Montag, 16. Januar 2017

Trump in BILD und Times - was ist die Botschaft an uns?

Mit dem Trump-Interview ist Kai Diekmann kurz vor seinem Ausscheiden bei Springer ein echter Scoop gelungen, das muss man ihm lassen. Gleiches gilt auch für Michael Gove von der ehrwürdigen britischen Times. Dort liest man übrigens - anders als bei BILD - das Original-Interview kostenlos, wenn man sich registriert.
Nun feiert sich BILD erwartungsgemäß über die Maßen: "BILD-Interview bewegt die Welt."
CNN durfte Trump nicht fragen, BILD und Times durften. Eine selektive Auswahl, die sicherlich andere Medien vor Neid erblassen lässt.
Aber was sagen uns die Inhalte?

Nun, ich habe mir die ausführliche englische Komplettfassung in der Times durchgelesen.
Interessant zunächst das dazu veröffentlichte Bild mit einem überladenen Schreibtisch, wie man ihn eher bei Redakteuren vermutet. Trump mag Ordnung, sagt er. Aber sein Schreibtisch sieht nicht danach aus.
Vielleicht war das Absicht. Es soll vielleicht den Berg von Arbeit vermitteln, der auf den künftigen Präsidenten Amerikas wartet. Vielleicht sieht seine Politik so aus. Das wäre die üblere Variante.

Dann das Interview. Immer die gleiche Masche: Alles was Trump kritisiert, ist eigentlich "great". Merkel ist great, sie hat nur den einen "katastrophalen Fehler" gemacht, illegale Flüchtlinge ungeprüft ins Land zu lassen. die Nato ist great, nur sollte sie von allen 22 Mitgliedsländern und nicht von fünf finanziert werden. Germany is great, aber sein Handel mit Amerika ist unfair. Mexiko ist great, aber wenn BMW dort Autos für den Export nach USA baut, soll es 35 Prozent Einfuhrzoll bezahlen. Alle sind great, nur Amerika noch nicht, das soll ja erst kommen.
Das hat irgendwie System. Die besten Deals macht man, wenn der Dealpartner - ob Freund ob Feind - verunsichert ist. Trump sieht sich als Kartenspieler, der seine Karten nicht aufdeckt, auch um zu bluffen.
Nato obsolet, Importzölle für deutsche Autos, Iran-Abkommen als "worst deal ever", "katastrophale Flüchtlingspolitik" - alles Schlagworte, die es in die Headlines der Medien schafften. Und dann ist Merkel a "great, great leader". Die Nato keineswegs obsolet, nur falsch finanziert. Der Brexit ist great und er ist stolz darauf, ihn vorausgesagt zu haben, aber den Namen der neuen Premierministerin hat er nicht parat. Den von Juncker schon gar nicht.

Mit diesem Interview hat Trump sich nicht offenbart, sondern nach seinem Wahlkampf eine erste Einschüchterungsrunde aufgemacht. Das allgemeine Erschrecken ist groß. So wird dann alles, was nicht durchgesetzt werden kann, Erleichterung auslösen. Gut für die Börse.

Je konkreter seine Ankündigungen sind, desto mehr Widerstand wird sich regen. In den USA, aber auch weltweit, vor allem in China und in Europa. Trump wird den Gegenwind bald zu spüren bekommen. Auch aus den eigenen Reihen.

Was bleibt als beste Botschaft dieses Interviews? Eindeutig die Bekämpfung des IS. Die bisherige Nahost-Politik der USA war ein einziges Desaster, da hat Trump völlig Recht. Hier wird es ohne Kooperation mit Russland und den Europäern nicht gehen.
Wie er es besser machen will, wird man sehen. Die Zeit der Ankündigung von Aktionen ist für ihn beendet. Ein Kartenspieler legt eben seine Karten nicht offen.

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