Dienstag, 27. Januar 2015

Mittelstandsfeind Andrea Nahles

Ich verstehe, dass Andrea Nahles mit Unternehmern nichts am Hut hat. Aber was diese Dame dem Mittelstand zumutet ist skandalös. Es ist schon bizarr, dass der wichtigste Vertreter des Mittelstands der CDU, Michael Fuchs erst nach der Verabschiedung des Gesetzes zum Mindestlohn darauf kommt, dass es eine Dokumentationspflicht für einen Großteil des Mittelstandes gibt. Auch ich erhielt vor kurzem die Nachricht, dass ich die Stundenzeiten meiner Mitarbeiter minutiös aufschreiben muss, um zu beweisen, dass ich den Mindestlohn zahle (was ich tue!).
Das ist doch wirklich skandalös. Wer ein kleines Unternehmen führt, weiß, was solche Erfassungen an zusätzlicher Arbeit bewirken. Es ist ein fataler Grundsatz der Beamten, die diese Gesetze entwerfen, das sie die Beweislast ganz einfach umdrehen: Man muss ständig beweisen, dass man das Gesetz einhält. Die Beamten im Arbeitsministerium, die sich so etwas ausdenken, haben keinen Respekt vor Unternehmern, die Arbeitsplätze schaffen. Sie sind unkündbar.
Ein zweites Beispiel kam mir heute ins Haus. Ich wusste nicht, dass Geschenke an Geschäftspartner neuerdings mit einer Pauschalsteuer von 30 Prozent belegt werden.
Und zwar ohne Freigrenze. Ich hatte meinen Kunden ein bescheidenes Weihnachtsgeschenk im Wert von etwa 30 Euro zugesendet. Und darauf zahle ich jetzt zusätzlich zehn Euro Steuer!
Wir erleben hier durch übereifrige Beamte entfesselte Finanzämter, die angesichts der Medienzustimmung gegen die zugegebenermaßen zuvielen Steuerhinterzieher nunmehr siegesgewiss alles abkassieren, was irgendwie abkassiert werden kann. Diese Finanzbeamten und vor allem die verantwortlichen Politiker vergessen, wer sie bezahlt. Wir sind das Volk!


Sonntag, 25. Januar 2015

Griechenland-Wahl: Alles halb so wild. Wenn der Euro "weich wie Joghurt" wird, ist er verdaulicher - für alle.

Die Griechenlandwahlen werden hierzulande dramatisiert, also ob der Untergang des Abendlandes bevorsteht. Ich sehe das alles entspannter. Denn den Griechen muss geholfen werden, egal wer regiert. Hierzu einige Gedanken.

Mein lieber Kollege Roland Tichy hat heute in seiner unnachahmlichen, zugespitzten Art eine neue Kolumne in der BILD am Sonntag veröffentlicht. Die BamS erreicht 8,8 Millionen Leserinnen und Leser - was für ein Forum! Dazu kann ich ihn nur beglückwünschen. Ich bin sicher dass viele Leser seine These zustimmend aufsaugen: " Der Euro wird weich wie ein Joghurt". Peter Gauweiler und Olaf Henkel werden sicher Beifall klatschen.

Joghurt klingt griechisch, ein einleuchtendes Bild - auf den ersten Blick. Joghurt ist allerdings auch ein ziemlich gesundes Lebensmittel, das insbesondere die Verdauung fördert. Ich übersetze mal ganz frei: Wenn der Euro "weich wie ein Joghurt" wird, lässt er sich besser verdauen. Und da sind wir ökonomisch beim Gegenteil dessen was Tichy fürchtet.

Die allgemeine mediale Kommentierung der jüngsten EZB-Entscheidung wirkt auf mich ziemlich bizarr: Deutschlands Wirtschaftsjournalisten, gewöhnt an die monetaristische Grundhaltung der Bundesbank - sind offenbar ratlos. Da ist die Rede von einem drohenden "Währungskrieg" und "Abwertungswettlauf". Da ist der Euro schon halb zerbrochen und der deutsche Steuerzahler muss angeblich alles zahlen,was die Griechen anzetteln. Niemand hat auf die Deutschen und ihre Bundesbank gehört, die doch seit Jahren vor Anleihekäufen und den damit angeblich verbundenen Inflationsgefahren warnen. Manches ist richtig, manches halbfalsch, aber alles wird dramatisiert. Typischer Fall von Ratlosigkeit. Wenn man ratlos ist, ist eben die Furcht größer als die Hoffnung. Aber ist diese Schwarzmalerei berechtigt? Ich halte es mit dem früheren Leiter des HWWA-Institutes in Hamburg, Professor Straubhaar: “In der EZB sitzen doch keine Idioten“.

Zunächst einmal: Sowohl die USA als auch Japan haben in ähnlicher Größenordnung Staatsanleihen gekauft und es folgte keine Inflation. Japan ist nicht zusammengebrochen und In den USA konnten die Finanzmärkte stabilisiert werden, es gab keine explodierende Inflation, stattdessen mehr Arbeitsplätze - und heute steht der Dollar glänzend da. Eigentlich müsste er nach dieser Aktion ganz weich geworden sein, richtig? Ist er aber nicht.

Auch im Dollarraum gibt es ganz unterschiedlich starke Wirtschaften. Es gibt arme Schluckspechte unter den Bundesstaaten und reiche Regionen. Der Dollar repräsentiert den Durchschnitt.

Mit dem Euro ist es ähnlich, nur will das in Deutschland keiner glauben. Es war doch klar, dass ein gemeinsamer Euro nicht genauso stark wie die D-Mark sein konnte. Aber was ist schlimm daran? Der Euro lag schon einmal unter der Dollar-Parität. Er war also schon mal „weicher“. Danach ging es mit dem Binnenmarkt aufwärts: Der bekam mit dem Euro einen unglaublichen Wachstumsschub, und es waren die Deutschen, die davon ganz besonders profitiert haben. Denn ihr Export geht zum maßgeblichen Anteil nach Europa. Von 1093 Mrd. Export 2013 gingen 2013 etwa 624 Mrd. in die EU, darunter 402 Mrd. in die Eurozone. Unsere Nachbarländer nahmen die von uns viel kritisierten Schulden auf, um unsere Exportindustrie zu bezahlen. U-Boote nach Griechenland, Autos nach Italien, Maschinen nach Spanien. Alles vom Feinsten made in Germany.

Wir haben in diesen Ländern mit deren staatlichen Subventionen Fabriken gebaut, die Arbeitsplätze geschaffen, die Produktion unserer Autos wettbewerbsfähiger und die Kassen deutscher Konzerne voller gemacht. Mehr noch. Die wirtschaftliche Vormachtstellung der Deutschen führte dazu, dass das Kapital sich aus den kriselnden Ländern in deutsche Bundesanleihen rettete und damit für immer niedrigere Zinsen in Deutschland sorgte. Unser Finanzminister konnte sein Glück kaum fassen: Bundesanleihen mit höheren Zinsen wurden laufend durch immer niedriger verzinsliche Anleihen ersetzt und führten zu Einsparung in einer Größenordnung von mindestens 60, wahrscheinlich sogar über 100 Milliarden Euro. So konnten die Deutschen vermelden, 2014 erstmals ohne bundesstaatliche Neuverschuldung auszukommen. Das alles lag nicht am eisernen Sparkurs der Deutschen, auch nicht an drastischen „Reformen“ wie Lohn- ode Rentenkürzungen oder an Kürzungen von Sozialleistungen, wie es die Troika von Griechenland verlangt. Es lag an der starken deutschen Wirtschaft, die einen Teil des Euro repräsentiert, aber eben nur einen Teil. Es gehören auch schwache Länder dazu, Länder mit ganz anderen Infrastrukturen, lahmender Wirtschaft und unglaublich hoher Jugendarbeitslosigkeit.

Diese Länder können einen zu starken Euro nicht verdauen, er sorgt dafür, dass ihre Produktion gegenüber Drittländern nicht wettbewerbsfähig ist. Die - sicherlich begrenzte - Abwertung des Euro sorgt dafür, dass diese Länder wieder wettbewerbsfähig werden und ihre Menschen wieder in Lohn und Brot bringen können. Bei einem Austritt aus dem Euro entfiele der stabile Rahmen, den die gemeinsame Währung letztlich allen Teilnehmern auf den internationalen Finanzmärkten gibt. Der Euro muss ein Gleichgewicht finden zwischen starken und schwachen Wirtschaften im Binnenmarkt. Das muss Deutschland aushalten können. Wir haben schließlich auch einen Finanzausgleich zwischen armen und reichen Bundesländern. „Bestrafungsaktionen“ haben wir mangels Durchsetzungsfähigkeit nie verlangt. Oder käme jemand ernsthaft auf den Gedanken, Berlin für das Flughafen-Desaster zu bestrafen, etwa so: Berlin muss 25% seines öffentlichen Dienstes entlassen, damit es seine Schulden bezahlen kann?

Und wir haben nach der Wiedervereinigung unvorstellbare Summen in die neuen Bundesländer investiert. Starke helfen den Schwachen, das Prinzip muss auch für Europa gelten. Wenn der Euro „weich wie Joghurt" wird, ist er für alle verdaulich. Dass dazu auch Reformen gehören müssen, hat übrigens auch EZB-Chef Mario Draghi bei der Vorstellung seines Anleihekaufprogramme ausdrücklich betont. Es geht drum, Europa und den Binnenmarkt als einen gemeinsamen Markt zusammenzuhalten. Wer einzelne Länder herausprügeln will, spaltet diese große Idee. Denn Europa ist mehr als ein bilanztechnisches Institut. Europa ist ein politischer Raum, dessen Hauptziel die Sicherung des Friedens in einem lebendigen Wirtschaftsraum unterschiedlicher Ausprägungen und Kulturen ist.

Freitag, 23. Januar 2015

"In der EZB sitzen keine Idioten"

Unbedingt lesen, diesen heute in welt online erschienenen erhellenden Beitrag von Professor Straubhaar zur massiven Kritik an den EZB-Beschlüssen:

http://www.welt.de/wirtschaft/article136701644/Liebe-Deutsche-in-der-EZB-sitzen-keine-Idioten.html

Donnerstag, 22. Januar 2015

Warum wir Griechenland helfen müssen und die EZB das Richtige tut

Den folgenden Kommentar - hier mit kleinen Ergänzungen - habe ich am 18.Januar in "Tichy´s Einblick" veröffentlicht. Es gab wütende Reaktionen, doch inzwischen tauchen sehr gute Kommentare auf, die meine These unterstützen. So Jeffrey Sachs im Guardian, siehe hier, oder auch Spiegel online, siehe hier


Alle Welt schimpft auf die Griechen. Sie haben sich mit falschen Statistiken in die Eurozone eingeschlichen, sie haben Strukturreformen verschlafen, sie haben Tausenden von Verstorbenen weiter Rente gezahlt und so weiter. Die Staatsverschuldung ist seit 2014 ist von 183 auf 316 Milliarden Euro gestiegen. Griechenland wird seine Schulden niemals zurückzahlen können, zumal die Kapitalmärkte dem Land Liquidität entzogen haben.

Ja, das ist alles richtig. Aber richtig ist auch, dass die Arbeitslosenquote bei über 25 Prozent liegt, die Jugendarbeitslosigkeit (November 2014) sogar bei 50 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland sind nur 7,4 Prozent der 15-24jährigen ohne Arbeit. Was wäre bei uns los, wenn wir vergleichbare Zahlen hätten? Wir können die Griechen mit ihren Nöten nicht allein lassen.

Klar, die Griechen haben sich das im Großen und Ganzen selbst eingebrockt. Aber sie werden aus ihrer Misere niemals herauskommen, wenn man ihnen nicht einen Teil ihrer Schulden erlässt oder wenigstens die Rückzahlung der Schulden für einige Jahre aussetzt. Wenn in einem Land unvorstellbare 50 Prozent der jungen Leute keine Stelle finden, (übrigens auch in Spanien, wo die Jugendarbeitslosigkeit sogar bei 53,5 % liegt), ist die halbe Jugend ohne Perspektive.

Viele Besitzer griechischer Anleihen, darunter viele Banken, kassieren von Griechenland angenehm hohe Renditen von 5% und mehr, weil sie gnadenlos darauf spekulieren, dass Europa für die griechischen Schulden haftet, wenn Griechenland zahlungsunfähig wird. Das Lamentieren deutscher Ökonomen stört sie da wenig. Und genau das will ja auch der viel kritisierte EZB-Präsident Mario Draghi, wenn er demnächst Anleihekäufe durch die EZB startet, wie andere Notenbanken (USA, GB) das längst mit Erfolg praktiziert haben: Zunächst kauft die EZB den Gläubigern griechische Anleihen ab, die neue Linksregierung kann dann gleich ein Moratorium beschließen, also die Aussetzung der Rückzahlung, und die EZB kann dann als Gläubiger Griechenland einige Schulden erlassen – Höhe noch ungewiss.

Griechenland muss nicht aus dem Euro austreten (nach einem Austritt wäre die Schuldenlast durch eine abgewertete Währung noch viel größer). Und es wäre die erste wirkliche Chance auf einen Neustart. Ich denke, wir müssen in diesen sauren Apfel beißen. Aber wir brauchen ergänzende politische Maßnahmen.
Verbunden damit könnte beispielsweise die Auflage eines kolossales Finanzierungsprogramms zum Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit in der Eurozone sein (in der es übrigens nur 3 Länder mit weniger als 10 Prozent Jugendarbeitslosigkeit gibt). Denn die größte Gefahr besteht darin, dass nach Griechenland weitere Länder einen Schuldenerlass verlangen. Durch ein aktive wirtschaftspolitische Unterstützung könnte unterhalb eines weiteren Schuldenerlasses politisch gegensteuern. Es kann in den Armenhäusern Europas nicht nur ums Sparen gehen, es muss auch investiert werden: In Infrastruktur, vielleicht in Freihandelszonen, vor allem aber in Ausbildung.
Wenn Europa zusammenwachsen soll, und das wird in diesen Zeiten immer wichtiger, dann werden die reichen Länder wie Deutschland etwas abgeben müssen.

Ich habe auf die Kritiker folgendes geantwortet:

Hallo an alle Diskutanten meines provokanten Vorschlags!

Ich entnehme fast allen Stellungnahmen eine große Wut auf die wirtschafts-und finanzpolitischen Verfehlungen Griechenland? Warum bloß sollen wir dafür auch noch zahlen? In meinem Kommentar habe ich das nicht verschwiegen. Ich verstehe das, aber es bleibt die Tatsache, dass die Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland und Spanien über 50 Prozent liegt. Jeder zweite 15-24jährige hat dort keine Arbeit, keinen Ausbildungsplatz, keine Perspektive. Ich finde es unverantwortlich, darauf mit “selbst schuld” zu reagieren. Die Jugend ist daran jedenfalls nicht schuld. Kein einziger Kommentar hier macht Vorschläge, wie wir dieser ungeheuren Perspektivlosigkeit begegnen können, wie wir als Deutsche helfen können. Gerne auch anders als ich vorschlage, aber bitte konstruktiv. Der Stammtisch ist hier nicht angebracht.
Deutschlands Sparer haben derzeit über 5000 Milliarden Euro auf der hohen Kante. Ich kann Sie beruhigen: Sie müssen davon keinen Cent abgeben, wenn die EZB griechische und andere Anleihen kauft. Vielmehr wird diese Aktion den Südeuropäern Luft verschaffen, Banken retten, soziale Unruhen verhindern und uns am Ende sogar Vorteile bringen, wenn diese Länder wieder gesundet sind und mehr bei uns einkaufen können.

Der deutsche Steuerzahler wird am Ende entgegen weit verbreiteter Meinung nicht zur Kasse gebeten. Das hat man auch geglaubt, als die amerikanische Regierung im Zuge der Lehman-Pleite den Versicherungskonzern AIG mit 182 Milliarden US-Dollar und weitere Unternehmen wie Fanny Mae gerettet hat. Nach der Rettung wurde alles zurückbezahlt und am Ende machte der Staat sogar einen Gewinn. So sind eben die Amerikaner. Sie packen an und jammern nicht soviel wie wir Deutschen.
Aber nochmal: Mir geht es um die politische Frage des Zusammenwachsens von Europa. um die Vermeidung von Abwärtsspiralen wie der Jugendarbeitslosigkeit in unseren Nachbarländern. Ich will nichts zu tun haben mit antieuropäischen AfDlern oder den Rettern des Abendlandes in Dresden. Deutschland geht es gut, wenn es den Nachbarn gut geht. Wenn die Wirtschaft gemeinsam mit Ländern und Bund und EU umfassende Programme auflegt und finanziert, die helfen, Europas Jugend Arbeit zu verschaffen und vermeiden sie auch, dass Extremisten Jugendliche anwerben können. Wie in meinem Bloghttp://www.brunowsky.de dargestellt, geht es Deutschland über die Maßen gut, vor allem durch unseren erfolgreichen Export. Über 60% unseres Exports gehen in europäische Länder etwa 40% in die Eurozone. Und noch was: 2013 haben wir an Griechenland Waren für 4,7 Milliarden Euro verkauft, nicht viel, aber auch nicht so wenig.

Mittwoch, 21. Januar 2015

Kai Diekmann zählt für BILD unzulässig Online und Printleser zusammen

Heute las ich bei Peter Turi, dass die Printausgabe der Bildzeitung im vierten Quartal 2014 rund neun Prozent an Auflage verloren hat und jetzt bei ca. 2 Millionen liegt. Zur Erinnerung: Es waren schon mal über vier Millionen. Nun twittert Chefredakteur Kai Diekmann (siehe hier), dass die Zahl der Unique User seit 2008 von 1 Million auf 16 Millionen gestiegen ist und Print gemeinsam mit Online die Rekordzahl von 27,4 Millionen Leser erreicht. Hier muss ich etwas Wasser in den Wein gießen. Zum einen macht es aus Werbesicht überhaupt keinen Sinn, Online- und Printleser zusammenzuzählen. Zum andern muss man die Definition von Unique Usern kennen.

In der "Absatzwirtschaft" heißt es dazu.(Siehe hier):
Die Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM) hat nach Aussage ihres Vorsitzenden Uwe Becker zwar Verständnis für die Forderung, die gedruckte und Online-/elektronische Auflage ihrer Medienmarken addiert auszuweisen. Akzeptiert werde sie aus Sicht der Werbekunden aber nicht. Verschiedene Werbeträger könnten nicht einfach zusammengezählt werden. Auflagen müssten auch künftig einzeln erfasst und ausgewiesen werden. Die OWM störe sich dabei an der irreführenden Diskussion, in der die Print-Auflagen und Online-Abos (z.B. Apps) vermischt werden. Eine IVW-Erhebung und Ausweisung von Online-Abos könnte möglich sein, wenn einige Kriterien erfüllt seien. Hierzu zählten erstens, dass das digitale Angebot ein PDF-Dokument sein müsse, ein 1:1-Abbild des Print-Produktes ohne jegliche zusätzliche Bearbeitung oder zusätzliche Features und Services. Zweitens müssten die Preise für das digitale Angebot in einer sinnvollen Relation zum Print-Angebot stehen und drittens habe die Ausweisung von Online beziehungsweise Mobile und Print in getrennten Datensätzen zu erfolgen, die bei Bedarf addiert werden könnten.
Kai Diekmann hat sich ja nun lange in SiliconValley umgesehen, aber er sollte die heimischen Regeln nicht aus dem Auge verlieren.
Vielleicht ist auch dieser Hinweis zur Erfassung von Unique User/visitors in Wikipedia interessant: "Beachten sollte man jedoch, dass der Zeitraum, in dem jeder Besuch nur einmal gezählt wird, stark variieren kann. Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V. (IVW) arbeitet im Rahmen ihres Messverfahrens Skalierbares Zentrales Messsystem (SZM) mit dem nach eigenen Aussagen international standardisierten Wert von 30 Minuten. Der Visit auf einer Website gilt somit als beendet, wenn 30 Minuten lang keine neue Seite mehr abgerufen wurde." Also Unique User können auch zehnmal am Tag die gleiche Seite besuchen und doch zehnmal gezählt werden.

Ich bin regelmäßiger Leser der Bildzeitung. Warum sinkt die Auflage? Sicher auch zum Teil wegen der digitalen Angebote. Aber wer jedes Jahr das RTL-Dschungelcamp wochenlang zum Titelthema macht und uns auf dem Titelblatt eine Schauspielerin zeigt, die in Schafshoden beißt, ist auf ziemlichen Abwegen. Die Bildzeitung war und ist (noch) eine politische Autorität, auch als Boulevardblatt. Das darf Kai Diekmann nicht aufs Spiel setzen. Mir scheint, er schwebt derzeit allzusehr auf einer digitalen Wolke. Angeblich hat Bildplus inzwischen 250 000 Abonnenten. Das ist schön, aber es sind eben nur 12,5 Prozent der Print-Auflage. Ich habe es wieder abbestellt. Jetzt fragt mich meine Bild App jeden Tag, ob ich zu Lesen eines Bild-Artikels Bildplus abonnieren will. Da bleibe ich lieber bei der Printausgabe. Wenn sie endlich das Dschungelcamp rausschmeißt, nach dem Motto: "Ich will hier raus".

Samstag, 17. Januar 2015

Schwarzmalerei, die mir auf den Geist geht

Irgendwie geht mir die  allgemeine Schwarzmalerei auf den Geist.
Wie ist denn die tatsächliche Lage in Deutschland? Die Arbeitslosigkeit liegt mit 2,76 Millionen (6.7%) auf dem niedrigsten Stand seit vielen Jahren. Die Inflationsrate betrug 2014 nur noch 0,9%. Erstmals seit der Wiedervereinigung musste Deutschland keine neuen Schulden aufnehmen. Die Wirtschaft wächst stärker als erwartet mit 1,5%, die deutsche Industrie ist weltweit unglaublich erfolgreich. Die Zinsen sind so niedrig wie nie und entlasten private und öffentliche Schuldner.
Und das alles trotz hoher Steuerbelastung, über 800 Milliarden Sozialausgaben, Bürokratie und "weichem Euro". Je besser es uns geht, desto schwärzer wird die Zukunft gemalt, denn wir Deutschen sind ja eine "Sorgengemeinschaft", so der Philosoph Peter Sloterdijk.
Zukunft muss man gestalten und nicht permanent fürchten. Auch der offenbar bevorstehende Kauf von Anleihen durch die EZB wird keine Katastrophe bringen, sondern Aktienkurse beflügeln, so wie am gestrigen Freitag. Wunderbar!  Und auch eine Pleite Griechenlands wird uns nicht umhauen, Die vielen schlechten Prognosen sind an der Börse längst eingepreist, 2015 wird deshalb vor allem positive Überraschungen bringen.
Leute, lasst die Kirche im Dorf und macht mal ein paar konstruktive Gestaltungsvorschläge für Deutschlands und Europas Zukunft statt gebetsmühlenartig einmal am Tag vor Inflation, Geldvernichtung, Banken- und Staatspleiten zu warnen.
Wir brauchen Programme gegen 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit in Spanien statt destabilisierende Austerity-Diktate für unsere Nachbarn. Es geht uns so gut, dass wir uns um unsere Nachbarn kümmern können und müssen. Aber nicht als Oberlehrer, sondern als Freund und Helfer.

Freitag, 16. Januar 2015

Wie eine deutsche Industrieperle herunterspekuliert wird - ein "Leer"- Stück.

Kapitalismus pur mal an einem praktischen Beispiel vorgeführt:

Die Heidelberger Druckmaschinen AG gehört trotz eine schweren Strukturkrise zu den deutschen Industrieperlen. Der Kurs fällt  seit Mitte letzten Jahres von 2,75 Euro immer weiter, zuletzt auf 1,94 Euro. Und dies obwohl das Maschinenbau-Unternehmen bei seiner Sanierung wohl gut voran kommt, siehe hier
Den Grund habe ich heute bei "Aktiencheck" gesehen: Leerverkäufe von Hedgefonds, die den Kurs nach unten treiben - ein schönes "Leer"-Stück.
  • 2,28% Valinor Management, LLC (14.08.2014)
  • 1,33% Altair Investment Management Limited (12.02.2014)
  • 0,60% Highbridge Capital Management, LLC (19.02.2013)
  • 0,57% Oxford Asset Management (18.08.2014)
  • 0,56% Lazard Asset Management LLC (21.08.2014)
  • 0,50% JPMorgan Asset Management (UK) Ltd (08.01.2015)
  • 0,50% UBS O'Connor Limited (14.01.2015)
Insgesamt halten die Leerverkäufer der großen Hedgefonds laut Aktiencheck derzeit Netto-Leerverkaufspositionen in Höhe von 5,34% der Aktien der Heidelberger Druckmaschinen AG. Wenn das Spiel noch eine Weile weitergeht, kann irgendein Wettbewerber demnächst dieses Unternehmen billig einkaufen - mit US Dollars sogar noch billiger, weil der Euro gefallen ist. Kein Wunder, dass das Verbot von Leerverkäufen immer wieder thematisiert wird.
Das sieht mir schon sehr nach einem abgekarteten Spiel aus...
Was tun? Als Vorstand bleibt nur, sich Verbündete zu suchen, die stark genug sind, die Leerverkäufe ins Leere laufen zu lassen.

Montag, 5. Januar 2015

Warum die FDP noch eine Chance hat

Deutschland ist in einer bipolaren Verfassung. Einerseits geht es uns wirtschaftlich so gut wie noch nie, andererseits gibt es ein weit verbreitetes Unwohlsein, das sich in diversen Ausprägungen manifestiert und durchaus nachvollziehbare  Gründe hat. Lassen wir mal Pegida und AfD beiseite. Es findet sich genügend anderer Stoff. Das Unwohlsein manifestiert sich nicht nur in den von Berthold Kohler heute in der FAZ angeprangerten Hasstiraden im Internet. Wer heute geschäftlich oder privat mit Freiberuflern, Selbstständigen und Unternehmern zu tun hat, stößt auf ein gefährliches Maß an Staatsverdrossenheit. Es geht um Steuerbelastungen, Bürokratie und zum Beispiel darum, wie die Zukunft unserer Kinder verfrühstückt wird. Die Bürger lesen jeden Tag finanzkrisendeutsch, das sie nicht verstehen. Die gesamte Diskussion zum Thema Anleihekäufe durch die EZB, zum Thema Bankenregulierung, zum Thema Ölpreis oder Bankenrettung auf russisch geht am Bürger vorbei, und viele Politiker verstehen auch nicht wirklich, was da los ist. Selbst unter Ökonomen herrscht Ratlosigkeit. 
Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (siehe hier) hat ausgerechnet, dass die große Koalition seit ihrem Start 2013 nicht weniger als 256 Milliarden Euro "verballert" hat. 
  • Rente mit 63: 126 Milliarden Euro
  • Mütterrente: 83 Milliarden Euro
  • EEG-Subventionen: 23,5 Milliarden Euro
  • Mindestlohn: 9,6 Milliarden Euro
  • Kalte Progression: 14 Milliarden Euro
So hoch summieren sich die künftigen Belastungen aus den entsprechenden Koalitionsbeschlüssen. Das ist ein knallharte Belastung künftiger Generationen. Nicht vorstellbar, dass diese Beträge von einer mitregierenden FDP durchgewunken worden wären. 
Es kommen ja noch weitere Kosten auf uns zu: Professor Martin Hellwig, Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern, schätzte die Kosten der Bankenrettung zu Lasten des deutschen Steuerzahlers 2013 auf 65 bis 70 Milliarden Euro (siehe hier ). Und auch wenn Flüchtlinge bei uns willkommen sind und langfristig zur Rentensicherung beitragen, erst einmal werden sie viel Geld kosten, wenn sie einigermaßen anständig unterbracht werden: 155.000 Asylsuchende von Januar bis November 2014 wollen erst einmal versorgt sein. Im nächsten Jahr werden 230.000 Antragsteller erwartet, die Kommunen sind auf diesen Ansturm laut eigenen Aussagen nicht vorbereitet.
Angela Merkel freut sich über den ersten Bundeshaushalt ohne Nettoneuverschuldung. Doch halt, Entwarnung gibt es hier nicht. Denn ihr Finanzminister  kann diesen Haushalt nur hinkriegen, weil die Zinsen so niedrig sind.
"Der Schuldenstand der Bundesrepublik Deutschland betrug am 31. Dezember 2013 genau 2043,7 Mrd. Euro, davon entfallen 1.281 Mrd. Euro auf den Bund, 629 Mrd. Euro auf die Länder und 134 Mrd. Euro auf die Kommunen." (siehe hier:  Wikipedia ).
Rechnen wir mal: Steigen die Zinsen um zwei Prozent, müsste der Staat rund 40 Milliarden Euro jährlich mehr ausgeben. Da nicht alle Anleihen gleichzeitig umgeschuldet werden müssten, würde sich dieser Betrag zwar über Jahre verteilen, aber unausweichlich auf die staatlichen Schuldner zukommen, die sich in den letzten Jahren durch Umschuldung auf niedrige Zinsen schön entlasten konnten. 
Andererseits: Wenn die Zinsen so niedrig bleiben und die Preise sinken,  wirkt das in realen Werten, also nach Abzug der Deflation, schuldentreibend. Während die Inflation den Sparer zugunsten staatlicher Schuldner enteignet, würde eine Deflation  die realen Schulden des Staates erhöhen. Vereinfacht gesprochen: Sinken die Preise um 5 Prozent muss der Staat 5 Prozent mehr für die Rückzahlung seiner Schulden aufbringen. Das wird er sich im Zweifel durch noch höhere Steuern zurückholen. Und vergessen wir nicht, in den zitierten Schuldenzahlen sind nicht die Verpflichtungen aus künftigen Renten- und Pensionsleistungen enthalten.
Wir ahnen: Unsere Kinder werden mit heutigen Beschlüssen in Zukunft zur Kasse gebeten. Die Rente scheint vielen nicht mehr sicher. Immer weniger arbeitsfähige Menschen müssen immer mehr Rentner und Wohlfahrtsempfänger alimentieren. Die Dimensionen, um die es hier politisch und ökonomisch geht, sind so unvorstellbar groß, dass man sich abwenden und sein Geld sofort für schöne Reisen, Häuser und neue Autos ausgeben möchte. Doch wer kann hier gegensteuern? Wo bleiben die Vernunft und das Verantwortungsbewusstein? Die große Koalition ist ein Drama für Deutschland, für das der Vorhang noch nicht aufgezogen worden ist. Es ist die Ruhe vor dem Sturm, in der sich Angela Merkel mit ihren sozialdemokratischen Gesinnungsgenossen sonnt. Irgendwann werden die aufgehäuften Verpflichtungen unser Land in große Schwierigkeiten bringen, es ist nur eine Frage der Zeit. Gegen diese Entwicklung muss es ein liberales Sammelbecken geben, ohne fremdenfeindliche Schweigemarschierer und ohne Rechtsideologen wie die AfD.
Das kann nur gelingen, wenn die FDP wieder in die Verantwortung, und zwar mit ihrem wirtschaftsliberalen Markenkern. Die FDP fehlt an allen Ecken und Enden. Sie muss unbedingt wieder revitalisiert werden, denn sie war und ist immer ein freiheitlicher Eckpfeiler in unserem zunehmend von Verteilungsambitionen gesteuerten Staatswesen gewesen. Die FDP steht für den mündigen Bürger und nicht für staatliche Bevormundung, wie sie sich immer weiter ausbreitet.
Ich bin deshalb vor einigen Wochen aus der CDU aus- und in die FDP eingetreten, nicht um Politiker zu werden, sondern um respektable Leute wie Volker Wissing hier in Rheinland-Pfalz zu unterstützen. 2016 sind hier Landtagswahlen. Vielleicht gelingt hier die Trendwende.