Freitag, 23. Juni 2017

Merkels beste Frau: Ursula von der Leyen als Zielscheibe

Eine Allianz von Übelwollenden schießt sich auf Ursula von der Leyen ein. Eine Frau als Bundesministerin der Verteidigung, das scheinen viele nicht ertragen zu können. Erst recht eine populäre und begabte Politikerin, die das Zeug hat, Angela Merkel zu folgen. Da hat sich eine merkwürdige Allianz aus konservativen Militärs, linken Politikern und einigen Medien formiert, die Merkels bestes Pferd im Stall abschießen möchten, um im Wahlkampf Angela Merkel zu schwächen. Diese sehr durchsichtigen Angriffe werden angeführt von dem Vorsitzenden des Bundeswehrverbandes, Oberstleutnant Andre Wüstner. Er wirft der Bundesverteidigungsministerin in zahlreichen Medien vor, das Vertrauen zur Truppe "irreparabel zerstört" zu haben: Die BILD Zeitung zitiert ihn heute mit den Worten „Ja, die Bundeswehr befindet sich in einer Vertrauenskrise. Der Geist der Truppe hat Schaden genommen. Schaden genommen hat leider auch die politische und militärische Führung."

Anlass ist die Reaktion der Verteidigungsministerin auf rechtsradikale Tendenzen und das Ausmisten von teilweise immer noch präsenten Wehrmachtstraditionen. Dass einige Utensilien wie das Foto von Helmut Schmidt als Wehrmachtsoffizier  nicht in Kasernen hängen sollen, hat die Truppe besonders beunruhigt. Dass UvL ein Defizit an  "Haltung" ausgemacht hat, hat wohl besonders gesessen.

Medialer Vorreiter der Attacken ist Roland Tichy, der Merkel-Basher und Vorsitzende der Ludwig Erhard Stiftung, der auch das Magazin "Tichys Einblick"verantwortet. Die aktuelle Titelgeschichte musste ich zweimal lesen, um zu begreifen, dass der begabte Wirtschaftsjournalist Tichy persönlich die Titelgeschichte "Zerstörer Ursula" geschrieben hat - "Wie von der Leyen die Bundeswehr ruiniert". Angeklagt werden die von der Ministerin in einer Talkshow geäußerten Worte "Säuberungs- und Reinigungsprozess" , die im Netz schon von anderen heftig kritisiert wurden.
Daraus macht der Vorsitzende der Ludwig-Erhard-Stiftung eine aufgeblasene Geschichte, die voller Krokodilstränen und persönlicher Gemeinheiten steckt und den Untergang der Bundeswehr an die Wand malt.  
Tichy - ungedient übrigens - weist sich als fürsprechender Militärexperte aus, denn die Soldaten und Generäle seien ja "Beamte, die schweigen müssen".  So zitiert er dann einen israelischen Militärhistoriker, der geschrieben hat: "Das deutsche Heer war eine vorzügliche Kampforganisation." 
Damit liefert Tichy jedoch die Rechtfertigung genau für das, wogegen von der Leyen vorgegangen ist, die Wehrmacht ist und war nie ein Vorbild für die Bundeswehr.  Es stelle sich die Frage: "Ist die Bundeswehr tatsächlich ein Nazi-Haufen wie Ursula von der Leyen suggeriert oder ist.. von der Leyen mittlerweile ein Sicherheitsrisiko für die Bundeswehr und damit für Deutschland?" Als ob irgendjemand außer Tichy das so wahr genommen hat.  

Und dann kommen die persönlchen Gemeinheiten. Gleich im Vorspann heisst es über Ursula von der Leyen: "Die Ursachen sind in ihrer bitteren Familiengeschichte zu finden, die jetzt Heer, Luftwaffe und Marine mitreißt." ... "Neckisch schlägt sie die Zeltbahn zurück, um zu gucken, wie es sich so liegt im Zweimannzelt auf dem Boden. Immer ist sie im Mittelpunkt - und meistens starren die Mannschaften mit unbewegter Miene an ihr vorbei. Sie sind die Playmobil-Männchen, wenn die Ministerin durch ihren ganz privaten Spielzeugladen tobt und Flugzeuge gucken geht." 
An anderer Stelle heißt es:"Mutter Heidi Adele ist da keine große Hilfe, Röschen ist ein netter Pummel - zu dick befindet die Mutter. Essverbote sind häufig das Mittel der Wahl in Familien, in denen gertenschlanke Mütter mit dicken Mädchen geplagt sind.."

Schließlich darf ein unbekannter Sozialwissenschaftler namens Gerd Held noch einen Kasten dazu schreiben: "Die Kampagne gegen den ´Rechtspopulismus´wendet sich gegen die Institutionen der Republik". Jetzt zeige sich, "dass die Rechtspopulismus-Beschwörung eine verdeckte Stoßrichtung enthält: Sie wird zur Institutionen-Demontage. Der Angriff auf die Bundeswehr zielt auf den Kern der Republik." Und diese "Entwaffnung Deutschlands" geschehe zu einem Zeitpunkt, "da die militärischen Bedrohungen zunehmen...."

Das alles ist geballter Unsinn, der aber seine Wirkung nicht verfehlt, steter Tropfen höhlt den Stein. Ursula von der Leyen hat richtig gehandelt, aber offenbar in ein Wespennest gestochen. Seit die Bundeswehr eine Berufsarmee ist, fehlt ihr offensichtlich die Bürgernähe, die mit der Wehrpflicht verbunden war. Die Aufregung in der Bundeswehr, wenn es sie denn wirklich gibt, ist ein Symptom für Abschottungstendenzen, die es rechtzeitig zu verhindern gilt. Ursula von der Leyen hat hier offensichtlich nur die Spitze des Eisbergs aufgedeckt. Die Bundeswehr hat strukturelle Mängel, sie ist mit den vielen vom Bundestag veranlassten Auslandseinsätzen offensichtlich überfordert.  Wie die Zukunft gemeistert werden soll, ist bis heute nicht ersichtlich. Die Ministerin sollte tapfer weiter kämpfen, Loyalität einfordern und Reformen für die nächste Legislaturperiode anstoßen. Denksportaufgaben dieser Art helfen vielleicht den Generälen, sich mit den wirklich wichtigen Zukunftsfragen zu beschäftigen.





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