Freitag, 31. März 2017

Der Brexit wird eine Erfolgsgeschichte

So langsam haben sich alle ausgeheult über die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen. Da wird gewarnt, spekuliert über Kosten, gerechnet. Firmen überdenken ihre Strategien, Londoner Banken machen sich auf den Weg nach Frankfurt - und in Frankfurt steigen die Mietpreise.

Ich finde solche epochalen Ereignisse erst einmal höchst spannend. Die Welt wird durch diesen Schritt nicht untergehen, das Abendland auch nicht und Europa bleibt Europa. 60 Milliarden Kosten für die Engländer? Ein lächerlich niedriger Betrag. Geschenkt angesichts der viel höheren Beträge, die europäischen Krisenländern gezahlt wurden. 60 Milliarden - so hoch ist die Obergrenze der EZB-Anleihenkäufe - monatlich wohl gemerkt.

Im Gegenteil, vielleicht hat der Brexit enorm viel positives Potential. Er bringt neue Dynamik in die britische und resteuropäische Wirtschaft, er bringt zusätzliches Wachstum für alle Beteiligten. Denn es muss ja jetzt alles alles vorbereitet werden. Goldene Zeiten für Anwälte und Berater. Innovative Anstöße für Problemlösungen. Und so weiter.

Das britische Pfund ist ja nie abgeschafft worden, also da ändert sich für Unternehmen schon mal nichts außer der Abwertung des Pfundes, das 2016 etwa 16% gegenüber dem Dollar verloren hat. Mit Auf- und Abwertungen können Exportunternehmen umgehen. Man kann sich absichern. Unternehmen haben die Fähigkeit, sich an veränderte Marktbedingungen anzupassen. Seit der Brexit beantragt ist, wissen die Manager Bescheid. Jetzt noch darauf zu setzen, dass der Brexit rückgängig gemacht wird, wäre für alle betroffenen Unternehmen fahrlässig. Also werden alle Aktivitäten, die mit dem Vereinigten Königreich zu tun haben, auf den Prüfstand gestellt. Das wird allen Unternehmen gut tun, es lassen sich Effizienzen verbessern, Strukturen überarbeiten, Geschäftsmodelle entwickeln und mehr.
Am wichtigsten wird die Frage der freien Arbeitsplatzwahl innerhalb Europas sein. Hier machen sich insbesondere die polnischen Freunde Sorgen, dass sie das Land verlassen müssen. Es wird nicht so kommen, sie sind begehrte Arbeitskräfte, vielleicht müssen sie neue Formulare ausfüllen, aber das ist es dann auch. Die Einreise für Immigranten aus nichteuropäischen Ländern werden die Briten indes massiv erschweren, das war schließlich für viele Briten das wichtigste Motiv für den Brexit.

Es wird interessant sein, wie alle in Europa geltenden Regeln, die durch den Austritt für Großbritannien nicht mehr gelten, ersetzt oder gestrichen werden.  Man wird dann erst einmal den Irrsinn bilanzieren, den die europäische Gesetzesflut über die Jahre heran geschwemmt hat - zum Verdruss vieler Bürger und Unternehmen.

Und da sind wir bei den Folgen für Europa. Wenn Europa nicht auseinander brechen soll und die Populisten ferngehalten werden sollen, dann muss es gründlich reformiert werden. Weniger Gesetze, weniger Bürokratie, angemessene Gehälter, demokratische Gesetzgebungsprozesse - um nur einige Beispiele zu nennen. Es muss nicht alles vereinheitlicht und gleich geschaltet werden, lasst Europa seine Vielfalt. Europa ist nach wie vor ein Friedensprojekt. Die Regulierung der Wirtschaft ist zweitrangig. Frieden und Sicherheit, das sind die eigentlichen Pfeiler, die Europa bieten kann, wenn alle an einem Strang ziehen. Und genau hier wird sich Großbritannien nicht davon machen, denn die europäischen Sicherheitsinteressen sind immer auch die Sicherheitsinteressen des Vereinigten Königreichs.
Der Brexit wird eine Erfolgsgeschichte, für alle Europäer. Versprochen!






Freitag, 24. März 2017

Ohne Reichtum wäre eine Gesellschaft arm

Irgendwie verstehe ich nicht, warum soviel auf den Reichen herumgehackt wird. Was wäre die Welt ohne die Reichen? Langweilig!
Die reichen Fußballer, die Jackpot-Gewinner, die Stifter, die Forbes-Milliardäre. Was wären die Medien ohne sie?
Große Schlagzeile letzte Woche: Susanne Klatten und Stefan Quandt erhalten 1 Milliarde Euro an Dividenden aus ihrer BMW-Beteiligung. Ist ja der Wahnsinn. Aber wer fragt eigentlich, was sie mit dem Geld machen? Sie machen daraus sicher keine Goldbarren, die in irgendeinem Keller lagern. Sie investieren. Reiche investieren immer. Stefan Quandt hat zum Beispiel den Dresdner Solarpionier Solarwatt und damit viele Arbeitsplätze gerettet.  Susanne Klatten hat mit ihrer Beteiligung an SGL-Carbon eine deutsche Industrieperle gerettet, die ohne sie entweder ins Ausland verkauft oder in den Abgrund gefahren wäre.
Wenn Reiche ihr Vermögen erhalten wollen, müssen sie investieren. Sonst verlieren sie Geld.
Investitionen schaffen Arbeitsplätze. Viele Reiche gründen Stiftungen, die gemeinnützige Zwecke verfolgen. Steuervorteile spielen dabei keine Rolle. Es geht entweder darum, die Kontrolle des Unternehmens über eine Stiftung zu sichern (siehe Bertelsmann) oder der Gesellschaft etwas zurück zu geben.
Mark Zuckerberg und Bill Gates spenden fast ihr gesamtes Vermögen dafür. Was sollen sie auch sonst damit machen. Aber lasst doch mal das Herummäkeln daran! Ist doch Klasse, was die machen.
Der Fußballer Ronaldo hat seine Werbeeinnahmen in British Virgin Islands deponiert, wie Fußball-Leaks heraus gefunden hat. Es hat niemanden aufgeregt, und das ist gut so. Irgendwann muss Ronaldo das ganze Geld investieren. Soviel Geld kann man gar nicht verprassen. Vielleicht kauft er damit einen Fußballverein. Vielleicht baut er sich von dem Geld eine Luxus-Yacht wie der Schrauben-Unternehmer Würth. Der hat sich eine in Holland bauen lassen und dort viele Arbeitsplätze gesichert. Dafür wurde er hier wüst beschimpft. Eine Luxus-Yacht, na so was.

Rund 8.4 Millionen Bundesbürger spielen Lotto.  Warum wohl? Sie wollen reich werden. Ein Traum, der selten wahr wird, aber manchmal eben doch.
Der alte Flick wurde mal gefragt, ob er eine Dividende von 60 Millionen D-Mark nicht mal ans Volk verteilen wolle. Er sagte sinngemäß, er sei dazu gerne bereit, jedem Deutschen einen Anteil zu vermachen. Eine Mark pro Bundesbürger. Davon hätte sich jeder ein Eis kaufen können. Stattdessen konnte Flick das Geld investieren - viel sinnvoller!

Ach ja, es geht doch um die "wachsende Schere zwischen arm und reich".  Die Statistiken sind unter Fachleuten höchst umstritten. Es macht aber wenig Sinn über die Zahlen zu diskutieren, die Armutsberichte veröffentlichen, denn das hilft den Menschen, die arm sind, nicht. Ja, es gibt Armut, und ja, darum muss sich die Gesellschaft kümmern. 50 Prozent unserer Bevölkerung leben von staatlichen Transfers. Die andere Hälfte finanziert das letztlich mit ihren Steuern, einschließlich der Sozialleistungen an arme Menschen.

Wir werden die Armut aber nicht dadurch abschaffen, dass wir die Reichen außer Landes verweisen.
Das Problem ist die permanente Gegenüberstellung von arm und reich. Was bringt es, wenn das Gehalt eines Vorstandsvorsitzenden als Vielfaches eines Arbeitnehmergehalts dargestellt wird? Es erzeugt Neid, sonst nichts. Und was ist damit gewonnen? Gleichheit ist nicht gerechter als Ungleichheit! Gleichheit ist das Schlimmste, was einer Gesellschaft passieren kann. Sie wirkt demotivierend. Sie bremst die Innovation, sie bremst Kreativität, sie macht abhängig. Und sie macht das Leben langweilig.

Ich bin dafür, dass jeder so viel verdient, wie er kann. Und so reich wird, wie er sein möchte.





Dienstag, 21. März 2017

Trump und das FBI

Der FBI Chef James Comey wird wohl nicht mehr lange das FBI leiten, so wie er Donald Trump gestern blamiert hat. Mutig von ihm, aber wird Trump über dieses Thema stolpern? Es könnte sein.

Es geht ja um zwei Vorgänge:

  1. Wurde Trumps Wahlkampfteam im Auftrag Obamas abgehört? Das FBI sagt, anders als Trump, nein.
  2. Hatte Trumps Wahlkampfteam Kontakte zu russischen Geheimdiensten? Das FBI hat Anhaltspunkte und ermittelt.
Ich frage mich, ob beides zusammenhängt und warum keiner das schreibt. 
Aus der Sicht des US-Präsidenten könnte das Abhören von Leuten wie dem zurück getretenen Sicherheitsberater Michael Flynn nämlich als Abhören seines Wahlkampfteams interpretiert werden. 

Zitat Tagesschau.de: "Wochen vor dem Amtsantritt Donald Trumps, telefonierte Michael Flynn, der designierte nationale Sicherheitsberater des künftigen Präsidenten mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak in Washington. Ein brisanter Inhalt des Gesprächs: die gerade von Präsident Obama verhängten Sanktionen gegen Russland. Offiziell hatte Flynn behauptet, die Sanktionen seien kein Thema gewesen. Aber Geheimdienste hatten mitgehört."

Das Vertrackte für Trump ist jedoch, dass seine Abhörbehauptung nur dann funktioniert, wenn sein Wahlkampfteam tatsächlich mit Putins Leuten gemeinsame Sache gemacht hat. Dann wäre die Abhöraktion des FBI als Spionageabwehr gerechtfertigt, und der Vorwurf des illegalen Abhörens vom Tisch. Entscheidend ist also, was das FBI an Kontakten und deren Sinn beweisen kann. Das könnte Trump tatsächlich den Kopf kosten. Warten wir mal ab.

Waltraud Dust hat was gefragt...

... während einer Pressekonferenz mit Angela Merkel und Donald Trump.

Viel wurde schon dazu geschrieben. Die dpa-Journalistin stellte drei Fragen - ich zitiere hier den Berliner Tagesspiegel
"Von Merkel wollte sie wissen, für wie gefährlich die Kanzlerin die Abschottungspolitik des US-Präsidenten halte und an Trump stellte sie zunächst die Frage, ob die Schwächung von Europa durch "America first" nicht auch eine Gefahr für die USA sei, bevor sie das ganz schwere Geschütz auffuhr: "Warum machte Ihnen eigentlich Pressevielfalt so große Angst, dass sie so oft von ,Fake News' sprechen und dann selbst Dinge behaupten, die dann nicht belegt werden können wie die Äußerung, Obama habe sie abhören lassen?"

So weit so gut. 
Aber dass daraus ein solcher Hype wird, finde ich ein bisschen lächerlich. Ich nehme an, das war selbst Waltraud Dunz unangenehm. Aber vielleicht hat es am Ende doch was Gutes?

Der Chefredakteur von dpa, mein früherer Berliner-Morgenpost-Kollege Sven Gösmann, ich verstehe ihn ja, feierte seine Kollegin voller Stolz den ganzen Tag auf Facebook (obwohl sie zur Rheinischen Post wechselt). Der Online-Stern interviewt die "gefeierte Journalistin". Die "Heute Show" präsentierte die Frage als "Highlight des Tages". Amerikanische Medien loben die Fragestellerin. Der Spiegel twittert: "DPA-Kollegin @WaltrautDunz hat bei den US-Journalisten im Weißen Haus bleibenden Eindruck hinterlassen."

Meine Güte, wieso gehört Mut dazu, solche Fragen an Angela Merkel und Donald Trump zu stellen? Dass Trump die Fragen nicht wirklich beantwortet hat - naja, außer dass er kein Isolationist sei - wird ganz unwichtig, Hauptsache, eine tolle, mutige Frage gestellt.

Frau Dunz hat ihren Job gemacht. Sie hat nicht gefragt, um die Kollegen zu beeindrucken, sondern weil sie etwas wissen wollte. Sie selbst sagt dazu: "Wir stellen eigentlich keine Fragen, nur um zu provozieren. Wir wollen natürlich etwas erfahren."

Erfahren hat sie allerdings nichts, außer dem, was wir wussten. Dass Trump eben so ist wie er ist. Ein unhöflicher, ignoranter Lügenbold, der selbst Fake News produziert und den Medien Fake News vorwirft. Mal sehen, was das FBI und die bösen Medien noch so alles rausfinden.

Frau Dunz wird wahrscheinlich keine Fragen mehr an Trump stellen dürfen. Aber vielleicht tun sich für Sie durch den Auftritt viele neue Quellen auf, die Informationen zu dem liefern, was Frau Dunz erfahren will.  Dann hätte sich das Ganze gelohnt.
Allerdings hat sie ja nur Merkels Kanzleramtsmaschine für einen Ausflug nach Washington genutzt, und ihr neuer Arbeitgeber, die Rheinische Post wird sich wahrscheinlich einen Korrespondentenposten für sie in Washington nicht leisten können. Schade eigentlich. Sie sollte ab jetzt jeden Tag eine Frage an Trump twittern.






Donnerstag, 2. März 2017

Die ZEIT klärt auf: Faktencheck Martin Schulz

Heute erst las ich in der ZEIT vom 23.Februar  einen erhellenden Beitrag von Kolja Rudzo. Must read!
Der ZEIT-Autor ging der Frage nach, ob die Behauptung des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz stimmt, wonach es seit den Hartz IV Reformen immer mehr "prekäre" Arbeitsverhältnisse in Deutschland gebe. Darunter verstehe man befristete Arbeitsverträge, Minijobs, Leiharbeit und Solo-Selbstständige ohne Angestellte.
Die Fakten: Seit 2006 entstanden rund 1,5 Millionen unbefristete, sozialversicherungspflichtige, also "normale" Arbeitsplätze. Rechnet man Teilzeit über 20 Wochenstunden dazu, sind es sogar 2,7 Millionen. Schöner Nebeneffekt: Die Kassen der Sozialversicherungen sind randvoll.

Befristete Arbeitsverhältnisse gingen dagegen um 200.000 auf 2,5 Millionen zurück, Minijobs um 80.000 auf 4,8 Millionen und Solo-Selbtständige um 120.000 auf zwei Millionen. Lediglich die Zahl der Leiharbeiter stieg um 370.000 auf eine Million. Immerhin sind Leiharbeiter auch Vollzeitbeschäftigte.

Macht es da wirklich Sinn, die Agenda 2010 zurückzudrehen?

Die ZEIT zählt noch weitere Punkte auf, wie gesagt: Hier lesen und informieren, Herr Schulz!