Sonntag, 29. Mai 2016

Ausverkauf nach China?

Am 24.Mai sprang der Kurs der Aixtron-Aktie um 16 Prozent in die Höhe. Was war passiert? Der Aachener Chipanlagenbauer hatte mit dem chinesischen Investmentfonds FGC einen Käufer gefunden. Die chinesische  Firma Fujian Grand Chip Investment wurde als Retter des verlustreichen Highttech Unternehmens gefeiert. Drei Tage später wieder eine Meldung: Der Staatskonzern ChemChina will offenbar den defizitären Graphit-Spezialisten SGL Group kaufen. Die Meldungen lassen aufhorchen. Was geht da vor sich? 
Eine exportorientierte Nation wie Deutschland muss auch offen für ausländische Investoren sein. Was aber, wenn Investoren unser ganzes Know How kaufen, um uns eines Tages überflüssig zu machen? Wenn staatlich finanzierte Fonds wie der chinesische CIC in Deutschland gezielt schwachbrüstige Technologie-Perlen kaufen - weniger aus Renditegründen, sondern schlicht um sich Patente anzueignen?
Seit Jahren drängen immer mehr Staatsfonds als Aktionäre in deutsche Großunternehmen. Dubai, Singapur und vor allem China mit seinem Staatsfonds CIC, der 690 Milliarden US-Dollar in seiner Kasse hat, screenen den deutschen Markt, um attraktive Beteiligungen zu finden. Ähnlich ist seit Jahren der norwegische Staatsfonds Statens pensjonsfond unterwegs, der rund 734 Milliarden Euro aus den Einnahmen des Ölgeschäfts verwaltet. Experten warnen schon lange vor den Risiken eines Missbrauchs der Marktmacht durch staatliche Investoren. 
In der österreichischen Presse lese ich dazu:
"Laut einer Studie des Merics China-Instituts in Berlin lagen chinesische Investitionen in Europa 2014 bei rund 18 Mrd. Euro, nachdem sie Mitte der 2000er-Jahre noch nahezu bei Null gelegen hatten. Zwischen 2000 und 2014 habe es mehr als 1.000 Neugründungen, Fusionen und Übernahmen im Umfang von 46 Mrd. Euro gegeben. Die bisher größten Beispiele für Übernahmen chinesischer Unternehmen in Deutschland sind Lenovos Investition in den deutschen Computer-Hersteller Medion für rund 530 Mio. Euro, die Übernahme des Automobilzulieferers Hilite International durch den Flugzeughersteller AVIC für 473 Mio. Euro im Jahr 2014 sowie die Übernahme des Maschinenbau- und Logistikkonzerns Kion durch Weichai Power für 467 Mio. Euro im Jahr 2012."
Laut Manager Magazin liegen derzeit über 56 Prozent der Dax-Konzerne in den Händen ausländischer Investoren, die auch immer mehr mitreden. Der Druck auf deutsche Konzerne wächst (auch bei den Gehältern und Boni). Die Deutschland AG, das einstige Bollwerk gegen zuviel ausländischen Einfluss,  gibt es schon lange nicht mehr. Jetzt steht die lange Liste der "Hidden Champions", vorwiegend der Maschinenbau,  zur Disposition. Hier dominieren Familien-Unternehmen, die nur dann verkaufen, wenn die Firma anders nicht gerettet werden kann. Bei börsennotierten Aktiengesellschaften sieht die Sache anders aus.
Der entscheidende neue Faktor ist die Digitalisierung unter dem Stichwort Industrie 4.0. Er verlangt von unserer Industrie in den nächsten Jahren ungeheure finanzielle Anstrengungen, wenn  sie sich auf den Weltmärkten behaupten wollen. Da sind ausländische Investoren zunehmend gefragt. Unsere Banken beteiligen sich ja nicht mehr an Industrieunternehmen. 
Die Frage ist, ob das nicht auch ein Thema für den Bundeswirtschaftsminister ist.

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