Dienstag, 26. September 2017

Einheitsfeier in Mainz: Was gibt es eigentlich zu feiern?

Am kommenden Wochenende feiert Deutschland die Wiedervereinigung, den "Tag der Deutschen Einheit" in Mainz, weil Rheinland-Pfalz den Vorsitz im Bundesrat hat. Wer in der Nähe wohnt, darf nicht mehr dort parken. Wer dort einen Laden besitzt, wird seit Tagen nicht mehr beliefert - Zufahrt gesperrt. Die Anwohner freuen sich nicht wirklich auf diese Feier, die den ganzen Innenstadtbereich wochenlang lahmlegt. Und vielleicht geht es dem ganzen Land so nach diesen Wahlen.

Selten war eine Feier vom Timing her so unpassend. Selten waren wir so wenig wieder vereinigt wie jetzt. Die Bundestagswahlen haben gezeigt, dass es in Ostdeutschland Tendenzen zur Entwiedervereinigung gibt. Dass die AfD in Ostdeutschland solche Zustimmungswerte und in Sachsen sogar die meisten Zweitstimmen erhält, ist eine Zumutung für alle Demokraten.

Die immer wieder gezeigten Fernsehbilder von ostdeutschen Dörfern vermitteln den Eindruck, als ob dort auf dem Land nur Hinterwäldler leben. Dabei haben auch dort die allermeisten Menschen Arbeit, und in den Städten ist einiges los. Leipzig hat im letzten Städteranking den zweiten Platz erreicht. In Sachsen ist die Arbeitslosenquote fortlaufend gesunken, im August waren es nur noch 7,8 Prozent. Selbst in Mecklenburg-Vorpommern, das den schlechtesten Wert hat, sind es nur noch 11,3 Prozent - soviel wie in ganz Italien. In Frankreich sind es 9,6 Prozent. Ostdeutschland liegt also in seinen strukturschwächsten Gebieten immer noch im  Durchschnitt unserer Nachbarländer.

Wieso wählen dann so viele die AfD? Der Spiegel berichtet in seiner aktuellen Online-Ausgabe über einen Ort namens Wilsdruff. 13.900 Einwohner, 10 Asylbewerber . Und 36 Prozent wählen die AfD. Nicht zu fassen. Sachsen hat die niedrigste Ausländerquote und die größte AfD-Wählerschaft.

Es gibt offensichtlich immer noch eine DDR-Nostalgie, die vergisst, wieviele Menschen der DDR-Diktatur zum Opfer gefallen sind. Diese Vergangenheit mit 700.000 Stasi-Spitzeln wurde ja nie aufgearbeitet, geschweige denn bewältigt. 
Bei einer Umfrage im Auftrag des MDR fragte Infas 2014 nach den "besonderen Stärken" der DDR. Die DDR punktete mit "Schutz vor Kriminalität"(66%), Gleichberechtigung von Mann und Frau (69%) und mit "Sozialer Absicherung" (75%). Lebensstandard. 

Viel Geld ist von West nach Ost geflossen. Das Dresdner Ifo-Institut hat den Netto-Transfer allein zwischen 1991 und 2013 auf 1.800 Milliarden Euro geschätzt. Dankbarkeit muss man dafür nicht erwarten. Aber wenigsten Vernunft statt Anti-Merkel-Geschrei.

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