sitzen 7000 Firmen mit 500.000 Beschäftigten rund um die Ivy University Stanford, darunter Apple, Google, Facebook, Yahoo oder Tesla. Dazu zahlreiche weitere Hochschulen und Universitäten. Und vor allem eine Unzahl von Investoren auf der ständigen Suche nach neuen Startups und Ventures. Berühmt sind Seed-Investoren wie Sequoia Capital in Menlo Park. Die Liste erfolgreicher Investments ist bei diesem Geldgeber unglaublich lang: Siehe hier. Von Apple über Paypal bis hin zu Linkedin - über all war Sequoia mit dabei.  Mich wundert nur, dass das jetzt erst wieder bemerkt wird. CAPITAL hatte schon in den 90iger Jahren einen Korrespondenten im Silicon Valley, der die Gründer der Großen reihenweise interviewte. Heute berichten kompetente Journalisten wie Matthias Hohensee (Wirtschaftswoche) oder Thomas Schulz (Spiegel) aus dem Silicon Valley.

Was ist dort anders als in Deutschland? Obwohl auch hierzulande die Startups überall aus dem Boden schießen, ist es immer noch schwer, Geld zu mobilisieren. Staatliche Förderung, Kredite und Gründerkongresse sind eben noch nicht alles. Privaten Kapitalgebern fehlt es hier am Spirit und an der Lust, Neues zu wagen, weil es zuwenig Company Builder (wie zum Beispiel Foundfair in Berlin) gibt, die Ventures professionell begleiten,weiter entwickeln und marktreif machen. Investoren gibt es zuhauf, aber sie alle tun sich schwer, gute Investments zu finden - sagen sie jedenfalls. Oder sind sie vielleicht einfach zu risikoscheu? Geld ist ja genug da, aber das Problem liegt wohl darin, dass es bislang zu wenige Startups geschafft haben, sich börsenreif zu entwickeln, was wiederum am chronischen Geldmangel liegt.
Ich weiß nicht, was die Springer-Leute aus Kalifornien mitgebracht haben. Auf ihrer Website kann man sich ansehen, warum sie alle dorthin gepilgert sind. Das Video "Reise nach Silicon Valley" beginnt mit den Topmanagern Jens Müffelmann und Ulrich Schmitz, die sich ein Doppelbett teilen, im Schlafanzug. Und später spricht Matthias Döpfner über das "German Spießertum". Dazwischen Reisen, Vorträge und eifriges Mitschreiben. Naja. Sicherlich viele Ideen, viele Kontakte und vielleicht auch Akquisitionen. Aber das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die verschworenen Netzwerke im Silicon Valley auf die deutschen Handlungsreisenden mit ihrer üblichen Freundlichkeit, aber letztlich auch mit Desinteresse reagieren. Deutschland ist eben weit weg.
Das ist wie mit Hollywood. Dort nehmen die Filmemacher nur sich selbst wichtig, deutsche Filmproduktionen sind für sie zu klein und uninteressant, abgesehen von Wolfgang Petersen ("Das Boot", Outbreak" oder "Perfect storm"). Und der wohnt inzwischen auch in Santa Monica, Kalifornien.


Freitag, 2. Oktober 2015

Konzerne und der Druck von oben

Rund um den VW-Skandal sollte man einen Aspekt näher beleuchten, denn er betrifft viele große Unternehmen: Welche fatale Folgen eine Unternehmenskultur haben kann, in der Leistungen durch Druck von oben angetrieben werden (sollen).
Ich erinnere mich an die - eigentlich unglaubliche - Aussage eines Gruner+Jahr-Vorstandes mir gegenüber: "Die Leute müssen Angst vor mir haben". Zugegeben, das ist Unternehmenskultur von gestern, aber eben genau darum geht es, denn diese längst überkommene Kultur ist unausgesprochen immer noch in vielen Konzernen zu finden.
Ich stelle es mir so vor:
"Wir müssen endlich unsere schwachen Verkäufe in den USA voranbringen und vor allem den Diesel für PKW durchsetzen. Termin für den neuen Diesel ist XYZ. Sorgt dafür, dass bis dahin alle Voraussetzungen geschaffen werden. Egal wie. Just do it."
Da wird niemand eine Manipulationsanweisung gegeben haben, ist auch gar nicht nötig. Die Zuständigen, wissen: Es steht viel für sie auf dem Spiel, denn andere Konkurrenten sind schon weiter. Bis hin zum Jobverlust. Da lässt man sich halt was einfallen.
Kann man sich eine solche Anweisung bei Google, Facebook oder Apple vorstellen? Wohl kaum. Ich erinnere mich an ein Forbes-Interview mit Steve Jobs. Er wurde gefragt, wieso er das erste Iphone kurz vor dem Launch gestoppt hat und ein völlig neues Iphone entwickelt hat. "I just did´nt like it." Steve Jobs konnte das mit seinem untrüglichen Instinct für "touch and feel". Der VW Vorstand hätte den Reset-Bottom drücken und das kommunizieren müssen, statt mit Druck den angepeilten Termin durchzupeitschen.
So macht man das in der modernen Unternehmenskultur. Es setzt allerdings voraus, dass auch Vorstände über technisches Detailwissen verfügen, was insbesondere für die Digitalisierung der Industrie-und vor allem der Bankenwelt gilt. "Macht mal" - reicht nicht, erst recht nicht in Verbindung mit Termindruck. Ingenieure lässt man nicht allein mit ihren Problemen. Sie müssen motiviert werden, indem die Oberen ihre Technikprobleme verstehen und helfen, diese zu lösen. Erst recht gilt das die Lust, neue Wege zu gehen, Neues zu entdecken und zu erfinden.
Und so ist es mit der ganzen Digitalisierung. Da werden Milliarden investiert. Und über dieses Geld entscheiden dann Leute, die Technologien nicht verstehen, aber Druck machen. Bestes Beispiel: Die Bankenwelt: Sie kommt mit der Geschwindigkeit der Digitalisierung nicht mit, weil die meisten Bankvorstände keine Ahnung von dieser Welt haben, aber Druck machen. Die Umsetzung wird dann mächtigen IT-Verantwortlichen überlassen, die den Daumen rauf oder runter halten, ganz nach Belieben. In der digitalen Welt gewinnt der schnellste, der zugleich die einfachste und für den Kunden bequemste Lösung anbietet. Der digitale Konsument liebt Geschwindigkeit und Convenience, und deshalb sind Fintechs oft in der Lage, ihre Kunden besser als Banken zu bedienen.
Wer seine Innovationen beschleunigen will, der muss den Kunden UND die technologischen Parameter verstehen. Fidor Bank Chef Matthias Kröner brachte es kürzlich auf den Punkt: "Die Amerikaner fragen: Was kann ich damit machen? Die Deutschen fragen: Brauche ich das?"
Die Neugier ist der Unterschied in der Innovationskultur beider Länder. Neugier begeistert, Druck frustriert. Neugier motiviert mehr als das frustrierende "Brauch ich das?"
Natürlich ist Letzteres am Ende sehr wichtig, vielleicht sogar entscheidend, aber  die Frage ist, was steht am Anfang? Die Lust, neues zu entdecken oder die Angst, unwillkommene Ideen vorzutragen?

Sonntag, 13. September 2015

Warum Blendle nicht funktionieren wird

Einen Versuch ist es natürlich wert: Die Vermarktung einzelner Artikel nach dem Itunes-Prinzip. Das holländische Unternehmen Blendle (hier klicken und den informativen Bericht des Tagesspeiegel lesen) hat es geschafft, namhafte deutsche Verlage für dieses Konzept zu gewinnen. In Holland gibt es bereits 400.000 Nutzer und jetzt soll es auch in Deutschland losgehen: Mit 47 Zeitungen und Zeitschriften, darunter Süddeutsche Zeitung, BILD-Zeitung, Zeitschriften von Gruner+Jahr wie Brigitte, 11 Freunde und Neon sowie diverse lokale Zeitungen, darunter dem Berliner Tagesspiegel der Holtzbrinck-Gruppe.  Wenn sich die New York Times und der Axel-Springer-Verlag beteiligen, ist zumindest die Neugier groß. Ein paar Millionen lassen sich auch als Fehlschlag leicht verkraften. Konkurrent Pocketstory verkauft ebenfalls Einzelartikel und arbeitet nach eigenen Angaben bereits mit 50 Medienmarken zusammen. 
Die gute Nachricht: Ich glaube nicht, dass diese Startups in Deutschland funktionieren werden, schon gar nicht im Vergleich zu Itunes. Die schlechte Nachricht: Wenn sie funktionieren, haben sie katastrophale Folgen für die Medienmarken. Hier meine Meinung:
  1. Alle bisherigen Versuche der Verlage, für einzelne Artikel Geld zu verlangen, haben höchstens zu einzelnen Achtungserfolgen, aber nicht zum Durchbruch geführt. Was zu funktionieren scheint, sind Flatrates mit niedrigen Pauschalbeträgen. Aber auch hier kommen die Verlage nur mühsam voran. Blendle wird am Anfang einen Neugierde-Erfolg erzielen und sich nach und in der Vielzahl seines "Online-Kioskes" verlieren.
  2. Die These, dass hier "zusätzliche Erlöse" generiert werden, ist kühn. Denn solange viele Artikel zugleich in den Online-Ablegern kostenlos gelesen werden können, lohnt sich der Kauf des Artikels nicht. Und das wird sich kaum vermeiden lassen, weil sich die Online-Ausgaben angesichts knapper journalistischer Kapazitäten ihre Inhalte nur ungern nehmen lassen werden.Sollen ausgerechnet die besten Geschichten exklusiv zu Blendle? 
  3. Die meisten Medien-Marken haben ihre eigenen Leserschaften. Blendle überlässt diese Leser allen beteiligten Medienmarken, ja fordert sie geradezu auf, die Medien zu wechseln.
  4. Ein umfassendes Angebot aus so vielen Medienmarken erschlägt den Leser. Die Auswahl, die Blendle trifft  (und auf der Startseite empfiehlt) macht letztlich dieses Startup zum journalistischen Hohepriester. Ich will mir nicht empfehlen lassen, welche Artikel ich lesen soll, jedenfalls nicht von meinem Kiosk. Es gehört gerade zu den schönen Seiten des Lesens, gute Artikel in den Medien zu entdecken, denen ich vertraue.
  5. Der direkte Kontakt zum Leser geht verloren
  6. Wettbewerb ist ja immer gut, auch im Journalismus. Die Konsequenzen sollte man dann aber auch beim Namen nennen: Es wird sich ein Ranking der meistverkauften Artikel herausbilden, insgesamt, aber auch innerhalb eines Mediums. Minderheiten-Journalismus fällt dabei hinten runter, es zählt, was verkauft. Das ist etwas anderes als hohe Klickraten, denen der Online-Journalismus auch heute schon gnadenlos ausgesetzt ist. Qualität wird dann wie bei ganz normalen Produkten am Verkauf gemessen, der einzelne Artikel ist künftig das Produkt und nicht mehr die Medienmarke als Paket. Da wird sich die Geschichte mit einer reißerischen Überschrift oder mit Erotik besser verkaufen als die brillante Flüchtlingsreportage.
  7. Die "Geld-zurück-Garantie" bei Unzufriedenheit ist ein Witz. Nehmen wir doch eine kritische Geschichte gegen den Streik der Lufthansa-Piloten. Wäre ich Pilot, würde ich nach dem Lesen mein Geld zurückfordern. Wäre sie schlecht geschrieben, vielleicht auch. Oder ein anderes Beispiel: Eine Geschichte, die zur Hilfe für Griechenland aufruft, würde eine Empörungswelle auslösen(habe ich selbst erlebt), bei der alle Gegner einer Hilfe für Griechenland ihr Geld zurückfordern würden. 
  8. Die unterschiedlichen, vom jeweiligen Verlag festgesetzten Preise führen schnell zu Fragen. Verlagsmanager, nicht die Journalisten setzen täglich Preise fest, die Nutzer müssen sich permanent überlegen ob der Beitrag den entsprechenden Wert hat. Die Einheitspreise von Itunes oder Flatrates wie der "Digitalpass" des Handelsblattes sind das bessere Konzept.
FAZIT: Blendle hat die großen deutschen Verlage trotz dieser Bedenken zum Mitmachen gewonnen. Wenn es, wie ich glaube, nicht funktioniert, werden zumindest alle dem gleichen Irrtum ausgesetzt sein, und niemand braucht deshalb im Verlagsmanagement Sorge um seinen Job zu haben.

Mittwoch, 9. September 2015

Aufbruchstimmung bei Gruner + Jahr



Das war einmal ein erfreulicher und informativer Abend. Offen wie selten diskutierten Julia Jäkel und Gabor Steingart unter fachkundiger Moderation von Götz Hamann (ZEIT) über Print und Digitalisierung. Trotz der abendlich Septemberkälte wurde bei diesem "Terrassengespräch" deutlich, dass Julia Jäkel heiß auf die Zukunft ist. Sie vermittelte glaubwürdig eine Aufbruchstimmung bei Gruner und Jahr, die hoffen lässt. Das neue Magazin "Barbara" (Chefredakteurin Barbara Schönberger) konnte schon vor dem Start über 50 Anzeigenseiten akquirieren: "Wir haben in den letzten 25 Jahren kein Beispiel für einen so erfolgreichen Prelaunch  gefunden", schwärmte sie, "wo ist da die Anzeigenkrise?"
Print und Digital könne man nicht trennen. Im Foodbereich habe man das erfolgreichste Portal in Europa, Der Bereich Living entwickle sich ebenfalls vielversprechend. Künftig werde man den Lesern durch eigene Portale auch die Möglichkeit geben, die gezeigten Produkte zu kaufen, Der Anteil digitale Umsätze wachse stetig, von 17% im vergangenen Jahr auf über 20% in diesem Jahr.
Auch die Internationalisierung hat Jäkel im Visier. Auch wenn man sich aus einigen Auslandsmärkten zurückgezogen hat, will man mit Medien wie "Beef" und anderen wieder ins Ausland. In Frankreich sei man ohnehin der erfolgreichste Verlag."Wir haben das Innere herauskehrt", erklärt Jäkel den Turnaround. Gruner+Jahr habe intelligente Leser, und die seien bereit für intelligente Inhalte auch gute Preise zu zahlen, etwa 6,90€ für ein neues Magazin. Mit "Brigitte Wir" soll jetzt die Frauengeneration 60+ angesprochen werden. Die Arbeitskultur hat sich geändert. Es gebe jetzt zum Beispiel Teams für neue Projekte, die sich aus Mitgliedern verschiedener Magazine zusammensetzen. "Leute, die früher nie miteinander gesprochen haben": Nach einigen schmerzhaften Schnitten ist jetzt wieder Wachstum angesagt. Wir wünschen viel Glück dabei!
Auch beim Handelsblatt tut sich Neues: Gabor Steingart kündigte eine Wirtschaftsmagazin für Frauen an, erstmal als Test. Sein Morning-Briefing hat sagenhafte 500.000 Abonnenten. Die englische Fassung erreicht auch schon 100.000. Das ist enorm. Der erfolgreiche "Digitalpass" mit allen Lesestoffen der Handelsblattinhalte kostet im Jahr nur halb soviel (300 €) wie die Print-Inhalte. "Und damit könnten wir überleben, wenn es jetzt mit einem Knall kein Papier mehr gäbe", so Steingart. Mit einer sogenannten 360-Grad Strategie bietet sich das Handelsblatt der Wirtschaft auch als Problemlöser für Kommunikationsaufgaben an: Sei es über das Corporate Publishing, sei es mit der Ausrichtung von Events und Sponsoring-Angeboten. 
Angesprochen auf das Thema Anzeigenvermarktung, zeigte sich Steingart eher wortkarg, wies ansonsten darauf hin, dass die Handelsblattgruppe nicht nur die eigenen digitalen Medien vermarktet, sondern auch die Portale anderer Verlage. Am erfolgreichsten war in diesem Jahr FAZ.net.
Alles in allem, hier präsentierten sich zwei moderne Leader, die mit ihrem journalistischen Background den richtigen Riecher haben. Die Redaktionen können stolz auf ihre Chefs sein.

Freitag, 28. August 2015

Newsgetriebene Printmedien sollten komplett auf Online-Publishing umstellen.

Ich bewundere die Kolleginnen und Kollegen, die mit Phantasie und harter Arbeit alles dafür tun, um ihr jeweiliges Medium in diesen schwierigen Zeiten zu erhalten. Sie schreiben auf allen Kanälen, twittern, teilen - und stehen permanent unter Druck, unter Erfolgsdruck. Wenn man die neuen Anzeigenstatistiken liest, kann mancher Redaktion Angst und Bange werden: Bild am Sonntag zum Beispiel verliert laut Meedia (Januar bis Juli) gegenüber Vorjahr über 23 Prozent, Computerbild über 16% und Autobild über 13 Prozent und der Spiegel über 6 Prozent. Wer die Margen kennt weiß, dass diese Zahlen dramatisch sind. Dass die Publikumszeitschriften insgesamt nur 3,7% verloren haben ist nur ein schwacher Trost, denn die ausgewiesenen Bruttoanzeigen geben durch viele Eigenanzeigen ein geschöntes Bild ab, und die Umsätze sind durch viele Rabatte weit geringer als hier angegeben.
Es fällt auf, dass eine Kategorie am meisten mit dem Internet zu kämpfen hat: Das sind newsgetriebene Zeitungen und Magazine. Medien wie "Landlust" "Geo" oder "Beef" werden als Coffetable Magazine noch lange als Printausgabe überleben. Tageszeitungen, Nachrichtenmagazine und Wirtschaftszeitungen sollten sich langfristig auf reines Online-Publishing einstellen.

In den Unternehmen gewinnen immer mehr Online-Marketing-Spezialisten die Oberhand, die nur noch von "Content-Marketing" reden. Diese Fachrichtung ist so ziemlich das unintellektuellste, was im Internet entstanden ist. Aber sie gibt den Takt vor. Da werden tausend Räder gedreht um irgendwelche Inhalte zu verwirbeln, die Texte werden nicht mehr journalistisch geformt sondern im Wording google-optimal formuliert. Das Ziel bei der Produktion von Werbe-Videos sind nicht mehr die "Views" sondern das "Engagement", also das Teilen des Videos. Dafür werden in den USA schon Milliarden ausgegeben. In der Mühle des Content-Marketing sind inzwischen fast alle gelandet, die Journalisten müssen sich mit ihren "schönen Geschichten" da manchmal wie die letzten Mohikaner vorkommen.
Um Werbung zu generieren, machen es die Verlage ähnlich, ja fast noch schlimmer. Klickzahlen zählen und sonst nichts. Das wird auch immer mehr zum Wegweiser für die Online-Journalisten. Früher konnte man ja nicht feststellen, wie viele Leser der eigene Artikel generiert hat. Heute weiss man es in real time, und das verführt natürlich auch dazu, Klick-Prioritäten zu setzen.
Videos werden dabei immer wichtiger. Allerdings kaufen die meisten Portale spektakuläre Videos ein, statt sie selbst zu produzieren. Die Online-Journalisten brauchen die Videos dann nur noch auszuwählen, einzustellen und zu messen. Ach ja, und dazu braucht man keine journalistische Ausbildung, das kann auch jeder Content-Marketingmanager. Kein Wunder dass der Erfolgssender RTL jetzt beschlossen hat, verstärkt in Video-Produktionen zu investieren. Da ist noch ein gewaltiger Markt. Wo bleiben dann die Schreiberlinge? Ach ja, es gibt ja noch die ZEIT, die gelassen und intellektuell vor sich hinsegelt und mit Zeit Online den ganzen Nachrichtenstress einfach ausgelagert hat.
Aber wo bleibt denn da der "Qualitätsjournalismus", von dem am liebsten die Medien und ihre Chefs reden?  Es stellt sich immer wieder die Frage: Wie lange wird es noch gedruckte Zeitungen und Magazine geben? In den USA erscheinen renommierte Blätter wie US News&World Report" nur noch online (die letzte Printausgabe erschien 2010). Ich bin sicher, es wird schon in den nächsten drei Jahren bedeutende Blätter geben, die voll auf Online umstellen. Wenn sie keine eigenen Druckereien beschäftigen müssen, können sie damit eine Menge Geld sparen.

Ich habe in meiner jungen beruflichen Umgebung das Gefühl, dass ich der einzige bin, der morgens noch eine gedruckte Zeitung liest. Alle die ich kenne, informieren sich online. FAZ und Handelsblatt habe ich als E-Paper und als Print abonniert, weil ich dann abends schon lesen kann, was am nächsten Tag im Blatt steht. Aber was habe ich damit gewonnen? Wenn ich die FAZ abends online lese, dann langweilt sie mich am Morgen als Printausgabe. Also lese ich für mich doch lieber Print am morgen und informiere mich geschäftlich am Abend vorher, ob relevantes für meinen Job drin steht. In dieser Kombination funktioniert es ganz gut.
P.S. Den Spiegel nutze ich übrigens nur noch als E-Paper.

Donnerstag, 13. August 2015

T-Online.de: das größte Online-Nachrichtenportal geht an einen Werbevermarkter


Diese Nachricht ist eine Sensation:  Der Werbevermarkter Ströer SE kauft Deutschlands mit Abstand erfolgreichstes Nachrichtenportal T-Online und gleich den drittgrößten Onlinevermarkter InteractiveMedia mit dazu. Und das für einen Spottpreis von 300 Millionen Euro, zahlbar mit eigenen Aktien.
Ströer war früher ein Plakatkleber und-vermarkter, heute ist es ein moderner Werbekonzern, der außerordentlich erfolgreich die Digitalisierung vorangetrieben und umgesetzt hat. "Die Ströer Gruppe ist einer der großen Anbieter für Out-of-Home- und Online-Werbung und bietet den werbungtreibenden Kunden individualisierte und voll integrierte Premium-Kommunikationslösungen an", so die Positionierung.
2016 erwartet das Unternehmen bereits einen Umsatz von 1 Mrd. €. T-Online seinerseits hat eine riesige Redaktion von etwa 120 Mitarbeitern aufgebaut und mittlerweile zum größten Nachrichtenportal entwickelt. Das ist bemerkenswert insofern, als sich hier erstmals ein deutsches Industrieunternehmen als Verleger versucht hat. (Wir erinnern uns, dass Amazon-Gründer Jeff Bezos in den USA die Washington Post gekauft hat, um sie digital erfolgreicher zu machen). T- Online erhält im Zuge neu auszugebender Aktien einen Anteil von 11 bis 13 Prozent. "Der konsolidierte Umsatz des Portalgeschäfts von t-online.de und des Online-Werbevermarkters InteractiveMedia wird 2015 mehr als 100 Millionen Euro betragen", heisst es in einer Pressemitteilung.

Im Februar berichtete Jens Schröder von Meedia:

"438,3 Mio. Visits erreichte T-Online im Januar – ein sagenhaftes Plus von 65,7 Mio. im Vergleich zum Dezember. Zum Vergleich: Nur 16 Angebote erreichten im Januar insgesamt mehr als 65,7 Mio. Visits – von einem solch großen Wachstum ganz zu schweigen. T-Online ist im Übrigen nach wie vor ein Negativbeispiel für IVW-Transparenz. Denn: Unter dem Dach von T-Online wird nicht nur T-Online.de mit gemessen, sondern auch Giganten wie Autoscout24 und Immobilienscout24, Seiten wie Videoload, Wetter.info, Erotic-Lounge.com und viele mehr."

Zu dem Deal kommentiert Ströer auf seiner Website:

Mit der Akquisition von Deutschlands führendem Internetportal t-online.de (laut AGOF) und Deutschlands TOP-3 Onlinevermarkter InteractiveMedia (laut AGOF) macht Ströer den entscheidenden Schritt zum digitalen Multi-Channel-Medienhaus. Damit erreicht das Unternehmen eine weitere, wesentliche Stufe im Rahmen seiner Digital-Strategie und generiert ein starkes Wachstumsmoment für die kommenden Quartale.

Wie muss man diesen Deal beurteilen? Dass deutsche Großverlage nicht zum Zuge gekommen sind - wenn sie überhaupt mitgeboten haben, hängt sicher damit zusammen, dass man recht große eigene Nachrichtenportale und auch eigene Vermarktungsfirmen hat. Aber für diesen Preis hätte sich ein Engagement allemal gelohnt - und sei es, um den Markt zu konsolidieren. Möglich aber auch, dass das vorab sicher eingeschaltete Kartellamt Einspruch signalisiert hat, wenn sich etwa Bild.de mit T-Online verschmolzen hätte. Es kommt hinzu, dass Nachrichten im Grunde ein homogenes Gut sind, das meist kostenlos zu haben ist. Nachrichtenportale brauchen riesige Klickzahlen, um überhaupt Gewinn zu machen. Werbung wird hier, wie man hört,  pro Banner seltener angeklickt als in Portalen mit spezifischen Informationen und demzufolge höheren Umwandlungsergebnissen.
Wie hoch der Anteil von T-Online.de am Umsatz von 100 Millionen ist , wird nicht publiziert, offensichtlich geniert man sich, diese Zahlen öffentlich zu nennen, weil sie noch nicht wirklich überzeugen. 
Mit dem Eigentümer Ströer erwächst den Verlagen jetzt jedenfalls eine weit härtere Konkurrenz. Ströer braucht nicht mehr Rücksicht auf Geschäfte der Telekom mit den Verlagen zu nehmen. Es hat sich jetzt mit einem Schlag eine durchschlagende Ergänzung seines Werbeangebots gesichert. Ich bin gespannt, wie ein solches Unternehmen mit der überraschten Redaktion umgeht.

Donnerstag, 23. Juli 2015

Überregionale Zeitungen unter Druck

Im 2. Quartal 2015 (nur Abo+EV) hat es wieder zum Teil heftige Einbrüche gegenüber dem Vorjahreswert gegeben, die Anlass zur Sorge sein müssen. Hier die Print-Auflagen laut IVW (gefunden im Meedia Magazin):

Bild 2.062.432 -214.490
Süddeutsche Zeitung 320.744 -12.292
Frankfurter Allgemeine 232.036 -16.615
Die Welt (Die Welt + Welt Kompakt) 114.034 -13.226
Handelsblatt 90.428 plus 1670,26
Die FAZ am Sonntag hat es besonders hart erwischt: 277.857    -41.441
Die Welt am Sonntag verliert bei 400.077 Auflage nur -934




Donnerstag, 16. Juli 2015

Ausländerfeindlichkeit in Sachsen

Sachsen ist ein schönes Land. Städte wie Leipzig und Dresden ziehen Touristen an. Doch immer wieder gibt es Berichte über ausländerfeindliche Tendenzen. Pegida entstand in Dresden, in kleineren Gemeinden werden Bürgermeister bedroht, die Flüchtlinge aufnehmen. es fällt auf, dass die Ausländer- und Flüchtlingsfeindlichkeit in Sachsen besonders groß ist. Politiker wie  Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich verurteilen zwar die Anschläge auf Asylanten-Unterkünfte. Aber im Alltag findet man dann Hinweise, dass die Denke in Sachsen irgendwie insgesamt nicht stimmt: Heute fiel mir das "Sommermagazin 2015 des Freistaates Sachsen"  in die Hand. Eine Werbebroschüre, die Sachsen sympathisch machen und Investoren gewinnen soll. Sie zeigt Menschen in allen Lebenslagen - und bringt keine einzige Geschichte über Zuwanderer, erfolgreiche Immigranten oder das Kümmern um Flüchtlinge. Keine Geschichte über ausländische Gründer, über Toleranz in der Stadt, über willkommene Touristen aus aller Welt. Gedankenlosigkeit, Dummheit oder bewusste Konflikt-Vermeidung?

Montag, 13. Juli 2015

Griechenland als Medienereignis

Griechenland hat die meisten Medien wochenlang in Atem gehalten. Der Unmut über Griechenland führte zu immer schärferen Tonlagen: Die gesamte konservative Medienwelt mit BILD, Welt, Focus, gestern das ZDF (Scharfmacher-Kommentar von Elmar Theveßen) und heute wieder die FAZ haben monatelang für den Grexit getrommelt. Mir hat diese einseitige Berichterstattung und Kommentierung überhaupt nicht gefallen. Es macht mich misstrauisch, wenn zuviele in das gleiche Horn blasen. (Der Kommentar von Theveßen gestern klang wie eine Verlautbarung von Schäuble und liest sich heute wie Schnee von gestern). Das Publikum war voller Zustimmung, selten hatten die Medien so den Nerv der Deutschen getroffen wie in dieser Frage. Wer dagegen argumentierte, musste sich in den Kommentaren als "vom andern Stern" beschimpfen lassen.
Aber was nun? Medial gesehen steht ein großer Teil der konservativen Medien nach der Einigung in Brüssel vor einem Scherbenhaufen. Die Politik hat richtig entschieden und den Grexit verhindert.
Die Ökonomisierung der Debatte, angeführt von Hans-Werner Sinn, hat vielen den politischen Blick verstellt. Der Euro ist eben nicht alles, aber ein Scheitern des Euro würde Europa destabilisieren. Europa als Ganzes ist deshalb das eigentliche Thema.
"Scheitert der Euro - scheitert Europa" - Angela Merkel konnte kein Interesse daran haben, Frankreich kurz vor dem Ziel vor den Kopf zu stoßen. Schäuble hat als Bad Guy seine Rolle gespielt, und es ist gut, dass sein Vorschlag eines
zeitweisen Grexits abgelehnt wurde. Denn jeder Grexit hätte den sich immer deutlicher abzeichnenden Graben zwischen europäischen Ländern vertieft und Europa gespalten. Sicher, die Einigung muss noch parlamentarisch bestätigt werden, aber das Interesse aller ist jetzt groß genug, die Krise endlich zu lösen. Das ist ein äußerst positives Signal. Jetzt hat Griechenland die Chance, verloren gegangenes Vertrauen zurück zu gewinnen. Über Europa muss neu nachgedacht werden. Eine nochmalige Zerreissprobe dieser Art hält es nicht aus. Jetzt geht es darum, Europa bürgernäher zu gestalten, zu entbürokratisieren, den Mitgliedsländern und Regionen mehr Raum für eigene Entwicklung zu geben. Aber auch darum, die Ängste der Bürger ernst zu nehmen, die Flüchtlingsfrage menschenwürdig aber auch akzeptanzorientiert zu lösen. Es gibt viel zu tun.

Sonntag, 12. Juli 2015

Schäuble spaltet die EU

Man erinnert sich: Wolfgang Schäuble war derjenige, der 1994 mit einem Papier Aufsehen erregte, das in einigen Nachbarländern als Diskriminierung empfunden wurde:
"Das Papier nennt aus dem Kreis der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) diejenigen beim Namen, die ein künftiges Kerneuropa bilden sollen: Frankreich, die Benelux-Staaten, Deutschland – mit Ausnahme Italiens die Gründungsstaaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft", so zu lesen in "Focus" 1994. Diese Länder sollten Mitglieder einer Währungsunion sein, die anderen nicht.
Schäuble glaubt an ein kleines und nicht an ein großes Europa. Deswegen hat er den "Grexit" offensichtlich schon länger im Kopf, den er jetzt "zeitweise" für fünf Jahre vorgeschlagen hat. Mit diesem Schritt bringt Schäuble nach Griechenland nun auch Frankreich, Italien, Spanien gegen Angela Merkel in Front. Alles Länder, die hochverschuldet und in wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind. 
In Deutschland ist die Stimmung inzwischen, angeheizt von einigen Lead-Medien, immer stärker antieuropäisch. Das muss einem Sorgen machen. 
Die Diskussion hierzulande reduziert sich auf die griechische Schuldenfrage. Kein europäisches Land, auch nicht Deutschland wird jemals seine Schulden zurückzahlen. Es muss reichen, wenn die Zinsen für die auch hier immer weiter wachsenden Schulden aus dem Wirtschaftswachstum bedient werden können. So ist es immer gelaufen, und so wird auch in Zukunft eine Wirtschaft florieren können. Wenn es ausufert muss zwischendurch auch mal gespart werden, aber das ändert an der generellen ökonomischen Entwicklung nichts.
Die Wut auf Griechenland ist groß, und wer wie ich immer wieder darauf hinweist, dass das tägliche Griechenland-an-den-Pranger-stellen keine Lösung ist, handelt sich wüste Beschimpfungen deutscher Leser ein. 
Europa ist mehr als eine Währungsunion, und es ist im höchsten deutschen Interesse, Griechenlands Reformvorschlägen eine Chance zu geben statt Europa zu spalten. Man wird sicherlich bessere Kontrollmechanismen und Wege finden müssen, die Griechenland diesmal nicht von der Leine lassen. Aber wir müssen aufpassen, dass die nationalistische Büchse der Pandora nicht geöffnet wird - mit unabsehbaren Folgen für Deutschland und Europa. 



Montag, 6. Juli 2015

Griechenland am Pranger ist keine Lösung

Alles was man den Griechen derzeit vorwirft, ist irgendwo richtig. Trotzdem stört mich diese teutonische Einhelligkeit gegen dieses Land, so wie mich stört, dass lediglich die "Linke" die griechische Position verteidigt. Der Rest liest sich immer mehr, als ob Deutschland von der AfD dominiert wird. Erschreckend sind die zahlreichen Stammtischparolen, die man in den sozialen Netzwerken und den Leserbriefen aller Medien lesen kann. Immer mehr wird Europa selbst beschädigt. Über das Vehikel "Unsere Steuermilliarden" wird immer stärker ein monetärer Nationalismus forciert, der langsam aus dem Ruder gerät. Bei Subventionen und staatlicher Verschwendung habe ich nie einen solchen Aufschrei erlebt.
Das Problem ist wohl, dass in Deutschland die lange einflusslosen und teilweise selbst ernannten Ökonomen in Wissenschaft, Politik und manch unkritischer Journalismus plötzlich die Meinungshoheit übernommen haben. Schon interessant, dass renommierte amerikanische Ökonomen wie Paul Krugman und Joseph Stiglitz eine Austerity-Politik in Griechenland für das falsche Rezept halten.

Deutschland hat Erfahrung damit. Erinnern wir uns: Die Schuldenlast aus den Reparationsdiktaten des Versailler Vertrages erdrückten die Weimarer Republik. Die unerbittliche Sparpolitik von Heinrich Brüning, dem letzten demokratischen Reichskanzler der Weimarer Republik, trieb immer mehr Bürger in die Arme extremer Parteien. Siehe Wikipedia: (Brüning)..." gilt als der „Hungerkanzler“, der mit seiner die Not verschärfenden und kontraproduktiven Spar- und Deflationspolitik die Weltwirtschaftskrise verstärkte und mit seinem Notverordnungsregime die Demokratie aushöhlte." Die Krise führte dazu, dass Deutschland die Reparationsverpflichtungen faktisch erlassen wurden, aber es war zu spät. Jetzt profitierte davon Hitler. Zu spät hatten die Siegermächte erkannt, welche Folgen der Versailler Vertrag ökonomisch und politisch hatte.

Die deutsche Perspektive wird heute allzusehr dominiert von unserer guten Wirtschaftslage. Wir sind zwar Exportweltmeister und haben einen Leistungsbilanzüberschuss von 280 Milliarden Euro. Nur: unser Überschuss ist die Verschuldung anderer Länder, die wir täglich an den Pranger stellen. Unser Haushalt ist ausgeglichen, aber nicht weil die Bundesregierung gespart hat, sondern vor allem weil wir die politisch motivierten Niedrig-Zinsen zur Umfinanzierung unserer Schulden genutzt haben. Man schätzt die Einsparung auf über 100 Milliarden Euro.
In Deutschland gibt es den Finanzausgleich zwischen reichen und armen Bundesländern. Auch wenn finanzstarke Bundesländer wie Bayern und Hessen diesen Transfer immer wieder in Frage stellen, am Ende hat dieser Finanzausgleich Stabilität in unser Land gebracht. Wir müssen akzeptieren, dass Umverteilung auch in Europa ihren Sinn hat. Stabilität in Europa ist das wichtigste Ziel.
Weder das griechische Volk noch die jetzige Regierung können für die Fehler der Vergangenheit verantwortlich gemacht werden. Und diese Fehler haben nicht nur einen griechischen Ursprung. Die bestehenden EU-Verträge wurden schon viele Male gebrochen, auch von deutschen Bundeskanzlern.
Griechenland jeden Tag an den Pranger zu stellen ist keine Lösung. Griechenland braucht einen Schuldenschnitt, den Europa und besonders Deutschland aus übergeordneten politischen Gründen aushalten müssen. Wenn kein Geld mehr nach Athen fliesst, ist die Rückzahlung der Schulden ohnehin nicht mehr möglich. Weitere Zahlungen müssen aber in einen Programm münden, das nicht nur die Liquidität der Banken sichert, sondern die Neuorganisation der Verwaltung und die Investitionen fördert (Etwa durch Freihandelszonen, die Unternehmen anlocken). Zugleich müsste ein neues, umfassendes Hilfsprogramm für alle EU-Länder aufgelegt werden, nicht nur für Griechenland, in denen die Jugendarbeitslosigkeit unannehmbar hoch ist. Das könnte verhindern, dass weitere Länder dem schlechten Beispiel Griechenlands folgen. Europa ist wichtiger als ein Grexit.

Donnerstag, 2. Juli 2015

Nobelpreisträger Joseph Stiglitz attackiert die EU - ein bemerkenswerter Kommentar

Heute im Handelsblatt. HIER der Link.

Zitat:" Es geht hier nicht nur um das Geld. Es geht darum, Griechenland mit gesetzten Fristen zur Kapitulation und zur Akzeptanz des Unannehmbaren zu zwingen."

Montag, 29. Juni 2015

Die Welt in Unordnung

Unsere Welt gerät immer mehr in Unordnung, und das ist beunruhigend. Der IS breitet sich immer weiter aus, seine Mordanschläge kommen Deutschland immer näher. Die europäische Union erlebt mit der Pleite Griechenlands und dem drohenden Austritt Großbritanniens ihre größte Zerreißprobe. Aus dem Waffenstillstand in der Ukraine ist wieder ein von Russland geschürter offener Krieg geworden, der durch das derzeitige Wegschauen nichts an Brisanz verliert. Die Sanktionen bringen Russland in Schwierigkeiten, sie machen dieses Land aber auch noch unberechenbarer. Einige osteuropäische Länder (Bulgarien, Kosovo) werden offenbar von der Mafia regiert, oder fallen in einen längst überwunden geglaubten Nationalismus zurück (Ungarn). Das Friedensprojekt Europa droht an den zunehmenden Egoismen einzelner Mitgliedsländern und seiner Bürgerferne zu scheitern. In Nordkorea zündeln irre Machthaber permanent mit Atomraketen herum.
Was ist bloß los in der Welt?
Wir erleben eine zunehmende Spannung im internationalen Werteverständnis. Die normativen Vorstellungen von gut und böse, von richtig und falsch, von vernünftig und unvernünftig, sind nicht mehr kongruent. Vielleicht waren sie das auch nie. Aber mit der Gründung der Vereinten Nationen im Juni 1945 haben immerhin viele Staaten ein gemeinsames Fundament für ein Völkerrecht geschaffen, das ein friedliches Zusammenleben als oberstes Ziel hat. In der Präambel der Charta heisst es:

Wir, die Völker der Vereinten Nationen - fest entschlossen, künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die zweimal zu unseren Lebzeiten unsagbares Leid über die Menschheit gebracht hat,unseren Glauben an die Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der menschlichen Persönlichkeit, an die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie von allen Nationen, ob groß oder klein, erneut zu bekräftigen, Bedingungen zu schaffen, unter denen Gerechtigkeit und die Achtung vor den Verpflichtungen aus Verträgen und anderen Quellen des Völkerrechts gewahrt werden können, den sozialen Fortschritt und einen besseren Lebensstandard in größerer Freiheit zu fördern, und für diese Zwecke Duldsamkeit zu üben und als gute Nachbarn in Frieden miteinander zu leben...

Seitdem hat es viele sinnlose Kriege gegeben, und selbst das Ende des Kalten Krieges gilt heute nur als erfreuliche Zwischenstation in einer Geschichte fortwährender schlimmster Auseinandersetzungen, selbst innerhalb Europas. Und seit einigen Jahren kommen nun ganz neue Formen des Krieges auf die Weltbühne: Boko Haram, IS, Al Quaida, Taliban - der Westen steht diesen mit allen Mitteln des Terrors "arbeitenden" Horden macht und ratlos gegenüber.

Weder in Afghanistan noch im Nahen Osten haben sich westliche Militäraktionen trotz technologischer Überlegenheit gelohnt. Und in Nigeria treibt die Boko Haram weiter ihr Unwesen, man fragt sich, warum man mit so einer Horde mordender Landsknechte nicht fertig wird.
Wenn man ein Land wie Tunesien wie geschehen mit zwei Mordanschlägen an den Rand des Abgrunds bringen kann, dann muss befürchtet werden, dass auch andere arabischen Staaten dieser Gefahr ausgesetzt sind. Und dass die IS am Ende ihr Ziel eines Kalifaten-Staates erreicht.
Stefan Aust schreibt heute, dass der Westen nichts machen kann und im Nahen Osten die Araber selbst eine Lösung finden müssen. Schön gesagt, aber wen meint er? Und welche Lösung käme da in Frage?
Entscheidend ist, dass die zivilisierte Welt nicht aufgibt, ihre Werte zu vermitteln, wie sie in der UN-Charta, in den amerikanischen "Bill of Rights" oder im deutschen Grundgesetz angesprochen werden. Es geht um Kommunikation. Mit dem Internet steht dafür das mächtigste Kommunikationsmittel zur Verfügung. Kein Wunder, dass es auch von den Terroristen für ihre Propaganda sehr effektiv genutzt wird. Im Internet erfährt man aber auch alles über die für uns selbstverständlichen Vorzüge einer Demokratie: Bildung, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Eigentum, Religionsfreiheit, soziale Absicherung, Chancengleichheit, Mitbestimmung, Tariffreiheit, Koalitionsfreiheit und vieles mehr. Und: "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Was für ein wunderbarer Satz aus unserem Grundgesetz.
Der größte Erfolg in Afghanistan war schließlich, dass Mädchen wieder zur Schule gehen durften.
Totalitäre Regime haben sich nie dauerhaft gehalten. Sie müssen sich entweder demokratisieren oder gehen unter. Irgendwann streifen unterdrückte Völker ihre Fesseln ab. Die westlichen Demokratien sind nach wie vor das beste Modell für eine friedliche, tolerante Gesellschaft, in der jeder sein Auskommen haben kann. Es geht nicht darum, unser Modell anderen aufzuoktroyieren. Es geht darum, die Werte dieses Modell überall bekannt zu machen.
Hat jemand unser Grundgesetz schon mal auf arabisch übersetzt? Wahrscheinlich schon. Es sollte im ganzen Nahen Osten verteilt werden: Als Beispiel dafür, wie ein totalitärer und zerstörerischer Staat den Weg zurück in eine lebenswerte Demokratie gefunden hat, als Vision, als wünschbare Zukunft, als Hoffnung, als Gegenmodell zu jeder Art von Fundamentalismus, zu allem was sich durch Mord und Totschlag an die Spitze eines Staates hochterrorisiert.



Freitag, 26. Juni 2015

Zum Streit in der Hayek Gesellschaft

Manchmal bemerkt man eine Vereinigung erst, wenn es Streit gibt. Das beste Beispiel ist die Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft. Von ihr hört man seit Jahren nichts und sie hat auch nichts, aber auch gar nichts bewirkt. Im Gegenteil, seit ihrer Gründung hat der schleichende Sozialismus und Interventionismus in Deutschland und Europa massiv zugenommen.
Dabei sind Vorstand, Mitglieder und Medaillenträger recht namhafte Leute, hier die Mitgliederliste laut Wikipedia:

Nun hat die Vorsitzende und ehemalige FAZ-Journalistin Karen Horn in der FAZ gegen Rechtstendenzen und "reaktionäre Unterwanderung" in dem Verein gewettert, die sie zum Beispiel im Umgang mit Minderheiten wittert - siehe HIER (zum runterladen über Dropbox).

Auszug:
"Die Reaktionäre von heute haben dramatisch schlechte Manieren. Wie am Stammtisch werden die Vorurteile gepflegt, dogmatisch zugespitzt und hasserfüllt herausposaunt. An übler Nachrede und Invektiven gegen Keynesianer und Sozialisten ist man gewöhnt, jetzt kommen noch Demokratie, Feminismus, Pluralität, Homosexualität und Atheismus als Feindbilder dazu." 

Darüber wird nun heftig gestritten, und Karen Horn will auch Vorsitzende bleiben.
Mir gefällt diese Attacke. Weniger weil sie gegen möglicherweise "reaktionäre" Mitglieder geht, sondern weil es in dieser Philippika um die Besinnung auf eine grundsätzliche Moral der Toleranz geht. Zeigt dieser Beitrag doch, dass liberales Denken im Sinne Hayeks nicht nur aus Wirtschaftsmechanik besteht: "Anstand und Demut, eine Ethik der Offenheit und Toleranz" verlangt Horn.
Solche Begriffe gehören zur Grundausstattung eines bürgerlichen Liberalismus, bei dem es nicht um rein zweckorientierte Freiheitsregeln und lupenreinen Egoismus geht, sondern um das anständige UND freie Zusammenleben in einer Gesellschaft. Ich verstehe es so: Freiheit funktioniert nur mit Anstand, und wer anständig bleibt, soll auch reich werden können.
Wer die Skandale der letzten Jahre Revue passieren lässt, dem fällt auf, dass hier die eigentlichen Probleme unserer Gesellschaft zu suchen sind. Gier, Intrigen, Intransparenz, Rücksichtslosigkeit gehören zum Alltag. (Wer sagt heute noch "Das tut man nicht"?)

Funktionierender Wettbewerb hat einen moralischen Hintergrund, er dient in erster Linie dem Bürger.  Topmanager bekennen sich öffentlich gern zum Wettbewerb, aber es liegt in der Natur des Unternehmers, Wettbewerb zu bekämpfen. Der deutsche Mitgründer von Paypal, Peter Thiel, hat das ganz offen ausgesprochen, wie Stefan Quandt kürzlich in einer Rede zitiert hat: "Er wirbt dort offen für Monopole: Denn nur die Monopole würden ausreichend Gewinne schaffen, um diese nachfolgend in Lösungen für die großen Probleme unserer Zeit investieren zu können. Unternehmer sollten daher, so der rebellische Rat, "Konkurrenzkampf vermeiden wo es geht".
Genau das wäre der falsche Weg. Wirtschaftspolitisch und moralisch.





Donnerstag, 4. Juni 2015

Blatter

Hat er den Rücktritt eigentlich vor seiner Wiederwahl geplant? Oder sind es die Ermittlungen der amerikanischen Justiz? Die Frage scheint mir noch offen.

Sonntag, 31. Mai 2015

Das Blatter-Phänomen: Die Machtlosigkeit der Medien

Deutschland gegen Blatter.  Und Blatter bleibt ganz locker. Hat sich schon mal jemand gefragt, warum alle Kritik an Blatter abprallt? Vermutlich ist es so: Wenn alle FIFA-Funktionäre korrupt sein sollten, dann würde sich jeder den schönen Neben-Verdienst verderben, der sich gegen Blatter stellt. In jedem Netflix-Thriller hätte der wahrscheinlich ein kleines Notizbüchlein, in dem genau vermerkt ist, wer wann wie viel Bestechungsgeld bekommen hat. Wie gesagt, reine Vermutung. Aber es mutet ziemlich mafiös an, was da vor sich geht. Vermutlich muss erst einmal das FBI mit den NSA-Aufklärungsdaten (da wären sie doch mal sinnvoll)  herausfinden, wer noch alles verstrickt ist, insbesondere, ob der Herr Blatter das Problem oder - wie er uns vermitteln will - die Lösung ist. Nun ist er also problemlos wiedergewählt worden.
Was lernen wir daraus? Das Blatter-Phänomen zeigt uns die zunehmende Machtlosigkeit der vierten Gewalt. Titelgeschichten im SPIEGEL oder anderen Medien stürzen keine Mächtigen mehr vom Sockel. Die zunehmende Fragmentierung und Schnelllebigkeit der Medienwelt, die das Internet ausgelöst hat, unterminiert die Macht der Vierten Gewalt.

Mittwoch, 20. Mai 2015

In memoriam Robert Köhler

Ich habe einen guten Freund verloren. Wie heute vielfach berichtet, hat der langjährige Vorstandsvorsitzende von SGL Carbon, Robert Köhler vorgestern Abend seinen letzten Kampf verloren.
Immer war er ein Kämpfer. Weltweit unterwegs, um "seine" Firma durch Höhen und Tiefen zu lenken. Ich kannte dieses echte bayerische Mannsbild, seit er SGL Carbon als Spin Off von Hoechst an die Börse gebracht hatte. Über 20 Jahre leitete er diesen innovativen Konzern als Vorstandsvorsitzender, bis er 2013 im Streit mit seinen Großaktionären die Führung abgeben musste. Dieser Abgang hat ihn, den dienstältesten M-Dax-Vorstand, sehr verletzt.
Robert Köhler hat mich schon bei seinem ersten Redaktionsbesuch bei CAPITAL kurz nach dem Börsengang beeindruckt. Hochkompetent und visionär erläuterte er Gründe und Ziele des Spin Offs. Gleich war klar, hier stand ein Leader vor uns, damals ein klarer Verfechter des Shareholder Value und zugleich ein äußerst sympathischer Mensch, der seine Emotionen kaum verbergen konnte. Granteln konnte er ebenso wie mit aller Finesse akquirieren.
Politisch war er ein echter CSU-Anhänger, und so klang auch jeder seiner Kommentare zur Politik wie ein Statement von Franz-Josef Strauß.
Ein gutes Essen, ein gutes Glas Rotwein und anschließend eine kubanische Zigarre mit einem Glas bestem Cognac - so habe ich manchmal mit ihm gegessen und die Lebenslust mit großem Vergnügen geteilt. Fußball (München 60 und FC Augsburg) waren seine sportlichen Leidenschaften, aber noch mehr genoss er ein hochklassiges Rugby-Spiel wie das Endspiel England gegen Frankreich. Kampfsport eben, bei dem echte Mannsbilder unterwegs sind. Es ist traurig, dass so einem Mann, der sein Leben lang hart und erfolgreich gearbeitet hat, keine Zeit mehr blieb, die Früchte seiner Arbeit zu genießen. Mein tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau Annette,  die sich bis zu letzt rührend um ihn gekümmert hat.

Dienstag, 19. Mai 2015

So hat Andrea Nahles gelogen

In der FAZ las ich vor kurzem, was Andrea Nahles vier Monate nach Einführung des Mindestlohnes von sich gab:

"Es gab Horrorszenarien von riesigen Arbeitsplatzverlusten. Das Gegenteil ist der Fall“,

Heute meldet die WELT , dass die Einführung des Mindestlohnes etwa 240.000 Minijobs gekostet hat. Das sind Studenten, die sich ihr Studium finanzierten und Rentner, die ihre schmale Rente aufbessern wollten. Ich sage voraus, dass sich diese Zahl noch verdoppeln wird. Die Statistik der nicht eingestellten Praktikanten steht noch aus.

Andrea Nahles ist für mich die dümmste Arbeitsministerin, die Deutschland je gehabt hat. Aber sie trägt natürlich nicht die alleinige Schuld. Der Mindestlohn in seiner gesamten Ausprägung wurde von der Großen Koalition beschlossen, die kein politisches Korrektiv mehr hat. Zwei große Parteien haben sich auf Kosten einer schwachen Minderheit profiliert.

Die Auswirkungen auf Minijobs und Praktikanten müssen schnellstens zurückgeschraubt werden.

Sonntag, 17. Mai 2015

Die FDP muss wieder in den Bundestag

Mein langjähriger Kollege Dr. Friedrich Thelen, hat in einem bemerkenswerten Kommentar beschrieben, wie jung er den Bundesparteitag der FDP erlebt hat, siehe hier. Thelen verkehrt seit Jahrzehnten in den innnersten Zirkeln der FDP. Er kennt die alte, und nun auch die junge FDP-Führungsriege.
Der mit eindrucksvoller Mehrheit wiedergewählte Parteivorsitzender Christian Lindner hat die FDP nun schon in zwei Parlamente zurückgeholt - mit Mut, jungen, selbstbewussten Frauen und flammenden Reden. Die Rede von Lindner finden Sie hier.
Welche Lücke in der Parteienlandschaft kann die FDP ausfüllen?
Der heutige Beitrag von Karen Horn in der Frankfurter Allgemeinen am Sonntag, hilft hier überhaupt nicht. Karen Horn warnt die FDP auf einer ganzen Seite vor der  Vereinnahmung durch Rechtspopulisten und "Nationalkonservative". Als ob das die Hauptaufgabe der FDP wäre. Ein Ruf aus dem Elfenbeinturm, in dem sie sich inzwischen als Dozentin vergraben hat. Ordnungspolitik, ja, ich bin auch ein Fan davon. Aber Bürger gewinnt man damit nicht.
Viel wichtiger sind die Worte, die Christian Lindner in den Raum gerufen hat. Sinngemäß geht es um vor allem um die Gängelung des Bürgers. Der Staat dient nicht mehr dem Bürger, sondern der Bürger hat immer mehr dem Staat zu dienen. Jeder Unternehmensgründer bekommt das zu spüren, besonders wenn er mal scheitert. Deswegen ist Lindners Wutrede so gut angekommen und millionenfach im Internet weiter verbreitet worden. Andere haben Silicon Valley, Deutschland hat Andrea Nahles - ja genau so ist es.
Individualität, Kreativität, Spontaneität werden durch überbordende Bürokratie und immer mehr Überwachung eingeschnürt. Beispiel Steuern: Alle reden über NSA und Datenschutz, nur der Steuerbereich ist vom Datenschutz ausgenommen. Wer wie der frühere Postchef Zumwinkel vor laufenden Kameras abgeführt wird, ist Opfer eines staatlichen Datenverrats. Das Bankgeheimnis ist perdu, der Datenklau gesellschaftsfähig. Der Staat greift sämtliche Daten ab, an die er kommt. Geklaute Steuer-CDs werden für Millionen angekauft, Recht wird gebrochen. Klar, Steuerhinterzieher müssen zur Rechenschaft gezogen werden, aber deswegen muss nicht das ganze Land verdächtigt werden.
Worum es geht, hat die Dokumentationspflicht der Einhaltung von Mindestlöhnen der Andreas Nahles gezeigt: Die Umkehr der Beweislast. Bürger und Unternehmer müssen immer mehr beweisen, dass sie Gesetze einhalten.
Gestern fand ich vor meinem Haus an meinem Auto einen Strafzettel, obwohl ich den gelben Anwohnerparkausweis ins Fenster gelegt hatte. Der war allerdings etwas verrutscht, so dass man die Autonummer nicht lesen konnte. Ich stellte die Dame vom Ordnungsamt zur Rede. Sie berief sich auf eine Anweisung: Wenn man die Autonummer nicht lesen kann, gibt es einen Strafzettel. Formal ist das ja in Ordnung, aber gibt es hier keinen Ermessensspielraum? "Was meinen Sie, was wir hier alles erleben", sagte die Frau und verwies auf erlebte Mißbrauchsversuche.
Da liegt der Hase im Pfeffer: Je mehr Druck der Staat ausübt, desto mehr Umgehungsversuche gibt es. Dem Bürger wird kein Anstand mehr zugetraut, weil es so viele Unanständige gibt.
Die Lücke, die die FDP ausfüllen kann, heißt ganz klar: Den mündigen Bürger wieder in den Mittelpunkt der Politik zu stellen, ohne den Staat in Frage zu stellen. Räume für Freiheit zurück zu gewinnen, und Bürgerrechte wieder zu stärken. Den Respekt der Behörden vor dem Bürger wieder herzustellen. Verantwortung zu stärken, statt Kontrollen immer weiter auszubauen. Unternehmertum zu fördern statt Unternehmer zu gängeln. Gründern neue Chancen zu geben statt ihr Scheitern zu stigmatisieren. Euro, Grexit, damit sollen sich die großen Parteien herumschlagen. Die FDP muss sich vorrangig um die Bürgerrechte kümmern.


Dienstag, 28. April 2015

Deutsche Familienunternehmer sind Oligarchen - meint Spiegel-Online Kolumnist Wolfgang Münchau. Spinnt der?

Seit gestern kann man in Spiegel Online eine Kolumne von Wolfgang Münchau lesen, die mich wirklich ärgert. Bislang hielt ich Münchau für einen unbequemen, intelligenten Journalisten. Seine ökonomischen Kolumnen in der FTD Deutschland waren umstritten, aber stets gut begründet.
Jatzt hat sich Münchau die Reichen vorgeknöpft. Er möchte aufräumen mit dem guten Image, das Familienunternehmer in der Regel haben, auch in der Bevölkerung. Damit am Schluss auch diese Unternehmer richtig zur Erbschaftskasse gebeten werden, denn die Pläne von Bundesfinanzminister Schäuble gehen ihm "nicht weit genug". 

Im Vorspann heisst es: "Wir regen uns gern über russische oder ukrainische Oligarchen auf. Und tun so, als hätten wir solche Oligarchen in Deutschland nicht. Dabei nennen wir sie nur anders: Familienunternehmen." 
Und dann heisst es später:
"Würden talentierte junge Menschen mit Tatendrang ihre Jugend in einer Familienfirma vergeuden, in der sie sich über Jahrzehnte hochschleimen müssen - und in der man zudem den richtigen Nachnamen haben muss, um Chef zu werden?"
Sie spinnen wohl, Herr Münchau!

Deutschlands Familienunternehmer mit russischen Milliardären/Oligarchen zu vergleichen, die ihr Vermögen für niemanden nachvollziehbar aus staatlichen Firmen gezogen haben, ist ehrverletzend. Tatsächlich ist es so, dass man in Deutschland reich werden kann, wenn man eine erfolgreiche Firma gründet. Und das ist gut so. Schon jetzt sind zu viele Konzerne in der Hand ausländischer Investoren, denen der Standort und die Arbeitsplätze ziemlich gleichgültig sind, Hauptsache, die Anteile lassen sich mit Gewinn weiter verkaufen. Familienunternehmen sind der Wirtschaftsmotor Deutschlands, um den uns viele Länder beneiden. Der deutsche Maschinenbau etwa besteht zu großen Teilen aus Familienunternehmen. In Bonn sammelt Professor Hermann Simon seit Jahren Daten von "Hidden Champions", von denen nicht wenige Weltmarktführer sind. Die Entstehung großer Marken dokumentiert Florian Langenscheidt seit Jahren in seinem "Markenlexikon": Auch hier sind stehen oft Familienunternehmer wie Alfred Ritter oder  Claus Hipp hinter Marken, die jedes Kind kennt. 
Auch Konzerne wie VW oder BMW, die mehrheitlich familiengeführt sind, sind gut gefahren. Gerade die Beschäftigten fühlen sich in Familien weit sicherer als in den Händen schnellebiger Finanzinvestoren oder fondsabhängiger Konzerne. 



Dienstag, 14. April 2015

Keiner mag die Reichen, aber jeder möchte reich sein

Ja, es gibt Reichtum in Deutschland, ja sogar "schwerreiche" Deutsche. Auf die Frage "wie wird man reich?" antwortete kürzlich der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Family Office, Thomas Rüschen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: "Wer reich werden will, muss Unternehmer werden." In der Tat: Die großen und größten Vermögen stammen weit überwiegend aus unternehmerischer Tätigkeit. Und damit sind weniger die gut verdienenden Manager großer Konzerne gemeint, sondern selbst haftende Familienunternehmer wie der Schraubenfabrikant Würth, die Einzelhändler Schwarz (Lidl) und Rossmann, die Aldi-Familie, der Gebäudereiniger Wisser oder der unbekannte Maschinenbauer aus dem Westfälischen.
Profi-Fußballspieler stecken ihr Geld in teure Autos und die Frauen an ihrer Seite, am Ende der Karriere bleibt meist nicht viel übrig. Von Lottogewinnern hört man auch nicht viel, die meisten verpulvern ihr plötzliches Vermögen recht schnell. Die Geissens präsentieren sich in RTL genauso, wie sich das Volk Reiche vorstellt: Protzig, dem Luxus verfallen und immer braun gebrannt. Aber die meisten Reichen entsprechen nicht diesen Mustern.
Familienunternehmer stecken - teils über Generationen hinweg - ihre Erträge in ihr Unternehmen. Sie sind ihren Mitarbeitern meist enger verbunden als Konzerne. Sie stellen eher ein und entlassen seltener. Sie stehen für Kontinuität. Sie protzen nicht, sondern sind eher bescheiden. Sie wollen nicht noch reicher werden, sondern das Vermögen erhalten, auch im Interesse der Firma, für die sie persönlich haften. In ihrem regionalen Umfeld sind Leute wie Rossmann durchaus angesehen. Im Verband der Familienunternehmen gibt die vorsitzende Unternehmerin Marie-Christine Ostermann ein gutes Bild ab. Sie schlägt sich wacker in jeder Talkshow.
Dennoch: Warum gönnen ihnen die meisten Deutschen den Reichtum nicht? Viele können sich nicht vorstellen, dass Reiche auf ehrliche Weise zu soviel Geld kommen. Ja, es gibt auch Menschen, die mit kriminellen Mitteln reich werden wollen. Aber das ist in Deutschland doch eher die Ausnahme. So etwas wie Oligarchen - Milliardären, bei denen man sich nicht vorstellen kann, wie sie in kurzer Zeit reich geworden sind - gibt es hier nicht.
Selbst ein typischer Neureicher wie Carsten Maschmeyer ist unternehmerisch reich geworden - durch Aufbau und Verkauf der Finanzberatung AWD. Man kann darüber streiten, wie er gerade in den Anfängen mit einem umstrittenen Strukturvertrieb Geld verdient hat. Aber er hat das Unternehmen immer weiter verbessert und sein Geld auf legale Weise verdient. Wenn man sich die Karrieren der Samwer-Brüder und anderer Internet-Unternehmer ansieht, dann ist klar, dass vielen Startup-Unternehmern das ganz große Geld vorschwebt. Sie wollen reich werden, und manche schaffen es auch. Keiner mag die Reichen, aber jeder möchte reich sein.
Die Liste der Reichen im Manager Magazin bringt manchen auf dumme Gedanken. Kein einziger Reicher auf dieser Liste wird die Zahlen dementieren oder korrigieren, weder nach oben noch nach unten. Das macht es so einfach, solche Listen unangefochten zu veröffentlichen. Die Methoden der Ermittlung sind fragwürdig, denn die meisten Reichen sind eben nicht an der Börse.
Die meisten Menschen mit großen Vermögen haben Stiftungen gegründet, wo ein Teil ihres Vermögens für gemeinnützige Zwecke eingebracht wird.
Was wäre Deutschland ohne seine Reichen, seine Mäzene, seine Unternehmer, seine Weltmarktführer? Was wäre BMW ohne die Quandts, Volkswagen ohne die Porsches und Oetker ohne die Oetkers? Vermögende Familien sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft, ja unserer Kultur. Solange sie ihren Verpflichtungen nachkommen, ihre Steuern zahlen und nicht mit ihrem Reichtum protzen, sollten sie uns willkommen sein. Mir sind sie hier lieber als in St. Tropez oder auf den Bahamas.

Montag, 30. März 2015

News Wettbewerb auf dem Smartphone: Zuviel des Guten

Heute erfahre ich wieder viel Neues.

klingel - Focus vor 42 Minuten;                    Helmut Dietl ist tot.
klingel - Huffpost vor 41 Minuten:               Helmut Dietl ist tot.
klingel - Spiegel Online vor 30 Minuten:     Helmut Dietl ist tot.
klinhel - FAZ.net vor 23 Minuten:                Helmut Dietl ist tot.

Wenn ich jetzt noch den anderen Portalen erlauben würde, mir News zu senden, könnte man das unendlich ausbauen.
Nachrichten sind ein homogenes Gut, wie der Volkswirt sagt: Der Stoff ist derselbe, und außerdem kriegt man es überall kostenlos. Also warum muss nun jeder mit einer Push-Meldung zeigen, dass er diese Nachricht hat? Naja, der Newsroom ist eben das Herz jeder modernen Redaktion von heute.

Irgendwie arbeiten die meisten Medien so, als ob man nur sie liest. Der digitale Konsument von heute beschränkt sich aber nicht wie der klassische Zeitungsabonnent auf ein Medium (plus Fernsehen), sondern zappt mit Smartphone, Ipad oder PC überall herum. Er bleibt dort hängen, wo er Neues findet. Er liebt Geschwindigkeit, vergleicht Preise und ist ziemlich gut informiert.
Der Versuch, diesen Konsumenten für Inhalte zahlen zu lassen ist mutig, aber ziemlich aussichtslos, auch wenn die Verlage gewisse Erfolge melden. Am ehesten funktionieren wohl noch Abos für ein paar Euros, aber kein Mensch will ernsthaft für einzelne Artikel zahlen, selbst wenn die ganz exklusiv sind. Ich habe "BILDplus" nach einem dreimonatigen Versuch wieder abbestellt. Mein Smartphone hatte eine BILD-App aus dieser Zeit, aber wenn ich die angeklickt habe, wurde ich aufgefordert, wieder BILDplus zu abonnieren, wenn ich mehr lesen möchte. Die App habe ich schließlich auch entfernt.
Oder nehmen wir das Handelsblatt, das mir auf vielen Kanälen entgegenkommt. Ich bin Abonnent der Printausgabe, dann habe ich eine App von HB Online, und eine von Handelsblatt Live. Und jetzt habe ich mir noch den "Digitalpass Business" aufschwatzen lassen. Für die verschiedenen Leistungen hat man dann verschiedene Abonummern, die dann beim Bezahlen verwechselt werden. Ganz offensichtlich hinkt der Abwicklungsprozess dem Absatz der neuen Produkte hinterher. Statt das Angebot rund um den Abonnenten zu stricken, wird dieser von diversen Seiten crossmedial mit Rechnungen, Mahnungen, Werbebriefen und "Morning-Briefings" zugespült. Inzwischen weiß ich gar nicht mehr, wozu ich den Digitalpass Business überhaupt brauche.

Bei Spiegel Online fällt mir auf, dass diese Redaktion mit über 50 Mitarbeitern hauptsächlich von Reuters-Nachrichten lebt (die dann als Newsfeed auch noch mal weiter gegeben werden). Nachts gibt es praktisch keine neuen Nachrichten mehr, obwohl sich ja die ganze Welt weiter dreht. Recherchieren die eigentlich noch eigene Geschichten?
Immerhin: Neu ist, das der Spiegel seine Leser zum Spiegel befragt. Der brillante Reporter Cordt Schnibben hat diese Aufgabe übernommen und in der aktuellen Printausgabe auszugsweise Leserkritik von über 1000 Teilnehmern veröffentlicht.
Der Weg ist richtig: Mit dem Medium Internet wird es möglich. den Lesen interaktiv einzubinden, ihm zu folgen und um ihn herum Dienste zu stricken. Das darf aber keine Einbahnstraße sein. Der Zielkunde darf nicht zur Zielscheibe des gesamten Verlages werden, in dem jede Abteilung sich auf den Kunden stürzt. Da ist mehr Mitmach-Phantasie gefragt, mehr Service und vor allem mehr Kundennutzen. Corssmediales Denken ist angesagt, ja, aber nicht crossmediales Chaos.